Sonntag, 5. September 2010

Ein Zimmer - und was für eins!

Ich habe ein Zimmer! Nach einer Nacht drüber schlafen habe ich mich dann für das erste (und einzige) Zimmer, das ich mir angesehen habe, entschieden. Auf den zweiten Blick ist es sehr viel besser als auf den ersten. Das Einzige, was nicht so toll ist, ist, dass ich wieder mit dem Bus fahren muss, wenn ich zur Uni will, aber auch das ist ja nicht so weit. Und mit dem Gas werde ich schon klar kommen... irgendwie.
Als ich das erste Mal mit der Vermieterin telefoniert habe, war ich mir ziemlich sicher, dass sie mir absagen würde. Denn eigentlich wollte sie das Zimmer für zehn Monate vermieten, nicht nur für sechs. Sie meinte, sie würde nochmal mit ihrem Mann reden und mich dann zurückrufen. Etwa eineinhalb Stunden später rief sie mich an und meinte, ich könne mir das Zimmer ansehen. Das war am Dienstag. Am Mittwoch habe ich zugesagt, am Donnerstag bin ich eingezogen. Letztendlich habe ich das Zimmer wohl bekommen, weil ich Deutsche bin. Meine Vermieterin und ihr Mann haben nämlich neun bzw. 17 Jahre in Deutschland gelebt (sprechen aber dafür erschreckend wenig Deutsch, aber ich will ja auch Spanisch lernen). Ich nehme an, dass sie in Deutschland sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Oder ich habe sie an ihre Anfänge im Ausland erinnert und tat ihnen Leid. Jedenfalls habe ich jetzt doch ein tolles Zimmer erwischt.
Es ist erstaunlich groß (es wirkt größer als das in Essen, aber ich glaube, es ist nur anders geschnitten), hat ein Fenster, eine Heizung und eine Prinzessinnenkommode (also so eine mit geschwungenen Schubladen und Spiegel). Was fehlt ist ein Bücherregal. Aber ich habe zwei Tische und habe den einen einfach zum Büchertisch erklärt (ich habe ja auch so viele mitgenommen ;-)). Ich hatte die Vermieterin vorher gefragt, ob eine Decke da wäre. Sie meinte nein. Also haben wir eine gekauft. Sie aber auch. Jetzt habe ich zwei Wolldecken, reicht also für den Winter. Die Spanier machen ihre Betten ja auch so komisch: Lacken auf die Matratze und dann ein Lacken mit Wolldecken unter die Matratze klemmen, so dass man wie in einer Zwangsjacke im Bett liegt. Also so ähnlich. Deswegen ist die Wolldecke, die wir gekauft haben, auch etwas breit für meinen Bezug. Ich habe zwar gesagt, dass das Bett 90 cm breit ist, bin aber, in meiner deutschen Naivität davon ausgegangen, dass wir dann auch eine 90 cm Decke kriegen. Pustekuchen. Aber was soll's? Die Decke ist jetzt geknubbelt im Bezug, aber fällt nicht groß auch, wenn ich das Bett unter der Tagesdecke verschwinden lasse. Die Vermieterin hat mir auch spanisch Bettwäsche mitgebracht. Ich könnte also mal versuchen, mein Bett auf die spanische Art zu machen.
Bei einem Super-Bazar um die Ecke habe ich mir dann noch gekauft, was ich nicht im Supermarkt bekommen habe: Tesafilm und Papier. Ich habe jetzt einen rosa Tesafilmabroller! Spanien färbt schon ab. :-D

Meine Mitbewohnerinnen hier sind echt nett. Ich kenne bisher zwei, die dritte zieht Mitte September ein. Die eine (Lara) studiert Englisch auf Lehramt für die Grundschule. Mit ihr habe ich mich am ersten Tag schon etwas länger unter anderen über das spanische Schulsystem und englische Bücher lesen (sie meinte, das würde ihr so schwer fallen, ich habe ihr vorgeschlagen, mit Büchern anzufangen, die sie schon kennt, da überlegte sie, "Crepúsculo" ("Twilight") anzufangen) unterhalten. Sie meinte, sie hätte sich auch erst nicht getraut, mit dem Gasherd zu kochen, aber das Essen würde besser damit. Was die andere (Carol) studiert, weiß ich nicht, aber sie hat mit gestern sicher 45 Minuten lang geholfen, bis wir meine Internetverbindung via Wifi gebastelt hatten.
Eigentlich musste ich nur den Netzwerkschlüssel eingeben. Carol hatte ihn mir aufgeschrieben, ich habe ihn eingeben, aber es hieß, es gäbe keine oder nur eine schlechte Verbindung. Carol hat sich also davor gesetzt, war ganz entsetzt, dass das ja alles Deutsch ist und hat versucht, irgendwas daran zu machen. Irgendwann kamen Charlotte und ich auf die Idee, dass der Netzwerkschlüssel vielleicht falsch sein könnte. Carol meinte, auf keinen Fall, es wäre etwas an meinem Laptop, weil ich nicht über Windows ins Wifi gehe, oder was auch immer. Dann haben wir doch mal geguckt, wie der Netzwerkschlüssel ist, der unter dem Router steht. Das Problem war, dass die Mädchen da was drüber geklebt haben, damit diejenigen in der WG, die das Internet nicht bezahlen, sich nicht heimlich einloggen können. Man konnte das Abgeklebte zwar abziehen, aber die Nummer war nicht mehr so gut erkennbar. Da hätte die 6 genauso gut eine 5 oder ein S sein können. Nach einigen Hin und her und verschiedenen Kombinationen ausprobieren hat Carol bei der Firma angerufen, die haben uns den richtigen Schlüssel gegeben und siehe da - es klappte. Von wegen, mein Laptop ist das Problem... Aber echt toll, wie sie sich dahinter geklemmt hat. Ich glaube, mit dem Zimmer habe ich echt einen Glückgriff getan!

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