Und? Wie war es in Burgos? Ich weiß nicht, wie oft ich diese Frage schon mit kleinen Abänderungen gehört habe. Was soll man darauf antworten? Auf die Frage „Wie war’s?“ antwortet man ja meistens nur kurz. Aber wie soll man sechs Monate in eine kurze Antwort packen? Meistens antworte ich mich „gut“, aber es ist weder eine besonders ausführliche noch eine ganz richtige Antwort, aber irgendwie trifft es schon den Kern. Alles in allem, war es gut, es war auch anstrengend, teilweise frustrierend und total aufregend. Und selbst diese Antwort beschreibt das die letzten sechs Monate längst nicht angemessen.
Die Universität
Die Uni Burgos hat mir im Großen und Ganzen gut gefallen. Sie ist nicht groß, in fast jedem Kurs waren mindestens genauso viele Erasmus-Studenten wie Spanier, aber wir waren auch nie mehr als zwanzig Studenten pro Kurs (wobei ich gerade nicht weiß, wie viele wir in Sintaxis waren). Das war schon Luxus.
Die Klausuren fand ich auch besser. Es wurden nicht stumpf Fakten abgefragt, bei der man die eine richtige Information auf die passende Frage abrufen musste. Stattdessen mussten wir Texte schreiben, in denen wir das Thema erklären sollten. Da konnte man manchmal auch etwas drum herum reden. Ich habe mich mal wieder geistig gefordert gefühlt. Und schöner als Essen ist die Uni alle mal, sogar das Humanidades-Gebäude.
Die Größe der Uni hat dann aber auch zur Folge, dass die Bibliothek eine Katastrophe ist und es nur eine geringe Auswahl bei den Kursen gibt. Einen Bachelor-Studiengang „Spanische Sprache“ gibt es erst im zweiten Jahr und die Licenciatura (so was wie Diplom, Staatsexamen etc.) nennt sich Licenciatura de Humanidades, also Geisteswissenschaften, wo die Studenten zwischen verschiedenen Zweigen wählen können (z.B. Geschichte, Architektur oder eben Sprachen). Der Zweig Sprachen deckt dann aber nicht nur Spanisch sondern auch Französisch, Englisch, Latein und Altgriechisch ab...
Die Wohnung
Gefunden hatte ich sie über einen Aushang an der Uni und für ein halbes Jahr war sie voll in Ordnung: Das Zimmer war ziemlich groß, es gab Internet (meistens) und die Wohnung war nicht so teuer. Meine Mitbewohnerinnen waren auch nett (auch wenn ich mich oft über die üblichen WG-Dinge aufgeregt habe) und es war auch gut, dass ich spanische Mitbewohnerinnen hatte.
Auf der anderen Seite hätte ich aber auch ungern länger als ein halbes oder vielleicht ein ganzes Jahr in der Wohnung gewohnt, nachdem mir klar geworden ist, dass die schwarzen Punkte an der Balkontür Schimmel waren, ich den gesamten Winter gefroren habe und die Küche schlecht ausgestattet war.
Die Menschen
Im Endeffekt hatte ich dann mit den anderen Deutschen am meisten Kontakt. Wir haben eh oft zusammen in den Kursen gehockt und irgendwie ist man dann ja doch bequem und spricht Deutsch.
Die Spanier waren alle sehr hilfsbereit. Lara hat mich gleich am ersten Tag ihre Handynummer gegeben – falls ich mal Hilfe brauche. In El Amor en la literatura hat sich Cristina total viel mit Laura und mir beschäftigt, hat uns das spanische Reimschema erklärt, uns ihre Notizen geliehen und und und. Auch im Masterkurs haben die Studentinnen sich nett um mich gekümmert. Und im Bachelorkurs war vor allem Lourdes sich darum bemüht, uns Erasmus-Studenten zu integrieren. Das hat mich sehr gefreut, weil ich von anderen Erasmus-Studenten gehört hatte, dass die Spanier nur ein geringes Interesse daran hätten, Kontakt mit den Ausländern zu haben.
Was hat es dir gebracht?
Isabel meinte irgendwann einmal: „Ich glaube, dass niemand von uns so viel Spanisch gelernt hat, wie er wollte“. Damit hat sie Recht. Ich hatte eigentlich gehofft, nach dem Aufenthalt besser Spanisch zu können, als es jetzt tatsächlich der Fall ist. Aber gebracht hat es mit Sicherheit etwas. Ich habe auf jeden Fall neue Wörter gelernt und weiß jetzt, dass „fregar“ „spülen“ bzw. „wischen“ heißt, dass man Erbsen „guisantes“ nennt und dass man anstatt „estoy cansada“ auch „tengo sueño“ sagen kann (letzteres war der Standartspruch von Cristina und mir ;-)).
Aber ich habe auch „für’s Leben gelernt“. Ich habe gelernt, dass es möglich ist, mit einem Gasherd zu kochen, in einer Küche, die weder einen Pfannenwender noch richtige Topflappen hat. Die deutschen Standards sind schon anders als die spanischen. Da musste ich mich umgewöhnen, aber es ging. Wir sind teilweise echt verwöhnt in Deutschland. Man macht sich das nicht so klar, aber schon innerhalb Europas sind die Lebensstandards sehr unterschiedlich (Lisa hat eine spanische Freundin, die sich immer mit ihrer Schwester ein Zimmer geteilt hat).
Außerdem habe ich gelernt, wie sich Freundschaften verändern können. Unter uns Freundinnen, die in Spanien waren, hat sich das Band, glaube ich, verstärkt. Trotz der Entfernung und manchmal mangelhaften Internet. Uns hat so viel verbunden. Das ist eine wundervolle Erfahrung. Mit den Freundinnen in Deutschland hat es leider nicht so gut geklappt. Eine Freundschaft hat den Erasmus-Aufenthalt nicht überlebt.
Und jetzt?
Was kommt jetzt? Wie geht es weiter? Jetzt muss ich noch einmal zur Uni und die letzten Erasmus-Unterschriften holen. Dann auf das Transcript of Records warten und hoffen, dass mir alle Kurse angerechnet werden.
Ansonsten muss ich mich hier wieder einleben, Dinge organisieren, alte Freunde treffen, Zwischenprüfung machen, Umzugskisten auspacken... Das Leben geht weiter – ein anderes Leben als das in Spanien.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen