So langsam kommt der Herbst in Burgos an. Bei den Temperaturen merkt man das nicht so (die arktischen 5°C morgen um halb 9 Ende September waren glücklicher Weise nur ein Phänomen von kurzer Dauer), aber auch sie sind so, dass man schon merkt, dass nicht mehr August ist...
Vor ein paar Tagen habe ich mit meinen Eltern geskyped und sie habe mir gesagt, dass zuhause schon alle Blätter am Weinlaub verfärbt sind. Farbige Blätter sind hier noch nicht ganz so vertreten. Das Gras ist zwar gelb (allerdings kommt das von dem heißen Sommer), aber die meisten Bäume sind noch grün und einige Blätter liegen braun auf dem Boden. Ich habe bisher nur wenige verfärbte Bäume gesehen, aber im Vergleich mit vor 14 Tagen sind es doch schon mehr geworden.
Ein Sache gibt es hier aber schon seit sicher drei Wochen in rauen Mengen: Kastanien. Wenn ich zu Fuß zur Uni gehe, finde ich auf dem Weg fast so viele Kastanien wie Steinchen. Ich habe mir auch schon einige mitgenommen und auf meine Kommode gelegt. Die spanischen Kinder sammeln die Kastanien übrigens genauso euphorisch wie die deutschen. Aber ich habe auch schon meinere alte Leute gesehen, die eine ganze Tüte dabei hatten. Lustiger Weise bin ich in der letzten Woche schon zweimal darauf angesprochen worden, dass wir Deutschen die Kastanien ja essen würden und wurde beim zweiten Mal auch daraufhin gewiesen, dass man diese nicht essen kann. Ich wusste gar nicht, dass Deutschland neben dem Oktoberfest, Bier und Würstchen auch für die Esskastanien bekannt ist... :-D (Mir fällt auf, mich hat auch noch keiner nach Tokio Hotel gefragt *Uff*) Ich selber habe erst einmal Kastanien gegessen.
Gestern war ich mit Cristina (Spanierin) und Laura (Engländerin) aus dem Kurs "El Amor en la Literatura" unterwegs in Fuentes Blancas. Wir haben uns zwei Klöster angeguckt. In dem einen San Pedro de Cardeña hat der Cid damals vor seiner Verbannung seine Frau und Töchter in Sicherheit gebracht. Dort hat uns gestern ein alter Mönch rumgeführt, nachdem er Laura und mich in unseren Landessprachen begrüßt hat. Er war aber auch etwas verrückt hatten wir das Gefühl. Oder zumindest sehr begeistert. Er wollte uns immer mehr vom Kloster zeigen: Die Besucherräume, den Meditationsraum, die Kapelle, den Speisesaal... Und er hat uns jedes Mal gefragt, ob es uns gefallen würde. Irgendwann meinte er, es gäbe ja auch Nonnenkloster, wenn es uns gefallen würde. Vielleicht haben wir doch zu viel gelächelt. :-D
Das andere war das Kartäuserkloster La Cartuja de Miraflores, das von Isabel la Católica und ihrem Vater gebaut wurde. Momentan wird es aber renoviert und wir konnten kaum etwas ansehen. In der Kirche sind Isabels Eltern begraben worden. Und Cristina hat noch eine Legende erzählt, dass als Isabel das Kloster besuchen wollte, sie eigentlich nicht durfte, weil sie ja eine Frau war. Aber weil sie die Königin war, haben sie sie dann doch gelassen. Damit aber alles seine Ordnung hatte, musste ein Mönch hinter ihr her laufen und alle Steine, die sie betreten hat, kennzeichnen, damit die hinterher ausgewechselt wurden...
Nach der Besichtigung haben wir uns auf die Suche nach Brombeeren (Moras) gemacht. Cristina hat uns erzählt, wie sie mit ihren Cousins und Cousinen früher durch Fuentes Blancas gelaufen ist und Brombeeren gepflückt hat, und hat mit uns auch die Sträucher abgesucht. Viel Brauchbares war aber nicht mehr dabei. Es ist ja immerhin Oktober. Allerdings meinte Cristina, dass sie hier immer so im September reif sind. Da sind die in Deutschland aber früher dran, oder?
Zum Schluss hat uns Cristina noch den Strand von Burgos gezeigt. Dieser "Strand" ist aber eher eine bessere Sandkiste am Ufer des Flusses... In der Nähe des Strandes hatte Cristinas Familie auch ein Restaurant, bis Cristina drei Jahre alt war. Dann haben sie es verkauft. Aber Cristina meinte, ihre Oma würde immer noch Morcilla selber machen. Eine durch und durch burgalesische Familie also. ;-)
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