Samstag, 18. Dezember 2010

Cena de Navidad

Am Donnerstagabend hatten wir von dem Bachelorkurs aus ein "Cena de Navidad" (ein Weihnachtsabendessen) bei Telepizza. Ja in einer Pizzeria. Immerhin hatten sie Weihnachtsdeko im Fenster. Wir waren für 21 Uhr verabredet. Zwei Minuten nach neun kam ich als letzte Erasmus-Studentin an. Es war bisher ein Spanier da. Die restlichen Spanier trudelten zwischen Viertel nach neun und Viertel nach zehn ein. Mal wieder alle Vorurteile bestätigt.
Glücklicher Weise haben wir bestellt, bevor alle da waren - uns Deutschen hing schon der Magen in den Kniekehlen. Bei Telepizza kann man ganz gut sparen, wenn man weiß wie. Jedenfalls wurde das Bestellen eine sehr langwierige Angelegenheit, bei der zunächst ausgerechnet wurde, ob es billiger wäre, mehrer Familienpizza (zum Preis für zwei von einer) oder mehrer mittelgroße Pizzen (auch mit Rabatt) zu bestellen. Die Familienpizza gewann und wir haben eine Pizza Hawaii, eine Pizza Carbonara, eine Barbecue und eine Cheeseburger Pizza bestellt (bei den letzten beiden wusste ich auch nicht, dass es sowas gibt). Die Spanier haben danach noch zwei Familienpizzen bestellt, aber Chantal, Lara und ich haben uns lieber ein Nachtisch-Eis geholt.
Der Abend war ganz schön, aber nicht so wirklich weihnachtlich. ;-) Um halb eins wurden wir per Lichtzeichen (irgendwer machte die Lampen aus) aufgefordert, doch bitte zu gehen.

Bei uns in der Fakultät wurde außerdem vor einer Woche ein großer Pappkarton aufgestellt, in den man Lebensmittelspenden für sozialschwache Familien abgeben kann. Das finde ich eine gute Sache, auch wenn ich bisher noch nichts da rein getan habe.
Die Anti-Weihnachts-ler sind aber auch aktiv an der Uni. Vor ein paar Tagen bekam ich einen Zettel in die Hand gedrückt, auf dem stand, dass Weihnachten ein böses Konsumfest wäre, das der Staat sich längst zunutze gemacht hätte, um uns dazu zu bringen, unnütze Geschenke zu kaufen und so die Wirtschaft anzukurbeln. Na ja, ich finde, eine Kommilitonin hat es gut auf den Punkt gebracht: Das sind die bedauernswerten Menschen, die nie ein schönes Weihnachtsfest hatten und nie ein Weihnachtsgeschenk bekommen haben.

Samstag, 11. Dezember 2010

Weihnachtszeit in Spanien

Von weit, weit weg aus Burgos komm' ich her
und ich sage euch, es weihnachtet sehr -
mal weniger, mal mehr.
Hohoho, so ungefähr...

Na gut, bevor ich mich jetzt weiter mit schlechten Weihnachtsreimen in den Rentiermist reite, wechsele ich doch besser wieder zur Prosa. Schließlich schreibe ich doch auch eine Hausarbeit zu "textos narrativos" (narrative Texte - für die, die nicht einfach die o-Endung gedanklich wegstreichen können ;-)). In richtiger Weihnachtsstimmung werde ich wohl erst am 23.12. kommen, wenn die Weihnachtsferien angefangen haben und ich die beiden Hausarbeiten, die ich irgendwie noch bis dahin schreiben muss, abgegeben habe.
Trotzdem merkt man, dass bald Weihnachten ist. Ich bin schon zu einem "Cena de Navidad" in eine Pizzeria eingeladen worden. Anfang Dezember hat es geschneit. Der Schnee sah nur einen Tag schön aus und war zwei Tage später wieder weg, aber es hat mich gefreut.















Es sieht doch wirklich schön aus! (Die Fotos, auf denen der Schnee schon halb geschmolzen ist, habe ich natürlich nicht ausgewählt ;-)). Inzwischen ist es hier aber wieder wärmer. Gestern waren es um die 7°C (kalt war mir trotzdem!), da ist es etwas schwierig mit dem Schnee. Allerdings wäre ich auch nicht böse darum, wenn es keine weiße Weihnachten in Spanien gäbe, ich will ja am 24. erst mit dem Bus nach Madrid und von Madrid mit dem Flugzeug nach Alicante kommen. Hoffen wir mal, dass die Fluglotsen sich nicht wieder kollektiv krank melden...

ML hat mir irgendwann mal gesagt, dass Weihnachten in Spanien so ähnlich ist wie in Deutschland, dass es aber auch Unterschiede gibt. Ein großer Unterschied ist, dass den Spaniern der Adventskranz fremd ist. Ich war zwar am 1. Advent in der Kathedrale (und es wurde auch gesagt, dass wir den ersten Advent feiern), aber nicht einmal da gab es einen Adventskranz. Ich habe mir also selber einen gebastelt. Er sieht vielleicht etwas futuristisch aus, aber ich hatte keine Ahnung, wo ich Tannenzweige her kriegen sollte... Na ja, macht euch selbst ein Bild:












Das Rentierlicht auf dem zweiten Bild kommt aus dem Nikolaus-Kreativ-Paket, das am 2. Dezember bei mir eintrudelte.







Die Tage danach habe ich dann fleißig gebastelt und dabei die Hitgiganten Weihnachtslieder gehört. (Ach ja, die Girlanden hängen natürlich nicht übereinander, aber sie hängen über meinen Fotos, die ich hier nicht für alle veröffentlichen wollte)


Die Spanier scheinen von den Deutschen (?) aber zumindest die Tradition des Adventskalender übernommen zu haben. Jedenfalls habe ich mir im Supermarkt einen Schoko-Adventskalender gekauft (und habe einen vernünftigen mit Bildern von Mama bekommen :-)). Allerdings scheint der Adventskalender noch nicht so lange hier zu sein. Jedenfalls wird das Konzept auf meinem Kalender erst noch erklärt: Von dem 1. bis zum 24. Dezember darf man jeden Tag ein Kläppchen aufmachen und die Schokolade essen. Gut, dass sie es mir noch mal gesagt haben.

Und seit Nikolaus etwa wird hier in der Stadt auch ENDLICH die Weihnachtsbeleuchtung angemacht. Wegen der "Crisis" (Wirtschaftskrise) mussten nämlich die Stromkosten gespart werden und die Lichterketten hingen zwar schon viel versprechend in den Bäumen, aber waren leider nicht an. Jetzt ist es endlich so weit, und es gefällt mir soweit auch ganz gut. Nur beim Rathaus dachte ich mir irgendwie "Weniger ist mehr".















Von Montag bis Mittwoch hatten wir mal wieder Puente. Am Nikolaus ist in Spanien der zweite Nationalfeiertag und am 8. feiern die Spanier Mariä Empfängnis (bis vor kurzem dachte ich, da würde gefeiert, dass Maria Jesus jungfräulich empfangen hat, aber dann habe ich erfahren, dass es darum geht, dass Maria ohne Erbsünde empfangen wurde... Man lernt nie aus). Und weil an dem Tag dazwischen so blöd rumhängt, wird der eben mit frei gemacht. Sehr schön. Ich habe den Puente genutzt, um mein Referat für die Uni vorzubereiten. Ich musste es am Donnerstag im Bachelor-Kurs halten. Weil die Bachelor-Studenten den Freitag frei haben, war ich nicht überrascht, dass ich das Referat vor sehr gelichteten Reihen halten musste (obwohl natürlich alle tolle Ausreden hatten, warum sie nicht da waren ;-)). War mir ganz lieb. Das Referat ist auch einigermaßen gelaufen. ML meinte hinterher, ich müsste das Sprechen üben...
Am Donnerstag habe ich auch gesehen, dass im Foyer unserer Fakultät ein kleiner Weihnachtsbaum steht. Und auf der Spitze ist ein kleines Plüschrentier!


Und ich habe mich in den letzten Tagen etwas musikalisch landeswissenschaftlich weitergebildet. Auf den Vorschlag meiner ehemaligen Spanischlehrerin habe ich mir auf Youtube spanische Weihnachtslieder angehört. Im Supermarkt um die Ecke läuft gerade noch ein (un-)weihnachtlicher Mix aus Juanes, Shakira und "Blanca Navidad" - der spanischen Version von "White Christmas" gesungen vom mexikanischen Florian Silbereisen (wie Lisa ihn nennt), Luis Miguel. Wer Langeweile hat sollte von ihm mal "Santa Claus llegó a la ciudad" youtuben. Ich fand es sehr lustig. Er hat einige amerikanische Weihnachtslieder auf spanisch gesungen.
Na ja, jedenfalls habe ich dann mal "Villancicos de Navidad" gesucht und habe meine Ohren sicher zwei Stunden lang mit spanischen Kinderchören gefoltert. Jetzt mal im Ernst: Wir deutschen können es eindeutig besser. Wer mir nicht glaube, sollte mal "Campanas de Belén" oder "Hacia Belén va un burro, rin, rin" suchen und sich anhören. Aber vielleicht liegt es ja auch nicht an den Liedern sondern an den Chören... Lisas Mitbewohner will mit uns Weihnachten jedenfalls ein paar spanische Weihnachtslieder singen.
Ich hatte an dem Tag, als wir hier Schnee hatten, "Es ist für uns eine Zeit angekommen" im Facebook gepostet und kriegte gleich positive Rückmeldung einer spanischen Kommilitonin, die das Lied total schön fand. Sie kannte nur "Oh Tannenbaum" (auch nicht unbedingt das Vorzeigelied). Ich habe ihr daraufhin "Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, die Oma sitzt im Kofferraum" beigebracht. ;-)
Meine spanische Weihnachtsliedersuche endete Donnerstag in einem exzessiven Kinderlieder hören. Rolf Zuckowski rauf und runter (zuerst die Weihnachtslieder, dann Klassiker wie "Mein Platz im Auto ist hinten" und "Meikes Lied" - was übrigens wirklich schön ist, es ist Lisas und mein Motivations- und Mut-Mach-Lied) und dann "Anne Kaffekanne", "Higgeldy, Piggeldy, Pop und Pu" und das "Katzentanzlied". Lisa und ich haben uns über unsere Kinderlieder ausgetauscht und irgendwann bin ich bei "Jule wäscht sich nie" und "Raxli Faxli" gelandet. Neiiiiin, das hat gar nichts mit Heimweh oder so zu tun...
Und um auf die spanischen Lieder zurück zu kommen: Ich habe mir heute aus der Stadtbücherei eine CD von Amaral und eine von La Oreja de Van Gogh ausgeliehen. Von Amaral hatte Lisa mir ein paar Videos geschickt ("Toda la noche en la calle" ist ein echter Ohrwurm) bei der anderen Band fand ich den Namen so lustig (das Ohr von Van Gogh).

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Über das Heimweh...

Am Anfang war nichts. Es gab so viel Neues zu sehen und so viel zu tun. Wenn dann doch mal ein wenig Verzweifelung hochkam, z.B. angesichts des scheinbaren unmöglichen Stundenplans, wurde das mit der Bob-der-Baumeister-Philosophie ("Jo, wir schaffe dass!") beiseite gewischt. Auf die Feststellung von "Mängeln" in der Wohnung (nein, einen Pfannenwender oder einen Schneebesen gibt es hier nicht - von einem Mixer ganz zu schweigen - aber Lara hat eine elektrische Saftpresse) folgte die Zurechtweisung "Stell dich nicht so an - ist ja nicht für immer!" und der Wunsch, die eine oder andere Person doch mal wieder zu sehen wurde einfach auf Februar verschoben.
Ich nehme an, meine Wohnsituation der letzten zwei Jahre und die Tatsache, dass Papa die erste Woche mit mir in Burgos war, haben mit dazu beigetragen, dass es meine Freundinnen waren, die ich zuerst vermisst habe. Dazu kamen Gelegenheiten, bei denen ich mir dachte, ob ich die Eskalation der Situation auch in Deutschland zu gelassen hätte und ob es überhaupt so weit gekommen wäre, wenn ich nicht nach Spanien gegangen wäre. Die Zeit bleibt nun mal nicht stehen und was sich alles geändert hat, wie man sich selber vielleicht verändert hat, sieht man erst, wenn man wieder zurück kehrt.
Und dann kommt nach drei Monaten das Heimweh plötzlich angeschlichen und überfällt einen heimtückisch im Dunkeln von hinten. Da wünscht man sich auf einmal nichts sehnlicher die Familie. Und es betrifft uns alle. Vielleicht liegt es an der Weihnachtszeit. Denn auf einmal denkt man wehmütig an Deutschland und überlegt in einem heftigen Anfall von Heimweh, Weihnachten als Überraschungsgast auf der Matte zu stehen oder an einem Adventswochenende nach Hause zu fliegen. Da kann man sich dann auch nicht so richtig für die Freundin freuen, die genau das hat, was sich alle wünschen: Besuch von zuhause.
Ich, die ich ja eigentlich mit dem Bring- und Abholservice ein Privileg habe, das den anderen verwehrt bleibt, kam plötzlich auf den Gedanken, dass ich doch gerne Besuch von meinen Eltern und meiner Schwester hätte. Noch vor eineinhalb Monaten habe ich zugestimmt, dass es das Beste ist, wenn sie nicht kommen, und auf einmal fand ich mich nachts um eins im Schlafanzug vorm Laptop sitzend und Flüge raussuchend wieder. Das sogar mit Erfolg: Ich bekomme im Januar Besuch von meiner Familie und freue mich total.