Samstag, 18. Dezember 2010

Cena de Navidad

Am Donnerstagabend hatten wir von dem Bachelorkurs aus ein "Cena de Navidad" (ein Weihnachtsabendessen) bei Telepizza. Ja in einer Pizzeria. Immerhin hatten sie Weihnachtsdeko im Fenster. Wir waren für 21 Uhr verabredet. Zwei Minuten nach neun kam ich als letzte Erasmus-Studentin an. Es war bisher ein Spanier da. Die restlichen Spanier trudelten zwischen Viertel nach neun und Viertel nach zehn ein. Mal wieder alle Vorurteile bestätigt.
Glücklicher Weise haben wir bestellt, bevor alle da waren - uns Deutschen hing schon der Magen in den Kniekehlen. Bei Telepizza kann man ganz gut sparen, wenn man weiß wie. Jedenfalls wurde das Bestellen eine sehr langwierige Angelegenheit, bei der zunächst ausgerechnet wurde, ob es billiger wäre, mehrer Familienpizza (zum Preis für zwei von einer) oder mehrer mittelgroße Pizzen (auch mit Rabatt) zu bestellen. Die Familienpizza gewann und wir haben eine Pizza Hawaii, eine Pizza Carbonara, eine Barbecue und eine Cheeseburger Pizza bestellt (bei den letzten beiden wusste ich auch nicht, dass es sowas gibt). Die Spanier haben danach noch zwei Familienpizzen bestellt, aber Chantal, Lara und ich haben uns lieber ein Nachtisch-Eis geholt.
Der Abend war ganz schön, aber nicht so wirklich weihnachtlich. ;-) Um halb eins wurden wir per Lichtzeichen (irgendwer machte die Lampen aus) aufgefordert, doch bitte zu gehen.

Bei uns in der Fakultät wurde außerdem vor einer Woche ein großer Pappkarton aufgestellt, in den man Lebensmittelspenden für sozialschwache Familien abgeben kann. Das finde ich eine gute Sache, auch wenn ich bisher noch nichts da rein getan habe.
Die Anti-Weihnachts-ler sind aber auch aktiv an der Uni. Vor ein paar Tagen bekam ich einen Zettel in die Hand gedrückt, auf dem stand, dass Weihnachten ein böses Konsumfest wäre, das der Staat sich längst zunutze gemacht hätte, um uns dazu zu bringen, unnütze Geschenke zu kaufen und so die Wirtschaft anzukurbeln. Na ja, ich finde, eine Kommilitonin hat es gut auf den Punkt gebracht: Das sind die bedauernswerten Menschen, die nie ein schönes Weihnachtsfest hatten und nie ein Weihnachtsgeschenk bekommen haben.

Samstag, 11. Dezember 2010

Weihnachtszeit in Spanien

Von weit, weit weg aus Burgos komm' ich her
und ich sage euch, es weihnachtet sehr -
mal weniger, mal mehr.
Hohoho, so ungefähr...

Na gut, bevor ich mich jetzt weiter mit schlechten Weihnachtsreimen in den Rentiermist reite, wechsele ich doch besser wieder zur Prosa. Schließlich schreibe ich doch auch eine Hausarbeit zu "textos narrativos" (narrative Texte - für die, die nicht einfach die o-Endung gedanklich wegstreichen können ;-)). In richtiger Weihnachtsstimmung werde ich wohl erst am 23.12. kommen, wenn die Weihnachtsferien angefangen haben und ich die beiden Hausarbeiten, die ich irgendwie noch bis dahin schreiben muss, abgegeben habe.
Trotzdem merkt man, dass bald Weihnachten ist. Ich bin schon zu einem "Cena de Navidad" in eine Pizzeria eingeladen worden. Anfang Dezember hat es geschneit. Der Schnee sah nur einen Tag schön aus und war zwei Tage später wieder weg, aber es hat mich gefreut.















Es sieht doch wirklich schön aus! (Die Fotos, auf denen der Schnee schon halb geschmolzen ist, habe ich natürlich nicht ausgewählt ;-)). Inzwischen ist es hier aber wieder wärmer. Gestern waren es um die 7°C (kalt war mir trotzdem!), da ist es etwas schwierig mit dem Schnee. Allerdings wäre ich auch nicht böse darum, wenn es keine weiße Weihnachten in Spanien gäbe, ich will ja am 24. erst mit dem Bus nach Madrid und von Madrid mit dem Flugzeug nach Alicante kommen. Hoffen wir mal, dass die Fluglotsen sich nicht wieder kollektiv krank melden...

ML hat mir irgendwann mal gesagt, dass Weihnachten in Spanien so ähnlich ist wie in Deutschland, dass es aber auch Unterschiede gibt. Ein großer Unterschied ist, dass den Spaniern der Adventskranz fremd ist. Ich war zwar am 1. Advent in der Kathedrale (und es wurde auch gesagt, dass wir den ersten Advent feiern), aber nicht einmal da gab es einen Adventskranz. Ich habe mir also selber einen gebastelt. Er sieht vielleicht etwas futuristisch aus, aber ich hatte keine Ahnung, wo ich Tannenzweige her kriegen sollte... Na ja, macht euch selbst ein Bild:












Das Rentierlicht auf dem zweiten Bild kommt aus dem Nikolaus-Kreativ-Paket, das am 2. Dezember bei mir eintrudelte.







Die Tage danach habe ich dann fleißig gebastelt und dabei die Hitgiganten Weihnachtslieder gehört. (Ach ja, die Girlanden hängen natürlich nicht übereinander, aber sie hängen über meinen Fotos, die ich hier nicht für alle veröffentlichen wollte)


Die Spanier scheinen von den Deutschen (?) aber zumindest die Tradition des Adventskalender übernommen zu haben. Jedenfalls habe ich mir im Supermarkt einen Schoko-Adventskalender gekauft (und habe einen vernünftigen mit Bildern von Mama bekommen :-)). Allerdings scheint der Adventskalender noch nicht so lange hier zu sein. Jedenfalls wird das Konzept auf meinem Kalender erst noch erklärt: Von dem 1. bis zum 24. Dezember darf man jeden Tag ein Kläppchen aufmachen und die Schokolade essen. Gut, dass sie es mir noch mal gesagt haben.

Und seit Nikolaus etwa wird hier in der Stadt auch ENDLICH die Weihnachtsbeleuchtung angemacht. Wegen der "Crisis" (Wirtschaftskrise) mussten nämlich die Stromkosten gespart werden und die Lichterketten hingen zwar schon viel versprechend in den Bäumen, aber waren leider nicht an. Jetzt ist es endlich so weit, und es gefällt mir soweit auch ganz gut. Nur beim Rathaus dachte ich mir irgendwie "Weniger ist mehr".















Von Montag bis Mittwoch hatten wir mal wieder Puente. Am Nikolaus ist in Spanien der zweite Nationalfeiertag und am 8. feiern die Spanier Mariä Empfängnis (bis vor kurzem dachte ich, da würde gefeiert, dass Maria Jesus jungfräulich empfangen hat, aber dann habe ich erfahren, dass es darum geht, dass Maria ohne Erbsünde empfangen wurde... Man lernt nie aus). Und weil an dem Tag dazwischen so blöd rumhängt, wird der eben mit frei gemacht. Sehr schön. Ich habe den Puente genutzt, um mein Referat für die Uni vorzubereiten. Ich musste es am Donnerstag im Bachelor-Kurs halten. Weil die Bachelor-Studenten den Freitag frei haben, war ich nicht überrascht, dass ich das Referat vor sehr gelichteten Reihen halten musste (obwohl natürlich alle tolle Ausreden hatten, warum sie nicht da waren ;-)). War mir ganz lieb. Das Referat ist auch einigermaßen gelaufen. ML meinte hinterher, ich müsste das Sprechen üben...
Am Donnerstag habe ich auch gesehen, dass im Foyer unserer Fakultät ein kleiner Weihnachtsbaum steht. Und auf der Spitze ist ein kleines Plüschrentier!


Und ich habe mich in den letzten Tagen etwas musikalisch landeswissenschaftlich weitergebildet. Auf den Vorschlag meiner ehemaligen Spanischlehrerin habe ich mir auf Youtube spanische Weihnachtslieder angehört. Im Supermarkt um die Ecke läuft gerade noch ein (un-)weihnachtlicher Mix aus Juanes, Shakira und "Blanca Navidad" - der spanischen Version von "White Christmas" gesungen vom mexikanischen Florian Silbereisen (wie Lisa ihn nennt), Luis Miguel. Wer Langeweile hat sollte von ihm mal "Santa Claus llegó a la ciudad" youtuben. Ich fand es sehr lustig. Er hat einige amerikanische Weihnachtslieder auf spanisch gesungen.
Na ja, jedenfalls habe ich dann mal "Villancicos de Navidad" gesucht und habe meine Ohren sicher zwei Stunden lang mit spanischen Kinderchören gefoltert. Jetzt mal im Ernst: Wir deutschen können es eindeutig besser. Wer mir nicht glaube, sollte mal "Campanas de Belén" oder "Hacia Belén va un burro, rin, rin" suchen und sich anhören. Aber vielleicht liegt es ja auch nicht an den Liedern sondern an den Chören... Lisas Mitbewohner will mit uns Weihnachten jedenfalls ein paar spanische Weihnachtslieder singen.
Ich hatte an dem Tag, als wir hier Schnee hatten, "Es ist für uns eine Zeit angekommen" im Facebook gepostet und kriegte gleich positive Rückmeldung einer spanischen Kommilitonin, die das Lied total schön fand. Sie kannte nur "Oh Tannenbaum" (auch nicht unbedingt das Vorzeigelied). Ich habe ihr daraufhin "Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, die Oma sitzt im Kofferraum" beigebracht. ;-)
Meine spanische Weihnachtsliedersuche endete Donnerstag in einem exzessiven Kinderlieder hören. Rolf Zuckowski rauf und runter (zuerst die Weihnachtslieder, dann Klassiker wie "Mein Platz im Auto ist hinten" und "Meikes Lied" - was übrigens wirklich schön ist, es ist Lisas und mein Motivations- und Mut-Mach-Lied) und dann "Anne Kaffekanne", "Higgeldy, Piggeldy, Pop und Pu" und das "Katzentanzlied". Lisa und ich haben uns über unsere Kinderlieder ausgetauscht und irgendwann bin ich bei "Jule wäscht sich nie" und "Raxli Faxli" gelandet. Neiiiiin, das hat gar nichts mit Heimweh oder so zu tun...
Und um auf die spanischen Lieder zurück zu kommen: Ich habe mir heute aus der Stadtbücherei eine CD von Amaral und eine von La Oreja de Van Gogh ausgeliehen. Von Amaral hatte Lisa mir ein paar Videos geschickt ("Toda la noche en la calle" ist ein echter Ohrwurm) bei der anderen Band fand ich den Namen so lustig (das Ohr von Van Gogh).

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Über das Heimweh...

Am Anfang war nichts. Es gab so viel Neues zu sehen und so viel zu tun. Wenn dann doch mal ein wenig Verzweifelung hochkam, z.B. angesichts des scheinbaren unmöglichen Stundenplans, wurde das mit der Bob-der-Baumeister-Philosophie ("Jo, wir schaffe dass!") beiseite gewischt. Auf die Feststellung von "Mängeln" in der Wohnung (nein, einen Pfannenwender oder einen Schneebesen gibt es hier nicht - von einem Mixer ganz zu schweigen - aber Lara hat eine elektrische Saftpresse) folgte die Zurechtweisung "Stell dich nicht so an - ist ja nicht für immer!" und der Wunsch, die eine oder andere Person doch mal wieder zu sehen wurde einfach auf Februar verschoben.
Ich nehme an, meine Wohnsituation der letzten zwei Jahre und die Tatsache, dass Papa die erste Woche mit mir in Burgos war, haben mit dazu beigetragen, dass es meine Freundinnen waren, die ich zuerst vermisst habe. Dazu kamen Gelegenheiten, bei denen ich mir dachte, ob ich die Eskalation der Situation auch in Deutschland zu gelassen hätte und ob es überhaupt so weit gekommen wäre, wenn ich nicht nach Spanien gegangen wäre. Die Zeit bleibt nun mal nicht stehen und was sich alles geändert hat, wie man sich selber vielleicht verändert hat, sieht man erst, wenn man wieder zurück kehrt.
Und dann kommt nach drei Monaten das Heimweh plötzlich angeschlichen und überfällt einen heimtückisch im Dunkeln von hinten. Da wünscht man sich auf einmal nichts sehnlicher die Familie. Und es betrifft uns alle. Vielleicht liegt es an der Weihnachtszeit. Denn auf einmal denkt man wehmütig an Deutschland und überlegt in einem heftigen Anfall von Heimweh, Weihnachten als Überraschungsgast auf der Matte zu stehen oder an einem Adventswochenende nach Hause zu fliegen. Da kann man sich dann auch nicht so richtig für die Freundin freuen, die genau das hat, was sich alle wünschen: Besuch von zuhause.
Ich, die ich ja eigentlich mit dem Bring- und Abholservice ein Privileg habe, das den anderen verwehrt bleibt, kam plötzlich auf den Gedanken, dass ich doch gerne Besuch von meinen Eltern und meiner Schwester hätte. Noch vor eineinhalb Monaten habe ich zugestimmt, dass es das Beste ist, wenn sie nicht kommen, und auf einmal fand ich mich nachts um eins im Schlafanzug vorm Laptop sitzend und Flüge raussuchend wieder. Das sogar mit Erfolg: Ich bekomme im Januar Besuch von meiner Familie und freue mich total.

Montag, 22. November 2010

Kurioses II

Ich habe wieder fleißig gesammelt und präsentiere euch jetzt den zweiten Teil der Kuriositäten, die ich hier miterleben durfte.
Zunächst einmal eine "Busbekanntschaft" (auch wenn ich mit ihr noch nie gesprochen habe): Jedes Mal, wenn ich mich auf den Weg zum Masterkurs mache, sehe ich im Bus eine Frau, die ich so auf etwa 60 schätze, auch wenn sie etwas "verbraucht" aussieht. Erst habe ich sie nicht so wirklich wahrgenommen. Dann fiel mein Blick etwas länger auf sie und mir schoss der Gedanke durch den Kopf: "Ist das Berta???" (Berta, die Haushälterin von Charlie Harper aus "Two and a Half Men"). Sie ist zwar nicht ganz so breit wie Berta und hat mehr Falten, aber sie hat den gleichen Gesichtsausdruck, die gleiche Frisur... Ich muss mir jetzt immer ein Grinsen verkneifen, wenn ich sie sehe.
Wenn ich nicht mit dem Bus fahre, sondern zu Fuß gehe, treffe ich nicht so viele Leute. Vor allem seit der Paseo de la Isla gerade umgebuddelt wird und ich immer unten am Fluss entlang gehe, treffe ich wenige Menschen. Am Teatro Principal tauche ich dann wieder aus der Versenkung auf. Am Geländer neben der Treppe steht eine Bronze(?)-Statue eines Mädchens, das sich auf das Geländer stützt, den Fluss ansieht und den Po etwas in Richtung Espolón streckt (ich hatte an Anfang meiner Zeit hier glaube ich mal ein Foto davon gepostet). Als ich vor einer Woche oder so von der Uni kam und gerade die Treppe hochsteigen wollte, kam ein Mann an der Statue vorbei und gab ihr im Vorbei gehen einen Klaps auf den Hintern. Ich war völlig perplex. Seine Frau war auch dabei und eine Bekannte kam ihm entgegen und kommentierte das gleich. Ihm schien das aber nicht im Geringsten peinlich. Ob er das öfter macht?
Zum Abschluss noch zwei kleine Geschichten zum Thema kulturelle Unterschiede. Das eine wäre Political Correctness. Ich glaube, die Spanier haben es nicht so damit. Vor einiger Zeit erkundigte sich ein Prof nach einer französischen, dunkelhäutigen Erasmus-Studentin und wollte wissen, ob wir die "negrita" ("die kleine Schwarze") ab und zu mal sehen würden. Mal abgesehen von dem Verkleinerungsfimmel mancher Spanier (das Mädchen ist wirklich nicht klein), dachte ich mir, dass in Deutschland niemand so nach einer Studentin fragen würde. Dann eher "die Französin". Salopp unter Freunden sagt man vielleicht mal "die kleine Schwatte", aber nicht in so einem formellen Kontext zwischen Prof und Studenten. Ein anderes Beispiel war meine Literatur-Professorin heute. Wir lesen "Los Locos de Valencia" und sie wollte uns verdeutlichen, wie sich die die Irrenanstalten von damals von den heutigen psychiatrischen Kliniken unterscheiden und meinte, dass sie mal an einer vorbeigefahren wäre, bei der ein Park dabei war und die "Locos" spazieren gehen konnten. Immerhin hat sie vor "Locos" kurz gestoppt, aber im Endeffekt hat sie diese Menschen trotzdem als "verrückt" bezeichnet.
Das andere zum Thema kulturelle Unterschiede ist mir heute aufgefallen. Wieder bei den "Locos de Valencia" kamen wir an eine Stelle, wo an St. Martin angespielt wurde. Und was macht ML? Sie erzählt uns die Geschichte von St. Martin. Kaum zu fassen! In dem Kurs, in dem wir die griechische und römische Mythologie am besten auswendig können müsste, in dem sie voraussetzt, dass wir Latein können und eine Ahnung von Boccaccios Werken haben, erzählt sie uns wie St. Martin seinen Mantel mit dem Bettler geteilt hat? Ich musste innerlich grinsen. In Deutschland kennt doch jedes Kind St. Martin. Wir singen doch schon im Kindergarten "Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind..." Bei den aufgepimpten Laternenumzügen reitet ein St. Martin auf einem Pferd vorne weg, während alle Kinder mit den Laternen hinterher laufen, Martinslieder singen und es am Ende eine Martinsgans gibt. Aber das scheint es in Spanien nicht zu geben. Hier wird St. Martin von der Dozentin nebenbei erklärt, während Platon und der arme Lazarus zum nötigen Allgemeinwissen gezählt werden...

Und kleiner Nachtrag vom 23.11.: Warum durften die beiden Nonnen heute ihren Einkauftrolley mit in den Mercadona nehmen, ich aber nicht meinen Rucksack? Total ungerecht!

Montag, 15. November 2010

Spanisches Mittagessen (Haarschnitt inklusive)

Am Freitag war ich bei Asun aus dem Masterkurs zum Mittagessen eingeladen. Nach einigen Verwirrungen (ich dachte, wir würden uns um Mitternacht treffen - die Spanischer haben halt so komische Uhrzeiten ;-)) habe ich es dann mit leichter Verspätung zum Treffpunkt, wo Isabel, eine Mit-Erasmusianerin und Diana aus dem Masterkurs getroffen habe. Diana hat uns gefahren.
Bei Asun waren wir dann trotz allem noch die ersten (allerdings kam außer uns auch nur María Rosa, obwohl der ganze Kurs eingeladen war). Asun hat dann erstmal Isabel die Haare geschnitten. Sie ist Hobbyfriseurin. Wir anderen haben zugeguckt. Asun hätte auch gerne an meine Haare gewollt, aber ich wollte erst mal gucken, wie sie das bei Isabel macht und nachdem sie mit ihr fertig war, war keine Rede mehr davon. ;-)
Asun hat nach dem Essen gesehen und wir anderen haben mit der Wii von Asuns Sohn gespielt. Luftballons und Blechdosen abschießen (hin und wieder auch mal eine Ente) und so ein merkwürdiges Spiel, das wie Fußball für zwei Personen war, und bei dem man als eine Art Tackernadel gegen den Fernseher spielte. Ich war die einzige, die die Maschine besiegt hat. Ganz knapp. Aber Adrians Highscore haben wir nicht geknackt.
Danach gab es Essen. Jede Menge. Asun hatte zwei verschiedene Varianten Spaghetti gemacht (Carbonara und eine mit Krabben und Sojasoße) und eine Art Braten im Backofen mit Tomatenmus und Oliven. Außerdem standen Chips, Brot, Paté und Spargel aus dem Glas als Beilage auf dem Tisch. Zum Nachtisch gab es Kuchen. Ich war zwar nach der ersten Portion Spaghetti schon gut satt, habe aber noch die anderen Sachen probiert. Die Spaghetti Carbonara waren am besten. Zu dem Fleisch gab es gar keine richtige Gemüsebeilage, nur der Spargel, der da eh rum stand. Im Restaurant kriegt man doch normaler Weise wenigstens Pommes (okay, das ist kein Gemüse... :-D) Ich habe aber nur etwas Brot dazu gegessen. Das Brot war echt lecker.
Nach dem Essen haben wir uns alle vollgefressen auf das Sofa gesetzt und konnten nicht viel machen. Wir haben ein bisschen "conversación de faldas" (ein neues Wort - ich hoffe zumindest, dass das der Ausdruck war) betrieben und uns darüber ausgetauscht, wie María Rosa ihre Locken reinkriegt und warum Isabel keine will. Mädchengespräche halt... ;-) Irgendwann hat Diana uns dann zurück gefahren. Es war eine sehr nette Runde, auch wenn ich manchmal nicht so ganz mitgekommen bin. Ich habe auch noch ein neues Wort gelernt, aber das darf ich hier nicht schreiben, dann kriege ich Ärger mit dem Jugendschutz. :-P
Ich hätte abends noch mit zum Master-Abendessen gehen können, aber die Vorstellung, noch mal essen zu müssen... Außerdem wollte ich ganz streberhaft etwas für die Uni tun, weil ich wusste, dass am nächsten Tag eine Invasion aus Valladolid einfallen und mich als Touri-Führer brauchen würde und ich dementsprechend zu nichts kommen würde.

Montag, 8. November 2010

Museo del Libro

Samstagvormittag war ich hier im Museo del Libro. Das ist ein ganz kleines, niedliches Museum, sehr versteckt, zwischem der Plaza Mayor und dem Hotel, in dem Papa und ich in den ersten Tagen waren. Ich habe es erst letztes Wochenende mit Lisas Hilfe entdeckt.



Das Museum hat insgesagt vier Räume auf vier Etagen. Man beginnt die Besichtigung im vierten Stock und folgt von dort aus der Entwickling des Buches von den Anfängen in der Zeit weit vor Christus bis hin zum E-Book.
Im ersten Raum waren entsprechend mesopotanische Steinplatten, ägyptisches Papyrus, römische Wachstäfelchen, chinesische Bambusplättchen und erste arabische/ indische Bücher (ob aus Papyrus oder Pergament weiß ich nicht) mit farbigen Bildern. Sehr schön. Ein aztekischer Kalender war auch ausgestellt.
Der zweite Raum war dem Mittelalter gewidmet: handgeschriebene und handillustrierte Bücher. Eine Bibel wurde als Orginal bezeichnet, aber ich denke, die meisten anderen Sachen waren Faksimiles. Trotzdem hat es mir gefallen. Es gab auch ein kleines Filmchen, das etwas zu Faksimiles erzählte.
Ab dem dritten Raum ging es bergauf für die Buchindustrie: Der Buchdruck wurde erfunden. In diesem Raum gab es einige deutsche Bücher: drei Seiten aus der Gutenberg-Bibel, ein naturwissenschaftliches Buch und eine Weltkarte, auf der Jerusalem der Mittelpunkt der Welt war, um den Europa, Asien und Afrika wie Blütenblätter angeordnet waren. Es gab auch noch zwei andere Europa-Karten. Auf der einen war Europa (mit Asien glaube ich) als Pegasus dargestellt. Auf der anderen als Königing und Spanien war die Krone. Zumindest die zweite Karte haben wir, glaube ich, auch in der Vorlesung zu Spanien im 19. Jahrhundert gesehen.












Im letzten Raum ging es um die neuern Entwicklungen vom 19. Jahrhundert bis heute. Unter anderem habe ich eine Ausgabe von "Beowulf" gesehen. :-D Ein Burgosführer aus dem 50er Jahren lag da auch. Zum Schluss wurde ein E-Book gezeigt.

Mittwoch, 3. November 2010

Mehr als nur eine Geburtstagsfeier

Mein Geburtstag ist schon fast eine Woche her und ich weiß kaum, wo ich mit dem Schreiben anfangen soll...
Am Donnerstagabend vor meinem Geburtstag haben meine Freundinnen mit mir im ICQ ausgeharrt, so dass ich um Mitternacht schon erste Glückwünsche übers Internet und einen Anruf bekam. Am nächsten Morgen haben mein Vater und meine Schwester von zuhause angerufen und meine Mutter von unterwegs. Ich habe mehrere Ständchen via Telefon bekommen. Es war fast so wie in Deutschland. Nur an der Telefonrechnung konnte man sehen, dass ich mich gerade in der Weltgeschichte herumtreibe. Außerdem war mein Geburtstagspaket von zuhause noch nicht da - sehr zu meinem Leidwesen. Zum ersten Mal hatte ich keinen Geburtstagskuchen zu meinem Geburtstagsfrühstück. Das einzige Paket, das ich rechtzeitig hatte, war das von meiner Patentante. Ich konnte es in meiner Freistunde in der Post abholen.
In der Uni habe ich es kaum einem gesagt, dass ich Geburtstag hatte. Ich hätte es komisch gefunden rein zu kommen, zu rufen: "Hey Leute, ich habe Geburtstag!" und auf die Reaktionen zu warten. Nur im Masterkurs hat es sich ergeben, weil Asun am gleichen Tag Geburtstag hatte. Als das raus kam, brach natürlich das Chaos aus. ;-) Meine Kommilitoninnen wollten wissen, was "Feliz Cumpleaños" denn auf Deutsch hieße. Also habe ich es an die Tafel geschrieben und die Spanier haben eindeutig beschlossen, dass "Erzlieken Glukwe sum Chebusta" zu viele Konsonanten auf zu wenig Vokalen hat.
Nach der Uni habe ich mich mit Alexandra getroffen, auch meine eine Mitbewohnerin hat mir gratuliert (sie ist nur drei Tage älter als ich!) und es gab natürlich viele elektronische Glückwünsche. Es kam also auch fern ab der Heimat Geburtstags-Feeling auf. Danke euch allen!

Freitag war der Tag, auf den ich lange gewartet hatte: Lisa kam! Leider erst abends. Ich habe mein Zimmer aufgeräumt, geputzt und auf den Paketlieferservice gewartet. Um halb sechs bekam ich eine SMS, dass SEUR (der Lieferant, der hier die DHL-Pakete verteilt) mich nicht angetroffen hätte. Haha. Ich habe da angerufen und mir wurde gesagt, wo ich das Paket abholen konnte. Ich wollte mich gleich auf den Weg machen. Die Frau am Telefon fand es etwas merkwürdig, dass ich laufen wollte, weil das nach ihren Worten weit weg wäre. Hätte ich mal auf sie gehört...
Ich habe mir, die Straße bei Google Maps gesucht, weil sie auf meinen Stadtplan nicht drauf ist. Das hätte mich auch schon misstrauisch stimmen müssen. Bei Google Maps konnte man schon sehen, dass die Straße weit weg war, aber ich habe den Bus ein Stück genommen. Als ich an der Endstation ankam, regnete es in Strömen. Aber ich wollte mein Geburtstagspaket ja haben. Leider hatte ich keine Ahnung, wie ich von der Bushaltestelle weiter laufen sollte und habe eine Passantin gefragt. Sie wusste nicht, wo die Straße ist und meinte, ich solle in den Geschäften nach SEUR fragen. Das habe ich gemacht und mir wurde gesagt, ich müsse noch weit laufen. Im Regen.
Ich war kurz davor, aufzugeben, da hielt ein Auto neben mir, in dem die Passantin und ihr Mann saßen und mir anboten, mich zu SEUR zu bringen. Die beiden waren meine Rettung! Ohne sie wäre ich unverrichteter Dinge zurückgefahren. Das SEUR-Büro liegt nämlich mitten in einem Industriegelände und ich hätte sicher noch 5km laufen müssen. Bei Sonne wäre das ja noch gegangen. Bei Regen nicht. Der Mann hat sich auch etwas aufgeregt und meinte, über so was würde man sich doch vorher informieren und ob ich keine spanischen Freunde hätte, die mich hätten warnen können. Die Frau hatte mehr Verständnis für mich.
Mit dem schweren Paket habe ich Lisa beim Busbahnhof abgeholt. Ich habe mich so gefreut sie wieder zu sehen! Nachdem wir uns in Essen fast täglich oder zumindest mehrmals in der Woche gesehen haben, waren zwei Monate nur chatten schon hart. "Live" quatschen ist doch viel schöner als tippen!
In meinem Zimmer haben wir dann erstmal mein Paket ausgepackt bzw. ich habe ausgepackt und Lisa fotografiert.


Ich habe Lisa auch Carol und ihrem Freund vorgestellt und nachdem Lisa klar gestellt hat, dass sie nicht Lisa Simpson ist, mochte sie die beiden, glaube ich, auch. Carol und Anhang haben sich auch darüber amüsiert, dass Samstag noch eine Lisa, Lisa dos, kommen würde.

Samstagmittag kam Lisa dos aus Valladolid an. Lisa uno und ich haben sie am Busbahnhof abgeholt und wir sind erstmal zu meiner WG gegangen, wo Lisa dos einen heißen Tee bekam, weil man sich auch in Valla erkälten kann. (Mein Regenspaziergang hat bisher erstaunlicher Weise kaum Folgen gehabt)
Wir haben zusammen Suppe gekocht, die sogar gut geschmeckt hat. Man kann den Schmelzkäse in der Käse-Porree-Suppe wirklich gut durch Sahne ersetzen. Die spanische Sahne hatte auch irgendwie die Konsistenz von Schmelzkäse. Außerdem hatte Lisa mich im Mercadona auf ein Brot aufmerksam gemacht, das fast alle deutschen Erasmus-Studenten in Valla kaufen, weil es wie deutsches Brot ist. Total lecker! Zur Suppe passte es sehr gut.







Nach dem Essen sind wir durch die Stadt gelaufen. Lisas Begeisterung für die Herbstbäume mit den bunten Blättern könnt ihr in ihrem Blog nachlesen. ;-) Der Pavillon auf dem Espolón rief nicht nur Mulan sondern auch Gilmore Girls-Assoziationen hervor. Bisher hatte ich an keins von beiden gedacht.
Ich habe den beiden Lisas auch die Kathedrale gezeigt (diesmal habe ich sogar Eintritt bezahlt, beim letzten Mal war ich während der eintrittsfreien Zeit da) und großzügig das Wissen, das sich in den letzten 22 Jahren beim Besuch diverser Kathedralen mit meinen Eltern angesammelt hat, verteilt. Beide Lisas schienen von der Kathedrale sehr beeindruckt. Es ist ja auch beeindruckend, wie die Menschen früher mit weit weniger entwickelten Maschinen als heute so ein großes Gebäude geschaffen haben und auch wenn mich die Goldaltäre meistens eher erschlagen und ich mir denke, sie hätten das Gold besser in Amerika lassen sollen, muss ich schon zu geben, dass sie mächtig Eindruck schinden. Was mir im Vergleich zum ersten Besuch sehr gefallen hat, war die Orgelmusik im Hintergrund. Vielleicht spielen sie die nur zu den Zeiten, bei denen man Eintritt zahlen muss. :-D Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, dass sie beim ersten Besuch auch da war. Was ich nicht sagen kann, ist, ob die Musik von einer CD kam, oder ob wirklich jemand gespielt hat.
Abends haben wir auf Lisas Wunsch hin "Alice im Wunderland" gesehen. Sie meinte, sie hätte schon Entzugserscheinungen. Allerdings ist sie dann während des Films eingeschlafen und hat den Futterwackentanz nicht mitbekommen. Entweder war es die Überdosis Alice, die sie völlig geschafft hat, oder die Eindrücke in Burgos waren so erschlagend... ;-)

Sonntagmorgen gab es ein Picknick in meinem Zimmer mit einem tollen Halloween-Kuchen. Er sah aus wie ein Kürbis, hatte oben eine süße orangene Schicht und darunter war Mousse au chocolate. Total lecker, aber sehr schmierig.







Wir haben noch mal einen Spaziergang durch Burgos gemacht, aber leider spielte das Wetter gar nicht mit und gegen Nachmittag haben wir Lisa zum Busbahnhof gebracht.
Abends haben Lisa und ich "Notting Hill" gesehen. Ein Film, den wir beide lieben, aber noch nie zusammen gesehen haben. Es war surreal, aber schön. ;-)

Montagmorgen haben Lisa und ich uns auf den Weg zum Castillo gemacht. Von der Burg an sich ist nicht mehr viel übrig, aber wir haben eine Führung durch die unterirdischen Tunnel mitgemacht. Ich war schon einmal da, aber auch beim zweiten Mal war es noch sehr interessant. Vor allem gibt es diesmal ein Foto von diesen stylischen Helmen, die man bekommt, damit man sich in den Tunneln nicht den Kopf anstößt. Ich kann meistens in den Gängen stehen, aber viele andere müssen eben den Kopf einziehen. Die Tunnel sind auch nur sehr schmal. Man kann sich kaum vorstellen, dass es da auch schon mal zu Kämpfen kam. Eigentlich müssten die Soldaten mit ihren Rüstungen und Waffen im Gang stecken geblieben sein oder zumindest einen sehr eingeschränkten Bewegungsspielraum gehabt haben.

Nach dem Besuch der Burg haben wir tatsächlich ein bisschen was für die Uni getan. Das musste leider sein. Dafür waren wir als Belohnung in dem Facebook-Film. "La Red Social". Spanische Filme verstehen geht immer besser, auch wenn ich in dem Film nicht alles mitgekriegt habe, weil sie teilweise sehr schnell reden. Aber das wichtigste habe ich verstanden.

Insgesamt war dieses Wochenende viel mehr als nur eine Geburtstagsfeier. Wir haben zwar zusammen Mamas Geburtstagskuchen gegessen und ich habe Geschenke bekommen, aber viel wichtiger war mir, meine Freundinnen endlich mal wieder zu sehen, zu quatschen, Zeit mit einander zu verbringen und festzustellen, dass wir uns nicht verändert haben.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Herbst II

So langsam ist meine Welt wieder in Ordnung, denn auch hier ist es richtig Herbst. Die Bäume haben jetzt auch hier schöne bunte Blätter. Bis auf die Platanen. Die haben keine Blätter mehr, weil im Herbst alle Zweige, die Blätter tragen abgesäbelt werden. Ohne Blätter und dünne Zweige sehen sie ziemlich verkrüppelt aus.
























Am Wochenende habe ich einen kleinen Spaziergang am Fluss entlang gemacht und ein paar Herbstbilder gemacht. Das Wetter war toll. Die Sonne hat geschienen und es war angenehm warm. Die Temperaturen sind hier sehr anders als in Deutschland. Die Unterschiede zwischen morgens/ abends und tagsüber sind enorm. Manchmal laufe ich morgens bei 2°C zur Uni und nachmittags bei 18°C zurück. Man weiß nie, was man anziehen soll. Geschweige denn wie man auf die Frage: "Ist es in Deutschland auch so kalt/ so warm?" antworten soll.





Donnerstag, 21. Oktober 2010

Kurioses I

Es ereignen sich hier öfter kleinere Situationen, die ich in dem Moment sehr lustig finde, aber für die es sich nicht lohnt, einen eigenen Blogeintrag zu schreiben. Ich dachte, ich sammele sie mal und schreibe sie zusammen auf. Allerdings habe ich jetzt sicherlich einige wieder vergessen, aber das woran ich mich erinnere, möchte ich euch jetzt einmal mitteilen. Im Grunde sind es zwei große Themenbereichen, die ich gerade im Kopf habe: die Orte, an denen man hier in Burgos Deutsch findet, und die spanischen Namen.

Es ist schon verrückt, wo man hier auf deutsche Wörter trifft. Und damit meine ich nicht die deutschen Touristen, die einem vor der Kathedrale über den Weg laufen. Auf dem Weg zu meine WG komme ich zum Beispiel täglich an einem Laden mit artistischen Geräten und Holzspielzeug vorbei. Im Schaufenster sieht man Jonglierkeulen, Stelzen und kleine Kartons mit Holzautos und anderem "pädagogisch wertvollem" Spielzeug. Weil ich ja gerne in Fenster gucke, riskiere ich immer wieder einen Blick und an einem Tag, ich war schon fast an dem Geschäft vorbei, fiel mein Blick auf das Wort "Miniseilbahn". Erst habe ich mir nichts dabei gedacht, dann fiel mir aber auf: "Moment mal, das ist ja deutsch!!!" Ich habe auch gleich ein Foto davon gemacht.

Etwas Ähnliches ist in einem Dönerladen in der Nähe der Kathedrale passiert. Alexandra und ich wollten nach der Uni was essen und weil die spanischen Restaurants, in denen das Menu schön billig war, alle voll waren, haben wir uns für Döner entschieden. An dem Laden stand zwar dran, dass Deutsch gesprochen würde, aber wir dachten uns, dass die Spanier eben etwas Deutsch könnten. Es stellte sich aber heraus, dass die Besitzer aus Dortmund kommen. Und dass Alexandra und der Besitzer sogar einen gemeinsamen Bekannten da haben. So klein ist die Welt! Als wir gegangen sind, ist uns aufgefallen, dass auf dem Schild auch "Döner" stand. Nicht "Doner", wie die Spanier es schreiben. Außerdem stand da auch noch "Fleisch und Salat im Fladenbrot" oder so ähnlich. Das war uns gar nicht aufgefallen. So was erwartet man hier ja auch eigentlich nicht.

Und jetzt zu dem Namen... Eigentlich hätten die schon fast einen eigenen Eintrag verdient. Ich weiß aus Essen ja schon, dass es Spanier mit eigensinnigen Namen gibt (eine spanische Dozentin heißt Belén (Bethlehem) mit Vornamen - in einer deutschen Schule wäre sie mit dem Namen sicher gemobbt worden), aber ich hatte gedacht, dass das Einzelfälle sind. Wie Paris Hilton... Weit verfehlt. In dem Grado-Jahrgang gibt es zwar normale Namen, wie Cristina, Joana oder Virginia (wobei ich letzteren Namen schon etwas ausgefallener finde, aber die Spanier finden wahrscheinlich Namen wie Katrin oder Charlotte äußerst merkwürdig), allerdings auch ein Mädchen namens Lourdes. Aber es kommt noch besser: Beim Mercadona (Supermarkt) arbeitet eine Frau, die Nazaret heißt. Heute hat sie sich mit Jesús unterhalten. Ihr kennt mich ja, ich habe mir dann gleich überlegt, wie lustig es wäre, wenn die beiden ein Paar wären und die anderen den Jesús, um ihn von anderen mit den gleichen Namen zu unterscheiden, immer "den Jesús von Nazaret(h)" nennen würden... :-D
Und was bei den Namen der Spanier auf jeden Fall erwähnt werden muss, ist der Name María. Frauen wie Männer tragen diesen Namen und bei den Frauen sind es gefühlte 50% wenn nicht mehr. Viele Frauen heißen nämlich María + einen anderen Namen. María Cristina, María Luisa, María Rosa... Als ich das erste Mal zum Masterkurs kam, stellte sich die eine Frau mit Asun vor. Ich musste gleich an "Atún" (Thunfisch) denken und habe nochmal nachgefragt. Sie meinte, sie hieße eigentlichen María Asunción aber das wäre "un nombre muy larog y feo" (ein sehr langer, hässlicher Name), deswegen Asun. Das Mädchen, das sich vorher als Rosa vorgestellt hatte, meinte, es hieße eigentlich auch María Rosa. Asun hat mir daraufhin erklärt, dass es eine zeitlang in Spanien so üblich war, den Mädchen zuerst den Namen der Jungfrau zu verpassen. Aber das ist keine Erklärung dafür, warum manche mit dem Namen María Inmaculada gestraft sind...

Dienstag, 12. Oktober 2010

Puente: Eine tolle Erfindung

Dieses Wochenende war in Spanien Puente. Zu Deutsch: Brückentag. Heute ist Nationalfeiertag in Spanien (einer von zweien ;-)) und weil das ein Dienstag ist, war Montag ein Brückentag. Da ich freitags keine Uni habe, hatte ich fünf Tage frei. Total genial.
Freitag Abend habe ich mich mit meinem Tandem-Partner getroffen. Mit dem einen. Ich habe nämlich zwei. Einer, der Rodrigo, will mit mir sein Englisch verbessern, und mit Sergio mache ich ein deutsch-spanisches Tandem. Freitag war Rodrigo dran. Wir haben aber nur Spanisch geredet, er meinte, er würde sich nicht mehr trauen, mit mir Englisch zu reden, nachdem er gehört hat, wie gut mein Spanisch ist. Das zweite hört man doch gerne. Auch wenn ich denke, dass es nach 5 Jahren Spanischunterricht besser sein sollte... Rodrigo ist aber sehr nett. Und er mag auch Irland.
Samstag war ich abends im Teatro Principal. Da gab es eine Zaubershow. Das Geld wurde für wohltätige Zwecke gespendet und Cristina hatte in der Uni Karten verkauft. Sonst wäre ich auch nicht hingegangen. Es war nicht schlecht. Irgendwie ist es ja schon faszinierend, was der Zauberer da für eine Show abzieht, auch wenn er nicht richtig zaubert. Zwischendurch wurden immer wieder Leute auf die Bühne geholt, aber der Beste war Jesús (oder José - beide Namen kamen vor), ein Mann um die 50, der ein Zaubererjackett und die Brille von "Charry Potterrr" angezogen bekam. Das Schönste an der Show war die Schattentheatervorführung am Ende. Der Zauberer hat richtig tolle Figuren mit seinen Händen gemacht: Hasen, Hunde, ein Kamel mit Reiter, ein Pärchen, das sich küsste...

Der Höhepunkt des langen Wochenendes kam aber am Sonntag und Montag. Ich bin mit Lisa und Christina, einer Mit-Erasmusianerin von Lisa, nach Gijón gefahren. Gijón ist eine Stadt in Asturien, an der Atlantikküste. Meer! Ein bisschen vermisse ich Strand und Meer hier in Burgos ja schon. Der Ausflug hieß zwar, Sonntagmorgen um 6.35 Uhr den Bus in Burgos nehmen, aber hey, manche Opfer muss man eben bringen. Ich hatte schon am Tag vorher ein "Opfer" gebracht und habe telefonisch ein Zimmer in einem Hostal für uns gebucht. Es wollte natürlich keiner von uns. Telefonieren auf Spanisch ist schon noch eine Überwindung.
Die Fahrt war schon ein kleines visuelles Abenteuer. Es ging in Burgos im Stockdunklen los. Eigentlich wollte ich lesen, aber niemand hatte Licht an, da habe ich es auch gelassen und etwas gepennt. Irgendwann bin ich aufgewacht und um dem Bus rum war so eine Nebelsuppe, dass man kaum fünf Meter weit gucken konnte. Ich frage mich, wie der Busfahrer was sehen konnte. In León war der Nebel dann weg. Rodrigo hatte mir auch schon gesagt, dass es nach León plötzlich grün würde. Er hatte Recht damit. Der Weg zwischen León und Oviedo hat mich sehr an Norwegen erinnert. Wunderschön! Aber weil fotografieren aus Busfenstern und dann noch gegen das Licht nicht so doll ist, habe ich es gelassen und nur die Bilder in meinem Kopf.
Ich war um zehn vor elf oder so in Gijón und musste eine halbe Stunde auf die Vallisoletanas warten, die einen anderen Bus als ich genommen hatten. Die Zeit habe ich damit verbracht, nach einem Stadtplan zu suchen, aber ich habe keinen bekommen. Wir haben also den Plan, der an einer Bushaltestelle hing, fotografiert und haben dann ein zweites Frühstück in einem kleinen Park eingenommen. Danach sind wir zu dem Hostal gegangen. Das war eine Wohnung in einem Haus, in dem Zimmer vermietet werden. Auch interessant. In dem Zimmer hatten wir ein Doppel- und ein Einzelbett. Aber hinter dem Vorhang stand noch ein Klappbett, wenn Lisa und ich uns im Doppelbett also nicht vertragen hätten, hätte eine noch ins Klappbett umziehen können.
Die Frau in dem Hostal hat uns einen Stadtplan zum Anfassen und Auseinander klappen gegeben und nach einer kurzen Einrichtungspause sind wir zum Hafen gelaufen. Kleine Boote im Wasser, Möwen, Meer... Ich fand es toll. Die Häuser um den Hafen waren teilweise auch sehr farbenfroh angestrichen. Wenn die großen Hochhaus-Bausünden da nicht gewesen wären, hätte ich vielleicht eine neue Lieblingsstadt gehabt. Wir sind vom Hafen in Richtung des Strandes San Lorenzo gegangen.
Gijón hat eine Ausbuchtung ins Meer rein (ich weiß nicht, ob das als Halbinsel zählt), sie sieht auf der Karte ein bisschen aus wie eine Faust. An dieser Faust sind Klippen und oben auf dem Hügel steht ein Gebilde aus Beton (soll Kunst sein). Wenn man sich rein stellt, hört man das Meer rauschen. Das ist sehr beeindruckend (deswegen will ich dem Gebilde auch mal gönnen, Kunst zu sein, Audio-Kunst dann eben).

Von dem Kunstwerk aus sind wir weiter zum Strand gegangen (Christina ist nur knapp einer Möwe entkommen ;-)). An einer Kirche in der Nähe des Strands haben wir dann kleines Picknick eingelegt, um dann gestärkt an den Strand zu gehen. Es war Ebbe, aber ich denke auch bei Flut hätte man halb bis England laufen müssen, um schwimmen zu können. Das Wasser war aber ohnehin zu kalt zum schwimmen. Wir waren also nur mit den Füßen drin. Ich konnte es natürlich nicht lassen, habe ich in die Brandung gestellt und meine Hose, die ich bis zu den Knien hochgekrempelt hatte, nass gemacht.

Wir haben eineinhalb Stunden am Strand verbracht, haben Muscheln gesammelt, Lisa nass gespritzt (okay, das war ich), Möwen gejagt (Christina und ich), Fotos gemacht, Botschaften im Sand hinterlassen... Dann passierte das, was wir die ganze Zeit angesichts der dunklen Wolkenberge gefürchtet hatten: Es gab einen Regenguss. Aber wir waren schon am Ende des Strands angekommen und haben uns schnell unter gestellt. Nach einiger Zeit hörte der Regen auch auf und wir sind weiter an der Küste lang gegangen.
Der Meer hatte sich total geändert. Vorher waren es verhältnismäßig kleine Wellen gewesen, aber nach dem Regen war das Meer aufgewühlt. Es war auch wieder Flut und die Wellen krachten gegen die Felsen und gegen die Wand, der Strandpromenade. Das Wasser ist regelmäßig über den Zaun der Promenade gespritzt.

Da wir von oben aber trocken blieben, sind wir der Küstenlinie gefolgt. Wir haben noch zwei weitere Kunstwerke gesehen. "La madre de los emigrantes", eine Frauenstatue aus Bronze, die einem echt Angst machen kann. Sie hat ein Lumpenkleid an, ist abgemagert, hat leere Augen und streckt die Hand zum Meer aus. Sie erinnert mich an Zeichnungen der irischen Hungersnot. Aber sie könnte auch aus einem Gruselfilm entsprungen sein. Das andere nannte sich "Cantu los Díes Fuxíos" und bestand aus Marmorblöcken, auf denen Marmorschüsseln standen. Es sah aus, als ob jemand vergessen hätte, den Tisch abzuräumen...
Nachdem wir das Ende der Karte erreicht hatten, sind wir zurück zum Hostal gegangen. Wir wollten ja kein unerforschtes Gebiet betreten. :-P Wir haben uns ausgeruht und sind dann losgegangen, um etwas Essbares zu suchen. Wir haben uns nach langen Hin und Her entschieden und von daher waren es schon eine fast spanische Zeit, als wir gegessen haben. In der Sidrería waren wir eine Attraktion. Die Kellner kamen nämlich recht schnell darauf, dass wir Ausländerinnen waren. Wahrscheinlich, weil wir so ausführlich die Karte gelesen und diskutiert haben, was sich hinter den Namen verstecken könnte. Verdammte Sprachbarriere! Aber wie gesagt, die Kellner hatten ihre Spaß, wir haben ständig mitgekriegt, wie sie sich über uns unterhalten haben, sie wollten einen ihrer Kollegen dazu bringen, mit uns Englisch zu reden, aber wir haben eisern Spanisch gesprochen, und ständig kamen sie an unserem Tisch vorbei.
Wir hatten keine Lust auf kulinarische Experimente und haben Croquetas de Jamón, Calameres fritos und Patatas tres salsas (Kroketten mit Schinken, frittierte Tintenfischringe und so ein Zwischending zwischen Bratkartoffeln und Pommes mit drei Soßen) bestellt. Sachen, die wir kannten. Christina und Lisa hatten dazu Sidra (alkoholisches Getränk, das aus Äpfeln gemacht wird - typisch für Asturien), ich Wasser, aber ich habe auch ein bisschen was vom Sidra getrunken. Weil das aus einer ziemlichen Höhe eingeschüttet werden soll, bekamen wir eine Maschine, in die die Sidra-Flasche gesteckt wird, dann stellt man sein Glas drunter, drückt auf einen Knopf und das Glas wird gefüllt. Sehr lustig. Das Essen war sehr reichlich (ich hatte erst gedacht, dass wir eventuell was nachbestellen müssen werden würden), aber lecker.
Wir sind noch mal im Dunkeln an den Strand gegangen. Inzwischen war wieder Ebbe und wir könnten über den Sand gehen. Irgendwann kam Christina auf die Idee, wir könnten ein paar Sprungbilder machen. Wir haben es auch gemacht, es war lustig aber nicht die beste Beschäftigung nach dem Essen. Aber die Erinnerung, wie wir auf den Selbstauslöser warteten und dann doch nicht rechtzeitig hochgesprungen sind, wird lange bleiben.
Sonntag sind wir erst noch etwas in Gijón rum gelaufen. Nach dem Frühstück waren wir auf der Plaza Mayor, die wirklich sehr klein ist. Allerdings war da ein Markt, wo Lisa und ich uns eine ganz tolle Waffel und Christina sich einen riesigen Donut gekauft haben. Unser Frühstück war nämlich etwas mickrig gewesen, auch wenn die Cafeteria sehr süß eingerichtet war (so mit alten Werbekarten und farblich auch ganz schön). Danach waren wir noch in den Touristenläden.
Gegen Mittag sind wir nach Oviedo gefahren. Die Fahrt mit dem Bus dauerte eine halbe Stunde. Auf halber Strecke liegt ein IKEA, aber Lisa und ich warten einfach auf Weihnachten. ;-) In Oviedo fiel uns am Busbahnhof erstmal ein Blumenautomat auf. Sowas habe ich noch nie gesehen! Allerdings sind die Blumen nicht sehr schön. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie besonders frisch waren.
Neben dem Blumenautomat hat uns der Regen in Oviedo erwartet. Fast den ganzen Nachmittag kam es mehr oder weniger nass von oben. Wir sind anhand des Stadtplans, den wir in der Touri-Information von Gijón gekriegt haben, durch die Stadt geirrt, fanden, dass der Plan völliger Müll war und nicht die Realität abgebildet hat, haben ein paar Statuen nachgestellt (unsere Lieblingsbeschäftigung dieses Wochenende) und habe einen strammen Max in einer Sidrería gegessen. Irgendwie fand ich es lustig, im Regen rum zu laufen, "Sommer ist, was in deinem Kopf passiert" natürlich auch im Oktober, aber auf die Dauer schlug mir das auch auf die Laune, wir sind zurück nach Gijón gefahren und haben die Zeit bis zur Abfahrt des Busses nach Valla in den (Chino-)Läden um den Busbahnhof in Gijón verbracht. Ich habe in einem Buchladen "El Palacio de la Medianoche" gekauft. Es ist zwar die gebundene Ausgabe und passt dann nicht zu dem ersten Band, weil das ein Taschenbuch ist, aber gut, das werde ich überleben. Ich brauchte aber neues Lesefutter. Es war mir klar, dass das Buch, das ich dabei hatte "Der verborgene Garten" (eine total spannende Familiengeschichte von Kate Morton - absolut empfehlenswert), bald ausgelesen sein würde.
Ich habe Lisa und Christina verabschiedet, habe eine Stunde auf meinen Bus gewartet und bin dann auch zurück gefahren. Die Rückfahrt war ätzend. Ich glaube auch, dass sie länger war. :-D Mein Rücken tat mir irgendwann weh und ich war froh, als ich wieder in Burgos war. Aber es war ein ganz tolles Wochenende!
Das letzte Foto ist eins von Christinas Selbstporträts ;-)

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Herbst I

So langsam kommt der Herbst in Burgos an. Bei den Temperaturen merkt man das nicht so (die arktischen 5°C morgen um halb 9 Ende September waren glücklicher Weise nur ein Phänomen von kurzer Dauer), aber auch sie sind so, dass man schon merkt, dass nicht mehr August ist...
Vor ein paar Tagen habe ich mit meinen Eltern geskyped und sie habe mir gesagt, dass zuhause schon alle Blätter am Weinlaub verfärbt sind. Farbige Blätter sind hier noch nicht ganz so vertreten. Das Gras ist zwar gelb (allerdings kommt das von dem heißen Sommer), aber die meisten Bäume sind noch grün und einige Blätter liegen braun auf dem Boden. Ich habe bisher nur wenige verfärbte Bäume gesehen, aber im Vergleich mit vor 14 Tagen sind es doch schon mehr geworden.
Ein Sache gibt es hier aber schon seit sicher drei Wochen in rauen Mengen: Kastanien. Wenn ich zu Fuß zur Uni gehe, finde ich auf dem Weg fast so viele Kastanien wie Steinchen. Ich habe mir auch schon einige mitgenommen und auf meine Kommode gelegt. Die spanischen Kinder sammeln die Kastanien übrigens genauso euphorisch wie die deutschen. Aber ich habe auch schon meinere alte Leute gesehen, die eine ganze Tüte dabei hatten. Lustiger Weise bin ich in der letzten Woche schon zweimal darauf angesprochen worden, dass wir Deutschen die Kastanien ja essen würden und wurde beim zweiten Mal auch daraufhin gewiesen, dass man diese nicht essen kann. Ich wusste gar nicht, dass Deutschland neben dem Oktoberfest, Bier und Würstchen auch für die Esskastanien bekannt ist... :-D (Mir fällt auf, mich hat auch noch keiner nach Tokio Hotel gefragt *Uff*) Ich selber habe erst einmal Kastanien gegessen.

Gestern war ich mit Cristina (Spanierin) und Laura (Engländerin) aus dem Kurs "El Amor en la Literatura" unterwegs in Fuentes Blancas. Wir haben uns zwei Klöster angeguckt. In dem einen San Pedro de Cardeña hat der Cid damals vor seiner Verbannung seine Frau und Töchter in Sicherheit gebracht. Dort hat uns gestern ein alter Mönch rumgeführt, nachdem er Laura und mich in unseren Landessprachen begrüßt hat. Er war aber auch etwas verrückt hatten wir das Gefühl. Oder zumindest sehr begeistert. Er wollte uns immer mehr vom Kloster zeigen: Die Besucherräume, den Meditationsraum, die Kapelle, den Speisesaal... Und er hat uns jedes Mal gefragt, ob es uns gefallen würde. Irgendwann meinte er, es gäbe ja auch Nonnenkloster, wenn es uns gefallen würde. Vielleicht haben wir doch zu viel gelächelt. :-D
Das andere war das Kartäuserkloster La Cartuja de Miraflores, das von Isabel la Católica und ihrem Vater gebaut wurde. Momentan wird es aber renoviert und wir konnten kaum etwas ansehen. In der Kirche sind Isabels Eltern begraben worden. Und Cristina hat noch eine Legende erzählt, dass als Isabel das Kloster besuchen wollte, sie eigentlich nicht durfte, weil sie ja eine Frau war. Aber weil sie die Königin war, haben sie sie dann doch gelassen. Damit aber alles seine Ordnung hatte, musste ein Mönch hinter ihr her laufen und alle Steine, die sie betreten hat, kennzeichnen, damit die hinterher ausgewechselt wurden...
Nach der Besichtigung haben wir uns auf die Suche nach Brombeeren (Moras) gemacht. Cristina hat uns erzählt, wie sie mit ihren Cousins und Cousinen früher durch Fuentes Blancas gelaufen ist und Brombeeren gepflückt hat, und hat mit uns auch die Sträucher abgesucht. Viel Brauchbares war aber nicht mehr dabei. Es ist ja immerhin Oktober. Allerdings meinte Cristina, dass sie hier immer so im September reif sind. Da sind die in Deutschland aber früher dran, oder?
Zum Schluss hat uns Cristina noch den Strand von Burgos gezeigt. Dieser "Strand" ist aber eher eine bessere Sandkiste am Ufer des Flusses... In der Nähe des Strandes hatte Cristinas Familie auch ein Restaurant, bis Cristina drei Jahre alt war. Dann haben sie es verkauft. Aber Cristina meinte, ihre Oma würde immer noch Morcilla selber machen. Eine durch und durch burgalesische Familie also. ;-)

Montag, 4. Oktober 2010

Fin de Semana Cidiano

Endlich passiert auch mal was in Burgos! Bei dem, was ich von Fiestas aus Valladolid, Murcia und Santiago gehört habe, habe ich mich schon gefragt, ob es letztendlich doch ein Fehler war, den Erasmus-Platz zu tauschen. Burgos ist zwar schön, aber wirkte auf mich bisher eher verschlafen (wenn man Alternativen zu Erasmus-Partys und allgemeinen Besäufnissen sucht), weil die Fiestas hier im Juni sind. Dieses Wochenende war aber ein Event, das gänzlich dem Cid und seiner Zeit gewidmet war. Das heißt Mittelaltermarkt, Ritter-Turnier, Paraden und Theaterstücke. Und ich hätte das fast nicht mitbekommen, wenn ich am Freitag nicht gesehen hätte, dass auf dem Paseo de Espolón Fahnen aufgehängt wurden und Dokia uns nicht gesagt hätte, wofür die Fahnen sind!
Samstag Vormittag ging es um 12 mit einer Parade los. Ich hatte beschlossen, sie am Endpunkt (dem Arco de Santa María) in Empfang zu nehmen, weil da auch der Mittelaltermarkt und das ganze Wochenende eröffnet werden sollte. Kurz vor eins kam die Parade an: kleine Mädchen, die als Prinzessinnen verkleidet waren, Hofdamen, Ritter und Pagen. Ein Mann hat einen Blinden gespielt und ist gegen einen Tisch gelaufen, weil der junge Mann, der ihre führen sollte, ihn im Stich gelassen hatte. Der Blindenführer hat dann gleich einen drüber bekommen. ;-) Es waren zwei Musikgruppen dabei, Fußsoldaten und zum Schluss Ritter auf Pferden.

Oben auf dem Balkon des Arco de Santa María standen zwei Ritter, zwei Fanfaren-Bläser und ein Mann, der nach den Fanfaren eine kurze Biographie vom Cid gab, seine internationale Bedeutung unterstrich und schließlich das zweite Cid-Wochenende für eröffnet erklärte.


Danach führte eine Gruppe einen kleinen Tanz auf, aber die meisten Leute strömten auf den Mittelaltermarkt. Es gibt sicher größere und welche, bei denen die Leute besser verkleidet sind, aber für mich war der Markt hier schon eine Explosion der Eindrücke. Je nach dem, an welchem Stand man vorbei ging, roch es nach Seife, Wurst, Schafskäse, Brot, Räucherstäbchen oder Gewürzen. Das, was zum Verkauf angeboten wird, ist fast genauso vielfältig wie die Zeit, in der es erfunden wurde. Neben dem obligatorischen (Silber-)Schmuck, Lebensmitteln. Ton- und Holzwaren für den Haushalt und Waffen wurden nämlich auch Diabolos, Schleichtiere und -ritter, Plastikhexen, modernes und "altes" Holzspielzeug, fleischfressende Pflanzen und CDs (allerdings mit mittelalterlicher Musik) verkauft. Der schönste Anachronismus war ein Schild mit der Aufschrift, dass Kreditkarten akzeptiert würden.

Es gab auch eine Wahrsagerin, María Carmen, die ihre Tarotkarten für läppische 20€ für das ganze Jahr und für 5€ zu einem bestimmten Thema legte (Nein, ich habe keine 15€ für die Fragen, die mich gerade am meisten bewegen, bezahlt ;-)), einen Mann, der die Namen der Leute auf Arabisch schreibt (der in Granada hat das aber schöner gemacht!), Straßenmusikanten, ein Holzkarussell, das ein Mann mit den Füßen (wie ein Fahrrad) bewegte, und Eselreiten für die Kinder. Die Kostümierungen der Marktleute war unterschiedlich gut und reichte von überzeugend (wenn auch die Frisur stimmig schien) über Hippie bis zu eher Sträflingskluft.
Die negativsten Beispiele waren für mich einmal ein Mann in einem gestreiften Gewand, dass so aussah, als wäre es morgen noch aus einem Bettbezug genäht worden, und ein Mann mit einem hellen Hemd und einer giftgrünen Leggins... Also, ich muss doch sehr bitten, sogar Robin Hood trug eher gedeckte Farben!
Am authentischsten sehen die älteren Menschen in ihren Kostümen aus. Denn ein grauer Bart oder erste Falten im Gesicht spiegeln den harten Alltag im Mittelalter gut wider. Man konnte aber auch - wie eine Frau, die nicht zu den Marktleute gehörte, perfekt demonstriert hat - sein peinliches Jäckchen mit silbrigen Pailletten rauskramen und so tun, als sei es ein Kettenhemd. :-P Ich habe auch einen Priester in schwarzer Sutane gesehen, aber ich habe ihn nicht gefragt, ob er immer so rum läuft oder ob es nur ein Kostüm ist. Im ersten Fall hätte er es mir vielleicht übel genommen, wenn ich es für ein Kostüm gehalten hätte. Ich glaube aber, dass auch er verkleidet war.

Um 18 Uhr wurde am Ufer des Arlanzón ein Ritter-Turnier veranstaltet. Leider war ich etwas spät da und war zuerst zwar fast über dem Turnierplatz, aber konnte nichts sehen, weil die Leute vor mir, die Mauer mit dem Geländer blockierten. Ich bin dann nach der Hälfte oder so weiter gegangen und habe einen Platz gefunden, der zwar weiter weg war, aber von wo aus ich besser sehen konnte. Es sind zwei Mannschaften gegeneinander angetreten. Sie mussten im Galopp Ringe von einem Band abreißen, Salatköpfe mit dem Schwert erledigen, Speere werfen und natürlich tjosten. In einem Team hat auch eine junge Frau mitgekämpft. Klar, dass ich schon aufgrund der weiblichen Unterstützung für deren Mannschaft war. ;-) Aber das wäre den Ritter früher sicher nicht in die Tüte gekommen! Nachdem das rote Team gewonne hatte, sind die Ritter eine Ehrenrunde geritten und haben dann die Pferde direkt in den Fluss gelenkt. Das war auf jeden Fall ein klasse Effekt und so konnte ich sie auch mal von etwas näher sehen. Ich bin oberhalb des Flusses lang gelaufen und habe die Ritter nochmal getroffen, als sie vom Fluss hochkamen.



Für 22 Uhr war ein Fackelzug angesetzt. Die Zeit bis dahin habe ich auf dem Mittelaltermarkt verbracht. Ich habe da was zu Abend gegessen und mir einen Kranz aus getrockneten (und teilweise auch Plastik-) Blumen gekauft. Ja, ich habe mich an dem Abend etwas als Fee gefühlt... Lasst mich doch.


Der Fackellauf war dann auch gut. Anders als ich gedacht hatte. Sehr ruhig, fast feierlich. Ich nehme an, dass er in Gedanken an die Verbannung des Cid abgehalten wurden. Es wirkte so als würde ein ganzer Hofstaat sich nachts auf den Weg machen.



Ein bisschen hat mich der Fackelzug auch an den Herrn der Ringe bzw. den Hobbit erinnert. Ich sehe schon, dass einige von euch die Augen verdrehen, aber mal im Ernst: Wer würde bei dieser moosgrünen Kapuze nicht Tolkiens wunderbare Welt denken?


Am Sonntag war in der Kathedrale eine Messe, für den Cid. Es war so voll, dass längst nicht alle Leute in den Coro gepasst haben (Es muss ein sehr intelligenter Mensch gewesen sein, der diesen Kasten in den spanischen Kathedralen erfunden hat...). Dafür würde das, was am Altar passierte, auf kleine Fernseher an den Säulen übertragen. Der Gottesdienst war nicht schlecht, wir durften zwar nicht singen (ich kenne ja auch keine spanischen Lieder), dafür hat ein Chor gesungen, der nur bei "Hail holy Queen" ("Sister Act") etwas schwächelte - sowohl Gesangestechnisch als die Englischkenntnisse betreffend. Mir ist während der Messe klar geworden, dass ich bis Weihnachten noch auf jeden Fall das spanische Vater unser und das spanische Glaubensbekenntnis auswendig lernen muss. Vor allem beim Glaubensbekenntnis scheinen die hier mehr Inhalt zu haben. Ich war mit dem deutschen schon beim Heiligen Geist, als die gerade bei Jesus angekommen waren... Am Ende der Messe wurde ein Blumenstrauß auf das Grab vom Cid gelegt und drei "Ritter" haben da noch Wache gestanden.


Als ich aus der Kathedrale kam, hat der Wind mich fast umgeweht. Und als ich über den Markt gegangen bin, fing es an zu regnen. Ich bin erstmal zurück in die WG gegangen und bin nachmittags noch mal in die Stadt gegangen. Der Regen war vorbei, aber die Stimmung war irgendwie nicht mehr da. Es hatten zwar nur wenige Stände auf dem Mittelaltermarkt zu gemacht, aber die wenigsten hatten sich auf mittelalterliche Art gegen die Kälte geschützt. Die meisten hatten Fleecejacken über ihren Kostümen an (manche auch drunter) und einige hatten ihre Kostüme ganz eingetauscht. Hinter einen Stand saß ein unmotivierter Teenager, der ein tragbares Radio dabei hatte. Das hätte es Samstag sicher auch nicht gegeben. Einige Händler haben sich aber schon viel Mühe gegeben, weiterhin das Mittelalter-Stimmung zu verbreiten, auch wenn das eine Troubadour-Paar sich unter ein Dach stellen musste, damit die Instrumente nicht nass wurden. Ich habe auch viel zu viel Geld auf dem Markt gelassen und mir ein paar Ohrringe, eine Kette und ein Armband gekauft. Na ja, man gönnt sich ja sonst nichts.
Trotzdem war es etwas deprimierend auf dem Markt. Die Stimmung war eine völlig andere. Alles war ruhiger. Das einzig Gute war, dass nicht mehr so viel Menschen auf den Markt waren. Aber die eine Veranstaltung, die noch hätte stattfinden sollte, fand anscheinend nicht statt. Ich bin dann auch früher gegangen, weil ich bezweifelte, dass es um halb zehn noch zu einen "espactáculo de fuego" kommen würde. Bei dem konstanten Nieselregen durchsetzt von einen starken Regengüssen hätten die sicher kein Feuer angekriegt. Und bei mir war auch die Luft raus. Das Wetter hat schon ziemlich die Stimmung gesenkt. Das fand ich sehr schade, aber immerhin hatten wir am Samstag gutes Wetter.