Um 12 Uhr sind wir also da angekommen, haben beim Busbahnhof einen kleinen Stadtplan bekommen und sind prompt bei der ersten Gelegenheit in die falsche Straße abgebogen. Dadurch hat sich aber Alexandra beim Bäcker was zum Frühstücken gekauft und wir haben einen Lidl entdeckt, bei dem ich, bevor wir zurück gefahren sind, eingekauft habe. Ich hatte nämlich vergessen, dass am Freitag zu machen und war mir nicht sicher, ob der Mercadona noch auf haben würde, wenn ich aus Bilbao zurück war.
Nach der ersten Verwirrung haben wir dann aber den richtigen Weg gefunden. Wir sind gemütlich zum Plaza Mayor gegangen (der ein großer Kreisverkehr mit Springbrunnen, Beeten und Bänken ist), haben auf dem Weg dahin einige schöne Gebäude, noch schönere Straßenschilder, eine Herz-Jesu-Statue und einen Sir Winston Churchill-Pub gesehen und einen Kaffee bzw. Tee getrunken.
Vom Plaza Mayor aus sind wir zum Guggenheim Museum angegangen. Das ist ein riesiges Gebäude aus Stein und Titanplatten, das eine leicht merkwürdige Form hat. Moderne Kunst eben. Das Museum liegt an einem Fluss, es gibt zwei Außenterrassen und die meisten Räume haben leicht gebogene Wände oder Decken. Eine Brücke, die über das Gelände des Museums führt, wurde einfach mit integriert. Die Stadt und die Kunst sollen in einander übergehen. Und erstaunlicher Weise hat auch noch keiner gewagt, die Skulptur, die außerhalb des Museums steht, mit Graffiti zu überarbeiten. Vielleicht liegt es auch daran, dass sie nach dem Herrn der Ringe niemand mehr an "Maman" heran traut...
Im Museum bekamen wir Studentenrabatt und einen Audioguide für 5€. Der Audioguide war wirklich nicht schlecht. Er erklärte dann auch, dass das schwarze Bild mit der weißen Ecke die bedrückende Situation in Spanien während Franco ausdrückt oder das die wilden gelben, blauen, weißen und grünen Pinselstriche auf einem anderen Bild die Villa d'Este darstellten... Mit modernen Bildern kann ich nicht so viel anfangen.
Interessanter fand ich die Video-Installationen oder Fotocollagen. Bei einer Installation liefen Sätze in rot über so ganz schmale elektrische Werbetafeln. Die Wand dahinter wurde blau angestrahlt. Auf der Vorderseite der Tafeln lief der Text auf Englisch und Spanisch, auf der Rückseite war es Baskisch, als Symbol dafür, dass es mal eine verbotene Sprache war. Eine andere Installation war in einem kleinen Kammer untergebracht. An den Wänden hingen ganz viele Schwarzweißfotos von Gesichtern. Von der Decke hingen Glühbirnen auf Kniehöhe herunter. Der Audioguide sagte, dass die Fotos daran erinnern sollen, dass unser Gesicht ein Mosaik unserer (toten) Verwandten sind (Augen von Mama, die Nase von Uropa, die Ohren von der Großtante usw.) Dann gab es auch Fotocollagen, zu denen Alexandra meinte: "Wenn ich Fotos sammele und die auf eine Plexiglasscheibe klebe, darf ich die dann auch hier aufhängen?"
Insgesamt haben wir mindestens zweieinhalb oder vielleicht auch drei Stunden im Guggenheim-Museum verbracht. Es war auch gut, den Audioguide zu haben, weil man sonst einen Großteil der Bilder nicht verstanden hätte, bzw. sich gedacht hätte: "Okay, da hat der Maler ein paar schwarze Striche auf ein rotes Bild gemalt."
Im Museum durfte man nicht fotografieren, aber hier kommen noch mal ein paar Eindrücke von außen.
Die Blumen hinter mir gehören zu einem Hund aus Stiefmütterchen.
Als wir aus dem Museum kamen, hatte ich totalen Hunger, aber leider hatten wir die Mittagsessenzeit verpasst und die Bars hatten entweder zu oder kein richtiges Essen. Ich habe mich also mit meiner Notfallbirne und ein paar Knabberstangen begnügt.
Wir sind noch ein wenig durch die Stadt gelaufen und kamen zu einem schönen Park. Es gab einen See mit Enten und Schwänen und ein Gehege mit einem Pfau. Außerdem war auf einem Hügel ein schönes Gebäude, eine Art lang gezogener, eckiger Pavillon oder ein Gang. Davor war ein Springbrunnen.
Um sieben Uhr fuhren wir zurück nach Burgos. Bilbao war schon schön. Das Wetter war zwar nicht ideal, bei Sonne wäre es sicher noch schöner gewesen, dann wären wir vielleicht auch noch am Fluss lang gelaufen, aber immerhin hat es nicht geregnet und im Park habe ich auch schon die ersten Blüten an einem Baum gesehen.
Lustig fand ich die zweisprachigen Schilder, weil Baskisch wirkliche keine Ähnlichkeiten mit dem Spanisch hat (zumindest in meinem Augen nicht). "Achtung" ("atención") heißt z. B. "kontuz" oder die öffentlichen Toiletten im Park ("aseos") wurden mit "komunak" ausgeschildert...
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