Sonntag bin ich mit meiner Hausarbeit für "El Amor en la Literatura" fertig geworden. Montag hatte ich daraufhin Langeweile und habe gepackt. Dienstagmorgen war ich an der Uni und habe den Stempel bekommen, der das Ende meines Erasmus-Aufenthalts bestätigt. Erstaunlicher Weise musste ich nichts vorzeigen, das bewies, dass ich tatsächlich noch etwas für die Uni tun musste im Februar (eigentlich hat das Sommersemester bei denen ja schon im Februar angefangen). Entweder die Relaciones Internacionales vertrauen uns, oder es ist ihnen egal, dass wir das AAA betrügen könnten (wenn man vor dem 15.2. abreist, kriegt man kein Geld für Februar, aber wie gesagt, wenn man alles auf Anhieb besteht und keine Hausarbeit schreiben muss, ist man vor dem Termin fertig).
Dienstagnachmittag habe ich mich dann mit Papa getroffen und wir haben meine Koffer neu gepackt. Es ist alles erstaunlich gut gegangen (sogar der Schlafsack und die Wolldecke hat gepasst). Jetzt habe ich noch drei Kilo in dem einem Koffer frei für Bettwäsche, Schlafanzug und Kulturtasche. Und Papa hat auch noch etwas Platz in seinem Koffer. Da das mit dem Packen so schnell ging, hatten wir die Tage gestern und heute "frei" und haben noch ein bisschen das Land erkundet.
Gestern waren wir in Santander. Das ist eine Küstenstadt am Atlantik. Sie liegt in der Comunidad Cantabría. Papa wollte von an den Atlantik und ich war auch noch nicht da. Außerdem liegt sie fast direkt "über" Burgos. Man muss erst ein Stück nach Westen fahren und dann "geradeaus" nach Norden. Bei den reicheren Spaniern ist die Stadt im Sommer sehr beliebt als Badeort (oder zumindest war sie das früher) und ich glaube, die Hälfte aller Erasmus-Studenten aus Burgos war auch schon da. Zumindest hatte ich das Gefühl, dass um mich herum öfter mal überlegt wurde, dahin zu fahren. In Papas Michelin-Reiseführer wird die Stadt hingegen kaum erwähnt.
In Santander angekommen haben wir als ziemlich erstes ein sehr imposantes Gebäude gesehen. Die Banco de Santander. Kennt man auch in Deutschland (jedenfalls gibt es in Essen eine). Wir haben auch recht schnell die Touristen-Information gefunden und uns einen Stadtplan besorgt. In der Innenstadt gibt es einige schöne Gebäude, aber sooo sehr vom Hocker gerissen hat und das nicht. Es war aber interessant zu sehen, dass die Banco de Santander mehr her machte, als das Rathaus.
Wir sind dann weiter zur Península de la Magdalena gefahren. Auf einem Hügel steht ein ehemaliger Sommerpalast von einem spanischen König vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Palast erinnert ein bisschen an Die Jane Austen-Bücher, fand ich. Von dem Hügel aus hatte man auch eine gute Aussicht über das Meer, zwei Leuchttürme und die Stadt. Papa meinte am Ende, manchmal müsse man sich doch abseits der Routen des Reiseführers bewegen.
Von der Península de la Magdalena aus sind wir weiter zu einem Dünen-Park gefahren. Der lag direkt am Strand. Aber weil der Himmel schon den ganzen Tag bewölket war und ein kalter Wind wehte, haben wir nicht mal die Schuhe ausgezogen, sondern sind einfach so am Strand entlang gegangen. Da haben wir einige äußerst interessante Muscheln gefunden.
Heute waren wir in Segovia. Das ist eine sehr alte Stadt in Castilla y León, die schon recht früh in der Geschichtsschreibung erwähnt wird, weil die Römer die Stadt besiegt haben (laut Beschreibung auf dem Stadtplan). Von denen stammt auch das Aquädukt, das noch ziemlich lange in Betrieb war.
Die Stadt ist sehr schön (schöner als Santander), mit engen Gässchen, alten Häusern und momentan schneebedeckten Bergen ringsherum. Und mit einem sehr merkwürdigen Parkhaus: Man fährt sein Auto ein einen Aufzug, steigt aus und das Auto wird mit dem Aufzug nach untern transportiert. Wenn man es wieder haben will, wird es wieder nach oben befördert. Aber fragt mich nicht, wie die Maschine erkennt, welches Auto das geforderte ist...
Vom Parkhaus aus war es nur ein kurzes Stück bis zur Plaza Mayor, wo heute Markt war. Wir sind zuerst in die Kathedrale gegangen, eine Mischung aus Gotik und Renaissance. In der Kirche war es zum ersten Mal so, dass Papa günstiger rein kam als ich! (Senioren kriegen da Rabatt, Studenten aber nicht). In der Kathedrale war es eiskalt, im Kapitelsaal auch, wir haben uns schon gefragt, wie die Mönche das damals ausgehalten haben. Ich bin ja der Meinung, sie haben sich untergehakt und geschunkelt. Papa geht eher davon aus, dass zumindest die wichtigeren Leute, einen Pelz umhatten.
Als nächstes sind wir zur Alcázar gegangen. Das ist ein richtiges Märchenschloss, könnte auch aus einem Disney-Film kommen. Der Palast ist auch richtig gut erhalten. zum Teil sieht man auch maurischen Einfluss. Es wurden Ritterrüstungen und Wandbehänge ausgestellt. In einem Raum war auch ein Himmelbett mit roten Vorhängen. Das müssen die Bewohner aus Hogwarts entführt haben! ;-)
Papa und ich sind auch auf einen der Türme gestiegen. 152 Stufen. Es wurde schon zu Beginn gewarnt, dass Leute, die gesundheitlich nicht so gut zurecht sind, es lieber lassen sollten. Wir sind oben angekommen und hatten von da eine tolle Aussicht. Auf dem Weg runter kamen uns zwei oder drei ältere Ehepaare entgegen und die Frauen krochen fast auf allen vieren die Treppe hoch. Vielleicht hätten die es besser gelassen. Allerdings wirkte die Treppe zuerst gar nicht so schlimm. Die ersten 50 Stufen waren noch nicht mal Wendeltreppe. Danach ging es dann aber in einer engen Wendeltreppe hoch und nach all den Jahren sind die Stufen schon etwas abgetreten.
Zum Schluss sind wir näher an das Aquädukt herangegangen. Es führt mitten durch die Stadt. In Segovia war es heute richtig schön warm. Zumindest in der Sonne. Ich konnte teilweise im T-Shirt rum laufen und bin dann immer von Sonnenschein zu Sonnenschein gehuscht, weil es im Schatten noch sehr kalt war.
Sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg haben wir ganz viele Storchennester auf Kirchtürmen gesehen und meistens saßen auch die Störche drin. Noch immer rufen die Störche bei mir die Assoziation "Esto es Trujillo" hervor. Es war zwar nicht direkt die erste Spanischstunde, aber eine der ersten und die erste Seite in unserem Buch. Verrückt, was für Dinge, einem in Erinnerung bleiben. Ich hatte vorher noch nie Störche mit Spanien assoziiert und ich kann mich auch nicht daran erinnern, vor meinem Erasmus-Aufenthalt schon mal einen echten Storch gesehen zu haben...
Eine lustige Gemeinsamkeit von Santander, Segovia und Burgos ist übrigens, dass alle drei Kulturhauptstadt 2016 werden woll(t)en. Santander steht nicht mehr zur Debatte, aber Segovia ist wie Burgos noch im Rennen.
Heute Abend (nachdem ich Papa - nach etwas Skepsis - für das Pecaditos begeistern konnte) habe ich noch eine schöne Entdeckung gemacht: Der Arco de Santa María ist wieder sichtbar! Nachdem sie ihn in den letzten Monaten tüchtig geschrubbt haben, ist das Gerüst jetzt weg und er ist unglaublich sauber. Das muss ich mir morgen noch mal bei Tageslicht ansehen. Ich bin schon etwas wehmütig, dass ich diese Stadt jetzt verlassen muss...