Donnerstag, 3. Februar 2011

Mamma Mia - oder: schöner Kronleuchter!

Ich komme gerade aus dem Teatro Principal, wo ich "Mamma Mia" als Musical gesehen habe. Es war klasse! Ich bin total gut gelaunt und habe wahrscheinlich die nächsten Tagen einen Ohrwurm von den Liedern.
Erst war ich unsicher, ob ich gehen sollte. Ich hatte das schon als Plakat gesehen und in dem kleinen Heftchen, das hier monatlich rauskommt und das ich im Januar im Hotel von Mama und Papa mitgenommen habe, in dem steht, was an dem Monat in Burgos so los ist, wurde schon Werbung für "Mamma Mia" gemacht, auch wenn es erst im Februar auf dem Programm stand. Ich habe mir dann letztendlich doch eine Karte gekauft, als Belohnung für die letzte Klausur, die ich heute hier geschrieben habe (hoffentlich die letzte :-D).
Ich habe die billigste Preiskategorie genommen und bin im "Paraiso" gelandet. So werden die Plätze ganz oben im Theater genannt. Zumindest die in den alten (spanischen und französischen) Theatern mit Rängen und so. Die Plätze befanden sich dann in der vierten Etage. Da oben war es furchtbar heiß, ich weiß nicht, ob das daran lag, dass wir ganz oben waren und die heiße Luft nach oben stieg, oder daran, dass das ganze Theater einfach überheizt war. Es war so warm, dass eine Frau hinter mir, in der Pause oben rum nur noch im Unterhemd da saß.
Erstaunlicher Weise hatte ich von meinem Platz aus noch eine recht gute Sicht auf die Bühne - und auf den Kronleuchter, den ich sogar von oben sehen konnte, weil er etwas tiefer hing, als ich saß. :-D Natürlich war mir ein Kopf im Weg und so ein komisches Geländer hätte auch nicht sein müssen, aber generell sieht man im Paraiso nicht unbedingt schlechter als von anderen Plätzen, auch wenn ein Mann neben mir lästerte, dass die Leute, die hinter uns säßen wahrscheinlich nur die Decke sehen könnten und das wir, wenn, wir uns zu viel bewegten, kopfüber aus dem "Paradies" stürzen würden...
Dann fing das Stück an und ich fand es toll! Am Anfang habe ich mich dabei ertappt, Vergleiche zwischen Film und Bühnenstück anzustellen, habe mich aber schnell zurecht gerufen, dass das doch nicht ginge. Schließlich habe ich den "Lion King" auch nicht mit dem Disney-Film verglichen. Das sind eben ganz andere Medien.
Das Bühnenbild hier war toll. Zwei griechische Hauswände mit blauen Türen, die nach Belieben gedreht und neu zusammen gestellt werden konnten und von beiden Seiten bespielbar waren. Dazu ein paar Möbel und fertig. Toll fand ich auch eine Frau, die eine schwarz gekleidete griechische Oma spielte. Leider tauchte sie nur zweimal auf und warf einmal beim Umbauen eine Kusshand ins Publikum.
Donna war klasse und meiner Meinung nach auch die beste Sängerin, Sophie war nicht ganz so gut. Sie sang sehr leise, ich habe sie kaum verstanden. Zuerst dachte ich, das Mikro wäre schlecht eingestellt gewesen, aber wenn sie sprach konnte man sie gut verstehen. Und ich war davon begeistert, wie beweglich die Tänzer alle waren. Es waren aber alle Schauspieler/ Tänzer mit sehr viel Körpersprache dabei. Mehr auch als bei Theaterstücken, in denen ich war. Auch wenn sie nicht wirklich tanzten, wirkten die Bewegungen und die Körpersprache wie ein Tanz. Da merkte man, dass man in einem Musical war.
Was mir auch auffiel, ich weiß nicht, ob das der spanische Touch der Inszenierung war, war, dass mehrmals auf den Stierkampf angespielt wurde. Irgendwann z.B. meinte Tante Rosie, glaube ich, dass sie früher zu Hochzeiten mit T-Shirts aufgetaucht wären, auf denen stand, "Die Ehe macht nur Spaß, wenn wir unserem Mann die Hörner aufsetzen!" und Tante Tanya hielt sich zwei Bananen an den Kopf und mimte den Stier, während Rosie den Torero machte.
Etwas gewöhnungsbedürftig war, dass der Stück auf Spanisch war. Ja, das ist eine große Überraschung, wenn man bedenkt, dass es in einem spanischen Theater aufgeführt wurde, aber ich meine, die hatten auch die Lieder übersetzt. Das hat mich dann auch davon abgehalten, mitzusingen. Aber es ist schon merkwürdig, wenn bei "Dancing Queen" diese Worte gar nicht drin vorkommen und es mit "A bailar/ A vivir" anfängt. Noch dümmer ist es allerdings, wenn die englischen Wörter im spanischen Text vorkommen - "Money Money Money/ Quiero pasta/ Para ser feliz". Das Beste waren aber die Namen von Sophies Vätern: Im Original heißen sie ja Sam, Harry und Bill. Im spanischen heißen sie Sam, Javi und Bruno. Kein Kommentar dazu.
Trotz allem sind die spanischen Übersetzungen besser als die deutschen (ja, es gibt auch deutsche Übersetzungen, ich nehme an, dass die in der deutschen Musical-Version gesungen wurden, auch wenn ich nicht drin war, aber ich habe sie mir auf Youtube angehört). Lieber "No malgastes emociones/ fija tu amor en mi" als "Leg dein Herz an eine Leine"... Soweit ich das simultan vergleichen konnten, drücken die spanischen Texte das gleiche aus wie die englischen nur weniger bildhaft. Die Zugabe "Waterloo" war dann allerdings auch auf Englisch. Da habe ich dann auch mitgesungen, auch wenn ich den Text nur halb kann. Bei dem Lied stand auch zumindest das halbe Paraiso (die andere Hälfte waren Omis, die zu ABBAs Zeiten wahrscheinlich schon zu der älteren Generation gehört hat und keine Standing Ovations leisten konnte).
Es war schon interessant zu sehen, was für ein Publikum da war. Eigentlich war es ein sehr gemischtes, aber ich hatte das Gefühl, dass um mich herum nur Omis über siebzig saßen (außer meinem linken Nachbarn). In der Pause habe ich Elise, die Amerikanerin, getroffen. Sie war mit ihrem Freund da, der kein Wort Spanisch kann, oder zumindest bei der Aufführung nichts verstand. Sie wirkte auch leicht irritiert wegen der spanischen Liedtexte. Eine sehr lustige Begegnung hatte ich auch auf der Toilette in der Pause. Elise und ich unterhielten uns und hinter Elise in der Schlange begann eine ältere Frau "Chiquitita" zu singen. Das war sehr süß. Es scheint also auch der Großeltern-Generation gefallen haben.

2 Kommentare:

  1. Klingt saugut! Ich will auch :D
    Schön,dass dus im Paraíso doch gut gehabt hast, hehe :) "una máquina de amor?!?" :D

    AntwortenLöschen
  2. Im Lied war es "Love machine", aber Sophies Freundin wiederholte es dann noch mal auf Spanisch. :-D

    AntwortenLöschen