Freitag, 30. Juli 2010

To Do-Liste abhaken

Ich arbeite meine To Do-Liste immer mehr ab.
Klausuren schreiben - abgehakt
Essay schreiben - steht noch aus
Wohnung kündigen - abgehakt
Strom abmelden - soweit es bisher geht abgehakt
Handyvertrag kündigen - sowas ähnlichen (abgehakt)
GEZ kündigen - abgehakt
Überlegen, was ich mit nach Burgos nehme - steht noch aus
Ausziehen aus Wohneim - steht noch aus
Von Freunden verabschieden - steht noch aus
Koffer packen - steht noch aus
Fliegen - am 30.8. :-)

Übrigens habe ich vorgestern von Wiebke erfahren, dass es in Santiago im Winter höchstens (!) -11°C wird. Also ist Burgos mitnichten der Nordpol Spaniens. Papa und ich haben vor ein paar Wochen auch schon rausgefunden, dass Burgos nicht viel kälter als Valladolid ist. Auch wenn eine bestimmten Spanierin (*hust* ;-)) Galizien unter Umständen vergessen oder nicht zu Spanien gehörend gezählt hat :-P , hat sie es mit den unterirdischen in Burgos doch eindeutig übertrieben...

Samstag, 24. Juli 2010

Aufbruchstimmung und Aufbruchpanik

Die Vorlesungen sind vorbei. Übermorgen schreibe ich noch eine Klausur, danach ist noch ein Essay an der Reihe und dann ist das Semester rum. Dann wird es Zeit für Burgos.
Die eine Lisa zählt bereits die Tage, die andere überlegt sich bei jeder Aktion, dass die jetzt die letzte ihrer Art vor Spanien sein könnte, wir alle sammeln letzte Unterschriften und Materialien, regeln Dinge, dir vorher noch geregelt werden müssen, kündigen Abos und Verträge, überlegen, was wir mitnehmen und von wem wir uns in welchem Ausmaß verabschieden. Und ich kriege Panik.
Das ganze Organisatorische macht mir nicht solche Angst. Es beruhigt mich ungemein, dass Papa dabei ist und mich bei der Wohnungssuche unterstützen kann. Außerdem habe ich bei der Anmeldung ja einen Voluntario "bestellt", obwohl ich immer noch nicht weiß, wie ich mit ihm oder ihr Kontakt aufnehmen kann. Auch das mit dem Learning Agreement vor Ort, das Certificate for Erasmus Grant und der ganze Papierkram... das wird schon alles klappen. Schließlich haben das Generationen von Erasmus-Studenten vor uns geschafft. Ich glaube wirklich nicht, dass man eine Wohnung braucht, bevor man da ist, oder dass es ein Weltuntergang ist, wenn man die Kurse, die man sich in Deutschland rausgesucht hat, nicht belegen kann. Das wird alles schon irgendwie. Auch die Sprache macht mir eigentlich wenig Gedanken. Ich lerne seit 5 Jahren Spanisch und sollte doch wohl in der Lage sein, mich da angemessen verständigen zu können!
Nein, worüber ich mir Gedanken mache, ist das Zwischenmenschliche. Manchmal bin ich ja sozial völlig inkompetent und kann mich furchtbar anstellen, wenn es darum geht, neue Leute kennen zu lernen. Allerdings glaube ich, dass auch das irgendwie klappen wird. Ich weiß nur nicht, ob das reicht, um zu kompensieren, dass ich meine Freundinnen, die ich hier gefunden habe, nicht mehr jeden Tag sehen kann. Das wird eine Sache sein, die weder das Internet, noch Fotos, noch die Freundschaftsmaus Lilli ersetzen können. Ja, das Ganze habe ich nach dem Abi auch durchgemacht, aber das hier ist anders. Im ersten Semester bin ich ja sooft nach Hause gefahren, dass meine Mitbewohnerinnen sich schon beschwert haben, dass ich am Wochenende gar nichts mit ihnen unternehmen könnte, weil ich immer weg sei und trotzdem hatte ich noch viel Heimweh und konnte es nach spätestens zwei Wochen kaum noch abwarten, zurück zu fahren. Inzwischen hat sich das gelegt, aber ich weiß, wenn irgendwas ist, bin ich in einer Stunde wieder zuhause.
In Spanien wird das anders. Da kann ich nicht mal eben nach Hause fahren. Am ehesten geht es noch, von Burgos nach Valladolid zu fahren (zwei bis zweieinhalb Stunden mit dem Bus), aber das ist nicht das gleiche. So sehr ich meine beiden Vallisoletanas auch mag, sie sind nicht meine Eltern (zum Glück ;-)). Und Lisa ist noch weiter weg. Weit im Süden, wohin man zu Fuß fünf Tage braucht... Vielleicht übertreibe ich auch etwas. Ich würde auch in Deutschland nicht nachts um elf den Zug nehmen, um nach Hause zu fahren, aber ich habe das Gefühl, dass ich in Spanien mehr das Gefühl haben werde, aus der Welt zu sein. Es gibt das Internet und wir werden alle eine spanische Handykarte haben, aber es wird anders sein.
Schlimm wird es sicher an meinem Geburtstag. Ich wusste 2008 schon nicht, was ich mit diesem Tag anfangen sollte, wen ich einladen sollte und überhaupt. Am Ende habe ich dann mit meinen beiden Mitbewohnerinnern und einer Nachbarin aus dem Wohnheim zusammen gesessen und es war wirklich nett. Hoffentlich habe ich dieses Jahr wieder so ein Glück. Die beiden Lisas und Charlotte wollen am Wochenende nach meinem Geburtstag kommen. Da freue ich mich auch total drauf. Aber ich weiß nicht, wie ich mich an dem Geburtstag selbst fühlen werde und überlege schon, das Ganze einfach um zwei Tage nach hinten zu verschieben und die Tatsache, dass ich schon wieder ein Jahr älter werden an dem Donnerstag einfach zu vergessen. Denn ich weiß jetzt schon, wenn an dem Tag alleine vor meinem Laptop sitze und Grüße übers Internet empfange, werde ich weinen.
Und dann ist noch die Sache, dass in Deutschland die Zeit nicht stehen bleiben wird. Wenn ich wieder komme, wird es kaum so sein, wie es war, als ich gegangen bin. Was ist, wenn Menschen sich so verändern, dass ich nur noch wenige Gemeinsamkeiten mit ihnen finde? Oder Gruppenstrukturen sich geändert haben? Was, wenn Denise sich plötzlich mit Crystal-Chantalle anfreundet? Nein, ich weiß, Denise, das wird nicht passieren! Aber trotzdem...
Ich weiß, ich habe mich bewusst dafür entschieden, dass ich ein halbes Jahr weg sein werde. Dieses Risiko bin ich willentlich eingegangen und ich will es auch nicht rückgängig machen. Ich bin mir sicher, dass es die richtige Entscheidung war, mich um einen Erasmus-Platz zu bemühen. Aber jede Sache hat zwei Seiten und im Moment mache ich mir zu viele Gedanken, als dass ich mit großer Vorfreude daran gehen kann. Natürlich freue ich mich, aber ich habe auch Angst. Lisa hat es schon ganz richtig gesagt: Alle Menschen wünschen uns viel Spaß in Spanien und tun so, als ob das eine sechs Monate lange Party würde, aber diese Menschen denken gar nicht so weit, dass wir uns auch Sorgen machen und ihren Optimismus vielleicht in dem Moment gar nicht hören wollen.
Tröstlich ist nur, dass es uns alles so geht, auch wenn wir auf einander anscheinend völlig ruhig und entspannt werden. Auf irgendeine Weise glauben wir alle, mit unseren Gefühlen alleine zu sein und dass die anderen entweder zu cool und abgeklärt sind oder ihre Bedenken auf andere Probleme projizieren, sublimieren, was auch immer und wenn wir dann darüber reden, fällt uns auf, dass es unserem Gegenüber genauso geht wie uns. Ich denke, es ist wichtig, dass wir darüber reden und gut, dass wir größtenteils gleichzeitig gehen. Auf diese Weise verkürzen wir uns nicht nur gegenseitig die Wartezeiten vor dem AAA oder dem Büro der Pardellas, sondern bauen uns auch gegenseitig wieder seelisch auf, wenn eine wieder durchdreht. Schließlich wissen wir genau, was die andere gerade durchmacht.

Mittwoch, 14. Juli 2010

¿Os habéis reproducido?

Heute habe ich die Unterschrift meiner Erasmus-Koordinatorin für das Learning Agreement abgeholt. Weil mir vorher schon gesagt wurde, dass wir da lange würden warten müssen, weil besagte Dozentin - obwohl sie laut Plan von 14-15 Uhr Sprechstunde hat - immer erst noch mit einer Kollegin essen geht, sind Lisa und ich schon um halb 2 zu dem Büro gekommen. E. kam vorbei und meinte, sie würden aber erst essen gehen. Lisa und ich haben gesagt, dass wir das wüssten und warten würden. E. kam ein zweites Mal vorbei. "¡Me dais pena!" und meinte, wir sollten was lesen. Beim dritten Mal, als sie dann entgültig ging, um sich mit Frau P. zu treffen, meinte sie: "Wir beeilen uns!" Frau P. tauchte wenig später aus, holte ihr Portemonnaie und verschwand wieder, um erstmal etwas zu essen. Dabei standen schon an die zehn Leute vor ihrer Tür. Na ja, spanische Verhältnisse, wie unser Nachbar meinte. Ein kleiner Vorgeschmack für Burgos.
Zehn bis fünfzehn Minuten nach dem offiziellen Beginn der Sprechstunde kam Frau P. vom Essen. "¿Os habéis reproducido?", fragte sie völlig fassungslos. Die Gruppe vor ihrer Tür war nämlich noch weiter angewachsen. Die Dozentin hat dann beschlossen, uns wie am Fließband abzufertigen. Alles musste "Tak tak tak" gehen. Ich bin als erste rein gegangen und sie hat meine Kurse nur kurz überflogen, mich darauf aufmerksam gemacht, dass mir die Englischkurse wahrscheinlich nicht angerechnet werden, hat mich gefragt, ob ich geguckt hätte, ob das alles Hauptstudiumskurse sind, das ganze unterschrieben und schon war ich fertig und war beim Seminar, das parallel zu der Sprechstunde ist, nur etwa 20 Minuten zu spät. Montag gehe ich mit dem Learning Agreement zum Auslandsamt und dann ist wieder ein Punkt der Vorbereitung abgehakt.

Freitag, 2. Juli 2010

Alsa und lustige Übersetzungen der Uni Burgos

Nach gefühlten 100 Versuchen haben Papa und ich es gerade gesschafft, bei Alsa.es einen Bus von Valladolid nach Burgos zu buchen. Ich weiß nicht, was diese Seite gegen unsere (*höhö*) Kreditkarte hatte. Jedenfalls hat sie sie ständig zurück gewiesen. Aber wir haben das System überlistet! Zumindest haben wir jetzt die Karten. Und mir ist ganz anders geworden, als ich nur einen Monat weiter klicken musste wegen der Buchung. Natürlich, es sind 2 Monate bis ich fliege (30.8.) bzw. sind es NUR noch 2 Monate... Die ganze Sache rückt immer näher. Jetzt muss ich mich auch mal entscheiden, was ich eigentlich mitnehmen will nach Burgos (außer Skianzug und langer Unterwäsche :-P). Besonders bei den Büchern wird mir die Wahl schwer fallen... Aber ich kann ja viele neue auf spanisch (!) in Burgos kaufen/ leihen.

Im Übrigen habe ich mich jetzt entgültig gegen den Intensivkurs Spanisch zu Beginn des Semesters entschieden. Ich würde die erste Stunde eh verpassen und nach dem ich mir die Beschreibung des Kurses auf Englisch durchgelesen hatte, war ich überzeugt, dass ich den Kurs nicht brauche. "The contents of the course will focus on the practical skills necessary for survival during the first weeks. "
Die spanische Kursbeschreibung lässt den Kurs aber etwas bombastischer erscheinen: "Los contenidos del curso se orientarán hacia los aspectos prácticos de la lengua más importantes."
Ich liebe die zweisprachigen Infos der Uni. :-D