Ich habe wieder fleißig gesammelt und präsentiere euch jetzt den zweiten Teil der Kuriositäten, die ich hier miterleben durfte.
Zunächst einmal eine "Busbekanntschaft" (auch wenn ich mit ihr noch nie gesprochen habe): Jedes Mal, wenn ich mich auf den Weg zum Masterkurs mache, sehe ich im Bus eine Frau, die ich so auf etwa 60 schätze, auch wenn sie etwas "verbraucht" aussieht. Erst habe ich sie nicht so wirklich wahrgenommen. Dann fiel mein Blick etwas länger auf sie und mir schoss der Gedanke durch den Kopf: "Ist das Berta???" (Berta, die Haushälterin von Charlie Harper aus "Two and a Half Men"). Sie ist zwar nicht ganz so breit wie Berta und hat mehr Falten, aber sie hat den gleichen Gesichtsausdruck, die gleiche Frisur... Ich muss mir jetzt immer ein Grinsen verkneifen, wenn ich sie sehe.
Wenn ich nicht mit dem Bus fahre, sondern zu Fuß gehe, treffe ich nicht so viele Leute. Vor allem seit der Paseo de la Isla gerade umgebuddelt wird und ich immer unten am Fluss entlang gehe, treffe ich wenige Menschen. Am Teatro Principal tauche ich dann wieder aus der Versenkung auf. Am Geländer neben der Treppe steht eine Bronze(?)-Statue eines Mädchens, das sich auf das Geländer stützt, den Fluss ansieht und den Po etwas in Richtung Espolón streckt (ich hatte an Anfang meiner Zeit hier glaube ich mal ein Foto davon gepostet). Als ich vor einer Woche oder so von der Uni kam und gerade die Treppe hochsteigen wollte, kam ein Mann an der Statue vorbei und gab ihr im Vorbei gehen einen Klaps auf den Hintern. Ich war völlig perplex. Seine Frau war auch dabei und eine Bekannte kam ihm entgegen und kommentierte das gleich. Ihm schien das aber nicht im Geringsten peinlich. Ob er das öfter macht?
Zum Abschluss noch zwei kleine Geschichten zum Thema kulturelle Unterschiede. Das eine wäre Political Correctness. Ich glaube, die Spanier haben es nicht so damit. Vor einiger Zeit erkundigte sich ein Prof nach einer französischen, dunkelhäutigen Erasmus-Studentin und wollte wissen, ob wir die "negrita" ("die kleine Schwarze") ab und zu mal sehen würden. Mal abgesehen von dem Verkleinerungsfimmel mancher Spanier (das Mädchen ist wirklich nicht klein), dachte ich mir, dass in Deutschland niemand so nach einer Studentin fragen würde. Dann eher "die Französin". Salopp unter Freunden sagt man vielleicht mal "die kleine Schwatte", aber nicht in so einem formellen Kontext zwischen Prof und Studenten. Ein anderes Beispiel war meine Literatur-Professorin heute. Wir lesen "Los Locos de Valencia" und sie wollte uns verdeutlichen, wie sich die die Irrenanstalten von damals von den heutigen psychiatrischen Kliniken unterscheiden und meinte, dass sie mal an einer vorbeigefahren wäre, bei der ein Park dabei war und die "Locos" spazieren gehen konnten. Immerhin hat sie vor "Locos" kurz gestoppt, aber im Endeffekt hat sie diese Menschen trotzdem als "verrückt" bezeichnet.
Das andere zum Thema kulturelle Unterschiede ist mir heute aufgefallen. Wieder bei den "Locos de Valencia" kamen wir an eine Stelle, wo an St. Martin angespielt wurde. Und was macht ML? Sie erzählt uns die Geschichte von St. Martin. Kaum zu fassen! In dem Kurs, in dem wir die griechische und römische Mythologie am besten auswendig können müsste, in dem sie voraussetzt, dass wir Latein können und eine Ahnung von Boccaccios Werken haben, erzählt sie uns wie St. Martin seinen Mantel mit dem Bettler geteilt hat? Ich musste innerlich grinsen. In Deutschland kennt doch jedes Kind St. Martin. Wir singen doch schon im Kindergarten "Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind..." Bei den aufgepimpten Laternenumzügen reitet ein St. Martin auf einem Pferd vorne weg, während alle Kinder mit den Laternen hinterher laufen, Martinslieder singen und es am Ende eine Martinsgans gibt. Aber das scheint es in Spanien nicht zu geben. Hier wird St. Martin von der Dozentin nebenbei erklärt, während Platon und der arme Lazarus zum nötigen Allgemeinwissen gezählt werden...
Und kleiner Nachtrag vom 23.11.: Warum durften die beiden Nonnen heute ihren Einkauftrolley mit in den Mercadona nehmen, ich aber nicht meinen Rucksack? Total ungerecht!
Montag, 22. November 2010
Montag, 15. November 2010
Spanisches Mittagessen (Haarschnitt inklusive)
Am Freitag war ich bei Asun aus dem Masterkurs zum Mittagessen eingeladen. Nach einigen Verwirrungen (ich dachte, wir würden uns um Mitternacht treffen - die Spanischer haben halt so komische Uhrzeiten ;-)) habe ich es dann mit leichter Verspätung zum Treffpunkt, wo Isabel, eine Mit-Erasmusianerin und Diana aus dem Masterkurs getroffen habe. Diana hat uns gefahren.
Bei Asun waren wir dann trotz allem noch die ersten (allerdings kam außer uns auch nur María Rosa, obwohl der ganze Kurs eingeladen war). Asun hat dann erstmal Isabel die Haare geschnitten. Sie ist Hobbyfriseurin. Wir anderen haben zugeguckt. Asun hätte auch gerne an meine Haare gewollt, aber ich wollte erst mal gucken, wie sie das bei Isabel macht und nachdem sie mit ihr fertig war, war keine Rede mehr davon. ;-)
Asun hat nach dem Essen gesehen und wir anderen haben mit der Wii von Asuns Sohn gespielt. Luftballons und Blechdosen abschießen (hin und wieder auch mal eine Ente) und so ein merkwürdiges Spiel, das wie Fußball für zwei Personen war, und bei dem man als eine Art Tackernadel gegen den Fernseher spielte. Ich war die einzige, die die Maschine besiegt hat. Ganz knapp. Aber Adrians Highscore haben wir nicht geknackt.
Danach gab es Essen. Jede Menge. Asun hatte zwei verschiedene Varianten Spaghetti gemacht (Carbonara und eine mit Krabben und Sojasoße) und eine Art Braten im Backofen mit Tomatenmus und Oliven. Außerdem standen Chips, Brot, Paté und Spargel aus dem Glas als Beilage auf dem Tisch. Zum Nachtisch gab es Kuchen. Ich war zwar nach der ersten Portion Spaghetti schon gut satt, habe aber noch die anderen Sachen probiert. Die Spaghetti Carbonara waren am besten. Zu dem Fleisch gab es gar keine richtige Gemüsebeilage, nur der Spargel, der da eh rum stand. Im Restaurant kriegt man doch normaler Weise wenigstens Pommes (okay, das ist kein Gemüse... :-D) Ich habe aber nur etwas Brot dazu gegessen. Das Brot war echt lecker.
Nach dem Essen haben wir uns alle vollgefressen auf das Sofa gesetzt und konnten nicht viel machen. Wir haben ein bisschen "conversación de faldas" (ein neues Wort - ich hoffe zumindest, dass das der Ausdruck war) betrieben und uns darüber ausgetauscht, wie María Rosa ihre Locken reinkriegt und warum Isabel keine will. Mädchengespräche halt... ;-) Irgendwann hat Diana uns dann zurück gefahren. Es war eine sehr nette Runde, auch wenn ich manchmal nicht so ganz mitgekommen bin. Ich habe auch noch ein neues Wort gelernt, aber das darf ich hier nicht schreiben, dann kriege ich Ärger mit dem Jugendschutz. :-P
Ich hätte abends noch mit zum Master-Abendessen gehen können, aber die Vorstellung, noch mal essen zu müssen... Außerdem wollte ich ganz streberhaft etwas für die Uni tun, weil ich wusste, dass am nächsten Tag eine Invasion aus Valladolid einfallen und mich als Touri-Führer brauchen würde und ich dementsprechend zu nichts kommen würde.
Bei Asun waren wir dann trotz allem noch die ersten (allerdings kam außer uns auch nur María Rosa, obwohl der ganze Kurs eingeladen war). Asun hat dann erstmal Isabel die Haare geschnitten. Sie ist Hobbyfriseurin. Wir anderen haben zugeguckt. Asun hätte auch gerne an meine Haare gewollt, aber ich wollte erst mal gucken, wie sie das bei Isabel macht und nachdem sie mit ihr fertig war, war keine Rede mehr davon. ;-)
Asun hat nach dem Essen gesehen und wir anderen haben mit der Wii von Asuns Sohn gespielt. Luftballons und Blechdosen abschießen (hin und wieder auch mal eine Ente) und so ein merkwürdiges Spiel, das wie Fußball für zwei Personen war, und bei dem man als eine Art Tackernadel gegen den Fernseher spielte. Ich war die einzige, die die Maschine besiegt hat. Ganz knapp. Aber Adrians Highscore haben wir nicht geknackt.
Danach gab es Essen. Jede Menge. Asun hatte zwei verschiedene Varianten Spaghetti gemacht (Carbonara und eine mit Krabben und Sojasoße) und eine Art Braten im Backofen mit Tomatenmus und Oliven. Außerdem standen Chips, Brot, Paté und Spargel aus dem Glas als Beilage auf dem Tisch. Zum Nachtisch gab es Kuchen. Ich war zwar nach der ersten Portion Spaghetti schon gut satt, habe aber noch die anderen Sachen probiert. Die Spaghetti Carbonara waren am besten. Zu dem Fleisch gab es gar keine richtige Gemüsebeilage, nur der Spargel, der da eh rum stand. Im Restaurant kriegt man doch normaler Weise wenigstens Pommes (okay, das ist kein Gemüse... :-D) Ich habe aber nur etwas Brot dazu gegessen. Das Brot war echt lecker.
Nach dem Essen haben wir uns alle vollgefressen auf das Sofa gesetzt und konnten nicht viel machen. Wir haben ein bisschen "conversación de faldas" (ein neues Wort - ich hoffe zumindest, dass das der Ausdruck war) betrieben und uns darüber ausgetauscht, wie María Rosa ihre Locken reinkriegt und warum Isabel keine will. Mädchengespräche halt... ;-) Irgendwann hat Diana uns dann zurück gefahren. Es war eine sehr nette Runde, auch wenn ich manchmal nicht so ganz mitgekommen bin. Ich habe auch noch ein neues Wort gelernt, aber das darf ich hier nicht schreiben, dann kriege ich Ärger mit dem Jugendschutz. :-P
Ich hätte abends noch mit zum Master-Abendessen gehen können, aber die Vorstellung, noch mal essen zu müssen... Außerdem wollte ich ganz streberhaft etwas für die Uni tun, weil ich wusste, dass am nächsten Tag eine Invasion aus Valladolid einfallen und mich als Touri-Führer brauchen würde und ich dementsprechend zu nichts kommen würde.
Montag, 8. November 2010
Museo del Libro
Samstagvormittag war ich hier im Museo del Libro. Das ist ein ganz kleines, niedliches Museum, sehr versteckt, zwischem der Plaza Mayor und dem Hotel, in dem Papa und ich in den ersten Tagen waren. Ich habe es erst letztes Wochenende mit Lisas Hilfe entdeckt.


Das Museum hat insgesagt vier Räume auf vier Etagen. Man beginnt die Besichtigung im vierten Stock und folgt von dort aus der Entwickling des Buches von den Anfängen in der Zeit weit vor Christus bis hin zum E-Book.
Im ersten Raum waren entsprechend mesopotanische Steinplatten, ägyptisches Papyrus, römische Wachstäfelchen, chinesische Bambusplättchen und erste arabische/ indische Bücher (ob aus Papyrus oder Pergament weiß ich nicht) mit farbigen Bildern. Sehr schön. Ein aztekischer Kalender war auch ausgestellt.
Der zweite Raum war dem Mittelalter gewidmet: handgeschriebene und handillustrierte Bücher. Eine Bibel wurde als Orginal bezeichnet, aber ich denke, die meisten anderen Sachen waren Faksimiles. Trotzdem hat es mir gefallen. Es gab auch ein kleines Filmchen, das etwas zu Faksimiles erzählte.
Ab dem dritten Raum ging es bergauf für die Buchindustrie: Der Buchdruck wurde erfunden. In diesem Raum gab es einige deutsche Bücher: drei Seiten aus der Gutenberg-Bibel, ein naturwissenschaftliches Buch und eine Weltkarte, auf der Jerusalem der Mittelpunkt der Welt war, um den Europa, Asien und Afrika wie Blütenblätter angeordnet waren. Es gab auch noch zwei andere Europa-Karten. Auf der einen war Europa (mit Asien glaube ich) als Pegasus dargestellt. Auf der anderen als Königing und Spanien war die Krone. Zumindest die zweite Karte haben wir, glaube ich, auch in der Vorlesung zu Spanien im 19. Jahrhundert gesehen.



Im letzten Raum ging es um die neuern Entwicklungen vom 19. Jahrhundert bis heute. Unter anderem habe ich eine Ausgabe von "Beowulf" gesehen. :-D Ein Burgosführer aus dem 50er Jahren lag da auch. Zum Schluss wurde ein E-Book gezeigt.
Das Museum hat insgesagt vier Räume auf vier Etagen. Man beginnt die Besichtigung im vierten Stock und folgt von dort aus der Entwickling des Buches von den Anfängen in der Zeit weit vor Christus bis hin zum E-Book.
Im ersten Raum waren entsprechend mesopotanische Steinplatten, ägyptisches Papyrus, römische Wachstäfelchen, chinesische Bambusplättchen und erste arabische/ indische Bücher (ob aus Papyrus oder Pergament weiß ich nicht) mit farbigen Bildern. Sehr schön. Ein aztekischer Kalender war auch ausgestellt.
Der zweite Raum war dem Mittelalter gewidmet: handgeschriebene und handillustrierte Bücher. Eine Bibel wurde als Orginal bezeichnet, aber ich denke, die meisten anderen Sachen waren Faksimiles. Trotzdem hat es mir gefallen. Es gab auch ein kleines Filmchen, das etwas zu Faksimiles erzählte.
Ab dem dritten Raum ging es bergauf für die Buchindustrie: Der Buchdruck wurde erfunden. In diesem Raum gab es einige deutsche Bücher: drei Seiten aus der Gutenberg-Bibel, ein naturwissenschaftliches Buch und eine Weltkarte, auf der Jerusalem der Mittelpunkt der Welt war, um den Europa, Asien und Afrika wie Blütenblätter angeordnet waren. Es gab auch noch zwei andere Europa-Karten. Auf der einen war Europa (mit Asien glaube ich) als Pegasus dargestellt. Auf der anderen als Königing und Spanien war die Krone. Zumindest die zweite Karte haben wir, glaube ich, auch in der Vorlesung zu Spanien im 19. Jahrhundert gesehen.
Im letzten Raum ging es um die neuern Entwicklungen vom 19. Jahrhundert bis heute. Unter anderem habe ich eine Ausgabe von "Beowulf" gesehen. :-D Ein Burgosführer aus dem 50er Jahren lag da auch. Zum Schluss wurde ein E-Book gezeigt.
Mittwoch, 3. November 2010
Mehr als nur eine Geburtstagsfeier
Mein Geburtstag ist schon fast eine Woche her und ich weiß kaum, wo ich mit dem Schreiben anfangen soll...
Am Donnerstagabend vor meinem Geburtstag haben meine Freundinnen mit mir im ICQ ausgeharrt, so dass ich um Mitternacht schon erste Glückwünsche übers Internet und einen Anruf bekam. Am nächsten Morgen haben mein Vater und meine Schwester von zuhause angerufen und meine Mutter von unterwegs. Ich habe mehrere Ständchen via Telefon bekommen. Es war fast so wie in Deutschland. Nur an der Telefonrechnung konnte man sehen, dass ich mich gerade in der Weltgeschichte herumtreibe. Außerdem war mein Geburtstagspaket von zuhause noch nicht da - sehr zu meinem Leidwesen. Zum ersten Mal hatte ich keinen Geburtstagskuchen zu meinem Geburtstagsfrühstück. Das einzige Paket, das ich rechtzeitig hatte, war das von meiner Patentante. Ich konnte es in meiner Freistunde in der Post abholen.
In der Uni habe ich es kaum einem gesagt, dass ich Geburtstag hatte. Ich hätte es komisch gefunden rein zu kommen, zu rufen: "Hey Leute, ich habe Geburtstag!" und auf die Reaktionen zu warten. Nur im Masterkurs hat es sich ergeben, weil Asun am gleichen Tag Geburtstag hatte. Als das raus kam, brach natürlich das Chaos aus. ;-) Meine Kommilitoninnen wollten wissen, was "Feliz Cumpleaños" denn auf Deutsch hieße. Also habe ich es an die Tafel geschrieben und die Spanier haben eindeutig beschlossen, dass "Erzlieken Glukwe sum Chebusta" zu viele Konsonanten auf zu wenig Vokalen hat.
Nach der Uni habe ich mich mit Alexandra getroffen, auch meine eine Mitbewohnerin hat mir gratuliert (sie ist nur drei Tage älter als ich!) und es gab natürlich viele elektronische Glückwünsche. Es kam also auch fern ab der Heimat Geburtstags-Feeling auf. Danke euch allen!
Freitag war der Tag, auf den ich lange gewartet hatte: Lisa kam! Leider erst abends. Ich habe mein Zimmer aufgeräumt, geputzt und auf den Paketlieferservice gewartet. Um halb sechs bekam ich eine SMS, dass SEUR (der Lieferant, der hier die DHL-Pakete verteilt) mich nicht angetroffen hätte. Haha. Ich habe da angerufen und mir wurde gesagt, wo ich das Paket abholen konnte. Ich wollte mich gleich auf den Weg machen. Die Frau am Telefon fand es etwas merkwürdig, dass ich laufen wollte, weil das nach ihren Worten weit weg wäre. Hätte ich mal auf sie gehört...
Ich habe mir, die Straße bei Google Maps gesucht, weil sie auf meinen Stadtplan nicht drauf ist. Das hätte mich auch schon misstrauisch stimmen müssen. Bei Google Maps konnte man schon sehen, dass die Straße weit weg war, aber ich habe den Bus ein Stück genommen. Als ich an der Endstation ankam, regnete es in Strömen. Aber ich wollte mein Geburtstagspaket ja haben. Leider hatte ich keine Ahnung, wie ich von der Bushaltestelle weiter laufen sollte und habe eine Passantin gefragt. Sie wusste nicht, wo die Straße ist und meinte, ich solle in den Geschäften nach SEUR fragen. Das habe ich gemacht und mir wurde gesagt, ich müsse noch weit laufen. Im Regen.
Ich war kurz davor, aufzugeben, da hielt ein Auto neben mir, in dem die Passantin und ihr Mann saßen und mir anboten, mich zu SEUR zu bringen. Die beiden waren meine Rettung! Ohne sie wäre ich unverrichteter Dinge zurückgefahren. Das SEUR-Büro liegt nämlich mitten in einem Industriegelände und ich hätte sicher noch 5km laufen müssen. Bei Sonne wäre das ja noch gegangen. Bei Regen nicht. Der Mann hat sich auch etwas aufgeregt und meinte, über so was würde man sich doch vorher informieren und ob ich keine spanischen Freunde hätte, die mich hätten warnen können. Die Frau hatte mehr Verständnis für mich.
Mit dem schweren Paket habe ich Lisa beim Busbahnhof abgeholt. Ich habe mich so gefreut sie wieder zu sehen! Nachdem wir uns in Essen fast täglich oder zumindest mehrmals in der Woche gesehen haben, waren zwei Monate nur chatten schon hart. "Live" quatschen ist doch viel schöner als tippen!
In meinem Zimmer haben wir dann erstmal mein Paket ausgepackt bzw. ich habe ausgepackt und Lisa fotografiert.

Ich habe Lisa auch Carol und ihrem Freund vorgestellt und nachdem Lisa klar gestellt hat, dass sie nicht Lisa Simpson ist, mochte sie die beiden, glaube ich, auch. Carol und Anhang haben sich auch darüber amüsiert, dass Samstag noch eine Lisa, Lisa dos, kommen würde.
Samstagmittag kam Lisa dos aus Valladolid an. Lisa uno und ich haben sie am Busbahnhof abgeholt und wir sind erstmal zu meiner WG gegangen, wo Lisa dos einen heißen Tee bekam, weil man sich auch in Valla erkälten kann. (Mein Regenspaziergang hat bisher erstaunlicher Weise kaum Folgen gehabt)
Wir haben zusammen Suppe gekocht, die sogar gut geschmeckt hat. Man kann den Schmelzkäse in der Käse-Porree-Suppe wirklich gut durch Sahne ersetzen. Die spanische Sahne hatte auch irgendwie die Konsistenz von Schmelzkäse. Außerdem hatte Lisa mich im Mercadona auf ein Brot aufmerksam gemacht, das fast alle deutschen Erasmus-Studenten in Valla kaufen, weil es wie deutsches Brot ist. Total lecker! Zur Suppe passte es sehr gut.



Nach dem Essen sind wir durch die Stadt gelaufen. Lisas Begeisterung für die Herbstbäume mit den bunten Blättern könnt ihr in ihrem Blog nachlesen. ;-) Der Pavillon auf dem Espolón rief nicht nur Mulan sondern auch Gilmore Girls-Assoziationen hervor. Bisher hatte ich an keins von beiden gedacht.
Ich habe den beiden Lisas auch die Kathedrale gezeigt (diesmal habe ich sogar Eintritt bezahlt, beim letzten Mal war ich während der eintrittsfreien Zeit da) und großzügig das Wissen, das sich in den letzten 22 Jahren beim Besuch diverser Kathedralen mit meinen Eltern angesammelt hat, verteilt. Beide Lisas schienen von der Kathedrale sehr beeindruckt. Es ist ja auch beeindruckend, wie die Menschen früher mit weit weniger entwickelten Maschinen als heute so ein großes Gebäude geschaffen haben und auch wenn mich die Goldaltäre meistens eher erschlagen und ich mir denke, sie hätten das Gold besser in Amerika lassen sollen, muss ich schon zu geben, dass sie mächtig Eindruck schinden. Was mir im Vergleich zum ersten Besuch sehr gefallen hat, war die Orgelmusik im Hintergrund. Vielleicht spielen sie die nur zu den Zeiten, bei denen man Eintritt zahlen muss. :-D Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, dass sie beim ersten Besuch auch da war. Was ich nicht sagen kann, ist, ob die Musik von einer CD kam, oder ob wirklich jemand gespielt hat.
Abends haben wir auf Lisas Wunsch hin "Alice im Wunderland" gesehen. Sie meinte, sie hätte schon Entzugserscheinungen. Allerdings ist sie dann während des Films eingeschlafen und hat den Futterwackentanz nicht mitbekommen. Entweder war es die Überdosis Alice, die sie völlig geschafft hat, oder die Eindrücke in Burgos waren so erschlagend... ;-)
Sonntagmorgen gab es ein Picknick in meinem Zimmer mit einem tollen Halloween-Kuchen. Er sah aus wie ein Kürbis, hatte oben eine süße orangene Schicht und darunter war Mousse au chocolate. Total lecker, aber sehr schmierig.


Wir haben noch mal einen Spaziergang durch Burgos gemacht, aber leider spielte das Wetter gar nicht mit und gegen Nachmittag haben wir Lisa zum Busbahnhof gebracht.
Abends haben Lisa und ich "Notting Hill" gesehen. Ein Film, den wir beide lieben, aber noch nie zusammen gesehen haben. Es war surreal, aber schön. ;-)
Montagmorgen haben Lisa und ich uns auf den Weg zum Castillo gemacht. Von der Burg an sich ist nicht mehr viel übrig, aber wir haben eine Führung durch die unterirdischen Tunnel mitgemacht. Ich war schon einmal da, aber auch beim zweiten Mal war es noch sehr interessant. Vor allem gibt es diesmal ein Foto von diesen stylischen Helmen, die man bekommt, damit man sich in den Tunneln nicht den Kopf anstößt. Ich kann meistens in den Gängen stehen, aber viele andere müssen eben den Kopf einziehen. Die Tunnel sind auch nur sehr schmal. Man kann sich kaum vorstellen, dass es da auch schon mal zu Kämpfen kam. Eigentlich müssten die Soldaten mit ihren Rüstungen und Waffen im Gang stecken geblieben sein oder zumindest einen sehr eingeschränkten Bewegungsspielraum gehabt haben.
Nach dem Besuch der Burg haben wir tatsächlich ein bisschen was für die Uni getan. Das musste leider sein. Dafür waren wir als Belohnung in dem Facebook-Film. "La Red Social". Spanische Filme verstehen geht immer besser, auch wenn ich in dem Film nicht alles mitgekriegt habe, weil sie teilweise sehr schnell reden. Aber das wichtigste habe ich verstanden.
Insgesamt war dieses Wochenende viel mehr als nur eine Geburtstagsfeier. Wir haben zwar zusammen Mamas Geburtstagskuchen gegessen und ich habe Geschenke bekommen, aber viel wichtiger war mir, meine Freundinnen endlich mal wieder zu sehen, zu quatschen, Zeit mit einander zu verbringen und festzustellen, dass wir uns nicht verändert haben.
Am Donnerstagabend vor meinem Geburtstag haben meine Freundinnen mit mir im ICQ ausgeharrt, so dass ich um Mitternacht schon erste Glückwünsche übers Internet und einen Anruf bekam. Am nächsten Morgen haben mein Vater und meine Schwester von zuhause angerufen und meine Mutter von unterwegs. Ich habe mehrere Ständchen via Telefon bekommen. Es war fast so wie in Deutschland. Nur an der Telefonrechnung konnte man sehen, dass ich mich gerade in der Weltgeschichte herumtreibe. Außerdem war mein Geburtstagspaket von zuhause noch nicht da - sehr zu meinem Leidwesen. Zum ersten Mal hatte ich keinen Geburtstagskuchen zu meinem Geburtstagsfrühstück. Das einzige Paket, das ich rechtzeitig hatte, war das von meiner Patentante. Ich konnte es in meiner Freistunde in der Post abholen.
In der Uni habe ich es kaum einem gesagt, dass ich Geburtstag hatte. Ich hätte es komisch gefunden rein zu kommen, zu rufen: "Hey Leute, ich habe Geburtstag!" und auf die Reaktionen zu warten. Nur im Masterkurs hat es sich ergeben, weil Asun am gleichen Tag Geburtstag hatte. Als das raus kam, brach natürlich das Chaos aus. ;-) Meine Kommilitoninnen wollten wissen, was "Feliz Cumpleaños" denn auf Deutsch hieße. Also habe ich es an die Tafel geschrieben und die Spanier haben eindeutig beschlossen, dass "Erzlieken Glukwe sum Chebusta" zu viele Konsonanten auf zu wenig Vokalen hat.
Nach der Uni habe ich mich mit Alexandra getroffen, auch meine eine Mitbewohnerin hat mir gratuliert (sie ist nur drei Tage älter als ich!) und es gab natürlich viele elektronische Glückwünsche. Es kam also auch fern ab der Heimat Geburtstags-Feeling auf. Danke euch allen!
Freitag war der Tag, auf den ich lange gewartet hatte: Lisa kam! Leider erst abends. Ich habe mein Zimmer aufgeräumt, geputzt und auf den Paketlieferservice gewartet. Um halb sechs bekam ich eine SMS, dass SEUR (der Lieferant, der hier die DHL-Pakete verteilt) mich nicht angetroffen hätte. Haha. Ich habe da angerufen und mir wurde gesagt, wo ich das Paket abholen konnte. Ich wollte mich gleich auf den Weg machen. Die Frau am Telefon fand es etwas merkwürdig, dass ich laufen wollte, weil das nach ihren Worten weit weg wäre. Hätte ich mal auf sie gehört...
Ich habe mir, die Straße bei Google Maps gesucht, weil sie auf meinen Stadtplan nicht drauf ist. Das hätte mich auch schon misstrauisch stimmen müssen. Bei Google Maps konnte man schon sehen, dass die Straße weit weg war, aber ich habe den Bus ein Stück genommen. Als ich an der Endstation ankam, regnete es in Strömen. Aber ich wollte mein Geburtstagspaket ja haben. Leider hatte ich keine Ahnung, wie ich von der Bushaltestelle weiter laufen sollte und habe eine Passantin gefragt. Sie wusste nicht, wo die Straße ist und meinte, ich solle in den Geschäften nach SEUR fragen. Das habe ich gemacht und mir wurde gesagt, ich müsse noch weit laufen. Im Regen.
Ich war kurz davor, aufzugeben, da hielt ein Auto neben mir, in dem die Passantin und ihr Mann saßen und mir anboten, mich zu SEUR zu bringen. Die beiden waren meine Rettung! Ohne sie wäre ich unverrichteter Dinge zurückgefahren. Das SEUR-Büro liegt nämlich mitten in einem Industriegelände und ich hätte sicher noch 5km laufen müssen. Bei Sonne wäre das ja noch gegangen. Bei Regen nicht. Der Mann hat sich auch etwas aufgeregt und meinte, über so was würde man sich doch vorher informieren und ob ich keine spanischen Freunde hätte, die mich hätten warnen können. Die Frau hatte mehr Verständnis für mich.
Mit dem schweren Paket habe ich Lisa beim Busbahnhof abgeholt. Ich habe mich so gefreut sie wieder zu sehen! Nachdem wir uns in Essen fast täglich oder zumindest mehrmals in der Woche gesehen haben, waren zwei Monate nur chatten schon hart. "Live" quatschen ist doch viel schöner als tippen!
In meinem Zimmer haben wir dann erstmal mein Paket ausgepackt bzw. ich habe ausgepackt und Lisa fotografiert.
Ich habe Lisa auch Carol und ihrem Freund vorgestellt und nachdem Lisa klar gestellt hat, dass sie nicht Lisa Simpson ist, mochte sie die beiden, glaube ich, auch. Carol und Anhang haben sich auch darüber amüsiert, dass Samstag noch eine Lisa, Lisa dos, kommen würde.
Samstagmittag kam Lisa dos aus Valladolid an. Lisa uno und ich haben sie am Busbahnhof abgeholt und wir sind erstmal zu meiner WG gegangen, wo Lisa dos einen heißen Tee bekam, weil man sich auch in Valla erkälten kann. (Mein Regenspaziergang hat bisher erstaunlicher Weise kaum Folgen gehabt)
Wir haben zusammen Suppe gekocht, die sogar gut geschmeckt hat. Man kann den Schmelzkäse in der Käse-Porree-Suppe wirklich gut durch Sahne ersetzen. Die spanische Sahne hatte auch irgendwie die Konsistenz von Schmelzkäse. Außerdem hatte Lisa mich im Mercadona auf ein Brot aufmerksam gemacht, das fast alle deutschen Erasmus-Studenten in Valla kaufen, weil es wie deutsches Brot ist. Total lecker! Zur Suppe passte es sehr gut.
Nach dem Essen sind wir durch die Stadt gelaufen. Lisas Begeisterung für die Herbstbäume mit den bunten Blättern könnt ihr in ihrem Blog nachlesen. ;-) Der Pavillon auf dem Espolón rief nicht nur Mulan sondern auch Gilmore Girls-Assoziationen hervor. Bisher hatte ich an keins von beiden gedacht.
Ich habe den beiden Lisas auch die Kathedrale gezeigt (diesmal habe ich sogar Eintritt bezahlt, beim letzten Mal war ich während der eintrittsfreien Zeit da) und großzügig das Wissen, das sich in den letzten 22 Jahren beim Besuch diverser Kathedralen mit meinen Eltern angesammelt hat, verteilt. Beide Lisas schienen von der Kathedrale sehr beeindruckt. Es ist ja auch beeindruckend, wie die Menschen früher mit weit weniger entwickelten Maschinen als heute so ein großes Gebäude geschaffen haben und auch wenn mich die Goldaltäre meistens eher erschlagen und ich mir denke, sie hätten das Gold besser in Amerika lassen sollen, muss ich schon zu geben, dass sie mächtig Eindruck schinden. Was mir im Vergleich zum ersten Besuch sehr gefallen hat, war die Orgelmusik im Hintergrund. Vielleicht spielen sie die nur zu den Zeiten, bei denen man Eintritt zahlen muss. :-D Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, dass sie beim ersten Besuch auch da war. Was ich nicht sagen kann, ist, ob die Musik von einer CD kam, oder ob wirklich jemand gespielt hat.
Abends haben wir auf Lisas Wunsch hin "Alice im Wunderland" gesehen. Sie meinte, sie hätte schon Entzugserscheinungen. Allerdings ist sie dann während des Films eingeschlafen und hat den Futterwackentanz nicht mitbekommen. Entweder war es die Überdosis Alice, die sie völlig geschafft hat, oder die Eindrücke in Burgos waren so erschlagend... ;-)
Sonntagmorgen gab es ein Picknick in meinem Zimmer mit einem tollen Halloween-Kuchen. Er sah aus wie ein Kürbis, hatte oben eine süße orangene Schicht und darunter war Mousse au chocolate. Total lecker, aber sehr schmierig.
Wir haben noch mal einen Spaziergang durch Burgos gemacht, aber leider spielte das Wetter gar nicht mit und gegen Nachmittag haben wir Lisa zum Busbahnhof gebracht.
Abends haben Lisa und ich "Notting Hill" gesehen. Ein Film, den wir beide lieben, aber noch nie zusammen gesehen haben. Es war surreal, aber schön. ;-)
Montagmorgen haben Lisa und ich uns auf den Weg zum Castillo gemacht. Von der Burg an sich ist nicht mehr viel übrig, aber wir haben eine Führung durch die unterirdischen Tunnel mitgemacht. Ich war schon einmal da, aber auch beim zweiten Mal war es noch sehr interessant. Vor allem gibt es diesmal ein Foto von diesen stylischen Helmen, die man bekommt, damit man sich in den Tunneln nicht den Kopf anstößt. Ich kann meistens in den Gängen stehen, aber viele andere müssen eben den Kopf einziehen. Die Tunnel sind auch nur sehr schmal. Man kann sich kaum vorstellen, dass es da auch schon mal zu Kämpfen kam. Eigentlich müssten die Soldaten mit ihren Rüstungen und Waffen im Gang stecken geblieben sein oder zumindest einen sehr eingeschränkten Bewegungsspielraum gehabt haben.
Nach dem Besuch der Burg haben wir tatsächlich ein bisschen was für die Uni getan. Das musste leider sein. Dafür waren wir als Belohnung in dem Facebook-Film. "La Red Social". Spanische Filme verstehen geht immer besser, auch wenn ich in dem Film nicht alles mitgekriegt habe, weil sie teilweise sehr schnell reden. Aber das wichtigste habe ich verstanden.
Insgesamt war dieses Wochenende viel mehr als nur eine Geburtstagsfeier. Wir haben zwar zusammen Mamas Geburtstagskuchen gegessen und ich habe Geschenke bekommen, aber viel wichtiger war mir, meine Freundinnen endlich mal wieder zu sehen, zu quatschen, Zeit mit einander zu verbringen und festzustellen, dass wir uns nicht verändert haben.
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