Samstag, 12. März 2011
Erasmus - eine Rekapitulation
Die Universität
Die Uni Burgos hat mir im Großen und Ganzen gut gefallen. Sie ist nicht groß, in fast jedem Kurs waren mindestens genauso viele Erasmus-Studenten wie Spanier, aber wir waren auch nie mehr als zwanzig Studenten pro Kurs (wobei ich gerade nicht weiß, wie viele wir in Sintaxis waren). Das war schon Luxus.
Die Klausuren fand ich auch besser. Es wurden nicht stumpf Fakten abgefragt, bei der man die eine richtige Information auf die passende Frage abrufen musste. Stattdessen mussten wir Texte schreiben, in denen wir das Thema erklären sollten. Da konnte man manchmal auch etwas drum herum reden. Ich habe mich mal wieder geistig gefordert gefühlt. Und schöner als Essen ist die Uni alle mal, sogar das Humanidades-Gebäude.
Die Größe der Uni hat dann aber auch zur Folge, dass die Bibliothek eine Katastrophe ist und es nur eine geringe Auswahl bei den Kursen gibt. Einen Bachelor-Studiengang „Spanische Sprache“ gibt es erst im zweiten Jahr und die Licenciatura (so was wie Diplom, Staatsexamen etc.) nennt sich Licenciatura de Humanidades, also Geisteswissenschaften, wo die Studenten zwischen verschiedenen Zweigen wählen können (z.B. Geschichte, Architektur oder eben Sprachen). Der Zweig Sprachen deckt dann aber nicht nur Spanisch sondern auch Französisch, Englisch, Latein und Altgriechisch ab...
Die Wohnung
Gefunden hatte ich sie über einen Aushang an der Uni und für ein halbes Jahr war sie voll in Ordnung: Das Zimmer war ziemlich groß, es gab Internet (meistens) und die Wohnung war nicht so teuer. Meine Mitbewohnerinnen waren auch nett (auch wenn ich mich oft über die üblichen WG-Dinge aufgeregt habe) und es war auch gut, dass ich spanische Mitbewohnerinnen hatte.
Auf der anderen Seite hätte ich aber auch ungern länger als ein halbes oder vielleicht ein ganzes Jahr in der Wohnung gewohnt, nachdem mir klar geworden ist, dass die schwarzen Punkte an der Balkontür Schimmel waren, ich den gesamten Winter gefroren habe und die Küche schlecht ausgestattet war.
Die Menschen
Im Endeffekt hatte ich dann mit den anderen Deutschen am meisten Kontakt. Wir haben eh oft zusammen in den Kursen gehockt und irgendwie ist man dann ja doch bequem und spricht Deutsch.
Die Spanier waren alle sehr hilfsbereit. Lara hat mich gleich am ersten Tag ihre Handynummer gegeben – falls ich mal Hilfe brauche. In El Amor en la literatura hat sich Cristina total viel mit Laura und mir beschäftigt, hat uns das spanische Reimschema erklärt, uns ihre Notizen geliehen und und und. Auch im Masterkurs haben die Studentinnen sich nett um mich gekümmert. Und im Bachelorkurs war vor allem Lourdes sich darum bemüht, uns Erasmus-Studenten zu integrieren. Das hat mich sehr gefreut, weil ich von anderen Erasmus-Studenten gehört hatte, dass die Spanier nur ein geringes Interesse daran hätten, Kontakt mit den Ausländern zu haben.
Was hat es dir gebracht?
Isabel meinte irgendwann einmal: „Ich glaube, dass niemand von uns so viel Spanisch gelernt hat, wie er wollte“. Damit hat sie Recht. Ich hatte eigentlich gehofft, nach dem Aufenthalt besser Spanisch zu können, als es jetzt tatsächlich der Fall ist. Aber gebracht hat es mit Sicherheit etwas. Ich habe auf jeden Fall neue Wörter gelernt und weiß jetzt, dass „fregar“ „spülen“ bzw. „wischen“ heißt, dass man Erbsen „guisantes“ nennt und dass man anstatt „estoy cansada“ auch „tengo sueño“ sagen kann (letzteres war der Standartspruch von Cristina und mir ;-)).
Aber ich habe auch „für’s Leben gelernt“. Ich habe gelernt, dass es möglich ist, mit einem Gasherd zu kochen, in einer Küche, die weder einen Pfannenwender noch richtige Topflappen hat. Die deutschen Standards sind schon anders als die spanischen. Da musste ich mich umgewöhnen, aber es ging. Wir sind teilweise echt verwöhnt in Deutschland. Man macht sich das nicht so klar, aber schon innerhalb Europas sind die Lebensstandards sehr unterschiedlich (Lisa hat eine spanische Freundin, die sich immer mit ihrer Schwester ein Zimmer geteilt hat).
Außerdem habe ich gelernt, wie sich Freundschaften verändern können. Unter uns Freundinnen, die in Spanien waren, hat sich das Band, glaube ich, verstärkt. Trotz der Entfernung und manchmal mangelhaften Internet. Uns hat so viel verbunden. Das ist eine wundervolle Erfahrung. Mit den Freundinnen in Deutschland hat es leider nicht so gut geklappt. Eine Freundschaft hat den Erasmus-Aufenthalt nicht überlebt.
Und jetzt?
Was kommt jetzt? Wie geht es weiter? Jetzt muss ich noch einmal zur Uni und die letzten Erasmus-Unterschriften holen. Dann auf das Transcript of Records warten und hoffen, dass mir alle Kurse angerechnet werden.
Ansonsten muss ich mich hier wieder einleben, Dinge organisieren, alte Freunde treffen, Zwischenprüfung machen, Umzugskisten auspacken... Das Leben geht weiter – ein anderes Leben als das in Spanien.
Donnerstag, 3. März 2011
Wieder in Deutschland
Es fing schon damit an, dass ich Lisa in Valladolid am Flughafen auf spanische Art mit Küsschen begrüßen wollte. Sie wehrte ab und sagte: "Ich bin keine Spanierin!" ;-)
Am Flughafen in Weeze hatte ich mich schon daran gewöhnt und bin Liko, die mit Deutschlandfahne und Lilly auf mich wartete, auf deutsche Art um den Hals gefallen. Papa, Liko und ich haben, bevor wir uns auf den Weg in unsere Weltmetropole gemacht haben, bei einem Grill in Weeze Mittag gegessen. Da lief ein Fernseher. Und die sprachen Deutsch! Das war so etwas von verwirrend.
Außerdem war das Drama, das in der Realität ablief, viel spannender. Ein Mann und eine Frau hatten Streit, der Mann warf daraufhin den Tisch um und stürmte aus dem Lokal. Besser hätte das auch nicht RTL hingekriegt. Später sahen wir das Paar dann wieder, wie sie sich küssten und sie einen Strauß Tulpen im Arm hatte.
Zuhause habe ich mich dann gefreut, Mama und Mirjam wieder zu sehen. Ich hoffe auch, bald einige meiner Freundinnen treffen zu können, die ich "zurückgelassen" habe. Einige Essener Kommilitonen habe ich schon überrascht. "Du bist wieder da???" Ja, das bin ich. Zumindest körperlich. Innerlich bin ich immer noch überrascht, die Leute in der Bahn auch dann zu verstehen, wenn ich nicht zuhöre, oder nachmittags um drei einkaufen zu können (Ist jetzt nicht Siesta?).
Und so langesam wird klar, dass die Zeit in Spanien vorbei ist... Dazu passt gut ein Zitat aus edm dritten Herr der Ringe Film (Herr der Ringe-Zitate passen immer ;-)): "How do you pick up the threads of an old life? How do you go on... when in your heart you begin to understand... there is no going back?" Ich fühle mich ein bisschen wie Frodo, als er aus Mordor zurück nach Beutelsend gekehrt ist. So viel ist in den letzten Monaten passiert. Ich habe das Gefühl, länger als ein halbes Jahr weggewesen zu sein.
Mit dem Ende des Erasmus Semesters endet auch dieser Blog. Ich werde noch einen Beitrag schreiben als eine Art Rekapitulation der letzten sechs Monate, aber sonst bleibt mir nicht mehr viel zu schreiben. Ich hoffe, euch hat diese Art der Berichtserstattung gefallen, wenn ich Mails oder Briefe geschrieben hätte, wären die mit Sicherheit weniger detailliert ausgefallen. Dankes für's Lesen.
Donnerstag, 24. Februar 2011
Santander und Segovia
Sonntag bin ich mit meiner Hausarbeit für "El Amor en la Literatura" fertig geworden. Montag hatte ich daraufhin Langeweile und habe gepackt. Dienstagmorgen war ich an der Uni und habe den Stempel bekommen, der das Ende meines Erasmus-Aufenthalts bestätigt. Erstaunlicher Weise musste ich nichts vorzeigen, das bewies, dass ich tatsächlich noch etwas für die Uni tun musste im Februar (eigentlich hat das Sommersemester bei denen ja schon im Februar angefangen). Entweder die Relaciones Internacionales vertrauen uns, oder es ist ihnen egal, dass wir das AAA betrügen könnten (wenn man vor dem 15.2. abreist, kriegt man kein Geld für Februar, aber wie gesagt, wenn man alles auf Anhieb besteht und keine Hausarbeit schreiben muss, ist man vor dem Termin fertig).
Dienstagnachmittag habe ich mich dann mit Papa getroffen und wir haben meine Koffer neu gepackt. Es ist alles erstaunlich gut gegangen (sogar der Schlafsack und die Wolldecke hat gepasst). Jetzt habe ich noch drei Kilo in dem einem Koffer frei für Bettwäsche, Schlafanzug und Kulturtasche. Und Papa hat auch noch etwas Platz in seinem Koffer. Da das mit dem Packen so schnell ging, hatten wir die Tage gestern und heute "frei" und haben noch ein bisschen das Land erkundet.
Gestern waren wir in Santander. Das ist eine Küstenstadt am Atlantik. Sie liegt in der Comunidad Cantabría. Papa wollte von an den Atlantik und ich war auch noch nicht da. Außerdem liegt sie fast direkt "über" Burgos. Man muss erst ein Stück nach Westen fahren und dann "geradeaus" nach Norden. Bei den reicheren Spaniern ist die Stadt im Sommer sehr beliebt als Badeort (oder zumindest war sie das früher) und ich glaube, die Hälfte aller Erasmus-Studenten aus Burgos war auch schon da. Zumindest hatte ich das Gefühl, dass um mich herum öfter mal überlegt wurde, dahin zu fahren. In Papas Michelin-Reiseführer wird die Stadt hingegen kaum erwähnt.
In Santander angekommen haben wir als ziemlich erstes ein sehr imposantes Gebäude gesehen. Die Banco de Santander. Kennt man auch in Deutschland (jedenfalls gibt es in Essen eine). Wir haben auch recht schnell die Touristen-Information gefunden und uns einen Stadtplan besorgt. In der Innenstadt gibt es einige schöne Gebäude, aber sooo sehr vom Hocker gerissen hat und das nicht. Es war aber interessant zu sehen, dass die Banco de Santander mehr her machte, als das Rathaus.
Wir sind dann weiter zur Península de la Magdalena gefahren. Auf einem Hügel steht ein ehemaliger Sommerpalast von einem spanischen König vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Palast erinnert ein bisschen an Die Jane Austen-Bücher, fand ich. Von dem Hügel aus hatte man auch eine gute Aussicht über das Meer, zwei Leuchttürme und die Stadt. Papa meinte am Ende, manchmal müsse man sich doch abseits der Routen des Reiseführers bewegen.
Von der Península de la Magdalena aus sind wir weiter zu einem Dünen-Park gefahren. Der lag direkt am Strand. Aber weil der Himmel schon den ganzen Tag bewölket war und ein kalter Wind wehte, haben wir nicht mal die Schuhe ausgezogen, sondern sind einfach so am Strand entlang gegangen. Da haben wir einige äußerst interessante Muscheln gefunden.
Heute waren wir in Segovia. Das ist eine sehr alte Stadt in Castilla y León, die schon recht früh in der Geschichtsschreibung erwähnt wird, weil die Römer die Stadt besiegt haben (laut Beschreibung auf dem Stadtplan). Von denen stammt auch das Aquädukt, das noch ziemlich lange in Betrieb war.
Die Stadt ist sehr schön (schöner als Santander), mit engen Gässchen, alten Häusern und momentan schneebedeckten Bergen ringsherum. Und mit einem sehr merkwürdigen Parkhaus: Man fährt sein Auto ein einen Aufzug, steigt aus und das Auto wird mit dem Aufzug nach untern transportiert. Wenn man es wieder haben will, wird es wieder nach oben befördert. Aber fragt mich nicht, wie die Maschine erkennt, welches Auto das geforderte ist...
Vom Parkhaus aus war es nur ein kurzes Stück bis zur Plaza Mayor, wo heute Markt war. Wir sind zuerst in die Kathedrale gegangen, eine Mischung aus Gotik und Renaissance. In der Kirche war es zum ersten Mal so, dass Papa günstiger rein kam als ich! (Senioren kriegen da Rabatt, Studenten aber nicht). In der Kathedrale war es eiskalt, im Kapitelsaal auch, wir haben uns schon gefragt, wie die Mönche das damals ausgehalten haben. Ich bin ja der Meinung, sie haben sich untergehakt und geschunkelt. Papa geht eher davon aus, dass zumindest die wichtigeren Leute, einen Pelz umhatten.
Als nächstes sind wir zur Alcázar gegangen. Das ist ein richtiges Märchenschloss, könnte auch aus einem Disney-Film kommen. Der Palast ist auch richtig gut erhalten. zum Teil sieht man auch maurischen Einfluss. Es wurden Ritterrüstungen und Wandbehänge ausgestellt. In einem Raum war auch ein Himmelbett mit roten Vorhängen. Das müssen die Bewohner aus Hogwarts entführt haben! ;-)
Papa und ich sind auch auf einen der Türme gestiegen. 152 Stufen. Es wurde schon zu Beginn gewarnt, dass Leute, die gesundheitlich nicht so gut zurecht sind, es lieber lassen sollten. Wir sind oben angekommen und hatten von da eine tolle Aussicht. Auf dem Weg runter kamen uns zwei oder drei ältere Ehepaare entgegen und die Frauen krochen fast auf allen vieren die Treppe hoch. Vielleicht hätten die es besser gelassen. Allerdings wirkte die Treppe zuerst gar nicht so schlimm. Die ersten 50 Stufen waren noch nicht mal Wendeltreppe. Danach ging es dann aber in einer engen Wendeltreppe hoch und nach all den Jahren sind die Stufen schon etwas abgetreten.
Zum Schluss sind wir näher an das Aquädukt herangegangen. Es führt mitten durch die Stadt. In Segovia war es heute richtig schön warm. Zumindest in der Sonne. Ich konnte teilweise im T-Shirt rum laufen und bin dann immer von Sonnenschein zu Sonnenschein gehuscht, weil es im Schatten noch sehr kalt war.
Sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg haben wir ganz viele Storchennester auf Kirchtürmen gesehen und meistens saßen auch die Störche drin. Noch immer rufen die Störche bei mir die Assoziation "Esto es Trujillo" hervor. Es war zwar nicht direkt die erste Spanischstunde, aber eine der ersten und die erste Seite in unserem Buch. Verrückt, was für Dinge, einem in Erinnerung bleiben. Ich hatte vorher noch nie Störche mit Spanien assoziiert und ich kann mich auch nicht daran erinnern, vor meinem Erasmus-Aufenthalt schon mal einen echten Storch gesehen zu haben...
Eine lustige Gemeinsamkeit von Santander, Segovia und Burgos ist übrigens, dass alle drei Kulturhauptstadt 2016 werden woll(t)en. Santander steht nicht mehr zur Debatte, aber Segovia ist wie Burgos noch im Rennen.
Heute Abend (nachdem ich Papa - nach etwas Skepsis - für das Pecaditos begeistern konnte) habe ich noch eine schöne Entdeckung gemacht: Der Arco de Santa María ist wieder sichtbar! Nachdem sie ihn in den letzten Monaten tüchtig geschrubbt haben, ist das Gerüst jetzt weg und er ist unglaublich sauber. Das muss ich mir morgen noch mal bei Tageslicht ansehen. Ich bin schon etwas wehmütig, dass ich diese Stadt jetzt verlassen muss...
Samstag, 19. Februar 2011
Burgos putzt sich raus
Nach einem halben Jahr in Burgos lassen sich schon Veränderungen der Stadt erkennen. Die meisten hängen sicherlich auch mit dem Versuch, Kulturhauptstadt 2016 zu werden, zusammen.
Momentan sind überall in der Stadt Baustellen. Die Straßen werden aufgerissen, ich weiß nicht, ob da Rohre verlegt werden oder der Belag einfach nur erneuert wird, und Gebäude werden eingerüstet. An der "Avenida de Valencia del Cid" basteln sie jetzt schon herum seit ich hier bin, und es wird, meiner Meinung nach, nicht besser. Zwei weitere Nebenstraßen zur Calle San Pablo werden gerade ebenfalls bearbeitet.
An anderen Baustellen waren die Bauarbeiter aber sehr fix. Der Platz vor der Kathedrale ist innerhalb von kurzer Zeit komplett erneuert worden. Die Statue des kranken Pilgers ist vor den Bauarbeiten umgezogen und steht jetzt auf einer Art Terrasse, wenn man an der Kathedrale vorbei, die Stufen in den höher gelegenen Teil der Stadt steigt. Auch der Platz gegen über der Post ist in wenigen Wochen neu gepflastert worden. Bei den Baustellen ist mir aufgefallen, dass die Bauarbeiter den ganzen Winter durch gearbeitet haben. Auch als es schneite, waren sie, wenn auch nur eingeschränkt, auf der Baustelle aktiv.
Bei den Restaurierungen der Gebäude dauert es etwas länger. Mitte oder Ende Oktober ist der Arco de Santa María eingerüstet worden und steht seit dem immer noch grün verpackt rum. Es scheinen da zwar Leute zu arbeiten, aber es geht wohl nur langsam voran. Genauso sieht es in der Kathedrale aus. Seit ich hier bin, werden zwei Seitenkapellen und ein Teil des oberen Kreuzganges restauriert und sind dementsprechend gesperrt. Aber bei der Kathedrale insgesamt hat mal wohl schon viel geschafft. Lisas Freundin, die aus Burgos kommt, hat ihr erzählt, dass sie früher immer dachte, die Kathedrale sei schwarz. Die Außenfassade ist dann in den letzten Jahren ordentlich sauber gemacht worden.
Außerdem ist mir aufgefallen, dass im letzten halben Jahr mehr Hinweis-Schilder zu Museen und anderen Sehenswürdigkeiten angebracht wurden. Im November musste ich das Büchermuseum noch mit Stadtplan und Google Maps suchen. Inzwischen gibt es ein lila Schild, das die Richtung weist. Selbst von der anderen Seite sagt eine Werbetafel "Büchermuseum - da lang". Auch das Museo de la Evolución Humana ist jetzt besser ausgeschildert. Jetzt kann man den Weg auch finden, wenn man von hinten kommt. Die Aushänge der Busfahrpläne in der Innenstadt wurden auch erneuert. Ich würde sagen, Burgos ist bestens gerüstet für die "Burgos 2016" (was nicht ganz so cool klingt wie "Ruhr 2010" ;-))
Donnerstag, 17. Februar 2011
Landeskunde ;-)
Deswegen machen wir heute einen kleinen Ausflug in die spanische Landeskunde (keine Angst, ich erzähle nichts zu der Geschichte, zu Goyas Kunstwerken oder dem Louvre... Pardon, ich meine den Prado :-P).
Was natürlich immer lustig ist, ist die Bestätigung der Vorurteile, die wir Deutschen gegen die Spanier haben (oder auch umgekehrt, eine brasilianische Kölnerin, die ich hier kennen gelernt habe, schrieb letztens im Facebook. "Jetzt ist es raus: Die Deutschen sind bescheuert - Sie setzen sich bei einer Hochzeit auf dem Boden und rudern!").
Und welches Vorurteil haben wir (abgesehen von Siesta und Sangria)? Richtig, das Auto fahren. Die Italiener sind zwar noch schlimmer, aber die Spanier fahren hier manchmal auch wie bescheuert. Zebrastreifen werden mal beachtet, mal nicht und rote Ampeln sind ohnehin nur eine Empfehlung. Ich frage mich immer noch, wie es möglich ist, dass eine Ampel auf dem Weg zur Uni seit fünf Monaten ausgeschaltet ist. Bei einer vierspurigen Straße!
Parken ist auch so eine Sache. In der Einbahnstraße, an der u.a. "mein" Supermarkt und eine Sprachschule liegen, wird gerne in der zweiten Reihe geparkt. Das macht dann nicht nur ein Auto sondern gleich vier oder fünf. Manche Autofahrer bleiben im Auto sitzen und warten auf ihre Kinder, die aus der Sprachschule kommen, andere gehen einkaufen. Dann haben die Autofahrer, die brav in der ersten Reihe geparkt haben, Pech. Es kommt regelmäßig zu Hupkonzerten, bis sich jemand bequemt, den anderen rauszulassen. Heute kam auch ein LKW nicht durch die Straße, weil ein anderes etwas breiteres Auto in der zweiten Reihe geparkt hatte.
Was mich hier etwas stört, sind die Heizgewohnheiten meiner Mitbewohnerinnen (und nach dem, was ich von anderen gehört habe, machen das einige so). Im Normalfall wird nämlich nicht geheizt. Gas ist ja teuer. Also läuft man lieber den ganzen Tag im Bademantel über seinem Pulli rum. Ich glaube, ich habe noch nie so viel gefroren, wie in diesem Winter. Das Problem ist nämlich, wenn man die Heizung anstellt, wird die ganze Wohnung geheizt. Deswegen konnte ich nicht "heimlich" heizen. Ich hatte nämlich auch keine Lust auf eine Grundsatzdiskussion. Zumal das Heizen eh nicht so viel brachte. WENN dann nämlich mal die Heizung an war, habe ich trotzdem gefroren, weil es von Fenster eiskalt rein kam. Dieses Haus ist einfach mies isoliert. Irgendwann habe ich nur noch mit Schlafsack am Schreibtisch gesessen und schlafe jetzt auch jede Nacht mit Schlafsack und zwei Wolldecken (Federbetten gibt es hier auch nicht, meine Eltern wollten mir meins schicken, aber ich muss meinen Kram ja auch irgendwie wieder mit zurück kriegen ;-)). Aber das Heizen ist bei uns in der Wohnung wirklich teuer. Obwohl wir - meines Erachtens - die Heizung kaum an hatten, mussten wir fast doppelt so viel bezahlen wie im Septmeber/ Oktober. Über 100€ für zwei Monate und vier Personen, um Endeffekt also jeder knapp 27€ für zwei Monate, was voll okay ist, aber Daniela war total entsetzt über diese Heizkosten...
Gut finde ich aber die Regelung in den Bibliotheken, was passiert, wenn man ein Buch überzieht. In Deutschland muss man ja gleich Geld bezahlen. Hier wird man nur gesperrt. Pro Buch und Tag einen Tag Sperre. Ich habe drei Bücher einen Tag lang überzogen und konnte drei Tage lang nichts ausleihen. Das finde ich eigentlich ganz gut. Meisten (!) ist das in Deutschland eh nicht sooo teuer mit dem Gebühren und als "Bestrafung" ist die Sperre irgendwie wirksamer, finde ich. Blöd ist es natürlich nur, wenn man für jemanden anders etwas ausleiht und die Person das nicht zurück gibt. Das ist der Cristina passiert. Sie hatte für Laura (die Engländerin) ein Buch ausgeliehen und Laura hat es ganz lange nicht zurück gegeben. Und Cristina konnte die ganze Zeit nichts ausleihen. In den Freistunden montags habe ich ihr dann immer über meine Karte einen Laptop ausgeliehen (ja, die Uni-Bib Burgos verleiht Laptops - eins der wenigen guten Dinge), mit dem wir dann die Zeit rumgebracht haben.
Und ein letztens: Wenn jemand von euch mal nicht weiß, was er (oder eher sie ;-)) mit dem Weihnachtsgeld anfangen soll: Ab Reyes (6.1.) ist in Spanien "Rabajas". So was wie Winterschlussverkauf. Alles (vor allem Klamotten etc.) ist drastisch reduziert. Ich habe an manchen Schaufenstern gelesen, dass die bis zu 70% auf ihre Sachen hatten. Das Problem an der Sache ist nur, dass der Rabatt nur für die alte Kollektion gilt. Die neuen Sachen sind nicht runtergesetzt. Und die Klamotten sind dann natürlich auch schnell weg. Dabei geht die Rabatt-Aktiob bis Ende Februar, meine ich, jedenfalls habe ich heute noch ein Buch gekauft, das von Weihnachten noch um 5% runtergesetzt war. Bei den Büchern gibt es anscheinend nicht so viel Rabatt. Möglicher Weise müssen sich die Buchhändler hier auch an bestimmte Preise halten.
Dienstag, 15. Februar 2011
Kurioses III
Als ich zum Beispiel mit Alexandra irgendwann zwischen den Klausuren in der Stadt waren, lief in einem Geschäft ein Lied von Lena. Ich weiß nicht mehr genau, welches es war, ich glaube das, zu dem das Video gehört, in dem sie das Auto geklaut. Alexandra und ich konnten es erst kaum glauben, was wir da hörten, aber wir fanden es lustig, dass Lena anscheinend nicht nur mit "Satellite" im spanischen Radio läuft.
Als meinte Eltern in Burgos waren, haben wir wieder lustige Beispiele für missglückte Übersetzungen gefunden. Am Arco de Santa María ist ein Schild angebracht, auf der ein paar Informationen zum Tor stehen. Der Text ist auf Englisch und auf Französisch übersetzt. Mal ganz abgesehen davon, dass der spanische Text etwa doppelt so lang wie die Übersetzungen ist, haben die Spanier auch irgendwas falsch verstanden. Der englische Text behauptet nämlich, dass das Tor nach "Holly Mary" benannt wurde. Welche Maria die wohl meinen... Und als ich später mit Mama und Papa im Restaurant waren, haben wir auf der Speisekarte auch eine Delikatesse gefunden: Kichererbsen mit Hühneraugen. Leider hatten wir kein Wörterbuch dabei und konnten nicht gegen kontrollieren, was die Hühneraugen tatsächlich waren. Wir haben uns auch nicht getraut, die Kichererbsen zu bestellen. Wer weiß, welche teuflische Vorspeise dann gekommen wäre.
Und ein letztes noch, aller guten Dinge drin drei: Die Spanier scheinen süchtig nach Plastiktüten zu sein. Obwohl im Supermarkt ein Schild hängt, dass man an die Umwelt denken soll und nicht zu viele Tüten mitnehmen, kriege ich an der Kasse meistens zwei Tüten aufgedrängt, auch wenn mein Einkauf in eine Tüte passen würde. Jedes Mal ist es das gleiche Spielchen. Ich packe einen Teil meiner Sachen in eine Tüte, suche dann mein Geld raus, um zu bezahlen, die Kassiererin packt meinen restlichen Einkauf in eine zweite Tüte, die nimmt mein Geld an und sucht Wechselgeld in ihrer Kasse, in der Zeit packe ich die zweite Tüte wieder aus und alle meine Sachen in die erste. ;-)
Als ich noch Uni hatte und mit meinem Rucksack einkaufen ging, war es noch schlimmer. Die Frauen an der Kasse konnten nicht verstehen, dass ich keine Tüte wollte.
Es ist so, dass die Tüten hier umsonst sind. Vielleicht nehmen die Spanier dann deshalb so viele. Außerdem ist die Qualität mies. Manchmal haben meine Tüten schon einen Riss, wenn ich in der Wohnung ankomme. Und die ist nur wenige Meter vom Supermarkt entfernt. Da finde ich es doch irgendwie besser, fünf Cent für die Supermarkttüte zu bezahlen und dann eine Tüte zu haben, die man wieder gut als Mülltüte verwenden kann. Das machen wir mit den Tütchen von hier zwar auch, aber die eignen sich nicht so gut. Vor allem nicht, wenn sie schon einen Riss haben. Außerdem haben wir viel zu viele "Mülltüten". Ich weiß gar nicht, wohin mit denen allen.
Sonntag, 13. Februar 2011
Bilbao
Um 12 Uhr sind wir also da angekommen, haben beim Busbahnhof einen kleinen Stadtplan bekommen und sind prompt bei der ersten Gelegenheit in die falsche Straße abgebogen. Dadurch hat sich aber Alexandra beim Bäcker was zum Frühstücken gekauft und wir haben einen Lidl entdeckt, bei dem ich, bevor wir zurück gefahren sind, eingekauft habe. Ich hatte nämlich vergessen, dass am Freitag zu machen und war mir nicht sicher, ob der Mercadona noch auf haben würde, wenn ich aus Bilbao zurück war.
Nach der ersten Verwirrung haben wir dann aber den richtigen Weg gefunden. Wir sind gemütlich zum Plaza Mayor gegangen (der ein großer Kreisverkehr mit Springbrunnen, Beeten und Bänken ist), haben auf dem Weg dahin einige schöne Gebäude, noch schönere Straßenschilder, eine Herz-Jesu-Statue und einen Sir Winston Churchill-Pub gesehen und einen Kaffee bzw. Tee getrunken.
Vom Plaza Mayor aus sind wir zum Guggenheim Museum angegangen. Das ist ein riesiges Gebäude aus Stein und Titanplatten, das eine leicht merkwürdige Form hat. Moderne Kunst eben. Das Museum liegt an einem Fluss, es gibt zwei Außenterrassen und die meisten Räume haben leicht gebogene Wände oder Decken. Eine Brücke, die über das Gelände des Museums führt, wurde einfach mit integriert. Die Stadt und die Kunst sollen in einander übergehen. Und erstaunlicher Weise hat auch noch keiner gewagt, die Skulptur, die außerhalb des Museums steht, mit Graffiti zu überarbeiten. Vielleicht liegt es auch daran, dass sie nach dem Herrn der Ringe niemand mehr an "Maman" heran traut...
Im Museum bekamen wir Studentenrabatt und einen Audioguide für 5€. Der Audioguide war wirklich nicht schlecht. Er erklärte dann auch, dass das schwarze Bild mit der weißen Ecke die bedrückende Situation in Spanien während Franco ausdrückt oder das die wilden gelben, blauen, weißen und grünen Pinselstriche auf einem anderen Bild die Villa d'Este darstellten... Mit modernen Bildern kann ich nicht so viel anfangen.
Interessanter fand ich die Video-Installationen oder Fotocollagen. Bei einer Installation liefen Sätze in rot über so ganz schmale elektrische Werbetafeln. Die Wand dahinter wurde blau angestrahlt. Auf der Vorderseite der Tafeln lief der Text auf Englisch und Spanisch, auf der Rückseite war es Baskisch, als Symbol dafür, dass es mal eine verbotene Sprache war. Eine andere Installation war in einem kleinen Kammer untergebracht. An den Wänden hingen ganz viele Schwarzweißfotos von Gesichtern. Von der Decke hingen Glühbirnen auf Kniehöhe herunter. Der Audioguide sagte, dass die Fotos daran erinnern sollen, dass unser Gesicht ein Mosaik unserer (toten) Verwandten sind (Augen von Mama, die Nase von Uropa, die Ohren von der Großtante usw.) Dann gab es auch Fotocollagen, zu denen Alexandra meinte: "Wenn ich Fotos sammele und die auf eine Plexiglasscheibe klebe, darf ich die dann auch hier aufhängen?"
Insgesamt haben wir mindestens zweieinhalb oder vielleicht auch drei Stunden im Guggenheim-Museum verbracht. Es war auch gut, den Audioguide zu haben, weil man sonst einen Großteil der Bilder nicht verstanden hätte, bzw. sich gedacht hätte: "Okay, da hat der Maler ein paar schwarze Striche auf ein rotes Bild gemalt."
Im Museum durfte man nicht fotografieren, aber hier kommen noch mal ein paar Eindrücke von außen.
Die Blumen hinter mir gehören zu einem Hund aus Stiefmütterchen.
Als wir aus dem Museum kamen, hatte ich totalen Hunger, aber leider hatten wir die Mittagsessenzeit verpasst und die Bars hatten entweder zu oder kein richtiges Essen. Ich habe mich also mit meiner Notfallbirne und ein paar Knabberstangen begnügt.
Wir sind noch ein wenig durch die Stadt gelaufen und kamen zu einem schönen Park. Es gab einen See mit Enten und Schwänen und ein Gehege mit einem Pfau. Außerdem war auf einem Hügel ein schönes Gebäude, eine Art lang gezogener, eckiger Pavillon oder ein Gang. Davor war ein Springbrunnen.
Um sieben Uhr fuhren wir zurück nach Burgos. Bilbao war schon schön. Das Wetter war zwar nicht ideal, bei Sonne wäre es sicher noch schöner gewesen, dann wären wir vielleicht auch noch am Fluss lang gelaufen, aber immerhin hat es nicht geregnet und im Park habe ich auch schon die ersten Blüten an einem Baum gesehen.
Lustig fand ich die zweisprachigen Schilder, weil Baskisch wirkliche keine Ähnlichkeiten mit dem Spanisch hat (zumindest in meinem Augen nicht). "Achtung" ("atención") heißt z. B. "kontuz" oder die öffentlichen Toiletten im Park ("aseos") wurden mit "komunak" ausgeschildert...