Donnerstag, 27. Januar 2011

Ein zweites Mal Salamanca

Vorgestern war ich ein zweites Mal in Salamanca. Camila und Isabel hatten ein Auto gemietet und mich gefragt, ob ich nicht noch mitkommen wollte. So ein Angebot schlägt man nicht aus.
Nachdem ich Montagnachmittag verzweifelt die Autovermietung gesucht (und nicht gefunden) hatte, habe ich abends einen letzten Versuch unternommen und habe sie mit Streetview gesucht. Das Problem an der Suche war nämlich, dass Google Maps einen anderen Standort angab, als die Internetseite von Avis. Auf die Idee Streetview zu nutzen, bin ich natürlich erst spät gekommen, als Lisa meinte, ich solle das mal machen. Ein Klick und man sah da, wo laut Google Maps Avis sein sollte nur Bäume und ein abrissreifen Haus. So viel dazu.
Dann hatte ich die Autovermietung aber doch noch im virtuellen Burgos gefunden und habe mir die Karte abgezeichnet. Außerdem wusste Camila ungefähr, wo wir hinmussten, und nachdem uns ein alter Mann erst in die falsche Richtung geschickt hatte, hatten wir gegen zwanzig nach neun das Auto.
Ich hatte die verantwortungsvolle Aufgabe, Camila mit der Wegbeschreibung aus dem Internet nach Salamanca zu lotsen, während Isabel noch ein Schläfchen auf dem Rücksitz hielt. Natürlich habe ich an einer Stelle gepennt und haben nicht mitgekriegt, dass wir die Autobahn hätten wechseln sollen. Wir sind dann einfach den Schildern nach Salamanca gefolgt und haben letztendlich nur nicht das Parkhaus gefunden, in dem wir parken wollten und vor dem wir uns mit Kati, einer Eramus-Studentin aus Essen (die ich nicht kannte), treffen wollten.

Wir haben sie dann auf der Plaza Mayor in einem Café getroffen. Danach sind wir in der Stadt rum gelaufen. Wir haben uns die Uni angeguckt (bei der alle Gebäude sehr viel schöner - und älter - sind als in Burgos. Salamanca ist nun mal die älteste Uni Spaniens). Wenn man weiß, wo der Frosch ist, findet man ihn auch sehr schnell wieder. Außerdem waren wir in der Kathedrale, am Fluss, auf der alten Römerbrücke (Isabel hoffte, da etwas Latein-Geist für ihre Latinumsprüfung zu sammeln) und im Garten von Calixto y Melibea. Auf letzteres habe ich bestanden, weil die beiden das Liebespaar des Theaterstücks La Celestina sind, was wir bei der Lobato in Ausschnitten gelesen haben.
Zwischendurch waren wir wieder auf der Plaza Mayor und haben da eine Freundin von Kati getroffen und mit ihr Kaffee getrunken. Die hat dann hinterher auch mit uns den Garten von Calixto y Melibea gesucht. Lisa hatte mir gesagt, ich solle mir den Garten unbedingt angucken und deswegen habe ich die anderen auch dazu gebracht, aber ich glaube, zumindest Isabel und Kati waren etwas enttäuscht von dem Garten. "Was ist denn so besonderes hier?"
Vielleicht lag es auch daran, dass der Garten im Januar ziemlich tot aussieht. Er ist sehr klein, in der Mitte steht ein Brunnen, an den Liebespaare eine Schloss mit ihrem Namen anbringen können, um ihre ewige Liebe auszudrücken. Außerdem gibt es einen kleinen Springbrunnen und eine Statue der Celestina.




Im Endeffekt haben wir wahrscheinlich länger dafür gebraucht, den Garten zu finden, als wir uns im Garten aufgehalten haben. Er liegt sehr verstreckt. Aber immerhin waren Kati und Vicky während ihres Erasmus-Aufenthalts in Salamanca auch mal drin und haben ein bisschen Kultur abbekommen. ;-)
Zum Schluss haben wir bei McDonald's eine Kleinigkeit gegessen, weil die Tapas Bars noch nicht auf hatten, und sind dann zurück nach Burgos gefahren.

Freitag, 21. Januar 2011

Pecaditos und Bar Patillas

Um das Ende der Klausurenphase zu feiern (s. letzter Post) war ich mit dem Masterkurs gestern Abend unterwegs. Ich habe zwar noch eine Klausur, aber erst im Februar und außerdem fliegt Isabel nächste Woche schon wieder zurück, und sie musste natürlich auch dabei sein, weil sie viel mehr Kurse mit den Masterstudenten hat, als wir anderen.
Zuerst waren wir im Pecaditos. Das ist eine "Taberna", wo man an der Theke für einen Euro ein kleines Bocadillo (belegtes Baguette) oder was zu trinken bekommt. Wir sind aber weiter durch gegangen und haben "Raciones", größere Tapa-Rationen, bestellt und geteilt. Wir hatten Schinkenbrot, Salat mit grünen Tomaten, Zwiebel und Thunfisch, Schinken-Kroketten, Käse und verschiedene meeresfruchtige Sachen (u.a. "Tigres", überbackene Miesmuscheln). Es war sehr lecker und wir haben uns gut unterhalten. Diane erzählt, wie sie unserem Prof fast um den Hals gefallen wäre und meinte, dass es für uns armen "Alemanitas" ja noch schlimmer gewesen sein musste.
Zum Schluss waren Amaya, Sandra, Diana, Isabel und ich noch in einer Bar namens "Patillas". Eigentlich wollten wir Deutschen nicht, deswegen hatten wir uns auch schon von Asun, María Rosa und Anna getrennt, aber die Bar lag auf dem Weg und Amaya meinte, das wäre die typische Erasmus-Bar, in die wir rein gehen müssten.
Es ist auch eine sehr schöne Bar. Ich war schon mal mit meinem Tandem-Partner drin. Die Wände sind über und über mit Fotos beklebt und Männer mit Gitarren singen Lieder. Mein Tandem-Partner hatte mir erzählt, dass die Bar "Patillas", "Koteletten", heißt, weil der Barmann welche hat. Angeblich darf er sich die auch nicht schneiden, weil es Tradition ist. Sein Vater und sein Großvater haben die Bar schon mit Koteletten geführt.

Donnerstag, 20. Januar 2011

Prüfungsphase

Die Klausuren begannen in Burgos am 10. Januar. Meine erste Klausur war erst am 18. und das war auch gut so, weil ich vorher so gut wie gar nichts geschafft hatte. In der Woche vor der ersten Klausur hieß es dann aber nicht lernen, sondern "mal eben noch" zwei Hausarbeiten schreiben.
Erschwert wurde die Sache noch dadurch, dass die geisteswissenschaftliche Uni-Bib hier eine Katastrophe ist. Acht Regale in Billie-Größe (oder vielleicht etwas breiter), deren Bretter nicht einmal ganz voll gestellt sind, ist alles, was man für das Fach Spanische (Literatur und Linguistik) finden kann. Dementsprechend war auch nicht die Literatur, die uns der eine Prof für die Hausarbeit angegeben hatte, verfügbar. Außerdem darf man die Bücher nur eine Woche ausleihen.
Für die Literatur-Hausarbeit zu La vida es sueño hatte ich mir deswegen schon vor Weihnachten Literatur im Internet gesucht, mir einen Artikel aus Essen von Laura einscannen lassen und sogar ein Buch in der Uni Bib gefunden (wow).
Für Linguistik bin ich dann (wie schon vorher bei der Hausarbeit für den Masterkurs) auf die Stadtbücherei ausgewichen, die gemessen an ihrer Größe erstaunlich gut mit solchen Büchern ausgestattet ist (auch wenn das System der Signaturen völlig irreführend ist und ich erst letzte Woche die Regale mit den Romanen gefunden habe).
Ich frage mich, wie die Spanier das machen. Die müssen in jedem Kurs eine Hausarbeit schreiben und zwar zusätzlich zur Klausur. Zumindest einige. Die meisten. Und die Profs sagen, das wäre so üblich in Spanien. Da frage ich mich doch, warum manche von den Erasmus-Studenten hier an der Uni bei vier oder fünf Kursen nur zwei Hausarbeiten schreiben müssen. Oder die Lisas auch nur eine oder keine. Oder warum Cristina, aus dem Amor en la Literatura-Kurs, meinte, in Valladolid, wo sie vorher war, wäre das ganz anders.
Dann meinte ein Dozent, glaube ich, dass das mit den Hausarbeiten an Bologna läge, weil man ja alles gleich machen muss. Nur in Deutschland ist das doch nicht so. Wie wäre es, wenn man sich untereinander abspricht, wie die Struktur des Studiums aussehen soll, bevor man einem Studienabschluss einfach den gleichen Namen verpasst und so tut, als wäre das gleich drin?

Aber ich habe es geschafft, die beiden Hausarbeiten zu schreiben. Sie waren zwar kürzer als gefordert, aber ich denke, das spielt keine Rolle. ML hatte mir gesagt, ich solle es so gut machen, wie ich kann, als ich ihr mein Problem (zu wenig Zeit und zu viel zu tun) schilderte und der Prof, bei dem ich die andere Hausarbeit geschrieben habe, hatte eh keine Meinung zu der Länge. Er meinte erst, 30 Seiten, was aber wohl ein Scherz war und meinte dann, wir sollten was vorschlagen...
Entgegen meines Zeitplans war ich dann sogar schon Samstagabend mit den Hausarbeiten fertig und hatte den ganzen Sonntag, den ganzen Montag und den halben Dienstag, um für die Klausur "Análisis de textos" im Masterkurs zu lernen. Die Klausur hat mir am meisten Angst gemacht. Wir hatten das ganze Semester nur zwei Themen, von denen ich eins nicht verstanden hatte. Zumindest nicht richtig. Ich habe also meine Mitschriften und die von Diana, einer Kommilitonin, zusammengefasst. Das Gute daran, wenn man etwas nicht versteht, ist, dass die Lernzettel kürzer werden. Ich habe nämlich radikal alles rausgeschmissen, was ich nicht verstanden habe. Wenn ich mich nicht mehr auf die Textlinguistik konzentrieren konnte, habe ich Lernzettel für die Klausur zu der spanischen Literatur des 17. Jahrhunderts gemacht, die Mittwochmorgen um 10 Uhr anstand.
Die Masterkurs-Klausur war dann ganz okay. Die Spanier waren alle mindestens genauso aufgeregt wie ich und wir überlegten uns Klopfzeichen, für den Fall das wir Texte identifizeren müssten (was dann natürlich nicht dran kam). Im ersten Teil mussten wir aus sieben Konzepten drei auswählen und sie erklären. Das war sehr nett, denn ich konnte mir genau die aussuchen, zu denen ich was wusste. Im zweiten Teil mussten wir einen argumentativen Text analysieren. Da habe ich es zumindest geschafft, die Argumente rauszusuchen. Sachtexte und ich verstehen uns einfach nicht so gut. Außerdem wusste ich nicht, ob "linguistische Elemente, die die Autorin verwendet, um ihre Intention zu verdeutlichen" das gleiche wie stilistische Mittel sind. Na ja, ich hoffe, wie alle im Kurs, dass es zum bestehen gereicht hat.
Was aber lustig war: Wir sind nach der Klausur in die Cafeteria gegangen, mit dem Prof, und Diana jammerte die ganze Zeit, dass sie durch beide Klausuren durchfallen würde und dass alles so schlimm wäre. Plötzlich meinte der Prof: "Wieso glaubst du eigentlich, durch beide Klausuren durchgefallen zu sein? Eine hast du schon bestanden!" Diana ist ihm mehr oder weniger um den Hals gefallen, so glücklich war sie.
Die Literaturklausur am nächsten Tag war besser. Vor allem angesichts der Tatsache, dass ich kaum Zeit hatte, zu lernen, ist sie geradezu super gelaufen. Es kamen auf jeden Fall die Fragen an, mit denen ich etwas anfangen konnte, auch wenn ich nicht wusste, wann Lope de Vega jetzt sein Werk Arte Nuevo de hacer comedias verfasst hat... Wir mussten "Autos sacramentales" definieren (das sind Theaterstücke mit einer religiösen Aussage, die an Fronleichnam aufgeführt wurden), ein Fragment Text einem Werk zuordnen (Arte nuevo von Lope) und analysieren und zum Schluss ein Gedicht interpretieren, das wir schon im Unterricht besprochen hatten.

Vor der Klausur hatte ML die Hausarbeiten eingesammelt, was aber teilweise daran scheiterte, dass einige Studenten die Arbeit nicht ausgedruckt dabei hatten. Manchmal frage ich mich, wieso die Leute immer wieder denken, damit durchzukommen, wenn schon das ganze Semester über keine Arbeit im digitalen Zustand angenommen wurde...
Hausarbeiten ist hier eh so eine Sache... Denn die Spanier haben uns (zumindest in der Licenciatura) einiges an Hintergrundwissen voraus, aber Hausarbeiten schreiben können sie nicht. Ich wäre fast vom Stuhl gefallen, als eine Studentin im Masterkurs ernsthaft fragte, ob wir eine Bibliographie anhängen müssten.
Andrerseits, was kann man erwarten, wenn die Studenten teilweise schon vor Weihnachten drei Hausarbeiten gleichzeitig schreiben müssen und nebenbei für die Klausuren lernen? Gut Ding will Eile haben. So heißt es doch? Oder war es etwa "Weile"? Es hat mich dann doch nur ein wenig verwundert, wie die Hausarbeit einer Master-Studentin aussah: Kein Blocksatz, die Überschriften hingen sonst wo und die Studentin hatte keinen einzigen wissenschaftlichen Text zitiert!!!! Außerdem fehlte die Bibliographie (obwohl sie im Inhaltsverzeichnis angegeben war), aber ich frage mich eh, was sie da drin stehen gehabt hätte, wenn sie sich eh nicht auf irgendwelche Quellen bezieht. Wahrscheinlich stand nur der Werbetext, den sie analysiert hatte drin. Ohne angeben zu wollen, aber ich würde sagen: Kein Wunder, das der Prof beim Anblick meines Inhaltsverzeichnis begeistert war...
Aber es sind nicht nur die Hausarbeiten. Auch Referate sind hier nicht so dolle. Ich will damit nicht sagen, dass die Referate in Deutschland besser sind, ich habe schon einige miese gehört die, entweder aus mangelnder Motivation oder wegen mangelndem (technischen) Wissen, schlecht sind, aber hier habe ich das Gefühl, dass die Studenten keine Erfahrung damit haben.
Bestimmt die Hälfte der Powerpointpräsis, die ich hier gesehen habe, war nur schwer lesbar, will die entsprechende Person entweder ein wildes Hintergrundbild oder eine verschnörkelte Schrift gewählt hatte oder weil sie sich dachte, um mehr Infos auf die einzelnen Folien drauf zu kriegen, macht man am besten den Text kleiner, so dass man am Ende bei Schriftgröße 9 auskommt (ich kam mir vor wie beim Augenarzt). Bei dem Hintergrund oder der Schrift lag es wahrscheinlich daran, dass sie ihre Präsi nicht so langweilig gestalten wollten. Genauso wie eine Kommilitonin aus dem Masterkurs bei der Vorstellung ihrer Hausarbeit ein Video zeigte und zwei Witze vorlas, die zwar mit dem Thema der Hausarbeit entfernt zu tun hatten, aber nicht darin vorkamen. Bei der Studentin hatte ich sowieso schon vorher mal das Gefühl, dass bei ihr alles lustig sein muss und sie die Uni deswegen nicht so ganz ernst nimmt. Der Prof hat es meistens mit Humor genommen, aber irgendwo muss ja auch die Grenze sein und er sagte ihr nach der Präsi auch, dass die Witze und das Video dran über gewesen wären.
Na ja und dann war da eine Präsi... ähm... diese Person hatte noch nicht allzu lange mit Powerpoint gearbeitet und hatte eine Präsi gebastelt (wenn sie es denn selber war, was ich bezweifele), mit der sie nicht umgehen konnte, weil sie eine Animation darin hatte, die dafür sorgte, dass ihr Text nach wenigen Sekunden wieder aus der Folie entschwebten. Die arme Referentin stand fassungslos vor der Präsentation und konnte sich nicht vorstellen, was passierte. Deswegen gehe ich auch davon aus, dass sie die Präsentation nicht selber gemacht hat. Das war allerdings eine Erasmus-Studentin und keine Spanierin.

Montag, 10. Januar 2011

Besuch meiner Eltern und Cabalgata

Letzte Woche Dienstag bekam ich endlich Besuch von meinen Eltern. Ich war selber gerade erst am Abend vorher von den Weihnachts- und Silvesterbesuchen zurück, habe mich deswegen aber nicht weniger gefreut, die beiden wieder zu sehen, auch wenn meine kleine Schwester nicht mit konnte.
Passend dazu gab es natürlich zwei Dinge, die versuchten mir die Laune zu verderben (abgesehen von den Hausarbeiten und den Klausuren, die ich in dieser Woche im Eilverfahren schreiben und vorbereiten muss): Erst einmal regnete es und dann wurde ich krank. Wir haben versucht, uns trotzdem nicht die Stimmung verderben zu lassen.

Dienstag habe ich mit ihnen Mittag gegessen und merkte dabei schon, dass ich den Schinken auf dem Brot nicht ganz runterkriegte. Zur Siesta-Zeit wurde ich arbeiten geschickt, wir trafen uns nachmittags (im Regen) vor der Kathedrale wieder.
Ich war jetzt zum vierten Mal in der Kathedrale, aber jedes Mal sieht man etwas anderes. Es ist schon interessant, was die verschiedenen Gäste in der Kathedrale begeistert und ich entdecke jedes Mal noch etwas Neues. Weil die weihnachtliche Festzeit ja noch andauerte, stand z.B. noch eine Krippe in der Kathedrale.


Außerdem sind im oberen Kreuzgang moderne Bilder zum Leben Jesu auf einem war die Taufe zu sehen. Und Mama sah sofort, dass Jesus in Surferpose auf einer Welle steht. Glaubt ihr nicht? Seht selbst! "Das ist die perfekte Welle..."

Nach dem Rundgang in der Kathedrale stellten wir fest, dass in einem Teil der Kreuzgangs das Rote Kreuz eine riesige Krippenlandschaft gebaut hatte. Ich hatte in Murcia schon diverse Krippenlandschaften gesehen, aber diese übertraf die in Murcia zumindest in der Lange der präsentierten Geschichte. Es begann nämlich lange vor Jesu Geburt. Genauer gesagt bei der Geburt von Maria. Und es endete nicht mit der Flucht nach Ägypten oder der Episode mit dem zwölfjährigen Jesus im Tempel. Nein, es endete mit der Kreuzigung und Auferstehung von Jesus. Leicht übertrieben würde ich sagen, vor allem, weil die eigentliche Weihnachtsgeschichte ziemlich in eine Ecke gedrängt wurde, und ich die Heiligen drei Könige erst gesehen habe, als ich schon lange dran vorbei war...
Man muss aber sagen, dass die ganze Landschaft mit viel Liebe aufgebaut worden war. Sie wurde mit verschiedenen Lampen angestrahlt, dass es Tag und Nacht wurde, es schneite und regnete, manche Figuren bewegten sich und im "Nil" schwammen echte Goldfische! Was allerdings noch nervte, war, dass irgendein Evangelium im Hintergrund als Hörspiel war. Das war doch etwas zu viel.










Am nächsten Tag, dem 05.01. kamen Mama und Papa gegen Mittag mit einen Roscón de Reyes (einem Kuchen, den es hier am Dreikönigstag immer gibt) vorbei. Eigentlich isst man den wohl erst am Tag danach, aber egal (es war auch wohl besser, dass wir den am 5. gegessen haben, am 6. habe ich nämlich nur von trockenem Brot gelebt). In dem Kuchen sind eine Bohne und eine kleine Figur versteckt. Wer die Bohne findet, muss den Kuchen bezahlen, wer die Figur findet, wird mit der beiliegenden Pappkrone gekrönt. Aber weil wir ja Deutsche sind (und die "Gebrauchsanweisung" erst nicht gelesen hatten), haben wir erst einmal alle die Krone aufgesetzt. Die Bohne hat Papa dann gefunden, die Figur ich - zwei Tage später.



Abends war die Cabalgata, der Umzug der heiligen drei Könige (Reyes Magos). Leider regnete es. Aber das stört uns ja nicht. Es war sogar ein bisschen wie Karneval zuhause. Die Leute drängten sich am Straßenrand (mit Regenschirmen bewaffnet), die Kinder liefen dem Umzug entgegen, um zu gucken, ob er kommt, und dann kam er wirklich.
Zuerst kamen die Polizisten, die die Leute von der Strecke fernhielten. Es folgten zwei Feuerwehrautos, von dem schon verkleidete Kinder Bonbons warfen und auf dessen Dächern Weihnachtsgeschenke verstaut waren. Danach kam eine Gruppe von überwiegend Frauen in typischer Bauerntracht, die auch tanzten. Teilweise hatte der Zug etwas mit Weihnachten zu tun, hinter den Bauern kamen die Römer: Legionäre, Vestalin-Priesterinnen und Gladiatoren mit Leopardenfell und "wilden" Tieren (sie hatten Bulldoggen an Leinen dabei) und natürlich hatten die Reyes Magos einen Bezug zu Weihnachten. Jeder hatte einen eigenen Wagen und die Leute an der Straße erkannten die Wagen, riefen die Namen des jeweiligen Königs und streckten die Regenschirme aus, um die Bonbons zu fangen. Ich sage ja: wie Karneval.
Es gab auch Fußgruppen, die mehr mit Karneval als mit Weihnachten zu tun hatten. Aber die hatten auch geniale Kostüme: Menschen auf Stelzen, Frauen in wirklich riesigen Röcken und ein Mensch, der in einem rieseigen Rad saß, das gedreht wurde. Am besten hat mir der Eisbär gefallen, der auftrat. Kein richtiger Eisbär, er war natürlich nachgebaut, aber es gab sogar Menschen, die seine Füße bewegten und eine Mann, der vorne weg ging und scheinbar versuchten, den Bären in Schach zu halten, bewegte seinen Kopf. Der ganze Umzug war einfach genial. Ganz zum Schluss fuhr ein Wagen, der Kohle geladen hatte. Die bösen Kinder in Spanien bekommen nämlich keine Geschenke sondern nur Kohle.







Die Könige zogen auf das Teatro Principal zu. Daneben war eine Bühne aufgebaut worden, auf der wohl eine Krippenszene nachgestellt wurde. Gesehen habe ich es nicht, aber es roch auf einmal so nach Weihrauch und als wir später daran vorbeikamen, standen Gold, Weihrauch und Myrrhe auf der Bühne.
Nach dem Besuch im Stall traten die Könige auf den Balkon des Teatro Principals und jeder hielt eine Rede, in der die Kinder aufgefordert wurden, brav zu sein. Am Ende jeder Rede wurden die Kinder gefragt: "Werdet ihr brav sein?" oder "Geht ihr heute Abend früh ins Bett" und alle riefen "Síííííííííííííí".
Zum Schluss gab es noch ein schönes Feuerwerk. Das war eindeutig eine Entschädigung für Silvester. Anscheinend wird hier an Silvester einfach nicht geböllert.

Der 6. Januar war dann einfach nur im Eimer, dafür war ich am Tag danach aber wieder einigermaßen fit und war mit meinen Eltern einkaufen. Ich sollte mir noch eine Armbanduhr aussuchen, die ich zu Weihnachten gekriegt habe.
Es war furchtbar. Es schien, als ob ganz Burgos seine Weihnachtsgeschenke umtauschen wollte. Wir haben ewig beim Juwelier gewartet. Irgendwann kamen wir aber dran und haben eine schöne Uhr gefunden.
Wir haben zusammen Mittag gegessen, nachmittags habe ich wieder versucht, zu arbeiten und abends musste ich mich schon wieder von ihnen verabschieden, weil sie am nächsten Morgen zurück nach Deutschland flogen (lustiger Weise im gleichen Flieger wie meine Spanischdozentin). Aber jetzt dauert es ja auch nicht mehr so lange, bis ich zurück komme. Nur noch zwei Monate, drei Klausuren und drei Hausarbeiten...

Freitag, 7. Januar 2011

Weintrauben und Churros

Wie bereits im letzten Beitrag angedeutet, flog ich am 31.12. Valladolid (bzw. nach Madrid und mit dem Bus bis Valla), um dort mit Lisa Silvester zu feiern. Rückblickend habe ich das sehr schlau gemacht: Am Heiligabend nach Murcia, so dass Liko und Martha das ganze Einkaufen vorher machen musste und so lange da bleiben, dass Lisa in Valla auch die Vorbereitungen ohne mich treffen musste. Das war aber nicht so geplant!

Ich bin rechtzeitig in Murcia aufgebrochen und hatte diesmal keine Probleme den Flieger zu kriegen. Und weil ich vom Hinflug gelernt hatte, zog ich bei der Sicherheitskontrolle auch meine Schuhe aus. Ich habe drei der Plastikwannen gebraucht - für meine Jacken, meinen Laptop, meine Schuhe und habe dann noch den Rucksack hinterher geschoben, aber ich bin ohne Piepen durch den Metalldetektor gelaufen und kriegte von der Sicherheitsbeamtin, die mich anscheinend beobachtet hatte, ein "Sehr gut, Mädchen" zu hören. Da musste ich doch irgendwie grinsen. Aber ich hätte gerne ein goldenes Klebesternchen für mein Hausaufgabenheft gehabt...
In Madrid angekommen, fand ich recht schnell den Bus zu T4 (ich war ja wieder bei T1 angekommen und der Bus nach Valla fuhr von T4 - das alte Spielchen) und traf da zu meiner Überraschung Elien. Sie ist eine Belgierin, die in Valla Erasmus macht und ich habe sie kennen gelernt, als sie mit den anderen vallisoletanischen Erasmus-Studenten in Burgos war. Sie kam gerade aus Belgien zurück und wollte auch mit Lisa und Emilia Silvester feiern. Was für ein Zufall!
Zusammen nach Valladolid fahren, konnten wir allerdings trotzdem nicht. Wir hatten verschiedene Busse gebucht. Das heißt, das erste Stück fuhren wir zusammen, weil es irgendwie nur einen einzigen Bus vom Flughafen gab. Im Madrid Sur wurden wir dann auf unsere eigentlichen Busse verteilt. Elien kam dann etwa zwei Minuten später als ich in Valla an.

Lisa holte mich am Busbahnhof ab und wir gingen zu ihr nach Hause. Wir sind aber nicht lange geblieben, weil wir uns um halb zehn bei Emilia treffen wollten. Dort warteten Emilia und Ivo, ein Portugiese, schon auf uns. Es gab Spaghetti mit Tomatensoße und Salat (und Thunfisch, aber Gott sei Dank nur für den der wollte). Ivo hatte portugiesischen Wein mitgebracht, der schon etwas rein haute, so dass ich mir nach einem Glas erst mal Wasser geholt habe, weil ich Durst hatte.
Irgendwie haben wir die Zeit bis zwölf rumgekriegt. Auch ohne "Dinner for one", denn leider empfängt Emilias Laptop kein Internet. Zu zwölf Uhr gingen wir zur Plaza Mayor, aber da war nichts los. Wir überlegten, zu einem anderen Platz zu gehen, aber da war nicht einmal die Weihnachtsbeleuchtung an. Also gingen wir zurück zur Plaza Mayor, die sich nach und nach mit etwas mehr Menschen füllte.
In Spanien ist es Brauch, an Silvester bei jedem Glockenschlag um Mitternacht eine Weintraube zu essen. Das bringt Glück für's neue Jahr. Im Fernsehen wird die große Uhr von der Plaza de Sol in Madrid übertragen und zu deren Schlägen futtert ganz Spanien Weintrauben (ob das König das auch macht?).
In Valladolid auf der Plaza Mayor gab es keine Live-Übertragung vom Sol (vielleicht waren deshalb da nur so wenig Leute), aber die Rathaus-Uhr imitierte die Uhr aus Madrid. Verwirrend war nur, dass man die ersten vier Schläge (die die volle Stunde ankündigen) abwarten musste, bis man mit den Weintrauben anfangen durfte. Ich weiß gar nicht, ob ich richtig angefangen habe (ich hatte die Augen fest auf die spanische Familie vor mir geheftet), oder ob ich zwischendurch langsamer wurde, jedenfalls hatte ich beim letzten Gong noch eine Traube.
Abgesehen von dem Anfangen war es aber gar nicht so schwer die Weintrauben zu essen. Jedenfalls für Lisa, Emilia und mich nicht. Lisa hatte so Weintrauben in Dosen gekauft. Die waren enthäutet und hatten keine Kerne. Elien hatte von ihre spanischen Gastmutter frische Weintrauben gekriegt und konnte die kaum runterschlucken. Nach dem zwölften Schlag hat sie die Hälfte wieder ausgespuckt.
Nach dem Weintrauben-Essen hätte dann das große Feuerwerk kommen können. Schließlich machen die Spanier doch öfter Feuerwerk und obwohl es in den Supermärkten und den Chino-Läden keine Knaller zu kaufen gab, waren wir davon ausgegangen, dass es ein Feuerwerk geben würde, dass mit dem im Deutschland vergleichbar wäre. Falsch gedacht. Nach allerhöchstens fünf Minuten war der ganze Spaß vorbei. Da wird zuhause auf unserer Straße aber mehr geknallt und dabei hat unsere Stadt nur einen Bruchteil der Einwohner, die Valla hat, und unsere Straße ist sicherlich nicht die wichtigste. ;-) Allerdings war es in Valladolid auf der Plaza Mayor auch leicht gefährlicher. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass die Feuerwerkskörper hier weniger sicher sind oder ob die Spanier einfach nicht damit umgehen können, aber es gab einige tief fliegende Raketen und Funken.
Immerhin hatten wir drei kleine Flasche Sekt dabei, die wir getrunken haben, obwohl man in Spanien ja eigentlich nicht auf öffentlichen Plätzen trinken darf (Stichwort Botellón und hohe Geldstrafen). Aber diesmal schien es keinen zu stören. Wir gingen später zurück zu Emilias Wohnung und warteten auf Lisas Mentor Santi und seine Freunde, die vorbei kommen wollten.
Sie kamen so gegen zwei und was hatten die sich chic gemacht! Holla die Waldfee! Mit Anzügen und Kravatte. Wir hatten uns vorher über ein paar Anzug tragende Spanier, die wir getroffen hatten, lustig gemacht, weil sie mehr oder weniger im Gleichschritt in ihren schwarzen Anzügen durch den Nebel und den Rauch einiger Feuerwerkskörper (Böller die Krach und Qualm machen, waren eindeutig beliebter, davon wurden einige gezündet, aber nicht so viel wie in Deutschland) über die Plaza de la Universidad liefen und wie die Mafia aussahen. Die Jungs (und das eine Mädchen, das sie dabei hatten die Ex oder die Freundin von einem - so ganz genau wusste man das nicht) brachten verschiedene alkoholische Getränke und Knabberzeugs mit und wir feierten in der Wohnung weiter.
Irgendwann (als wir nicht mehr zwischen portugiesische Musik und Maroon 5 wählen wollten) schloss Guille, einer der Spanier, sein iPhone an den Laptop an, so dass wir Internet hatten. Zwischen drei und vier hatte ich so langsam meinen müden Punkt überwunden (während Lisa und Emilia eher müder wurden) und begann mit Elien, die auch wieder wacher schien (um halb eins ist sie fast auf Emilias Sofa eingeschlafen), Karaoke Party im Internet zu spielen.
Das klingt jetzt vielleicht merkwürdig: Rut und Karaoke. Aber ja. Es war sogar ganz lustig. Der negative Nebeneffekt war nur, dass ich noch Tage danach einen Ohrwurm von "Bad romance" (Lady Gaga) hatte. Da uns sowieso kaum einer zuhörte war das auch nicht so peinlich. Lisa schlummerte auf dem Sofa neben mir, Emilia verkündete irgendwann, sie würde ins Bett gehen und die Spanier redeten und tranken. ;-) Nur bei "Killing me softly" horchten sie auf und sagen laut mit. Allerdings mit einem etwas anderem Text. "Killing my software with Windows" ... :-D
Wir haben ziemlich lange gesungen. Aber dann Alberto den Wunsch, etwas von einem spanischen Schnulzsänger zu hören und Guille meinte, so einen Scheiß würde sein Internet nicht spielen und packte sein iPhone ein.
Es wurde langsam wieder Morgen. Wir Erasmus-Studenten hatten uns gesagt, wir wollten auf jeden Fall die spanische Tradition erleben und am Neujahrsmorgen ganz früh Churros essen gehen. Um sechs brachen wir auf und ließen Emilia im Bett und Ivo mit dem Chaos zurück, weil sie schlief und er ihren Schlüssel nicht fand. Allerdings erklärten die Spanier uns irgendwann, es wäre noch zu früh für Churros und sie wollten noch in eine Bar. Also kamen wir mit, auch wenn wir eigentlich nur Churros und dann ein Bett wollten. Aber was wäre auch eine Partynacht ohne danach nach Rauch zu riechen? Allerdings war Silvester auch die letzte Nacht, in der man in spanischen Bars rauchen durfte. Am Tag danach war es verboten. Mal sehen, ob sie sich dran halten. Nach einer Dreiviertelstunde Räucherheringe in der Dose spielen gingen, ein Spiel, bei dem 3/4 unserer spanischen männlichen Begleiter ihre Hosen herunter ließen - und eine Zeit lang so stehen blieben (keine Ahnung, was sie da gemacht haben, vielleicht verglichen, wer die größte Beule in der Boxershorts hat...), gingen wir endlich Churros essen (unser Vorhaben wurde stark von der Spanierin, die wir dabei hatten, unterstützt). Das erste, was Elien sah, als wir bei der Churrería ankamen, war ein Schild, auf dem stand, dass die Churrería am 1.1. schon morgens um fünf aufmachte...
Wir bekamen aber unsere Churros con chocolate und das, obwohl es brechend voll in dem Laden war und gingen dann nach Hause und schnurstracks ins Bett. Um zwanzig vor neun machten Lisa und ich dann das Licht aus.



Am ersten Januar wurden Lisa und ich das erste Mal so gegen halb eins wach. Wir einigten uns darauf, noch eine halbe oder ganze Stunde weiter zu schlafen und wachten das nächste Mal um halb fünf auf. Dumm gelaufen. Wir haben "Dinner for One" zum "Frühstück" gesehen und bevor wir zu "Mittag" essen konnten, wurde es schon wieder dunkel. Eigentlich hatten wir überlegt, den vierten Harry Potter im Fernsehen zu sehen, aber haben dann doch stattdessen "Black stories" gespielt (damit unser Hirn wenigstens ein bisschen arbeitete an dem Tag).

Am Tag danach hatten wir eigentlich den guten Vorsatz etwas für die Uni zu tun, aber irgendwie sind wir dann doch nicht dazu gekommen. Nachmittags trafen wir (Emilia, Lias, ich) uns mit unserer Spanischdozentin aus Deutschland. Ich glaube, sie war ein bisschen enttäuscht von uns, dass wir nicht besser Spanisch sprechen, aber allzu schlimm kann es nicht gewesen sein. Immerhin hat sie es zwei Stunden oder so mit uns ausgehalten. Am Ende meinte sie zu uns, wir würden wohl gerne über andere Leute reden. Dazu kann ich nur sagen, dass sie aber anscheinend gerne zuhört, wenn wir über diese Leute reden...
Nach dem Treffen haben wir drei eingekauft und uns lecker Wraps gemacht (ein guter alternativer Verwendungszweck für Nudelsoße aus dem Glas). Glücklicher Weise hatte der Carrefour auf (es war ja Sonntag). Nudeln hätten sicher auch gut mit der Soße geschmeckt, aber die hatten wir die zwei Tage davor ja schon. Abends kam der fünfte Harry Potter im Fernsehen. Diesmal haben wir ihn gesehen. Allerdings auf Englisch. Dafür aber mit spanischen Untertiteln (die hatte Lisa Mitbewohnerin anscheinend am Abend vorher eingestellt und wir kriegten sie nicht aus). Sehr merkwürdig. Aber teilweise war es auch ganz lustig. Vor allem, wenn man beachtete, was nicht übersetzt wurde.

Mittwoch, 5. Januar 2011

Große und kleine Weihnachtswunder

Vor gut einem Jahr meinte mein Vater sehr charmant zu mir: "Du, wenn du in Spanien bist, dann musst du Weihnachten aber nicht nach Hause kommen!" (Nebenbei bemerkt war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht klar, ob ich überhaupt einen Erasmusplatz bekommen würde). Ich saß mit offenem Mund neben ihm und konnte es kaum glauben, auch wenn er hinterher schob, dass ich so ja miterleben könnte, wie die Spanier Weihnachten feiern. Überzeugt war ich nicht, aber dann haben die beiden Lisas, Martha und ich beschlossen, zusammen in Murcia zu feiern und das war schon ein Erlebnis. Außerdem hatte es den positiven Nebeneffekt, dass ich nicht um meinen Flug nach Deutschland bangen musste. Ich glaube, jeder Erasmusstudent hier hatte Muffensausen, dass sein Flug wegen des Schnees noch kurzfristig abgesagt würde...

Am 22. war der letzte Tag der Uni und ich hatte das Gefühl, die einzige ausländische Studentin zu sein, die noch hin ging. Vorher hatte ich das Weihnachtspaket meiner Eltern bei der Post abgeholt und konnte Vanillekipferl mit in die Uni nehmen. ML und meine spanische Kommilitonin Cristina waren begeistert von den Plätzchen, der kleinen Plastiktüte mit den Goldsternchen, der goldenen Kordel und vor allem von der Tatsache, dass Mama die Plätzchen selbstgebacken und mir aus Deutschland geschickt hat.
Lisa und ich hatten einen Flug von Madrid nach Alicante gebucht (Ryanair fliegt seit Oktober leider nicht mehr von Valladolid nach Alicante) und weil - laut Internet - die Busverbindung Burgos-Madrid besser war als Valladolid-Madrid, kam Lisa am Abend des 23.12. zu mir nah Burgos. Eigentlich hatten wir am 23. fliegen wollen, aber weil der Flug schon ausgebucht war, hatten wir uns für den Flug um 8:20 an Heiligabend entschieden.
Am 23. haben wir dann noch Kulleraugen gebacken und dann die Nacht durchgemacht (die gesamte erste Staffel "Fawlty Towers" gesehen), weil unser Bus um viertel vor vier abfuhr. Total müde kamen wir dann am Busbahnhof an, verstauten meinen Koffer und stiegen ein. Der Busfahrer sagte etwas von wegen, wir wären erst um fünf nach sieben am Flughafen (das Internet hatte halb sieben gesagt), aber zuerst haben wir uns darüber keine Gedanken gemacht. Es war früh und so früh am Morgen kann man doch noch kein Spanisch. :-P
In Lerma machte der Bus dann eine halbe Stunde Pause und uns wurde schlagartig bewusst, dass wir fünf nach sieben genau richtig verstanden hatten. Um zehn vor acht sollte unser Gate schließen und obwohl wir schon online eingecheckt hatten, musste ich doch noch meinen Koffer aufgeben... Ich habe unruhig etwas gepennt, Lisa unseren Reiseproviant angeknabbert.
So gegen sieben oder viertel nach sieben waren wir dann am Terminal 4 von Barajas. Wir stürzten aus dem Bus, nur um festzustellen, dass mein Koffer sich in der Seite des Kofferraums befand, die verschlossen war. Zu dritt (mit der Hilfe einer netten Amerikanerin) haben wir dem Busfahrer klar gemacht, dass er die andere Seite auch noch öffnen sollte. Sobald ich meinen Koffer hatte, rannten wir in T4 die Rollbänder hoch zum Einchecken und sahen nur Iberia-Schalter. An der Info erfuhren wir, dass die Ryanair-Flüge von T1 gehen.
Eine kurze Erklärung für alle, die noch nie in Barajas waren: Der Flughafen hat vier Terminals. Drei davon sind mit einander verbunden (T1-3), während T4 weit ab vom Schuss am Ende der Welt liegt. Iberia, die spanische Fluggesellschaft, fliegt von T4 und auch die Alsa-Busse fahren nur bis T4. Alle (?) anderen Flüge gehen von T1, 2 oder 3. Es gibt allerdings einen Shuttle-Bus, der einen umsonst von T4 zu den anderen Terminals bringt.
Leider hatten wir nicht viel Zeit. Wir rannten wieder aus T4 und guckten uns nach den Bussen um, zuerst sahen wir sie nicht und überlegten ein Taxi zu nehmen, aber der nette Taxifahrer zeigte uns, wo die Busse stehen und als wir zuerst nicht weit genug gelaufen waren, riefen er und alle seine Kollegen uns hinterher, wir müssten noch weiter.
Im Bus nach T1 trafen wir wieder die Amerikanerin. Ihr Flug nach Florida ging um zwölf Uhr. Sie hatte also noch massig Zeit, während wir auf heißen Kohlen saßen. Allerdings hat sie versucht uns zu beruhigen, dass wir das schon noch schaffen und dass wir, wenn wir den Flug verpassen einfach zur Info gehen und Bescheid sagen sollen. Ich weiß nicht, wie oft sie uns "Always look on the sunny side!" sagte. Sie ist Fremdsprachenassistentin an der Uni Burgos und meinte zu uns, ob wir besser Englisch oder besser Spanisch könnten. Wir meinten Englisch und Lisa hat mit ihr auch Englisch gesprochen. Bei mir kam eher Spanglisch raus. Es war einfach zu früh.
Um halb acht waren wir dann an T1 und rannten durch die Abflugshalle. Irgendwann sahen wir einen Ryanairschalter, an dem unendlich viele Leute standen. Zu dem Zeitpunkt war ich überzeugt, dass wir den Flug verpassen würden. Eine Frau in der Schlange meinte dann aber, dass das gar nicht der Check-In-Schalter wäre (er sah auch gar nicht danach aus), also rannte Lisa wieder mal vor und tatsächlich: Ich musste mein Gepäck ganz woanders abgeben.
Also sind wir da hin gerannt und glücklicher Weise stand da fast niemand. Nur eine Frau mit einem Kind, die immer noch nicht geschnallt hatte, dass Cremes auch Flüssigkeiten sind... Dann wurde noch ein Schalter aufgemacht und ich habe gewechselt. Lisa und ich sind durch die Sicherheitskontrolle gerast - nur davon kurz aufgehalten, dass ich meine halbhohen Schuhe ausziehen und durchleuchten lassen musste - liefen zum Gate und waren tatsächlich gegen viertel vor acht da. Das Gate war noch nicht mal geöffnet (das war ja sowas von klar) und wir mussten noch eine zeitlang warten, bis wir boarden konnten. Wir waren so erleichtert als wir im Flugzeug saßen! Und ohne die Hilfe der vielen Menschen hätten wir das nie geschafft. Ein kleines Weihnachtswunder.
In Alicante warteten Liko und Martha schon mit einem selbst gebastelten Willkommensschild auf uns. Wir mussten etwas auf den Bus nach Murcia warten und tranken solange Kaffe (bzw. Wasser) am Flughafen und konnten auf der Toilette schon die erste Sehenswürdigkeit sehen. Dort stand als deutsche Übersetzung: "Wasser ist Leben. Schmeiß das nicht"
Im Bus nach Murcia habe ich erst mal geschlafen und bei Liko in der Wohnung wurden Lisa und ich auch noch mal ins Bett geschickt. Nach eineinhalb Stunden waren wir aber schon wieder auf den Beinen, haben geduscht und eine Wanderung zu Likos Uni unternommen, weil sie in der Wohnung kein Internet hatte (der böse Nachbar war wohl über Weihnachten nicht da und hatte sein Internet ausgestellt). Die Uni war zu, aber das Signal reichte bis zu den Bänken davor und es war, wenn auch nicht ganz warm, doch warm genug, um am Laptop zu arbeiten. In Murcia haben sie momentan nämlich keinen Winter sondern eher Herbst.
Danach begann unsere kleine Weihnachtsfeier. Wir hatten Unmengen von Weihnachtssüßkram, weil alle Mütter etwas geschickt hatten und wahrscheinlich dachten, sie wären damit die Einzige. Juan, Likos Mitbewohner, stand schon den ganzen Tag in der Küche und kochte Tapas und kam nur zwischendurch rein um sich mit Weihnachtskeksen, "energía", zu versorgen.














Wir sangen spanische und deutsche Weihnachtslieder, auch wenn wir sowohl bei "Campanas de Belén" als auch bei "Los peces en el río" etwas textschwach waren, uns über die Liedauswahl nicht einig waren ("Nein, Lisa, wir singen nicht 'Macht hoch die Tür' das ist ein Adventslied!") und Martha und ich teilweise unterschiedliche Versionen der Weihnachtslieder kannten (die Bistümer Köln und Münster sind eben nicht immer kompatibel ;-)). Danach lasen Liko und Martha die Weihnachtsgeschichte vor und dann gab's Geschenke.














Um zehn, sehr spanische Uhrzeit, hatte Juan seine Tapas fertig. Die waren echt lecker: Eier in einer Art Kroketten-Panade, Ensaladilla Ruse (spanischer Kartoffelsalat mit Thunfisch - fragt mich nicht, wie das "russisch" da mit rein passt), Mejillones (Miesmuscheln), die mit Paprika und Zwiebeln gefüllt waren, und Baguettestücke mit einer Art Krabbensalat darauf. Sehr lecker! Liko hat noch Kartoffelsalat gemacht und dazu gab es Bratwurst, auch wenn wir Helden der Küche sie etwas angekokeln haben lassen... Es war wirklich ein tolles Weihnachtsessen. Liko und Martha hatten den Tisch festlich geschmückt mit einer roten Tischdecke, Weihnachtsservierten, Goldband, kleinen Schokoweihnachtsmännern, Christbaumkugeln vom Chino und dem Tannenzweig, den Mama mir aus Deutschland geschickt hatte.




Um Mitternacht ging es dann in die Misa de Gallo (die Christmette). Sie war nicht schlecht. Mir fehlte aber etwas der Weihrauch und der große Einzug mit jeder Menge Messdiener (von denen mindestens einer der kleinen wegen des Weihrauchs umkippt :-P), also eben die Feierlichkeit, die ich aus der deutschen Christmette kenne. Die Lieder waren aber größten Teils auch auf deutsch singbar, was aber nicht heißt, dass ich sie mitsingen konnte. Ich glaube ich kenne mehr Text von "Campanas de Belén" als von "Süßer die Glocken nie klingen". Aber es hat mich gefreut, dass wir mit "Adeste Fidele" begannen. Am Ende der Messe konnte die Gemeinde dem Jesuskind die Füße küssen. Das habe ich mir dann doch geschenkt.

Wieder bei Liko waren Lisa und ich wirklich todmüde. Liko baute das Gästebett auf, was sie als schwieriger als gedacht herausstellte. Bei der Aktion stürzte auf Josef in die Tiefe und verlor seinen Kopf. Wir haben ihn mit Tesafilm wieder angeklebt. Immerhin kann Josef jetzt an der Kopflosen-Jagd teilnehmen (im Gegensatz zum armen Fast Kopflosem Nick...). Martha drückte es so aus: "Na ja, dann heißt er jetzt eben Johannes..." Am 25.12. habe ich ewig geschlafen. Als ich aufwachte, gab es "Frühstück" und als ich fragte, wann denn Jaana und Björn (Lisas Schwester und Mann) ankommen würden, wurde mir mitgeteilt, sie wären schon längst da. Ich hatte nämlich bis halb eins geschlafen. "Du sahst du friedlich aus, da wollten wir dich nicht wecken." Wir sind durch die Stadt gelaufen und irgendwann rannte Liko weg, um ihren Besuch im Parkhaus abzuholen. Ich schob schon etwas Panik, weil ich nicht wusste, wie wir zurück zu ihrer Wohnung kommen sollten, bis mir auffiel, dass wir nur zwei Straßen davon entfernt waren und Liko nicht weit gelaufen war. Ja ja, meine Orientierung... Im späteren Nachmittag waren wir in der Stadt. Im Weihnachtsprogramm war ein "Desfile de Fantasía de Navidad", ein Fantasie-Weihnachts-Umzug, angekündigt. Wir warteten also gespannt darauf und sahen schon bald Batman, Spiderman und die Transformers heranrollen. Es folgten weitere Wagen mit Mickey Mouse, Shrek und Merlin. Außerdem traten zwischendurch Tanzgruppen auf, die als Schneewittchen, Minnie Mouse oder Prinzessin Fiona verkleidet waren. Niedlich! Das Zugeständnis an Weihnachten war eine Gruppe blauer Weihnachtsmänner, die zu "Last Christmas" tanzten. Das Ganze war ein bisschen so wie die Karnevalsumzüge bei uns. Am Heiligabend hatten wir schon einen "Karnevals"wagen mit Weihnachtsmännern gesehen, die sogar Bonbons warfen...




Nach dem Desfile gingen wir zu einem weiterem Programmpunkt vor der Kathedrale. Dort fand etwas statt, dass sich "Luces de Navidad" nannte. Die Kathedrale und das alte Rathaus wurden mit verschiedenen Lichtern und Bildern angestrahlt. Dazu sagen Opernsänger auf verschiedenen Bühnen, bekannte und weniger bekannte Lieder. Bei einem Lied haben wir ziemlich lange rumdiskutiert, welches es ist, bis wir darauf kamen, dass es aus der Carmina Burana kommt. Und Martha hatte von Anfang an Recht gehabt ("Das ist doch das, was uns die Frau in der einen Vorlesung vorgespielt hat").



Am zweiten Weihnachtstag fuhren wir nach Águilas, ein kleiner Ort am Meer, aus dem Lisas Mitbewohnerin kommt. Weihnachten am Mittelmeer. Mit Sonne. Mir war so warm, dass ich teilweise im T-Shirt rumgelaufen bin (schon am Tag vorher habe ich Liko überrascht, dass ich meine Jacke ausgezogen habe - "Rut, es ist Winter!" ;-)). Wir fuhren mit dem Bus und gönnten uns nach unserer Ankunft erst mal ein Eis. Dann ging es an den Strand und mit den Füßen ins Wasser. Zumindest die Hälfte von uns. Die andere Hälfte redete sich mit der Strumpfhose bzw. der Wassertemperatur raus. Wir haben einige Zeit am Strand verbracht und liefen weiter zum Hafen und von dort über viele Stufen zu einer Don Quijote-Windmühle. Dort standen einige Kinder, die uns auf Englisch ansprachen "Hello, what's your name?" und geschockt waren, als Liko auf Spanisch antwortete. Nach der Windmühle haben wir auf dem Rathausplatz einen Mittagssnack eingenommen (tostada con tomate) und gingen nach einer Pause zum Castillo von Águilas. Das wurde gebaut, um die Stadt vor Piratenangriffen zu schützen. Man hatte von da oben einen tollen Ausblick über das Meer und die Sonne schien. Alles super.












Wieder in Murcia haben wir abends unser Weihnachtsfestessen mit Kartoffelbrei, Gulasch und Rotkohl gekocht. Eigentlich wollten wir das am 25. schon kochen, aber an dem Tag konnten wir noch gut von Juans Tapas leben.

Die folgenden Tage haben wir fast alles das gemacht, was Liko in den letzten vier Monaten unternommen hat. Lisa fuhr leider schon am 27., aber Liko, Martha und ich gingen ins Casino de Murcia, ein Club, der teilweise im Maurenstil, teilweise im Stil des 19. Jahrhunderts gebaut wurde, mit toller Bibliothek und einem großen Ballsaal mit Kronleuchter, waren in zwei Teesalons, einem arabisch-orientalischen (wunderschön) und einem marokkanischen (rosa), fuhren ins Nueva Condomina (das heißt echt so!), ein Einkaufszentrum, in dem wir nicht nur durch den Disney- und den Desigualladen gelustwandelt sind (ohne etwas zu kaufen), sondern auch ein einem tollen asiatischen Restaurant essen waren. Dort gab es ein Büfett und die warmen Speisen wurden teilweise vor unseren Augen im Wok oder auf dem Grill zubereitet. Leider waren wir etwas spät da und wurden gegen Ende etwas gehetzt.
Außerdem waren wir noch in Torrevieja, wo Jaana und Björn ihre Ferienwohnung hatten. Wir feierten Björns Geburtstag am Strand mit Kerzen, die wir in den Sand steckten, und die zuerst immer wieder vom Wind ausgeblasen wurden. In Torrevieja war es nicht so warm wie in Águilas, aber wir waren trotzdem mit den Füßen im Wasser (Martha diesmal auch).





Später fuhren wir nach Elche. Da gibt es einen tollen Palmenhain. Palmen, Kackteen und zwischendurch ein bisschen Wasser. Sehr schön. Sogar einen Pfau haben wir gesehen. ;-) Am Touri-Stand konnte man sich frische Datteln kaufen, was wir auch gemacht haben. Danach sind wir noch ein bisschen durch die Stadt Elche gelaufen.














Was natürlich auch obligatorisch war - eigentlich schon seit wir diese merkwürdige rosa Säule auf der Plaza Santo Domingo gesehen hatten - war das Briefe schreiben an die Reyes Magos (Hl. 3 Könige). Besagte rosa Säule stellte sich nämlich als Briefkasten für die Reyes raus, bei dem jeder König einen eigenen Einwurf hatte.
Traditionell kriegen die Kinder in Spanien ihre Weihnachtsgeschenke nämlich nicht am Heiligabend oder ersten Weihnachtstag vom Weihnachtsmann (obwohl Papa Noel hier inzwischen auch von einigen Familien gefeiert wird), sondern am 6. Januar von den Reyes Magos. Mein Tandempartner hatte mir erzählt, dass man sich hier, wenn man keine kleinen Kinder hat, an Heiligabend eher mit seiner Familie trifft und an die Verstorbenen denkt.
Jedenfalls konnten Liko, Martha und ich (ich glaube nach ein bisschen Überredungskraft meinerseits) es nicht lassen, einen Brief an die Reyes zu schreiben. Und da wir passend drei Leute waren, schrieb Liko an Gaspar (Kaspar), Martha an Baltasar und ich an Melchor (Melchior).
Juan hätte die Briefe zu gerne gelesen, aber das haben wir ihm nicht erlaubt. Er meinte, wir sollten am 6. dann alle unsere Laptops auf den Tisch stellen, damit die Reyes uns Geschenke bringen können. Ich meinte, die Reyes könnten doch gar nicht wissen, wem welcher Laptop gehört. Da sagte er, ich solle die Macht der Reyes nicht unterschätzen. Und weil er außerdem sagte, die Reyes würden ihn immer vergessen, habe ich Melchior geschrieben, sie sollten Juan doch bitte ein Geschenk bringen. Außerdem habe ich mir für Liko einen neuen gelben Filzstift gewünscht, weil ich ihren beim Bemalen des Briefes zerstört hatte.


Am 31.12. flog ich zurück nach Madrid und nahm den Bus nach Valladolid, um mit Lisa Silvester zu feiern. Die Woche in Murcia ist wirklich schnell rumgegangen und beim Abschied haben wir gemerkt, dass wir uns das nächste Mal schon wieder in Deutschland wieder sehen. Wie die Zeit vergeht!

Was ich natürlich nicht vergessen darf, ist das Wiedersehen der Lillys. Die beiden IKEA-Mäuse haben sich total gefreut, sich wieder zu sehen und wollten ständig für ein Foto posen. Meistens haben sie nicht mal Liko und mir erlaubt, mit aufs Foto zu kommen. Die beiden werden richtig frech. ;-)