Freitag, 4. Februar 2011

Der letzte Monat

Mein letzter Monat ist angebrochen. Die ersten Deutschen sind schon auf dem Rückweg. Isabel ist schon vor einer Woche geflogen, Camila heute, Anna fliegt am Sonntag... Es bleiben nicht mehr viele von denen, die nur ein halbes Jahr bleiben. Und für die, die verlängert haben oder von Anfang an ein Jahr geplant hatten, geht nach dem Wochenende die Uni schon wieder los. Am Mittwoch habe ich meine (hoffentlich) letzte Klausur geschrieben.
Das ganze war leicht chaotisch: Wir, Cristina und ich, die treuen Teilnehmerinnen von "El Amor en la Literatura", hatten mit ML ausgemacht, dass wir um halb elf schreiben würden. Weil ML am gleichen Tag eine Nachschreibklausur hatte, hat sie uns zusammengelegt. So weit, so gut. Allerdings begann die Nachschreibklausur schon um zehn und Cristina und mir wurde nur mitgeteilt, uns im Klassenzimmer 11 einzufinden. Als wir da ankamen, war der Raum besetzt (die Nachschreiber). Wir wollten die Klausur nicht stören, weil wir ja nicht wussten, dass wir mit den Nachschreibern zusammen schreiben sollten. Wir dachten, der Raum wäre doppelt vergeben worden.
Cristina hat im Büro nach von ML gefragt und ihre Hilfskraft meinte, wir sollten einfach klopfen und reingehen. Wir haben dann mit 15 Minuten Verspätung die Klausur angefangen. Aber hätte ML uns nicht einfach sagen können, dass wir um zehn kommen sollen? Die Nachschreibklausur bestand nämlich aus zwei Teilen und die Studenten hatten zwischendurch eine kleine Pause. Cristina und ich haben also gleich zwei Klausuren gestört: Den ersten Teil, weil wir 45 Minuten nach Beginn rein kamen (und uns mitten unter die anderen setzen mussten), und den zweiten Teil, weil wir eine halbe Stunde nach Beginn abgaben. Und die Nachschreiber haben uns gestört, weil sie zwischen den Teilen raus und wieder rein kamen. Und dieser ganze Stress wäre nicht mal nötig gewesen... Wir stehen kurz vor der Erfindung der E-Mail! Ansonsten war die Klausur aber ganz gut.

In gut drei Wochen fliege ich schon zurück nach Deutschland. Einerseits ist die Zeit hier recht schnell umgegangen. Andrerseits habe ich aber auch das Gefühl, ewig hier gewesen zu sein. Die Häuser, die Straßen... alles ist so vertraut geworden (und meistens denke ich inzwischen auch an die Siesta ;-)). Die Zeiten im Studentenwohnheim scheinen Jahrzehnte her zu sein.
Ob ich mich denn auf Deutschland freue? Ja, keine Frage. Ich war ein halbes Jahr nicht mehr zu Hause, so lange wie noch nie. Vielleicht liegt es daran, dass ich Weihnachten auch in Spanien gefeiert habe, jedenfalls kann ich es kaum abwarten zurück zu kehren. Ich vermisse meine Familie, meine Freundinnen und auch mein Englischstudium (ja, auch das Englischstudium). Außerdem habe ich langsam das WG-Leben satt und freue mich, dass ich in Essen bald eine kleine Wohnung für mich alleine habe.
Aber bin ich auch schon etwas traurig, dass es hier bald zu ende geht. Burgos ist eine wunderschöne Stadt und auch wenn die Bib hier nicht die beste ist, ist die Uni ganz gut. Es ist ein Luxus mit nie mehr als 20 Leuten in einem Kurs zu sitzen. Wahrscheinlich erschlägt mich Essen mit seiner Größe und den vielen Studenten in einem Raum erst mal (und in der Bib stehe ich dann wie Alice im Wunderland). Außerdem habe ich hier einige nette Menschen getroffen, die ich bestimmt vermissen werde (die Chaos-Dozentin vielleicht nicht unbedingt). Meine Mitbewohnerin Daniela jammert schon seit zwei Monaten, dass ich Ende Februar fliege.
Apropos Daniela: Sie macht eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin (oder einer Art Zahnärztin, so genau habe ich das nicht verstanden) und brauchte gestern ein williges Opfer, dem sie die Zähne putzen konnte. Ich bin ja ein netter Mensch und habe mich zur Verfügung gestellt. Daniela ist auch neu in Burgos und kennt außerhalb ihrer Klasse kaum jemanden. Wir sind also morgens um acht zu ihrer Schule, die irgendwie auch mit zu der Uni Burgos gehört, gegangen. Das Klassenzimmer ist zur Hälfte ein normales Klassenzimmer, aber hinten stehen sechs Zahnarztstühle. Daniela und ihre Partnerin haben sich meine Zähne angeguckt und schienen etwas enttäuscht, dass da nicht so viel war, was sie weg machen durften (ich nehme mal an Zahnstein). Sie haben es dann ganz gut gemacht, wenn sie sich nicht sicher waren, haben sie sofort die Lehrerin geholt. Allerdings müssen sie noch etwas üben, ihre Patienten nicht so nass zu spritzen. Mein ganzes Gesicht war feucht.
Lustig zu beobachten war, wie alle Schülerinnen vor der Stunde in ihre weißen Kittel schlüpften. Es gibt da eine Menge modischer Unterschiede: geknöpft oder mit V-Ausschnitt, tailliert oder nicht... Manche hatten auch schon weiße Hose, die sie anzogen. Außerdem wurde ich, bevor mir die beiden in den Mund geguckt haben, gefragt, ob ich schon mal beim Zahnarzt war und wie oft. Die Frage, OB ich schon mal bei einem Zahnarzt war, hat mich doch sehr verwirrt.

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