Samstag, 12. März 2011

Erasmus - eine Rekapitulation

Und? Wie war es in Burgos? Ich weiß nicht, wie oft ich diese Frage schon mit kleinen Abänderungen gehört habe. Was soll man darauf antworten? Auf die Frage „Wie war’s?“ antwortet man ja meistens nur kurz. Aber wie soll man sechs Monate in eine kurze Antwort packen? Meistens antworte ich mich „gut“, aber es ist weder eine besonders ausführliche noch eine ganz richtige Antwort, aber irgendwie trifft es schon den Kern. Alles in allem, war es gut, es war auch anstrengend, teilweise frustrierend und total aufregend. Und selbst diese Antwort beschreibt das die letzten sechs Monate längst nicht angemessen.

Die Universität
Die Uni Burgos hat mir im Großen und Ganzen gut gefallen. Sie ist nicht groß, in fast jedem Kurs waren mindestens genauso viele Erasmus-Studenten wie Spanier, aber wir waren auch nie mehr als zwanzig Studenten pro Kurs (wobei ich gerade nicht weiß, wie viele wir in Sintaxis waren). Das war schon Luxus.
Die Klausuren fand ich auch besser. Es wurden nicht stumpf Fakten abgefragt, bei der man die eine richtige Information auf die passende Frage abrufen musste. Stattdessen mussten wir Texte schreiben, in denen wir das Thema erklären sollten. Da konnte man manchmal auch etwas drum herum reden. Ich habe mich mal wieder geistig gefordert gefühlt. Und schöner als Essen ist die Uni alle mal, sogar das Humanidades-Gebäude.
Die Größe der Uni hat dann aber auch zur Folge, dass die Bibliothek eine Katastrophe ist und es nur eine geringe Auswahl bei den Kursen gibt. Einen Bachelor-Studiengang „Spanische Sprache“ gibt es erst im zweiten Jahr und die Licenciatura (so was wie Diplom, Staatsexamen etc.) nennt sich Licenciatura de Humanidades, also Geisteswissenschaften, wo die Studenten zwischen verschiedenen Zweigen wählen können (z.B. Geschichte, Architektur oder eben Sprachen). Der Zweig Sprachen deckt dann aber nicht nur Spanisch sondern auch Französisch, Englisch, Latein und Altgriechisch ab...

Die Wohnung
Gefunden hatte ich sie über einen Aushang an der Uni und für ein halbes Jahr war sie voll in Ordnung: Das Zimmer war ziemlich groß, es gab Internet (meistens) und die Wohnung war nicht so teuer. Meine Mitbewohnerinnen waren auch nett (auch wenn ich mich oft über die üblichen WG-Dinge aufgeregt habe) und es war auch gut, dass ich spanische Mitbewohnerinnen hatte.
Auf der anderen Seite hätte ich aber auch ungern länger als ein halbes oder vielleicht ein ganzes Jahr in der Wohnung gewohnt, nachdem mir klar geworden ist, dass die schwarzen Punkte an der Balkontür Schimmel waren, ich den gesamten Winter gefroren habe und die Küche schlecht ausgestattet war.

Die Menschen
Im Endeffekt hatte ich dann mit den anderen Deutschen am meisten Kontakt. Wir haben eh oft zusammen in den Kursen gehockt und irgendwie ist man dann ja doch bequem und spricht Deutsch.
Die Spanier waren alle sehr hilfsbereit. Lara hat mich gleich am ersten Tag ihre Handynummer gegeben – falls ich mal Hilfe brauche. In El Amor en la literatura hat sich Cristina total viel mit Laura und mir beschäftigt, hat uns das spanische Reimschema erklärt, uns ihre Notizen geliehen und und und. Auch im Masterkurs haben die Studentinnen sich nett um mich gekümmert. Und im Bachelorkurs war vor allem Lourdes sich darum bemüht, uns Erasmus-Studenten zu integrieren. Das hat mich sehr gefreut, weil ich von anderen Erasmus-Studenten gehört hatte, dass die Spanier nur ein geringes Interesse daran hätten, Kontakt mit den Ausländern zu haben.

Was hat es dir gebracht?
Isabel meinte irgendwann einmal: „Ich glaube, dass niemand von uns so viel Spanisch gelernt hat, wie er wollte“. Damit hat sie Recht. Ich hatte eigentlich gehofft, nach dem Aufenthalt besser Spanisch zu können, als es jetzt tatsächlich der Fall ist. Aber gebracht hat es mit Sicherheit etwas. Ich habe auf jeden Fall neue Wörter gelernt und weiß jetzt, dass „fregar“ „spülen“ bzw. „wischen“ heißt, dass man Erbsen „guisantes“ nennt und dass man anstatt „estoy cansada“ auch „tengo sueño“ sagen kann (letzteres war der Standartspruch von Cristina und mir ;-)).
Aber ich habe auch „für’s Leben gelernt“. Ich habe gelernt, dass es möglich ist, mit einem Gasherd zu kochen, in einer Küche, die weder einen Pfannenwender noch richtige Topflappen hat. Die deutschen Standards sind schon anders als die spanischen. Da musste ich mich umgewöhnen, aber es ging. Wir sind teilweise echt verwöhnt in Deutschland. Man macht sich das nicht so klar, aber schon innerhalb Europas sind die Lebensstandards sehr unterschiedlich (Lisa hat eine spanische Freundin, die sich immer mit ihrer Schwester ein Zimmer geteilt hat).
Außerdem habe ich gelernt, wie sich Freundschaften verändern können. Unter uns Freundinnen, die in Spanien waren, hat sich das Band, glaube ich, verstärkt. Trotz der Entfernung und manchmal mangelhaften Internet. Uns hat so viel verbunden. Das ist eine wundervolle Erfahrung. Mit den Freundinnen in Deutschland hat es leider nicht so gut geklappt. Eine Freundschaft hat den Erasmus-Aufenthalt nicht überlebt.

Und jetzt?
Was kommt jetzt? Wie geht es weiter? Jetzt muss ich noch einmal zur Uni und die letzten Erasmus-Unterschriften holen. Dann auf das Transcript of Records warten und hoffen, dass mir alle Kurse angerechnet werden.
Ansonsten muss ich mich hier wieder einleben, Dinge organisieren, alte Freunde treffen, Zwischenprüfung machen, Umzugskisten auspacken... Das Leben geht weiter – ein anderes Leben als das in Spanien.

Donnerstag, 3. März 2011

Wieder in Deutschland

Seit fast einer Woche bin ich wieder in Deutschland. Es ist schon komisch. Das halbe Jahr in Spanien war zwar Realität und Alltag aber ganz anders als das, was ich in Deutschland habe und obwohl ich mich gefreut habe, zurück zu kehren, bin ich noch nicht so ganz wieder angekommen.
Es fing schon damit an, dass ich Lisa in Valladolid am Flughafen auf spanische Art mit Küsschen begrüßen wollte. Sie wehrte ab und sagte: "Ich bin keine Spanierin!" ;-)
Am Flughafen in Weeze hatte ich mich schon daran gewöhnt und bin Liko, die mit Deutschlandfahne und Lilly auf mich wartete, auf deutsche Art um den Hals gefallen. Papa, Liko und ich haben, bevor wir uns auf den Weg in unsere Weltmetropole gemacht haben, bei einem Grill in Weeze Mittag gegessen. Da lief ein Fernseher. Und die sprachen Deutsch! Das war so etwas von verwirrend.
Außerdem war das Drama, das in der Realität ablief, viel spannender. Ein Mann und eine Frau hatten Streit, der Mann warf daraufhin den Tisch um und stürmte aus dem Lokal. Besser hätte das auch nicht RTL hingekriegt. Später sahen wir das Paar dann wieder, wie sie sich küssten und sie einen Strauß Tulpen im Arm hatte.

Zuhause habe ich mich dann gefreut, Mama und Mirjam wieder zu sehen. Ich hoffe auch, bald einige meiner Freundinnen treffen zu können, die ich "zurückgelassen" habe. Einige Essener Kommilitonen habe ich schon überrascht. "Du bist wieder da???" Ja, das bin ich. Zumindest körperlich. Innerlich bin ich immer noch überrascht, die Leute in der Bahn auch dann zu verstehen, wenn ich nicht zuhöre, oder nachmittags um drei einkaufen zu können (Ist jetzt nicht Siesta?).

Und so langesam wird klar, dass die Zeit in Spanien vorbei ist... Dazu passt gut ein Zitat aus edm dritten Herr der Ringe Film (Herr der Ringe-Zitate passen immer ;-)): "How do you pick up the threads of an old life? How do you go on... when in your heart you begin to understand... there is no going back?" Ich fühle mich ein bisschen wie Frodo, als er aus Mordor zurück nach Beutelsend gekehrt ist. So viel ist in den letzten Monaten passiert. Ich habe das Gefühl, länger als ein halbes Jahr weggewesen zu sein.

Mit dem Ende des Erasmus Semesters endet auch dieser Blog. Ich werde noch einen Beitrag schreiben als eine Art Rekapitulation der letzten sechs Monate, aber sonst bleibt mir nicht mehr viel zu schreiben. Ich hoffe, euch hat diese Art der Berichtserstattung gefallen, wenn ich Mails oder Briefe geschrieben hätte, wären die mit Sicherheit weniger detailliert ausgefallen. Dankes für's Lesen.

Donnerstag, 24. Februar 2011

Santander und Segovia

Das letzte halbe Jahr ist doch ziemlich schnell rum gegangen, oder? Ich kann es kaum glauben, aber übermorgen Vormittag fliege ich nach Deutschland zurück. Vorgestern ist mein Vater in Burgos angekommen, um mich nach Hause zu begleiten. Mission RAA (Rut-Abhol-Aktion), wie Mama es nennt, hat begonnen.
Sonntag bin ich mit meiner Hausarbeit für "El Amor en la Literatura" fertig geworden. Montag hatte ich daraufhin Langeweile und habe gepackt. Dienstagmorgen war ich an der Uni und habe den Stempel bekommen, der das Ende meines Erasmus-Aufenthalts bestätigt. Erstaunlicher Weise musste ich nichts vorzeigen, das bewies, dass ich tatsächlich noch etwas für die Uni tun musste im Februar (eigentlich hat das Sommersemester bei denen ja schon im Februar angefangen). Entweder die Relaciones Internacionales vertrauen uns, oder es ist ihnen egal, dass wir das AAA betrügen könnten (wenn man vor dem 15.2. abreist, kriegt man kein Geld für Februar, aber wie gesagt, wenn man alles auf Anhieb besteht und keine Hausarbeit schreiben muss, ist man vor dem Termin fertig).
Dienstagnachmittag habe ich mich dann mit Papa getroffen und wir haben meine Koffer neu gepackt. Es ist alles erstaunlich gut gegangen (sogar der Schlafsack und die Wolldecke hat gepasst). Jetzt habe ich noch drei Kilo in dem einem Koffer frei für Bettwäsche, Schlafanzug und Kulturtasche. Und Papa hat auch noch etwas Platz in seinem Koffer. Da das mit dem Packen so schnell ging, hatten wir die Tage gestern und heute "frei" und haben noch ein bisschen das Land erkundet.

Gestern waren wir in Santander. Das ist eine Küstenstadt am Atlantik. Sie liegt in der Comunidad Cantabría. Papa wollte von an den Atlantik und ich war auch noch nicht da. Außerdem liegt sie fast direkt "über" Burgos. Man muss erst ein Stück nach Westen fahren und dann "geradeaus" nach Norden. Bei den reicheren Spaniern ist die Stadt im Sommer sehr beliebt als Badeort (oder zumindest war sie das früher) und ich glaube, die Hälfte aller Erasmus-Studenten aus Burgos war auch schon da. Zumindest hatte ich das Gefühl, dass um mich herum öfter mal überlegt wurde, dahin zu fahren. In Papas Michelin-Reiseführer wird die Stadt hingegen kaum erwähnt.
In Santander angekommen haben wir als ziemlich erstes ein sehr imposantes Gebäude gesehen. Die Banco de Santander. Kennt man auch in Deutschland (jedenfalls gibt es in Essen eine). Wir haben auch recht schnell die Touristen-Information gefunden und uns einen Stadtplan besorgt. In der Innenstadt gibt es einige schöne Gebäude, aber sooo sehr vom Hocker gerissen hat und das nicht. Es war aber interessant zu sehen, dass die Banco de Santander mehr her machte, als das Rathaus.

















Wir sind dann weiter zur Península de la Magdalena gefahren. Auf einem Hügel steht ein ehemaliger Sommerpalast von einem spanischen König vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Palast erinnert ein bisschen an Die Jane Austen-Bücher, fand ich. Von dem Hügel aus hatte man auch eine gute Aussicht über das Meer, zwei Leuchttürme und die Stadt. Papa meinte am Ende, manchmal müsse man sich doch abseits der Routen des Reiseführers bewegen.














Von der Península de la Magdalena aus sind wir weiter zu einem Dünen-Park gefahren. Der lag direkt am Strand. Aber weil der Himmel schon den ganzen Tag bewölket war und ein kalter Wind wehte, haben wir nicht mal die Schuhe ausgezogen, sondern sind einfach so am Strand entlang gegangen. Da haben wir einige äußerst interessante Muscheln gefunden.











Heute waren wir in Segovia. Das ist eine sehr alte Stadt in Castilla y León, die schon recht früh in der Geschichtsschreibung erwähnt wird, weil die Römer die Stadt besiegt haben (laut Beschreibung auf dem Stadtplan). Von denen stammt auch das Aquädukt, das noch ziemlich lange in Betrieb war.
Die Stadt ist sehr schön (schöner als Santander), mit engen Gässchen, alten Häusern und momentan schneebedeckten Bergen ringsherum. Und mit einem sehr merkwürdigen Parkhaus: Man fährt sein Auto ein einen Aufzug, steigt aus und das Auto wird mit dem Aufzug nach untern transportiert. Wenn man es wieder haben will, wird es wieder nach oben befördert. Aber fragt mich nicht, wie die Maschine erkennt, welches Auto das geforderte ist...
Vom Parkhaus aus war es nur ein kurzes Stück bis zur Plaza Mayor, wo heute Markt war. Wir sind zuerst in die Kathedrale gegangen, eine Mischung aus Gotik und Renaissance. In der Kirche war es zum ersten Mal so, dass Papa günstiger rein kam als ich! (Senioren kriegen da Rabatt, Studenten aber nicht). In der Kathedrale war es eiskalt, im Kapitelsaal auch, wir haben uns schon gefragt, wie die Mönche das damals ausgehalten haben. Ich bin ja der Meinung, sie haben sich untergehakt und geschunkelt. Papa geht eher davon aus, dass zumindest die wichtigeren Leute, einen Pelz umhatten.
















Als nächstes sind wir zur Alcázar gegangen. Das ist ein richtiges Märchenschloss, könnte auch aus einem Disney-Film kommen. Der Palast ist auch richtig gut erhalten. zum Teil sieht man auch maurischen Einfluss. Es wurden Ritterrüstungen und Wandbehänge ausgestellt. In einem Raum war auch ein Himmelbett mit roten Vorhängen. Das müssen die Bewohner aus Hogwarts entführt haben! ;-)
Papa und ich sind auch auf einen der Türme gestiegen. 152 Stufen. Es wurde schon zu Beginn gewarnt, dass Leute, die gesundheitlich nicht so gut zurecht sind, es lieber lassen sollten. Wir sind oben angekommen und hatten von da eine tolle Aussicht. Auf dem Weg runter kamen uns zwei oder drei ältere Ehepaare entgegen und die Frauen krochen fast auf allen vieren die Treppe hoch. Vielleicht hätten die es besser gelassen. Allerdings wirkte die Treppe zuerst gar nicht so schlimm. Die ersten 50 Stufen waren noch nicht mal Wendeltreppe. Danach ging es dann aber in einer engen Wendeltreppe hoch und nach all den Jahren sind die Stufen schon etwas abgetreten.
Zum Schluss sind wir näher an das Aquädukt herangegangen. Es führt mitten durch die Stadt. In Segovia war es heute richtig schön warm. Zumindest in der Sonne. Ich konnte teilweise im T-Shirt rum laufen und bin dann immer von Sonnenschein zu Sonnenschein gehuscht, weil es im Schatten noch sehr kalt war.














Sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg haben wir ganz viele Storchennester auf Kirchtürmen gesehen und meistens saßen auch die Störche drin. Noch immer rufen die Störche bei mir die Assoziation "Esto es Trujillo" hervor. Es war zwar nicht direkt die erste Spanischstunde, aber eine der ersten und die erste Seite in unserem Buch. Verrückt, was für Dinge, einem in Erinnerung bleiben. Ich hatte vorher noch nie Störche mit Spanien assoziiert und ich kann mich auch nicht daran erinnern, vor meinem Erasmus-Aufenthalt schon mal einen echten Storch gesehen zu haben...



Eine lustige Gemeinsamkeit von Santander, Segovia und Burgos ist übrigens, dass alle drei Kulturhauptstadt 2016 werden woll(t)en. Santander steht nicht mehr zur Debatte, aber Segovia ist wie Burgos noch im Rennen.

Heute Abend (nachdem ich Papa - nach etwas Skepsis - für das Pecaditos begeistern konnte) habe ich noch eine schöne Entdeckung gemacht: Der Arco de Santa María ist wieder sichtbar! Nachdem sie ihn in den letzten Monaten tüchtig geschrubbt haben, ist das Gerüst jetzt weg und er ist unglaublich sauber. Das muss ich mir morgen noch mal bei Tageslicht ansehen. Ich bin schon etwas wehmütig, dass ich diese Stadt jetzt verlassen muss...

Samstag, 19. Februar 2011

Burgos putzt sich raus

Oder: Wie sich eine Stadt verändert

Nach einem halben Jahr in Burgos lassen sich schon Veränderungen der Stadt erkennen. Die meisten hängen sicherlich auch mit dem Versuch, Kulturhauptstadt 2016 zu werden, zusammen.
Momentan sind überall in der Stadt Baustellen. Die Straßen werden aufgerissen, ich weiß nicht, ob da Rohre verlegt werden oder der Belag einfach nur erneuert wird, und Gebäude werden eingerüstet. An der "Avenida de Valencia del Cid" basteln sie jetzt schon herum seit ich hier bin, und es wird, meiner Meinung nach, nicht besser. Zwei weitere Nebenstraßen zur Calle San Pablo werden gerade ebenfalls bearbeitet.
An anderen Baustellen waren die Bauarbeiter aber sehr fix. Der Platz vor der Kathedrale ist innerhalb von kurzer Zeit komplett erneuert worden. Die Statue des kranken Pilgers ist vor den Bauarbeiten umgezogen und steht jetzt auf einer Art Terrasse, wenn man an der Kathedrale vorbei, die Stufen in den höher gelegenen Teil der Stadt steigt. Auch der Platz gegen über der Post ist in wenigen Wochen neu gepflastert worden. Bei den Baustellen ist mir aufgefallen, dass die Bauarbeiter den ganzen Winter durch gearbeitet haben. Auch als es schneite, waren sie, wenn auch nur eingeschränkt, auf der Baustelle aktiv.
Bei den Restaurierungen der Gebäude dauert es etwas länger. Mitte oder Ende Oktober ist der Arco de Santa María eingerüstet worden und steht seit dem immer noch grün verpackt rum. Es scheinen da zwar Leute zu arbeiten, aber es geht wohl nur langsam voran. Genauso sieht es in der Kathedrale aus. Seit ich hier bin, werden zwei Seitenkapellen und ein Teil des oberen Kreuzganges restauriert und sind dementsprechend gesperrt. Aber bei der Kathedrale insgesamt hat mal wohl schon viel geschafft. Lisas Freundin, die aus Burgos kommt, hat ihr erzählt, dass sie früher immer dachte, die Kathedrale sei schwarz. Die Außenfassade ist dann in den letzten Jahren ordentlich sauber gemacht worden.
Außerdem ist mir aufgefallen, dass im letzten halben Jahr mehr Hinweis-Schilder zu Museen und anderen Sehenswürdigkeiten angebracht wurden. Im November musste ich das Büchermuseum noch mit Stadtplan und Google Maps suchen. Inzwischen gibt es ein lila Schild, das die Richtung weist. Selbst von der anderen Seite sagt eine Werbetafel "Büchermuseum - da lang". Auch das Museo de la Evolución Humana ist jetzt besser ausgeschildert. Jetzt kann man den Weg auch finden, wenn man von hinten kommt. Die Aushänge der Busfahrpläne in der Innenstadt wurden auch erneuert. Ich würde sagen, Burgos ist bestens gerüstet für die "Burgos 2016" (was nicht ganz so cool klingt wie "Ruhr 2010" ;-))

Donnerstag, 17. Februar 2011

Landeskunde ;-)

Wenn ich überlege, ob ich genug neue Geschichten für einen Kurioses-Blogeintrag habe, fällt mir manchmal auf, dass Begebenheiten, über die ich schmunzeln musste, für die Spanier wahrscheinlich ganz normal sind, und ich sie streng genommen, nicht unter die Überschrift "Kurioses" setzen sollte (wie zum Beispiel die Sache mit den spanischen Namen). Dann gibt es Situationen, die ich zwar bemerkenswert finde, aber kein bisschen komisch, auch die passen dann nicht unter diese Überschrift.
Deswegen machen wir heute einen kleinen Ausflug in die spanische Landeskunde (keine Angst, ich erzähle nichts zu der Geschichte, zu Goyas Kunstwerken oder dem Louvre... Pardon, ich meine den Prado :-P).
Was natürlich immer lustig ist, ist die Bestätigung der Vorurteile, die wir Deutschen gegen die Spanier haben (oder auch umgekehrt, eine brasilianische Kölnerin, die ich hier kennen gelernt habe, schrieb letztens im Facebook. "Jetzt ist es raus: Die Deutschen sind bescheuert - Sie setzen sich bei einer Hochzeit auf dem Boden und rudern!").
Und welches Vorurteil haben wir (abgesehen von Siesta und Sangria)? Richtig, das Auto fahren. Die Italiener sind zwar noch schlimmer, aber die Spanier fahren hier manchmal auch wie bescheuert. Zebrastreifen werden mal beachtet, mal nicht und rote Ampeln sind ohnehin nur eine Empfehlung. Ich frage mich immer noch, wie es möglich ist, dass eine Ampel auf dem Weg zur Uni seit fünf Monaten ausgeschaltet ist. Bei einer vierspurigen Straße!
Parken ist auch so eine Sache. In der Einbahnstraße, an der u.a. "mein" Supermarkt und eine Sprachschule liegen, wird gerne in der zweiten Reihe geparkt. Das macht dann nicht nur ein Auto sondern gleich vier oder fünf. Manche Autofahrer bleiben im Auto sitzen und warten auf ihre Kinder, die aus der Sprachschule kommen, andere gehen einkaufen. Dann haben die Autofahrer, die brav in der ersten Reihe geparkt haben, Pech. Es kommt regelmäßig zu Hupkonzerten, bis sich jemand bequemt, den anderen rauszulassen. Heute kam auch ein LKW nicht durch die Straße, weil ein anderes etwas breiteres Auto in der zweiten Reihe geparkt hatte.
Was mich hier etwas stört, sind die Heizgewohnheiten meiner Mitbewohnerinnen (und nach dem, was ich von anderen gehört habe, machen das einige so). Im Normalfall wird nämlich nicht geheizt. Gas ist ja teuer. Also läuft man lieber den ganzen Tag im Bademantel über seinem Pulli rum. Ich glaube, ich habe noch nie so viel gefroren, wie in diesem Winter. Das Problem ist nämlich, wenn man die Heizung anstellt, wird die ganze Wohnung geheizt. Deswegen konnte ich nicht "heimlich" heizen. Ich hatte nämlich auch keine Lust auf eine Grundsatzdiskussion. Zumal das Heizen eh nicht so viel brachte. WENN dann nämlich mal die Heizung an war, habe ich trotzdem gefroren, weil es von Fenster eiskalt rein kam. Dieses Haus ist einfach mies isoliert. Irgendwann habe ich nur noch mit Schlafsack am Schreibtisch gesessen und schlafe jetzt auch jede Nacht mit Schlafsack und zwei Wolldecken (Federbetten gibt es hier auch nicht, meine Eltern wollten mir meins schicken, aber ich muss meinen Kram ja auch irgendwie wieder mit zurück kriegen ;-)). Aber das Heizen ist bei uns in der Wohnung wirklich teuer. Obwohl wir - meines Erachtens - die Heizung kaum an hatten, mussten wir fast doppelt so viel bezahlen wie im Septmeber/ Oktober. Über 100€ für zwei Monate und vier Personen, um Endeffekt also jeder knapp 27€ für zwei Monate, was voll okay ist, aber Daniela war total entsetzt über diese Heizkosten...
Gut finde ich aber die Regelung in den Bibliotheken, was passiert, wenn man ein Buch überzieht. In Deutschland muss man ja gleich Geld bezahlen. Hier wird man nur gesperrt. Pro Buch und Tag einen Tag Sperre. Ich habe drei Bücher einen Tag lang überzogen und konnte drei Tage lang nichts ausleihen. Das finde ich eigentlich ganz gut. Meisten (!) ist das in Deutschland eh nicht sooo teuer mit dem Gebühren und als "Bestrafung" ist die Sperre irgendwie wirksamer, finde ich. Blöd ist es natürlich nur, wenn man für jemanden anders etwas ausleiht und die Person das nicht zurück gibt. Das ist der Cristina passiert. Sie hatte für Laura (die Engländerin) ein Buch ausgeliehen und Laura hat es ganz lange nicht zurück gegeben. Und Cristina konnte die ganze Zeit nichts ausleihen. In den Freistunden montags habe ich ihr dann immer über meine Karte einen Laptop ausgeliehen (ja, die Uni-Bib Burgos verleiht Laptops - eins der wenigen guten Dinge), mit dem wir dann die Zeit rumgebracht haben.
Und ein letztens: Wenn jemand von euch mal nicht weiß, was er (oder eher sie ;-)) mit dem Weihnachtsgeld anfangen soll: Ab Reyes (6.1.) ist in Spanien "Rabajas". So was wie Winterschlussverkauf. Alles (vor allem Klamotten etc.) ist drastisch reduziert. Ich habe an manchen Schaufenstern gelesen, dass die bis zu 70% auf ihre Sachen hatten. Das Problem an der Sache ist nur, dass der Rabatt nur für die alte Kollektion gilt. Die neuen Sachen sind nicht runtergesetzt. Und die Klamotten sind dann natürlich auch schnell weg. Dabei geht die Rabatt-Aktiob bis Ende Februar, meine ich, jedenfalls habe ich heute noch ein Buch gekauft, das von Weihnachten noch um 5% runtergesetzt war. Bei den Büchern gibt es anscheinend nicht so viel Rabatt. Möglicher Weise müssen sich die Buchhändler hier auch an bestimmte Preise halten.

Dienstag, 15. Februar 2011

Kurioses III

Mir bleibt gar nicht mehr so viel Zeit hier, aber eigentlich habe ich noch so viele Ideen im Kopf, zu denen ich einen Blogeintrag schreiben könnte. Das Problem ist auch, dass ich diese Ideen schon länger hatte, aber nie Zeit dazu, sie aufzuschreiben und wenn ich dann einmal Zeit hatte, waren wichtigere Einträge dran. Deswegen sind einige der Begebenheiten schon etwas länger her.
Als ich zum Beispiel mit Alexandra irgendwann zwischen den Klausuren in der Stadt waren, lief in einem Geschäft ein Lied von Lena. Ich weiß nicht mehr genau, welches es war, ich glaube das, zu dem das Video gehört, in dem sie das Auto geklaut. Alexandra und ich konnten es erst kaum glauben, was wir da hörten, aber wir fanden es lustig, dass Lena anscheinend nicht nur mit "Satellite" im spanischen Radio läuft.
Als meinte Eltern in Burgos waren, haben wir wieder lustige Beispiele für missglückte Übersetzungen gefunden. Am Arco de Santa María ist ein Schild angebracht, auf der ein paar Informationen zum Tor stehen. Der Text ist auf Englisch und auf Französisch übersetzt. Mal ganz abgesehen davon, dass der spanische Text etwa doppelt so lang wie die Übersetzungen ist, haben die Spanier auch irgendwas falsch verstanden. Der englische Text behauptet nämlich, dass das Tor nach "Holly Mary" benannt wurde. Welche Maria die wohl meinen... Und als ich später mit Mama und Papa im Restaurant waren, haben wir auf der Speisekarte auch eine Delikatesse gefunden: Kichererbsen mit Hühneraugen. Leider hatten wir kein Wörterbuch dabei und konnten nicht gegen kontrollieren, was die Hühneraugen tatsächlich waren. Wir haben uns auch nicht getraut, die Kichererbsen zu bestellen. Wer weiß, welche teuflische Vorspeise dann gekommen wäre.
Und ein letztes noch, aller guten Dinge drin drei: Die Spanier scheinen süchtig nach Plastiktüten zu sein. Obwohl im Supermarkt ein Schild hängt, dass man an die Umwelt denken soll und nicht zu viele Tüten mitnehmen, kriege ich an der Kasse meistens zwei Tüten aufgedrängt, auch wenn mein Einkauf in eine Tüte passen würde. Jedes Mal ist es das gleiche Spielchen. Ich packe einen Teil meiner Sachen in eine Tüte, suche dann mein Geld raus, um zu bezahlen, die Kassiererin packt meinen restlichen Einkauf in eine zweite Tüte, die nimmt mein Geld an und sucht Wechselgeld in ihrer Kasse, in der Zeit packe ich die zweite Tüte wieder aus und alle meine Sachen in die erste. ;-)
Als ich noch Uni hatte und mit meinem Rucksack einkaufen ging, war es noch schlimmer. Die Frauen an der Kasse konnten nicht verstehen, dass ich keine Tüte wollte.
Es ist so, dass die Tüten hier umsonst sind. Vielleicht nehmen die Spanier dann deshalb so viele. Außerdem ist die Qualität mies. Manchmal haben meine Tüten schon einen Riss, wenn ich in der Wohnung ankomme. Und die ist nur wenige Meter vom Supermarkt entfernt. Da finde ich es doch irgendwie besser, fünf Cent für die Supermarkttüte zu bezahlen und dann eine Tüte zu haben, die man wieder gut als Mülltüte verwenden kann. Das machen wir mit den Tütchen von hier zwar auch, aber die eignen sich nicht so gut. Vor allem nicht, wenn sie schon einen Riss haben. Außerdem haben wir viel zu viele "Mülltüten". Ich weiß gar nicht, wohin mit denen allen.

Sonntag, 13. Februar 2011

Bilbao

Gestern war ich mit Alexandra in Bilbao. Mit dem Bus dauert das zwischen einer und eine dreiviertel Stunde und drei Stunden. Je nach dem welchen Bus man erwischt. Wir waren innerhalb von zwei Stunden da.
Um 12 Uhr sind wir also da angekommen, haben beim Busbahnhof einen kleinen Stadtplan bekommen und sind prompt bei der ersten Gelegenheit in die falsche Straße abgebogen. Dadurch hat sich aber Alexandra beim Bäcker was zum Frühstücken gekauft und wir haben einen Lidl entdeckt, bei dem ich, bevor wir zurück gefahren sind, eingekauft habe. Ich hatte nämlich vergessen, dass am Freitag zu machen und war mir nicht sicher, ob der Mercadona noch auf haben würde, wenn ich aus Bilbao zurück war.
Nach der ersten Verwirrung haben wir dann aber den richtigen Weg gefunden. Wir sind gemütlich zum Plaza Mayor gegangen (der ein großer Kreisverkehr mit Springbrunnen, Beeten und Bänken ist), haben auf dem Weg dahin einige schöne Gebäude, noch schönere Straßenschilder, eine Herz-Jesu-Statue und einen Sir Winston Churchill-Pub gesehen und einen Kaffee bzw. Tee getrunken.















Vom Plaza Mayor aus sind wir zum Guggenheim Museum angegangen. Das ist ein riesiges Gebäude aus Stein und Titanplatten, das eine leicht merkwürdige Form hat. Moderne Kunst eben. Das Museum liegt an einem Fluss, es gibt zwei Außenterrassen und die meisten Räume haben leicht gebogene Wände oder Decken. Eine Brücke, die über das Gelände des Museums führt, wurde einfach mit integriert. Die Stadt und die Kunst sollen in einander übergehen. Und erstaunlicher Weise hat auch noch keiner gewagt, die Skulptur, die außerhalb des Museums steht, mit Graffiti zu überarbeiten. Vielleicht liegt es auch daran, dass sie nach dem Herrn der Ringe niemand mehr an "Maman" heran traut...



Im Museum bekamen wir Studentenrabatt und einen Audioguide für 5€. Der Audioguide war wirklich nicht schlecht. Er erklärte dann auch, dass das schwarze Bild mit der weißen Ecke die bedrückende Situation in Spanien während Franco ausdrückt oder das die wilden gelben, blauen, weißen und grünen Pinselstriche auf einem anderen Bild die Villa d'Este darstellten... Mit modernen Bildern kann ich nicht so viel anfangen.
Interessanter fand ich die Video-Installationen oder Fotocollagen. Bei einer Installation liefen Sätze in rot über so ganz schmale elektrische Werbetafeln. Die Wand dahinter wurde blau angestrahlt. Auf der Vorderseite der Tafeln lief der Text auf Englisch und Spanisch, auf der Rückseite war es Baskisch, als Symbol dafür, dass es mal eine verbotene Sprache war. Eine andere Installation war in einem kleinen Kammer untergebracht. An den Wänden hingen ganz viele Schwarzweißfotos von Gesichtern. Von der Decke hingen Glühbirnen auf Kniehöhe herunter. Der Audioguide sagte, dass die Fotos daran erinnern sollen, dass unser Gesicht ein Mosaik unserer (toten) Verwandten sind (Augen von Mama, die Nase von Uropa, die Ohren von der Großtante usw.) Dann gab es auch Fotocollagen, zu denen Alexandra meinte: "Wenn ich Fotos sammele und die auf eine Plexiglasscheibe klebe, darf ich die dann auch hier aufhängen?"
Insgesamt haben wir mindestens zweieinhalb oder vielleicht auch drei Stunden im Guggenheim-Museum verbracht. Es war auch gut, den Audioguide zu haben, weil man sonst einen Großteil der Bilder nicht verstanden hätte, bzw. sich gedacht hätte: "Okay, da hat der Maler ein paar schwarze Striche auf ein rotes Bild gemalt."
Im Museum durfte man nicht fotografieren, aber hier kommen noch mal ein paar Eindrücke von außen.









Die Blumen hinter mir gehören zu einem Hund aus Stiefmütterchen.













Als wir aus dem Museum kamen, hatte ich totalen Hunger, aber leider hatten wir die Mittagsessenzeit verpasst und die Bars hatten entweder zu oder kein richtiges Essen. Ich habe mich also mit meiner Notfallbirne und ein paar Knabberstangen begnügt.
Wir sind noch ein wenig durch die Stadt gelaufen und kamen zu einem schönen Park. Es gab einen See mit Enten und Schwänen und ein Gehege mit einem Pfau. Außerdem war auf einem Hügel ein schönes Gebäude, eine Art lang gezogener, eckiger Pavillon oder ein Gang. Davor war ein Springbrunnen.

























Alexandra und ich

Um sieben Uhr fuhren wir zurück nach Burgos. Bilbao war schon schön. Das Wetter war zwar nicht ideal, bei Sonne wäre es sicher noch schöner gewesen, dann wären wir vielleicht auch noch am Fluss lang gelaufen, aber immerhin hat es nicht geregnet und im Park habe ich auch schon die ersten Blüten an einem Baum gesehen.
Lustig fand ich die zweisprachigen Schilder, weil Baskisch wirkliche keine Ähnlichkeiten mit dem Spanisch hat (zumindest in meinem Augen nicht). "Achtung" ("atención") heißt z. B. "kontuz" oder die öffentlichen Toiletten im Park ("aseos") wurden mit "komunak" ausgeschildert...

Mittwoch, 9. Februar 2011

Evolución humana

Ich war heute im Museo de la Evolución Humana. Das scheint hier ein Muss zu sein. Es haben mich schon mehrere Leute gefragt, ob ich schon drin war (manche sogar mehrmals). Keiner von diesen Menschen hat mich gefragt, ob ich in der Kathedrale war. Außerdem basiert Burgos sein Kulturhaupt-Motto darauf. R-evolución. Und an den Mittwochnachmittage ist der Eintritt frei (sonst kostet es für Studenten 4€). Genug Gründe, dieses Museum mal genauer unter die Lupe zu nehmen, auch wenn es sonst nicht so mein Thema ist.
Das Museum ist aber wirklich gut gemacht. Im Untergeschoss ging es um eine archäologische Ausgrabungsstätte in der Nähe von Burgos (Atapuerca) und erste menschliche Knochenfunde von da. In zwei dunklen Kästen wurden Knochen und Zähne irgendwelcher menschlicher Vorfahren gezeigt, die man in Atapuerca gefunden hat. Auf den "Dächern" dieser Kästen waren Bäume und kleiner Pflanzen nachgebildet, die man später aus der zweiten Etage dann in ganzer Schönheit betrachten konnte.
Das Erdgeschoss war größtenteils der Evolutionstheorie und Charles Darwin gewidmet. Es gab eine kleine Nachbildung von Darwins Schiff, die man betreten konnte (mein liebster Teil der Ausstellung - ich mag die Kultur eben doch lieber als das biologische Warum). Aber es wurde auch die klassische Genetik (mit den Fruchtfliegen und den Erbsen) und die Molekulargenetik erklärt. So ein Filmchen zeigte schematisch, wie die DNA-Polymerase über den DNA-Strang fährt, die Säuren kopiert und die messenger-RNA erstellt... Damit hätte man gut fürs Abi lernen können (und ich hoffe, ich habe beim Beschreiben jetzt keinen Fehler gemacht, oder dass keine Biologen das lesen :-D). DNA heißt auf Spanische übrigens ADN. Diese Erklärung der Molekulargenetik war Teil des Runterbrechens, was wir Menschen sind. Vom "Wir bestehen aus genetischer Information" bis zu "Wir sind Primaten". Außerdem konnte man eine riesige Nachbildung eines menschlichen Gehirns betreten, es wurden die Nerven erklärt und alle "Vorläufer" des Homo Sapiens wurden vorgestellt. Das Erdgeschoss fand ich am spannendsten.
In der ersten Etage ging es um Werkzeuge, die die ersten Menschen genutzt haben, warum sie anfingen, sie zu nutzen, welche Vorteile das hatte und dass dadurch ihre Gehirnkapazität größer wurde. Es gab ein paar Filmchen zur Höhlenmalerei und die Nachbildung der Siedlungen der Neandertaler. Das Ausstellungshighlight dieser Etage ist in den Augen der Museumsmacher wahrscheinlich ein runder Raum, in dem es stickig und heiß ist, und ist dem gezeigt wird, wie das Feuer unser tägliches Leben verändert hat: Es beginnt mit einem explodierenden Planeten, dann findet ein Höhlenmensch einen brennenden Stock und bringt den fröhlich grunzend mit nach Hause. Die Fackel entzündet dann eine Menge Kerzen, als nächstes wird eine Zündschnur entzündet, was wieder eine nette Explosion ergibt und zum Schluss hebt eine Weltraumrakete ab und es kommt hinten Feuer raus. Im Vergleich zum Erdgeschoss fand ich die erste Etage eher langweilig.
In der zweiten Etage war dann nicht mehr so viel los. In einem dunklen Raum wurde ein "Film über verschiede Ökosysteme" gezeigt. Sprich, es wurde eingeblendet "Der Regenwald" und man sah einen Orang-Utan in einem Baum sitzen. "Die Savanne" - ein Elefant... Also, ein bisschen mehr wurde natürlich schon gezeigt, aber es wurde nicht mehr kommentiert. Zum Schluss hieß es dann, dass wir Menschen ja nichts besseres zu tun hatte, als diese Lebensräume zu zerstören, der Bildschirm wurde dunkel und man hörte Autos. Das hatte immerhin noch eine Aussage.
Der Museumsshop war auch auf der zweiten Etage. Eigentlich hatte ich gedacht, man könne da Postkarten kaufen, weil im Museum das Fotografieren verboten war, aber gab es nicht. Vielleicht will auch keiner eine Postkarte von einem halben Gebiss oder einer blauen DNA-Polymerase verschicken... Stattdessen gab es alle möglichen Bücher zu Darwin, zur Steinzeit, zum Gehirn, zu Burgos, zum Jacobsweg, zum Kochen, zu Wein, zum Cid... sowie Bleistifte, Plastikdinos für Kinder, Plüschmammuts, Kinder-T-Shirts von dem Museum und ein merkwürdiges Musikinstrument, etwa so groß, dass es in eine Handfläche passt, mit einem Holzkörper und 5 Metallstreifen, die man irgendwie zum Schwingen bringen muss.
Mein erster Gedanke, als ich in den Laden kam und gemerkt hatte, dass es keine Postkarten gab: "Ich will ein Mammut als Kuscheltier!" Das habe ich dann aber doch nicht gemacht. Ich bin ja schon groß. Einen Moment lang habe ich mir überlegt "El Cantar de Mio Cid" als Comic zu kaufen. Das gab es auf Englisch und auf Spanisch. Aber die Figuren waren hässlich gezeichnet und der spanische Comic wäre ein Euro teurer als der englisch gewesen, da habe ich den aus Protest nicht gekauft.

Freitag, 4. Februar 2011

Der letzte Monat

Mein letzter Monat ist angebrochen. Die ersten Deutschen sind schon auf dem Rückweg. Isabel ist schon vor einer Woche geflogen, Camila heute, Anna fliegt am Sonntag... Es bleiben nicht mehr viele von denen, die nur ein halbes Jahr bleiben. Und für die, die verlängert haben oder von Anfang an ein Jahr geplant hatten, geht nach dem Wochenende die Uni schon wieder los. Am Mittwoch habe ich meine (hoffentlich) letzte Klausur geschrieben.
Das ganze war leicht chaotisch: Wir, Cristina und ich, die treuen Teilnehmerinnen von "El Amor en la Literatura", hatten mit ML ausgemacht, dass wir um halb elf schreiben würden. Weil ML am gleichen Tag eine Nachschreibklausur hatte, hat sie uns zusammengelegt. So weit, so gut. Allerdings begann die Nachschreibklausur schon um zehn und Cristina und mir wurde nur mitgeteilt, uns im Klassenzimmer 11 einzufinden. Als wir da ankamen, war der Raum besetzt (die Nachschreiber). Wir wollten die Klausur nicht stören, weil wir ja nicht wussten, dass wir mit den Nachschreibern zusammen schreiben sollten. Wir dachten, der Raum wäre doppelt vergeben worden.
Cristina hat im Büro nach von ML gefragt und ihre Hilfskraft meinte, wir sollten einfach klopfen und reingehen. Wir haben dann mit 15 Minuten Verspätung die Klausur angefangen. Aber hätte ML uns nicht einfach sagen können, dass wir um zehn kommen sollen? Die Nachschreibklausur bestand nämlich aus zwei Teilen und die Studenten hatten zwischendurch eine kleine Pause. Cristina und ich haben also gleich zwei Klausuren gestört: Den ersten Teil, weil wir 45 Minuten nach Beginn rein kamen (und uns mitten unter die anderen setzen mussten), und den zweiten Teil, weil wir eine halbe Stunde nach Beginn abgaben. Und die Nachschreiber haben uns gestört, weil sie zwischen den Teilen raus und wieder rein kamen. Und dieser ganze Stress wäre nicht mal nötig gewesen... Wir stehen kurz vor der Erfindung der E-Mail! Ansonsten war die Klausur aber ganz gut.

In gut drei Wochen fliege ich schon zurück nach Deutschland. Einerseits ist die Zeit hier recht schnell umgegangen. Andrerseits habe ich aber auch das Gefühl, ewig hier gewesen zu sein. Die Häuser, die Straßen... alles ist so vertraut geworden (und meistens denke ich inzwischen auch an die Siesta ;-)). Die Zeiten im Studentenwohnheim scheinen Jahrzehnte her zu sein.
Ob ich mich denn auf Deutschland freue? Ja, keine Frage. Ich war ein halbes Jahr nicht mehr zu Hause, so lange wie noch nie. Vielleicht liegt es daran, dass ich Weihnachten auch in Spanien gefeiert habe, jedenfalls kann ich es kaum abwarten zurück zu kehren. Ich vermisse meine Familie, meine Freundinnen und auch mein Englischstudium (ja, auch das Englischstudium). Außerdem habe ich langsam das WG-Leben satt und freue mich, dass ich in Essen bald eine kleine Wohnung für mich alleine habe.
Aber bin ich auch schon etwas traurig, dass es hier bald zu ende geht. Burgos ist eine wunderschöne Stadt und auch wenn die Bib hier nicht die beste ist, ist die Uni ganz gut. Es ist ein Luxus mit nie mehr als 20 Leuten in einem Kurs zu sitzen. Wahrscheinlich erschlägt mich Essen mit seiner Größe und den vielen Studenten in einem Raum erst mal (und in der Bib stehe ich dann wie Alice im Wunderland). Außerdem habe ich hier einige nette Menschen getroffen, die ich bestimmt vermissen werde (die Chaos-Dozentin vielleicht nicht unbedingt). Meine Mitbewohnerin Daniela jammert schon seit zwei Monaten, dass ich Ende Februar fliege.
Apropos Daniela: Sie macht eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin (oder einer Art Zahnärztin, so genau habe ich das nicht verstanden) und brauchte gestern ein williges Opfer, dem sie die Zähne putzen konnte. Ich bin ja ein netter Mensch und habe mich zur Verfügung gestellt. Daniela ist auch neu in Burgos und kennt außerhalb ihrer Klasse kaum jemanden. Wir sind also morgens um acht zu ihrer Schule, die irgendwie auch mit zu der Uni Burgos gehört, gegangen. Das Klassenzimmer ist zur Hälfte ein normales Klassenzimmer, aber hinten stehen sechs Zahnarztstühle. Daniela und ihre Partnerin haben sich meine Zähne angeguckt und schienen etwas enttäuscht, dass da nicht so viel war, was sie weg machen durften (ich nehme mal an Zahnstein). Sie haben es dann ganz gut gemacht, wenn sie sich nicht sicher waren, haben sie sofort die Lehrerin geholt. Allerdings müssen sie noch etwas üben, ihre Patienten nicht so nass zu spritzen. Mein ganzes Gesicht war feucht.
Lustig zu beobachten war, wie alle Schülerinnen vor der Stunde in ihre weißen Kittel schlüpften. Es gibt da eine Menge modischer Unterschiede: geknöpft oder mit V-Ausschnitt, tailliert oder nicht... Manche hatten auch schon weiße Hose, die sie anzogen. Außerdem wurde ich, bevor mir die beiden in den Mund geguckt haben, gefragt, ob ich schon mal beim Zahnarzt war und wie oft. Die Frage, OB ich schon mal bei einem Zahnarzt war, hat mich doch sehr verwirrt.

Donnerstag, 3. Februar 2011

Mamma Mia - oder: schöner Kronleuchter!

Ich komme gerade aus dem Teatro Principal, wo ich "Mamma Mia" als Musical gesehen habe. Es war klasse! Ich bin total gut gelaunt und habe wahrscheinlich die nächsten Tagen einen Ohrwurm von den Liedern.
Erst war ich unsicher, ob ich gehen sollte. Ich hatte das schon als Plakat gesehen und in dem kleinen Heftchen, das hier monatlich rauskommt und das ich im Januar im Hotel von Mama und Papa mitgenommen habe, in dem steht, was an dem Monat in Burgos so los ist, wurde schon Werbung für "Mamma Mia" gemacht, auch wenn es erst im Februar auf dem Programm stand. Ich habe mir dann letztendlich doch eine Karte gekauft, als Belohnung für die letzte Klausur, die ich heute hier geschrieben habe (hoffentlich die letzte :-D).
Ich habe die billigste Preiskategorie genommen und bin im "Paraiso" gelandet. So werden die Plätze ganz oben im Theater genannt. Zumindest die in den alten (spanischen und französischen) Theatern mit Rängen und so. Die Plätze befanden sich dann in der vierten Etage. Da oben war es furchtbar heiß, ich weiß nicht, ob das daran lag, dass wir ganz oben waren und die heiße Luft nach oben stieg, oder daran, dass das ganze Theater einfach überheizt war. Es war so warm, dass eine Frau hinter mir, in der Pause oben rum nur noch im Unterhemd da saß.
Erstaunlicher Weise hatte ich von meinem Platz aus noch eine recht gute Sicht auf die Bühne - und auf den Kronleuchter, den ich sogar von oben sehen konnte, weil er etwas tiefer hing, als ich saß. :-D Natürlich war mir ein Kopf im Weg und so ein komisches Geländer hätte auch nicht sein müssen, aber generell sieht man im Paraiso nicht unbedingt schlechter als von anderen Plätzen, auch wenn ein Mann neben mir lästerte, dass die Leute, die hinter uns säßen wahrscheinlich nur die Decke sehen könnten und das wir, wenn, wir uns zu viel bewegten, kopfüber aus dem "Paradies" stürzen würden...
Dann fing das Stück an und ich fand es toll! Am Anfang habe ich mich dabei ertappt, Vergleiche zwischen Film und Bühnenstück anzustellen, habe mich aber schnell zurecht gerufen, dass das doch nicht ginge. Schließlich habe ich den "Lion King" auch nicht mit dem Disney-Film verglichen. Das sind eben ganz andere Medien.
Das Bühnenbild hier war toll. Zwei griechische Hauswände mit blauen Türen, die nach Belieben gedreht und neu zusammen gestellt werden konnten und von beiden Seiten bespielbar waren. Dazu ein paar Möbel und fertig. Toll fand ich auch eine Frau, die eine schwarz gekleidete griechische Oma spielte. Leider tauchte sie nur zweimal auf und warf einmal beim Umbauen eine Kusshand ins Publikum.
Donna war klasse und meiner Meinung nach auch die beste Sängerin, Sophie war nicht ganz so gut. Sie sang sehr leise, ich habe sie kaum verstanden. Zuerst dachte ich, das Mikro wäre schlecht eingestellt gewesen, aber wenn sie sprach konnte man sie gut verstehen. Und ich war davon begeistert, wie beweglich die Tänzer alle waren. Es waren aber alle Schauspieler/ Tänzer mit sehr viel Körpersprache dabei. Mehr auch als bei Theaterstücken, in denen ich war. Auch wenn sie nicht wirklich tanzten, wirkten die Bewegungen und die Körpersprache wie ein Tanz. Da merkte man, dass man in einem Musical war.
Was mir auch auffiel, ich weiß nicht, ob das der spanische Touch der Inszenierung war, war, dass mehrmals auf den Stierkampf angespielt wurde. Irgendwann z.B. meinte Tante Rosie, glaube ich, dass sie früher zu Hochzeiten mit T-Shirts aufgetaucht wären, auf denen stand, "Die Ehe macht nur Spaß, wenn wir unserem Mann die Hörner aufsetzen!" und Tante Tanya hielt sich zwei Bananen an den Kopf und mimte den Stier, während Rosie den Torero machte.
Etwas gewöhnungsbedürftig war, dass der Stück auf Spanisch war. Ja, das ist eine große Überraschung, wenn man bedenkt, dass es in einem spanischen Theater aufgeführt wurde, aber ich meine, die hatten auch die Lieder übersetzt. Das hat mich dann auch davon abgehalten, mitzusingen. Aber es ist schon merkwürdig, wenn bei "Dancing Queen" diese Worte gar nicht drin vorkommen und es mit "A bailar/ A vivir" anfängt. Noch dümmer ist es allerdings, wenn die englischen Wörter im spanischen Text vorkommen - "Money Money Money/ Quiero pasta/ Para ser feliz". Das Beste waren aber die Namen von Sophies Vätern: Im Original heißen sie ja Sam, Harry und Bill. Im spanischen heißen sie Sam, Javi und Bruno. Kein Kommentar dazu.
Trotz allem sind die spanischen Übersetzungen besser als die deutschen (ja, es gibt auch deutsche Übersetzungen, ich nehme an, dass die in der deutschen Musical-Version gesungen wurden, auch wenn ich nicht drin war, aber ich habe sie mir auf Youtube angehört). Lieber "No malgastes emociones/ fija tu amor en mi" als "Leg dein Herz an eine Leine"... Soweit ich das simultan vergleichen konnten, drücken die spanischen Texte das gleiche aus wie die englischen nur weniger bildhaft. Die Zugabe "Waterloo" war dann allerdings auch auf Englisch. Da habe ich dann auch mitgesungen, auch wenn ich den Text nur halb kann. Bei dem Lied stand auch zumindest das halbe Paraiso (die andere Hälfte waren Omis, die zu ABBAs Zeiten wahrscheinlich schon zu der älteren Generation gehört hat und keine Standing Ovations leisten konnte).
Es war schon interessant zu sehen, was für ein Publikum da war. Eigentlich war es ein sehr gemischtes, aber ich hatte das Gefühl, dass um mich herum nur Omis über siebzig saßen (außer meinem linken Nachbarn). In der Pause habe ich Elise, die Amerikanerin, getroffen. Sie war mit ihrem Freund da, der kein Wort Spanisch kann, oder zumindest bei der Aufführung nichts verstand. Sie wirkte auch leicht irritiert wegen der spanischen Liedtexte. Eine sehr lustige Begegnung hatte ich auch auf der Toilette in der Pause. Elise und ich unterhielten uns und hinter Elise in der Schlange begann eine ältere Frau "Chiquitita" zu singen. Das war sehr süß. Es scheint also auch der Großeltern-Generation gefallen haben.

Dienstag, 1. Februar 2011

Mal ein bisschen Werbung machen...

Ich muss ja auch, irgendwovon leben... :-P
Nein, ernsthaft. Burgos bewirbt sich ja um den Titel der Kulturhauptstadt Europas und ist unter den letzten fünf. Jetzt haben sie ihre Facebook-Fans aufgerufen, ihr Logo zu veröffentlichen, wenn man eine Internetseite hat. Das tue ich hiermit dann mal.



Es wäre schon lustig, nachdem ich zumindest ein halbes Jahr lang in der Kulturhauptstadt Europas 2010 gelebt habe, sagen zu können, ich hätte schon in zwei Kulturhauptädten gewohnt. Eine französische Erasmus-Studentin hat schon vorgeschlagen, wir könnten uns in fünf Jahren wieder in Burgos treffen und ein Erasmus-Wiedersehenstreffen machen und dabei die Kulturhauptstadt feiern. Mal sehen, was daraus wird.

Donnerstag, 27. Januar 2011

Ein zweites Mal Salamanca

Vorgestern war ich ein zweites Mal in Salamanca. Camila und Isabel hatten ein Auto gemietet und mich gefragt, ob ich nicht noch mitkommen wollte. So ein Angebot schlägt man nicht aus.
Nachdem ich Montagnachmittag verzweifelt die Autovermietung gesucht (und nicht gefunden) hatte, habe ich abends einen letzten Versuch unternommen und habe sie mit Streetview gesucht. Das Problem an der Suche war nämlich, dass Google Maps einen anderen Standort angab, als die Internetseite von Avis. Auf die Idee Streetview zu nutzen, bin ich natürlich erst spät gekommen, als Lisa meinte, ich solle das mal machen. Ein Klick und man sah da, wo laut Google Maps Avis sein sollte nur Bäume und ein abrissreifen Haus. So viel dazu.
Dann hatte ich die Autovermietung aber doch noch im virtuellen Burgos gefunden und habe mir die Karte abgezeichnet. Außerdem wusste Camila ungefähr, wo wir hinmussten, und nachdem uns ein alter Mann erst in die falsche Richtung geschickt hatte, hatten wir gegen zwanzig nach neun das Auto.
Ich hatte die verantwortungsvolle Aufgabe, Camila mit der Wegbeschreibung aus dem Internet nach Salamanca zu lotsen, während Isabel noch ein Schläfchen auf dem Rücksitz hielt. Natürlich habe ich an einer Stelle gepennt und haben nicht mitgekriegt, dass wir die Autobahn hätten wechseln sollen. Wir sind dann einfach den Schildern nach Salamanca gefolgt und haben letztendlich nur nicht das Parkhaus gefunden, in dem wir parken wollten und vor dem wir uns mit Kati, einer Eramus-Studentin aus Essen (die ich nicht kannte), treffen wollten.

Wir haben sie dann auf der Plaza Mayor in einem Café getroffen. Danach sind wir in der Stadt rum gelaufen. Wir haben uns die Uni angeguckt (bei der alle Gebäude sehr viel schöner - und älter - sind als in Burgos. Salamanca ist nun mal die älteste Uni Spaniens). Wenn man weiß, wo der Frosch ist, findet man ihn auch sehr schnell wieder. Außerdem waren wir in der Kathedrale, am Fluss, auf der alten Römerbrücke (Isabel hoffte, da etwas Latein-Geist für ihre Latinumsprüfung zu sammeln) und im Garten von Calixto y Melibea. Auf letzteres habe ich bestanden, weil die beiden das Liebespaar des Theaterstücks La Celestina sind, was wir bei der Lobato in Ausschnitten gelesen haben.
Zwischendurch waren wir wieder auf der Plaza Mayor und haben da eine Freundin von Kati getroffen und mit ihr Kaffee getrunken. Die hat dann hinterher auch mit uns den Garten von Calixto y Melibea gesucht. Lisa hatte mir gesagt, ich solle mir den Garten unbedingt angucken und deswegen habe ich die anderen auch dazu gebracht, aber ich glaube, zumindest Isabel und Kati waren etwas enttäuscht von dem Garten. "Was ist denn so besonderes hier?"
Vielleicht lag es auch daran, dass der Garten im Januar ziemlich tot aussieht. Er ist sehr klein, in der Mitte steht ein Brunnen, an den Liebespaare eine Schloss mit ihrem Namen anbringen können, um ihre ewige Liebe auszudrücken. Außerdem gibt es einen kleinen Springbrunnen und eine Statue der Celestina.




Im Endeffekt haben wir wahrscheinlich länger dafür gebraucht, den Garten zu finden, als wir uns im Garten aufgehalten haben. Er liegt sehr verstreckt. Aber immerhin waren Kati und Vicky während ihres Erasmus-Aufenthalts in Salamanca auch mal drin und haben ein bisschen Kultur abbekommen. ;-)
Zum Schluss haben wir bei McDonald's eine Kleinigkeit gegessen, weil die Tapas Bars noch nicht auf hatten, und sind dann zurück nach Burgos gefahren.

Freitag, 21. Januar 2011

Pecaditos und Bar Patillas

Um das Ende der Klausurenphase zu feiern (s. letzter Post) war ich mit dem Masterkurs gestern Abend unterwegs. Ich habe zwar noch eine Klausur, aber erst im Februar und außerdem fliegt Isabel nächste Woche schon wieder zurück, und sie musste natürlich auch dabei sein, weil sie viel mehr Kurse mit den Masterstudenten hat, als wir anderen.
Zuerst waren wir im Pecaditos. Das ist eine "Taberna", wo man an der Theke für einen Euro ein kleines Bocadillo (belegtes Baguette) oder was zu trinken bekommt. Wir sind aber weiter durch gegangen und haben "Raciones", größere Tapa-Rationen, bestellt und geteilt. Wir hatten Schinkenbrot, Salat mit grünen Tomaten, Zwiebel und Thunfisch, Schinken-Kroketten, Käse und verschiedene meeresfruchtige Sachen (u.a. "Tigres", überbackene Miesmuscheln). Es war sehr lecker und wir haben uns gut unterhalten. Diane erzählt, wie sie unserem Prof fast um den Hals gefallen wäre und meinte, dass es für uns armen "Alemanitas" ja noch schlimmer gewesen sein musste.
Zum Schluss waren Amaya, Sandra, Diana, Isabel und ich noch in einer Bar namens "Patillas". Eigentlich wollten wir Deutschen nicht, deswegen hatten wir uns auch schon von Asun, María Rosa und Anna getrennt, aber die Bar lag auf dem Weg und Amaya meinte, das wäre die typische Erasmus-Bar, in die wir rein gehen müssten.
Es ist auch eine sehr schöne Bar. Ich war schon mal mit meinem Tandem-Partner drin. Die Wände sind über und über mit Fotos beklebt und Männer mit Gitarren singen Lieder. Mein Tandem-Partner hatte mir erzählt, dass die Bar "Patillas", "Koteletten", heißt, weil der Barmann welche hat. Angeblich darf er sich die auch nicht schneiden, weil es Tradition ist. Sein Vater und sein Großvater haben die Bar schon mit Koteletten geführt.

Donnerstag, 20. Januar 2011

Prüfungsphase

Die Klausuren begannen in Burgos am 10. Januar. Meine erste Klausur war erst am 18. und das war auch gut so, weil ich vorher so gut wie gar nichts geschafft hatte. In der Woche vor der ersten Klausur hieß es dann aber nicht lernen, sondern "mal eben noch" zwei Hausarbeiten schreiben.
Erschwert wurde die Sache noch dadurch, dass die geisteswissenschaftliche Uni-Bib hier eine Katastrophe ist. Acht Regale in Billie-Größe (oder vielleicht etwas breiter), deren Bretter nicht einmal ganz voll gestellt sind, ist alles, was man für das Fach Spanische (Literatur und Linguistik) finden kann. Dementsprechend war auch nicht die Literatur, die uns der eine Prof für die Hausarbeit angegeben hatte, verfügbar. Außerdem darf man die Bücher nur eine Woche ausleihen.
Für die Literatur-Hausarbeit zu La vida es sueño hatte ich mir deswegen schon vor Weihnachten Literatur im Internet gesucht, mir einen Artikel aus Essen von Laura einscannen lassen und sogar ein Buch in der Uni Bib gefunden (wow).
Für Linguistik bin ich dann (wie schon vorher bei der Hausarbeit für den Masterkurs) auf die Stadtbücherei ausgewichen, die gemessen an ihrer Größe erstaunlich gut mit solchen Büchern ausgestattet ist (auch wenn das System der Signaturen völlig irreführend ist und ich erst letzte Woche die Regale mit den Romanen gefunden habe).
Ich frage mich, wie die Spanier das machen. Die müssen in jedem Kurs eine Hausarbeit schreiben und zwar zusätzlich zur Klausur. Zumindest einige. Die meisten. Und die Profs sagen, das wäre so üblich in Spanien. Da frage ich mich doch, warum manche von den Erasmus-Studenten hier an der Uni bei vier oder fünf Kursen nur zwei Hausarbeiten schreiben müssen. Oder die Lisas auch nur eine oder keine. Oder warum Cristina, aus dem Amor en la Literatura-Kurs, meinte, in Valladolid, wo sie vorher war, wäre das ganz anders.
Dann meinte ein Dozent, glaube ich, dass das mit den Hausarbeiten an Bologna läge, weil man ja alles gleich machen muss. Nur in Deutschland ist das doch nicht so. Wie wäre es, wenn man sich untereinander abspricht, wie die Struktur des Studiums aussehen soll, bevor man einem Studienabschluss einfach den gleichen Namen verpasst und so tut, als wäre das gleich drin?

Aber ich habe es geschafft, die beiden Hausarbeiten zu schreiben. Sie waren zwar kürzer als gefordert, aber ich denke, das spielt keine Rolle. ML hatte mir gesagt, ich solle es so gut machen, wie ich kann, als ich ihr mein Problem (zu wenig Zeit und zu viel zu tun) schilderte und der Prof, bei dem ich die andere Hausarbeit geschrieben habe, hatte eh keine Meinung zu der Länge. Er meinte erst, 30 Seiten, was aber wohl ein Scherz war und meinte dann, wir sollten was vorschlagen...
Entgegen meines Zeitplans war ich dann sogar schon Samstagabend mit den Hausarbeiten fertig und hatte den ganzen Sonntag, den ganzen Montag und den halben Dienstag, um für die Klausur "Análisis de textos" im Masterkurs zu lernen. Die Klausur hat mir am meisten Angst gemacht. Wir hatten das ganze Semester nur zwei Themen, von denen ich eins nicht verstanden hatte. Zumindest nicht richtig. Ich habe also meine Mitschriften und die von Diana, einer Kommilitonin, zusammengefasst. Das Gute daran, wenn man etwas nicht versteht, ist, dass die Lernzettel kürzer werden. Ich habe nämlich radikal alles rausgeschmissen, was ich nicht verstanden habe. Wenn ich mich nicht mehr auf die Textlinguistik konzentrieren konnte, habe ich Lernzettel für die Klausur zu der spanischen Literatur des 17. Jahrhunderts gemacht, die Mittwochmorgen um 10 Uhr anstand.
Die Masterkurs-Klausur war dann ganz okay. Die Spanier waren alle mindestens genauso aufgeregt wie ich und wir überlegten uns Klopfzeichen, für den Fall das wir Texte identifizeren müssten (was dann natürlich nicht dran kam). Im ersten Teil mussten wir aus sieben Konzepten drei auswählen und sie erklären. Das war sehr nett, denn ich konnte mir genau die aussuchen, zu denen ich was wusste. Im zweiten Teil mussten wir einen argumentativen Text analysieren. Da habe ich es zumindest geschafft, die Argumente rauszusuchen. Sachtexte und ich verstehen uns einfach nicht so gut. Außerdem wusste ich nicht, ob "linguistische Elemente, die die Autorin verwendet, um ihre Intention zu verdeutlichen" das gleiche wie stilistische Mittel sind. Na ja, ich hoffe, wie alle im Kurs, dass es zum bestehen gereicht hat.
Was aber lustig war: Wir sind nach der Klausur in die Cafeteria gegangen, mit dem Prof, und Diana jammerte die ganze Zeit, dass sie durch beide Klausuren durchfallen würde und dass alles so schlimm wäre. Plötzlich meinte der Prof: "Wieso glaubst du eigentlich, durch beide Klausuren durchgefallen zu sein? Eine hast du schon bestanden!" Diana ist ihm mehr oder weniger um den Hals gefallen, so glücklich war sie.
Die Literaturklausur am nächsten Tag war besser. Vor allem angesichts der Tatsache, dass ich kaum Zeit hatte, zu lernen, ist sie geradezu super gelaufen. Es kamen auf jeden Fall die Fragen an, mit denen ich etwas anfangen konnte, auch wenn ich nicht wusste, wann Lope de Vega jetzt sein Werk Arte Nuevo de hacer comedias verfasst hat... Wir mussten "Autos sacramentales" definieren (das sind Theaterstücke mit einer religiösen Aussage, die an Fronleichnam aufgeführt wurden), ein Fragment Text einem Werk zuordnen (Arte nuevo von Lope) und analysieren und zum Schluss ein Gedicht interpretieren, das wir schon im Unterricht besprochen hatten.

Vor der Klausur hatte ML die Hausarbeiten eingesammelt, was aber teilweise daran scheiterte, dass einige Studenten die Arbeit nicht ausgedruckt dabei hatten. Manchmal frage ich mich, wieso die Leute immer wieder denken, damit durchzukommen, wenn schon das ganze Semester über keine Arbeit im digitalen Zustand angenommen wurde...
Hausarbeiten ist hier eh so eine Sache... Denn die Spanier haben uns (zumindest in der Licenciatura) einiges an Hintergrundwissen voraus, aber Hausarbeiten schreiben können sie nicht. Ich wäre fast vom Stuhl gefallen, als eine Studentin im Masterkurs ernsthaft fragte, ob wir eine Bibliographie anhängen müssten.
Andrerseits, was kann man erwarten, wenn die Studenten teilweise schon vor Weihnachten drei Hausarbeiten gleichzeitig schreiben müssen und nebenbei für die Klausuren lernen? Gut Ding will Eile haben. So heißt es doch? Oder war es etwa "Weile"? Es hat mich dann doch nur ein wenig verwundert, wie die Hausarbeit einer Master-Studentin aussah: Kein Blocksatz, die Überschriften hingen sonst wo und die Studentin hatte keinen einzigen wissenschaftlichen Text zitiert!!!! Außerdem fehlte die Bibliographie (obwohl sie im Inhaltsverzeichnis angegeben war), aber ich frage mich eh, was sie da drin stehen gehabt hätte, wenn sie sich eh nicht auf irgendwelche Quellen bezieht. Wahrscheinlich stand nur der Werbetext, den sie analysiert hatte drin. Ohne angeben zu wollen, aber ich würde sagen: Kein Wunder, das der Prof beim Anblick meines Inhaltsverzeichnis begeistert war...
Aber es sind nicht nur die Hausarbeiten. Auch Referate sind hier nicht so dolle. Ich will damit nicht sagen, dass die Referate in Deutschland besser sind, ich habe schon einige miese gehört die, entweder aus mangelnder Motivation oder wegen mangelndem (technischen) Wissen, schlecht sind, aber hier habe ich das Gefühl, dass die Studenten keine Erfahrung damit haben.
Bestimmt die Hälfte der Powerpointpräsis, die ich hier gesehen habe, war nur schwer lesbar, will die entsprechende Person entweder ein wildes Hintergrundbild oder eine verschnörkelte Schrift gewählt hatte oder weil sie sich dachte, um mehr Infos auf die einzelnen Folien drauf zu kriegen, macht man am besten den Text kleiner, so dass man am Ende bei Schriftgröße 9 auskommt (ich kam mir vor wie beim Augenarzt). Bei dem Hintergrund oder der Schrift lag es wahrscheinlich daran, dass sie ihre Präsi nicht so langweilig gestalten wollten. Genauso wie eine Kommilitonin aus dem Masterkurs bei der Vorstellung ihrer Hausarbeit ein Video zeigte und zwei Witze vorlas, die zwar mit dem Thema der Hausarbeit entfernt zu tun hatten, aber nicht darin vorkamen. Bei der Studentin hatte ich sowieso schon vorher mal das Gefühl, dass bei ihr alles lustig sein muss und sie die Uni deswegen nicht so ganz ernst nimmt. Der Prof hat es meistens mit Humor genommen, aber irgendwo muss ja auch die Grenze sein und er sagte ihr nach der Präsi auch, dass die Witze und das Video dran über gewesen wären.
Na ja und dann war da eine Präsi... ähm... diese Person hatte noch nicht allzu lange mit Powerpoint gearbeitet und hatte eine Präsi gebastelt (wenn sie es denn selber war, was ich bezweifele), mit der sie nicht umgehen konnte, weil sie eine Animation darin hatte, die dafür sorgte, dass ihr Text nach wenigen Sekunden wieder aus der Folie entschwebten. Die arme Referentin stand fassungslos vor der Präsentation und konnte sich nicht vorstellen, was passierte. Deswegen gehe ich auch davon aus, dass sie die Präsentation nicht selber gemacht hat. Das war allerdings eine Erasmus-Studentin und keine Spanierin.

Montag, 10. Januar 2011

Besuch meiner Eltern und Cabalgata

Letzte Woche Dienstag bekam ich endlich Besuch von meinen Eltern. Ich war selber gerade erst am Abend vorher von den Weihnachts- und Silvesterbesuchen zurück, habe mich deswegen aber nicht weniger gefreut, die beiden wieder zu sehen, auch wenn meine kleine Schwester nicht mit konnte.
Passend dazu gab es natürlich zwei Dinge, die versuchten mir die Laune zu verderben (abgesehen von den Hausarbeiten und den Klausuren, die ich in dieser Woche im Eilverfahren schreiben und vorbereiten muss): Erst einmal regnete es und dann wurde ich krank. Wir haben versucht, uns trotzdem nicht die Stimmung verderben zu lassen.

Dienstag habe ich mit ihnen Mittag gegessen und merkte dabei schon, dass ich den Schinken auf dem Brot nicht ganz runterkriegte. Zur Siesta-Zeit wurde ich arbeiten geschickt, wir trafen uns nachmittags (im Regen) vor der Kathedrale wieder.
Ich war jetzt zum vierten Mal in der Kathedrale, aber jedes Mal sieht man etwas anderes. Es ist schon interessant, was die verschiedenen Gäste in der Kathedrale begeistert und ich entdecke jedes Mal noch etwas Neues. Weil die weihnachtliche Festzeit ja noch andauerte, stand z.B. noch eine Krippe in der Kathedrale.


Außerdem sind im oberen Kreuzgang moderne Bilder zum Leben Jesu auf einem war die Taufe zu sehen. Und Mama sah sofort, dass Jesus in Surferpose auf einer Welle steht. Glaubt ihr nicht? Seht selbst! "Das ist die perfekte Welle..."

Nach dem Rundgang in der Kathedrale stellten wir fest, dass in einem Teil der Kreuzgangs das Rote Kreuz eine riesige Krippenlandschaft gebaut hatte. Ich hatte in Murcia schon diverse Krippenlandschaften gesehen, aber diese übertraf die in Murcia zumindest in der Lange der präsentierten Geschichte. Es begann nämlich lange vor Jesu Geburt. Genauer gesagt bei der Geburt von Maria. Und es endete nicht mit der Flucht nach Ägypten oder der Episode mit dem zwölfjährigen Jesus im Tempel. Nein, es endete mit der Kreuzigung und Auferstehung von Jesus. Leicht übertrieben würde ich sagen, vor allem, weil die eigentliche Weihnachtsgeschichte ziemlich in eine Ecke gedrängt wurde, und ich die Heiligen drei Könige erst gesehen habe, als ich schon lange dran vorbei war...
Man muss aber sagen, dass die ganze Landschaft mit viel Liebe aufgebaut worden war. Sie wurde mit verschiedenen Lampen angestrahlt, dass es Tag und Nacht wurde, es schneite und regnete, manche Figuren bewegten sich und im "Nil" schwammen echte Goldfische! Was allerdings noch nervte, war, dass irgendein Evangelium im Hintergrund als Hörspiel war. Das war doch etwas zu viel.










Am nächsten Tag, dem 05.01. kamen Mama und Papa gegen Mittag mit einen Roscón de Reyes (einem Kuchen, den es hier am Dreikönigstag immer gibt) vorbei. Eigentlich isst man den wohl erst am Tag danach, aber egal (es war auch wohl besser, dass wir den am 5. gegessen haben, am 6. habe ich nämlich nur von trockenem Brot gelebt). In dem Kuchen sind eine Bohne und eine kleine Figur versteckt. Wer die Bohne findet, muss den Kuchen bezahlen, wer die Figur findet, wird mit der beiliegenden Pappkrone gekrönt. Aber weil wir ja Deutsche sind (und die "Gebrauchsanweisung" erst nicht gelesen hatten), haben wir erst einmal alle die Krone aufgesetzt. Die Bohne hat Papa dann gefunden, die Figur ich - zwei Tage später.



Abends war die Cabalgata, der Umzug der heiligen drei Könige (Reyes Magos). Leider regnete es. Aber das stört uns ja nicht. Es war sogar ein bisschen wie Karneval zuhause. Die Leute drängten sich am Straßenrand (mit Regenschirmen bewaffnet), die Kinder liefen dem Umzug entgegen, um zu gucken, ob er kommt, und dann kam er wirklich.
Zuerst kamen die Polizisten, die die Leute von der Strecke fernhielten. Es folgten zwei Feuerwehrautos, von dem schon verkleidete Kinder Bonbons warfen und auf dessen Dächern Weihnachtsgeschenke verstaut waren. Danach kam eine Gruppe von überwiegend Frauen in typischer Bauerntracht, die auch tanzten. Teilweise hatte der Zug etwas mit Weihnachten zu tun, hinter den Bauern kamen die Römer: Legionäre, Vestalin-Priesterinnen und Gladiatoren mit Leopardenfell und "wilden" Tieren (sie hatten Bulldoggen an Leinen dabei) und natürlich hatten die Reyes Magos einen Bezug zu Weihnachten. Jeder hatte einen eigenen Wagen und die Leute an der Straße erkannten die Wagen, riefen die Namen des jeweiligen Königs und streckten die Regenschirme aus, um die Bonbons zu fangen. Ich sage ja: wie Karneval.
Es gab auch Fußgruppen, die mehr mit Karneval als mit Weihnachten zu tun hatten. Aber die hatten auch geniale Kostüme: Menschen auf Stelzen, Frauen in wirklich riesigen Röcken und ein Mensch, der in einem rieseigen Rad saß, das gedreht wurde. Am besten hat mir der Eisbär gefallen, der auftrat. Kein richtiger Eisbär, er war natürlich nachgebaut, aber es gab sogar Menschen, die seine Füße bewegten und eine Mann, der vorne weg ging und scheinbar versuchten, den Bären in Schach zu halten, bewegte seinen Kopf. Der ganze Umzug war einfach genial. Ganz zum Schluss fuhr ein Wagen, der Kohle geladen hatte. Die bösen Kinder in Spanien bekommen nämlich keine Geschenke sondern nur Kohle.







Die Könige zogen auf das Teatro Principal zu. Daneben war eine Bühne aufgebaut worden, auf der wohl eine Krippenszene nachgestellt wurde. Gesehen habe ich es nicht, aber es roch auf einmal so nach Weihrauch und als wir später daran vorbeikamen, standen Gold, Weihrauch und Myrrhe auf der Bühne.
Nach dem Besuch im Stall traten die Könige auf den Balkon des Teatro Principals und jeder hielt eine Rede, in der die Kinder aufgefordert wurden, brav zu sein. Am Ende jeder Rede wurden die Kinder gefragt: "Werdet ihr brav sein?" oder "Geht ihr heute Abend früh ins Bett" und alle riefen "Síííííííííííííí".
Zum Schluss gab es noch ein schönes Feuerwerk. Das war eindeutig eine Entschädigung für Silvester. Anscheinend wird hier an Silvester einfach nicht geböllert.

Der 6. Januar war dann einfach nur im Eimer, dafür war ich am Tag danach aber wieder einigermaßen fit und war mit meinen Eltern einkaufen. Ich sollte mir noch eine Armbanduhr aussuchen, die ich zu Weihnachten gekriegt habe.
Es war furchtbar. Es schien, als ob ganz Burgos seine Weihnachtsgeschenke umtauschen wollte. Wir haben ewig beim Juwelier gewartet. Irgendwann kamen wir aber dran und haben eine schöne Uhr gefunden.
Wir haben zusammen Mittag gegessen, nachmittags habe ich wieder versucht, zu arbeiten und abends musste ich mich schon wieder von ihnen verabschieden, weil sie am nächsten Morgen zurück nach Deutschland flogen (lustiger Weise im gleichen Flieger wie meine Spanischdozentin). Aber jetzt dauert es ja auch nicht mehr so lange, bis ich zurück komme. Nur noch zwei Monate, drei Klausuren und drei Hausarbeiten...