Burgos hat (laut Wiki) etwa 175 000 Einwohner und liegt in Castilla y León am Río Arlanzón und natürlich auf dem Jakobsweg. Pilger sehe ich hier regelmäßig, mal mit großem Rucksack, mal mit eher leichtem Gepäck (da war die Muschel fast größer als der Rucksack und ich habe ich gefragt, wie die da ihr Zeug unterkriegen, ein bisschen was muss man ja schon mitnehmen). Mein Lieblingszitat einer etwas müden Pilgerin zu ihrer Gruppe war: "Why did we have to go up when we go down again?" Aber so viel rauf und runter geht es hier eigentlich gar nicht.
Am Fluss kann man sehr schön spazieren gehen, das habe ich heute vom den Rückweg von der Uni auch gemacht. Nicht auf dem Weg zu meiner Uni liegt aber der Paseo de Espolón, wo früher die Leute flaniert sind, im Zweifelsfalle, um gesehen zu werden. Da ist auch ein netter Pavillon, von dem es Postkarten im verschneiten Zustand gibt. Mal sehen, ob ich das diesen Winter auch live sehe.
Neben dem Jakobsweg steht die Stadt ganz im Namen des Cid (ihr erinnert euch - dieser Held, der die Mauren zurück gedrängt hat). Auf der Plaza del Cid gibt es eine Statue, die von hinten etwas aussieht wie ein schwarzer Reiter und von vorne eher eine Gandalf-Gestalt mit Schwert zeigt (na ja, ich tue Gandalf etwas Unrecht, er ist viel anmutiger).
Die Cid-Manie hat hier kein Ende, es gibt unendlich viele Straßen, die Cid im Namen halten, Cafés und Restaurants, in den Souvenirläden kann man kleine Cid-Figuren kaufen und auch Kukuxumusu macht vor dem Meister nicht Halt und verwandelt ihn in eine Kuh. Allerdings warte ich bei der ganzen Paul-Euphorie auch darauf, dass es bald eine Calle del Paul gibt. Vielleicht benennen sie die Avenida de Valencia del Cid (von der ihr eh argwöhne, dass sie einfach 2 Straßennamen oder 2 Straßennamenideen zu einer zusammen gepanscht haben) noch um in Avenida de Valencia del Cid y Paul...
Die Burgaleses, denen der Cid doch schon ein paar Jahre zu viel tot ist, stürzen sich darauf, dass Burgos ein Kandidat für die Kulturhauptstadt 2016 ist. Überall kann man das Logo sehen: Auf dem Internetauftritt des Rathauses, in den Illuminationen der Plaza Mayor, ich habe es sogar auch einer Schürze der Kellner in einem Restaurant gesehen.
Bei so einer Euphorie dürfte doch auch klar sein, wer Kulturhauptstadt wird. Ich habe mich schon gefragt, wie sie das noch steigern wollen, wenn sie wirklich Kulturhauptstadt werden sollten.
Die Plaza Mayor ist auch ohne Kulturhauptstadtlogo ganz nett. Was ich schön finde ist, dass es so Marmorbänke gibt, auf die man sich setzen kann, wenn man nicht ins Café will. Und die Casa Consistorial hat rote Linien an den Säulen, die anzeigen, wie hoch das Wasser bei den Hochwassern 1870 und 1930 gestiegen ist. Höher als ich groß bin. Dabei ist der Fluss schon ein Stück weg von der Plaza Mayor und es gibt einen breiten Überschwemmungsstreifen.
Die Casa Consistorial im Dunkeln
Architektonisch erwähnenswert ist wohl auch das Stadttor Arco de Santa María (mir ist gerade beim Nachlesen auf Wiki aufgefallen, dass das Atomkraftwerk hier in der Nähe auch Santa María heißt, dann kann das ja wohl als sicher gelten... :-/).
Außerdem ist da natürlich noch die Kathedrale, in der der Cid und seine Frau begraben sind. Der kluge Tourist geht dienstags nachmittags in die Kathedrale, dann ist der Eintritt nämlich frei. Sonst zahlt man als Student 4 Euro (und hat ganze 75 ct Ermäßigung gegenüber der hart arbeitenden Bevölkerung). Sogar die Pilger müssen hier Eintritt zahlen (2,60 € oder so), was ich aber schon eine Unverschämtheit finde. Das Schönste an der Kathedrale ist die Kuppel, unter der der Cid liegt.
Vor der Kathedrale sitzt ein Pilger aus Metall, der mit ganz vielen Furunkeln und Ausschlag übersät ist. Das schlimme ist nur, dass ich hier wirklich einen Mann gesehen hatte, der einen ähnlichen (bläulichen) Ausschlag im Gesicht hatte. Es scheint also nicht alles der Fantasie des Künstlers entsprungen zu sein.
Überhaupt gibt es hier in Burgos immer wieder über die Stadt verteilt solche Statuen. Eine Frau, die Kastanien röstet, ein Mädchen, das den Fluss anguckt, ein Polizist, ein Mann, der Zeitung liest... Irgendwo habe ich auch einen Mann und ein Kind in Kleidung aus dem 18./19. Jahrhundert gesehen, aber ich weiß nicht mehr wo.
Und damit das ganze nicht zu sehr nach Reiseführer klingt, hier noch ein kleiner Insider für all diejenigen, die ebenfalls mit dem Spanischbuch Puente Nuevo gequält worden sind: Was war noch mal auf dem Dach der Kathedrale in Trujillo?
Hier ein nido de cigüña für euch auf dem Fernando Gonzáles Tor/ Bogen was auch immer.
Also, wenn eine Stadt Kulturhauptstadt 2016 wird, dann ja eindeutig Murcia. Ich mache mal ein Foto von deren Logo :-) Und ihr müsst Eintritt für die Kathedrale zahlen?? Krass. In Murcia kann ich mir die Virgen so oft angucken, wie ich will. Aber wir haben ja auch keine Pilger.
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