Passend dazu gab es natürlich zwei Dinge, die versuchten mir die Laune zu verderben (abgesehen von den Hausarbeiten und den Klausuren, die ich in dieser Woche im Eilverfahren schreiben und vorbereiten muss): Erst einmal regnete es und dann wurde ich krank. Wir haben versucht, uns trotzdem nicht die Stimmung verderben zu lassen.
Dienstag habe ich mit ihnen Mittag gegessen und merkte dabei schon, dass ich den Schinken auf dem Brot nicht ganz runterkriegte. Zur Siesta-Zeit wurde ich arbeiten geschickt, wir trafen uns nachmittags (im Regen) vor der Kathedrale wieder.
Ich war jetzt zum vierten Mal in der Kathedrale, aber jedes Mal sieht man etwas anderes. Es ist schon interessant, was die verschiedenen Gäste in der Kathedrale begeistert und ich entdecke jedes Mal noch etwas Neues. Weil die weihnachtliche Festzeit ja noch andauerte, stand z.B. noch eine Krippe in der Kathedrale.
Außerdem sind im oberen Kreuzgang moderne Bilder zum Leben Jesu auf einem war die Taufe zu sehen. Und Mama sah sofort, dass Jesus in Surferpose auf einer Welle steht. Glaubt ihr nicht? Seht selbst! "Das ist die perfekte Welle..."
Nach dem Rundgang in der Kathedrale stellten wir fest, dass in einem Teil der Kreuzgangs das Rote Kreuz eine riesige Krippenlandschaft gebaut hatte. Ich hatte in Murcia schon diverse Krippenlandschaften gesehen, aber diese übertraf die in Murcia zumindest in der Lange der präsentierten Geschichte. Es begann nämlich lange vor Jesu Geburt. Genauer gesagt bei der Geburt von Maria. Und es endete nicht mit der Flucht nach Ägypten oder der Episode mit dem zwölfjährigen Jesus im Tempel. Nein, es endete mit der Kreuzigung und Auferstehung von Jesus. Leicht übertrieben würde ich sagen, vor allem, weil die eigentliche Weihnachtsgeschichte ziemlich in eine Ecke gedrängt wurde, und ich die Heiligen drei Könige erst gesehen habe, als ich schon lange dran vorbei war...
Man muss aber sagen, dass die ganze Landschaft mit viel Liebe aufgebaut worden war. Sie wurde mit verschiedenen Lampen angestrahlt, dass es Tag und Nacht wurde, es schneite und regnete, manche Figuren bewegten sich und im "Nil" schwammen echte Goldfische! Was allerdings noch nervte, war, dass irgendein Evangelium im Hintergrund als Hörspiel war. Das war doch etwas zu viel.
Am nächsten Tag, dem 05.01. kamen Mama und Papa gegen Mittag mit einen Roscón de Reyes (einem Kuchen, den es hier am Dreikönigstag immer gibt) vorbei. Eigentlich isst man den wohl erst am Tag danach, aber egal (es war auch wohl besser, dass wir den am 5. gegessen haben, am 6. habe ich nämlich nur von trockenem Brot gelebt). In dem Kuchen sind eine Bohne und eine kleine Figur versteckt. Wer die Bohne findet, muss den Kuchen bezahlen, wer die Figur findet, wird mit der beiliegenden Pappkrone gekrönt. Aber weil wir ja Deutsche sind (und die "Gebrauchsanweisung" erst nicht gelesen hatten), haben wir erst einmal alle die Krone aufgesetzt. Die Bohne hat Papa dann gefunden, die Figur ich - zwei Tage später.
Abends war die Cabalgata, der Umzug der heiligen drei Könige (Reyes Magos). Leider regnete es. Aber das stört uns ja nicht. Es war sogar ein bisschen wie Karneval zuhause. Die Leute drängten sich am Straßenrand (mit Regenschirmen bewaffnet), die Kinder liefen dem Umzug entgegen, um zu gucken, ob er kommt, und dann kam er wirklich.
Zuerst kamen die Polizisten, die die Leute von der Strecke fernhielten. Es folgten zwei Feuerwehrautos, von dem schon verkleidete Kinder Bonbons warfen und auf dessen Dächern Weihnachtsgeschenke verstaut waren. Danach kam eine Gruppe von überwiegend Frauen in typischer Bauerntracht, die auch tanzten. Teilweise hatte der Zug etwas mit Weihnachten zu tun, hinter den Bauern kamen die Römer: Legionäre, Vestalin-Priesterinnen und Gladiatoren mit Leopardenfell und "wilden" Tieren (sie hatten Bulldoggen an Leinen dabei) und natürlich hatten die Reyes Magos einen Bezug zu Weihnachten. Jeder hatte einen eigenen Wagen und die Leute an der Straße erkannten die Wagen, riefen die Namen des jeweiligen Königs und streckten die Regenschirme aus, um die Bonbons zu fangen. Ich sage ja: wie Karneval.
Es gab auch Fußgruppen, die mehr mit Karneval als mit Weihnachten zu tun hatten. Aber die hatten auch geniale Kostüme: Menschen auf Stelzen, Frauen in wirklich riesigen Röcken und ein Mensch, der in einem rieseigen Rad saß, das gedreht wurde. Am besten hat mir der Eisbär gefallen, der auftrat. Kein richtiger Eisbär, er war natürlich nachgebaut, aber es gab sogar Menschen, die seine Füße bewegten und eine Mann, der vorne weg ging und scheinbar versuchten, den Bären in Schach zu halten, bewegte seinen Kopf. Der ganze Umzug war einfach genial. Ganz zum Schluss fuhr ein Wagen, der Kohle geladen hatte. Die bösen Kinder in Spanien bekommen nämlich keine Geschenke sondern nur Kohle.
Die Könige zogen auf das Teatro Principal zu. Daneben war eine Bühne aufgebaut worden, auf der wohl eine Krippenszene nachgestellt wurde. Gesehen habe ich es nicht, aber es roch auf einmal so nach Weihrauch und als wir später daran vorbeikamen, standen Gold, Weihrauch und Myrrhe auf der Bühne.
Nach dem Besuch im Stall traten die Könige auf den Balkon des Teatro Principals und jeder hielt eine Rede, in der die Kinder aufgefordert wurden, brav zu sein. Am Ende jeder Rede wurden die Kinder gefragt: "Werdet ihr brav sein?" oder "Geht ihr heute Abend früh ins Bett" und alle riefen "Síííííííííííííí".
Zum Schluss gab es noch ein schönes Feuerwerk. Das war eindeutig eine Entschädigung für Silvester. Anscheinend wird hier an Silvester einfach nicht geböllert.
Der 6. Januar war dann einfach nur im Eimer, dafür war ich am Tag danach aber wieder einigermaßen fit und war mit meinen Eltern einkaufen. Ich sollte mir noch eine Armbanduhr aussuchen, die ich zu Weihnachten gekriegt habe.
Es war furchtbar. Es schien, als ob ganz Burgos seine Weihnachtsgeschenke umtauschen wollte. Wir haben ewig beim Juwelier gewartet. Irgendwann kamen wir aber dran und haben eine schöne Uhr gefunden.
Wir haben zusammen Mittag gegessen, nachmittags habe ich wieder versucht, zu arbeiten und abends musste ich mich schon wieder von ihnen verabschieden, weil sie am nächsten Morgen zurück nach Deutschland flogen (lustiger Weise im gleichen Flieger wie meine Spanischdozentin). Aber jetzt dauert es ja auch nicht mehr so lange, bis ich zurück komme. Nur noch zwei Monate, drei Klausuren und drei Hausarbeiten...
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