Wenn ich überlege, ob ich genug neue Geschichten für einen Kurioses-Blogeintrag habe, fällt mir manchmal auf, dass Begebenheiten, über die ich schmunzeln musste, für die Spanier wahrscheinlich ganz normal sind, und ich sie streng genommen, nicht unter die Überschrift "Kurioses" setzen sollte (wie zum Beispiel die Sache mit den spanischen Namen). Dann gibt es Situationen, die ich zwar bemerkenswert finde, aber kein bisschen komisch, auch die passen dann nicht unter diese Überschrift.
Deswegen machen wir heute einen kleinen Ausflug in die spanische Landeskunde (keine Angst, ich erzähle nichts zu der Geschichte, zu Goyas Kunstwerken oder dem Louvre... Pardon, ich meine den Prado :-P).
Was natürlich immer lustig ist, ist die Bestätigung der Vorurteile, die wir Deutschen gegen die Spanier haben (oder auch umgekehrt, eine brasilianische Kölnerin, die ich hier kennen gelernt habe, schrieb letztens im Facebook. "Jetzt ist es raus: Die Deutschen sind bescheuert - Sie setzen sich bei einer Hochzeit auf dem Boden und rudern!").
Und welches Vorurteil haben wir (abgesehen von Siesta und Sangria)? Richtig, das Auto fahren. Die Italiener sind zwar noch schlimmer, aber die Spanier fahren hier manchmal auch wie bescheuert. Zebrastreifen werden mal beachtet, mal nicht und rote Ampeln sind ohnehin nur eine Empfehlung. Ich frage mich immer noch, wie es möglich ist, dass eine Ampel auf dem Weg zur Uni seit fünf Monaten ausgeschaltet ist. Bei einer vierspurigen Straße!
Parken ist auch so eine Sache. In der Einbahnstraße, an der u.a. "mein" Supermarkt und eine Sprachschule liegen, wird gerne in der zweiten Reihe geparkt. Das macht dann nicht nur ein Auto sondern gleich vier oder fünf. Manche Autofahrer bleiben im Auto sitzen und warten auf ihre Kinder, die aus der Sprachschule kommen, andere gehen einkaufen. Dann haben die Autofahrer, die brav in der ersten Reihe geparkt haben, Pech. Es kommt regelmäßig zu Hupkonzerten, bis sich jemand bequemt, den anderen rauszulassen. Heute kam auch ein LKW nicht durch die Straße, weil ein anderes etwas breiteres Auto in der zweiten Reihe geparkt hatte.
Was mich hier etwas stört, sind die Heizgewohnheiten meiner Mitbewohnerinnen (und nach dem, was ich von anderen gehört habe, machen das einige so). Im Normalfall wird nämlich nicht geheizt. Gas ist ja teuer. Also läuft man lieber den ganzen Tag im Bademantel über seinem Pulli rum. Ich glaube, ich habe noch nie so viel gefroren, wie in diesem Winter. Das Problem ist nämlich, wenn man die Heizung anstellt, wird die ganze Wohnung geheizt. Deswegen konnte ich nicht "heimlich" heizen. Ich hatte nämlich auch keine Lust auf eine Grundsatzdiskussion. Zumal das Heizen eh nicht so viel brachte. WENN dann nämlich mal die Heizung an war, habe ich trotzdem gefroren, weil es von Fenster eiskalt rein kam. Dieses Haus ist einfach mies isoliert. Irgendwann habe ich nur noch mit Schlafsack am Schreibtisch gesessen und schlafe jetzt auch jede Nacht mit Schlafsack und zwei Wolldecken (Federbetten gibt es hier auch nicht, meine Eltern wollten mir meins schicken, aber ich muss meinen Kram ja auch irgendwie wieder mit zurück kriegen ;-)). Aber das Heizen ist bei uns in der Wohnung wirklich teuer. Obwohl wir - meines Erachtens - die Heizung kaum an hatten, mussten wir fast doppelt so viel bezahlen wie im Septmeber/ Oktober. Über 100€ für zwei Monate und vier Personen, um Endeffekt also jeder knapp 27€ für zwei Monate, was voll okay ist, aber Daniela war total entsetzt über diese Heizkosten...
Gut finde ich aber die Regelung in den Bibliotheken, was passiert, wenn man ein Buch überzieht. In Deutschland muss man ja gleich Geld bezahlen. Hier wird man nur gesperrt. Pro Buch und Tag einen Tag Sperre. Ich habe drei Bücher einen Tag lang überzogen und konnte drei Tage lang nichts ausleihen. Das finde ich eigentlich ganz gut. Meisten (!) ist das in Deutschland eh nicht sooo teuer mit dem Gebühren und als "Bestrafung" ist die Sperre irgendwie wirksamer, finde ich. Blöd ist es natürlich nur, wenn man für jemanden anders etwas ausleiht und die Person das nicht zurück gibt. Das ist der Cristina passiert. Sie hatte für Laura (die Engländerin) ein Buch ausgeliehen und Laura hat es ganz lange nicht zurück gegeben. Und Cristina konnte die ganze Zeit nichts ausleihen. In den Freistunden montags habe ich ihr dann immer über meine Karte einen Laptop ausgeliehen (ja, die Uni-Bib Burgos verleiht Laptops - eins der wenigen guten Dinge), mit dem wir dann die Zeit rumgebracht haben.
Und ein letztens: Wenn jemand von euch mal nicht weiß, was er (oder eher sie ;-)) mit dem Weihnachtsgeld anfangen soll: Ab Reyes (6.1.) ist in Spanien "Rabajas". So was wie Winterschlussverkauf. Alles (vor allem Klamotten etc.) ist drastisch reduziert. Ich habe an manchen Schaufenstern gelesen, dass die bis zu 70% auf ihre Sachen hatten. Das Problem an der Sache ist nur, dass der Rabatt nur für die alte Kollektion gilt. Die neuen Sachen sind nicht runtergesetzt. Und die Klamotten sind dann natürlich auch schnell weg. Dabei geht die Rabatt-Aktiob bis Ende Februar, meine ich, jedenfalls habe ich heute noch ein Buch gekauft, das von Weihnachten noch um 5% runtergesetzt war. Bei den Büchern gibt es anscheinend nicht so viel Rabatt. Möglicher Weise müssen sich die Buchhändler hier auch an bestimmte Preise halten.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen