Sonntag, 5. September 2010

Salamanca und León

Papa hat sich ein Auto gemietet und so sind wir vorgestern und gestern auf Entdeckungstour unterwegs gewesen. Charlotte ist mit gekommen.
Vorgestern waren wir in Salamanca und haben vorher Charlotte angeholt (bei ihr vor dem Haus kann man noch schlechter parken als vor meinem ;-)). In Salamanca angekommen, war Mittagsessenszeit. Danach haben wir uns dem Kulturprogramm gewidmet. Salamanca ist sehr touristisch. Überall gab es so kleine Souvenirläden und neben dem Jakobsweg und dem allgegenwärtigen Frosch (die Erklärung dafür folgt noch) dominiert natürlich einer: Paul.

Wir haben uns die Kathedrale angeguckt und waren auf der Plaza Mayor. Ist nicht schlecht die Stadt, aber na ja, ich finde sie zu touristisch, um da als Erasmus-Studentin zu sein. Die Kathedrale ist eigentlich zwei. Es gibt eine alte und eine neue. Und in die alte kommt man nur, wenn man durch die neue geht. Die so genannte "neue Kathedrale" ist aber aus der Gotik/ Renaissance. Also, sie soll die letzte gotische Kathedrale sein, hat aber schon auch Renaissance-Einschläge (würde ich mit meinem Halbwissen behaupten). Aber das ist ja auch irgendwie logisch, weil so eine Kathedrale ja nicht mal eben in einem Jahr hochgezogen wird. Vor allem nicht solche und nicht damals.
Und was noch erwähnenswert ist an der Kathedrale, ist das Ambo im Chorgestühl. Es hat die Form eins Adlers. So wie das von Dumbledore in den Harry Potter-Filmen. Ob es wohl auch die Flügel ausbreitet, wenn der Bishof dahinter tritt und sich räuspert?
Danach sind wir zur Uni gegangen, die wie sicher einigen hier bewusst, die älteste Uni Spaniens ist. Auf der Fassade ist, neben hunderttausend anderen Mustern eine Frosch zu sehen - oder auch nicht zu sehen, denn der Student, der ihn findet, hat Erfolg im Studium, im Leben etc.(deswegen auch der Frosch überall in Salamanca). Charlotte und ich haben uns unser Glück erkauft. Wir haben den Frosch gesucht und plötzlich kam so ein junger Mann auf uns zu, der uns erst erklärte, wo der Frosch zu sehen sein müsste und uns dann noch die gnaze Fassade erklärte. Wir dachten erst ganz naiv, er wäre von der Uni. Da er bei einer Mädchengruppe stand, dachte ich erst, sie wären Erasmusstudentinnen und er ihr Tutor. :-D Das nennt man wohl Projektion. Irgendwann dämmerte es mir dann aber, dass er da wohl Geld für wollte und so war es dann auch. Aber na ja, dann haben wir ihm beide einen Euro gegeben und haben jetzt dafür Glücks fürs Studium... Ich habe die Fassade auch fotografiert, aber den Frosch sieht man nicht. Ihr könnt ja trotzdem mal suchen. Kleiner Tipp: Er sitzt auf einem Totenkopf.

Die Wände (zumindest die Außenwände) sind voll "Graffiti". Irgendwelche wichtigen Leute wurden da in roter Farbe festgehalten (u.a. Felipe und seine Letizia). Charlotte und ich hätten und auch dazu schreiben sollen. We were here. Allerdings war das alles auf Latein. Da hätte Charlotte ran gemusst. :-D Aber sie wollte mich Rutus nennen und ob ich so da in alle Ewigkeit stehen bleiben möchte... Außerdem gibt es bei der Uni ein sehr schönes Schild, dass man den Rasen nicht betreten darf.

Wir wollte auch zum Fluss gehen. Zum Tormes. Nur - da war keiner. Eine Brücke war da, aber weit und breit kein Wasser. Dafür haben wir etwas anderes entdeckt. Eine Statue eines blinden Mannes, der von einem Jungen geführt wird. Na, irgendeine Ahnung, wer das sein könnte? Wer hat beim Witthaus aufgepasst? Richtig, den Lazarillo de Tormes. Klar, dass wir davon auch ein Foto gemacht haben.


Gestern waren wir dann in León. Charlotte hat bei mir geschlafen, also sind wir direkt von Burgos aus losgefahren. León ist ganz anders als Salamanca. Nicht so touristisch. War schöner. Als wir aus dem Parkhaus kamen, sind wir erstmal auf eine Mini-Demo gestoßen. Drei Leute, die wollen, dass León unabhängig wird. Manche Leute haben merkwürdige Ideen.
In León waren wir als erstes in der Kathedrale. Wie fast alle spanischen Kathedralen ist auch in León ein "coro" drin. Also so ein Kasten, in dem das Chorgestühl der Mönche ist und der den Blick auf den Altar verbaut, wenn man durch die Haupttür kommt. In León haben sie einen Teil des Kastens durch eine Glastür ersetzt. Überhaupt ist viel Glas in der Kirche. Hohe und schön farbige Kirchenfenster (die von außen eher mäßig aussehen) und kaum Mauer. Schon beeindruckend.


Während wir da waren, war eine Hochzeit. Ich stelle mit das ja schwer romantisch vor: heiraten, wenn ein Haufen Touris um dich rumlaufen (also, irgendwann wurden auch keine mehr rein gelassen, aber die die drin waren, mussten nicht raus). Na ja, wer's mag. Leider haben wir den Einzug der Braut verpasst, weil wir da gerade im Kreuzgang waren. Den Kreuzgang haben sie geschafft, zu verschandeln, in dem sie einen blauen und einen orangenen Glaskasten (ich glaube zur Kinderbelustigung) in die Mitte gesetzt haben. Están locos, estos españoles... (wie Obelix bemerken würde)
Danach waren wir noch in San Isidoro, einer romanischen Kirche. Da haben wir es irgendwie geschafft, uns in eine Gruppenführung zu schmuggeln. :-D Eine Schulklasse. Ich weiß nicht genau, ob es eine spanische Schulklasse mit englischsprachigen Gästen oder eine englischsprachige Schulklasse, die mit dem Spanischkurs eine Sprachreise gemacht hat, war. Ich tendiere zum ersten. Das war jedenfalls sehr lustig, weil die Museumsführerin irgendwann ziemlich los meckerte, weil die Mädchen hinten nicht zuhörten und Fotos machten. Papa meinte, sie wäre zu einer Gesamtschullehrerin mutiert. Nach der Führung wurde die Klasse auf Spanisch ziemlich zusammengeschissen (und kriegte gesagt, dass sie bis 15 Uhr Freizeit hätten). Das fand ich sehr amüsant.
Aber das beste kam später. Wir liefen von San Isidoro zurück in die Fußgängerzone und hörten plötzlich die Lehrerin hinter uns telefonieren. "Tía, no crees, donde estoy - en LEÓN!!!!" ("Du glaubst nicht, wo ich bin - in LEÓN!!!"). Sie war total euphorisch. :-D
Beim Mittagessen habe ich das Brautpaar aus der Kirche wieder gesehen, die merkwürdige Hochzeitsfotos machten. Oder vielleicht eher ein merkwürdiges Hochzeitsvideo drehten: Sie rannten gleichzeitig los, sie schubste ihn und er tat so, als würde er gegen eine Hauswand knallen. Und das wollen sie zur goldenen Hochzeit wieder hervorkramen und den Enkeln zeigen?
Insgesamt waren die beiden Ausflüge sehr cool, auch wenn meine Mitbewohnerinnen mich für verrückt erklärt habe, dass ich so früh los wollte (9 Uhr bzw. 9.30 Uhr). Und ich denke mir, wenn die Uni erstmal anfängt, dann habe ich vielleicht nicht mehr so viel Zeit. Außerdem war diese Woche nach dem Umzug eh nicht mehr viel los. Da konnte man die Zeit gut nutzen, um sich mal die umliegenden Städte anzusehen.

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