Am Donnerstagabend vor meinem Geburtstag haben meine Freundinnen mit mir im ICQ ausgeharrt, so dass ich um Mitternacht schon erste Glückwünsche übers Internet und einen Anruf bekam. Am nächsten Morgen haben mein Vater und meine Schwester von zuhause angerufen und meine Mutter von unterwegs. Ich habe mehrere Ständchen via Telefon bekommen. Es war fast so wie in Deutschland. Nur an der Telefonrechnung konnte man sehen, dass ich mich gerade in der Weltgeschichte herumtreibe. Außerdem war mein Geburtstagspaket von zuhause noch nicht da - sehr zu meinem Leidwesen. Zum ersten Mal hatte ich keinen Geburtstagskuchen zu meinem Geburtstagsfrühstück. Das einzige Paket, das ich rechtzeitig hatte, war das von meiner Patentante. Ich konnte es in meiner Freistunde in der Post abholen.
In der Uni habe ich es kaum einem gesagt, dass ich Geburtstag hatte. Ich hätte es komisch gefunden rein zu kommen, zu rufen: "Hey Leute, ich habe Geburtstag!" und auf die Reaktionen zu warten. Nur im Masterkurs hat es sich ergeben, weil Asun am gleichen Tag Geburtstag hatte. Als das raus kam, brach natürlich das Chaos aus. ;-) Meine Kommilitoninnen wollten wissen, was "Feliz Cumpleaños" denn auf Deutsch hieße. Also habe ich es an die Tafel geschrieben und die Spanier haben eindeutig beschlossen, dass "Erzlieken Glukwe sum Chebusta" zu viele Konsonanten auf zu wenig Vokalen hat.
Nach der Uni habe ich mich mit Alexandra getroffen, auch meine eine Mitbewohnerin hat mir gratuliert (sie ist nur drei Tage älter als ich!) und es gab natürlich viele elektronische Glückwünsche. Es kam also auch fern ab der Heimat Geburtstags-Feeling auf. Danke euch allen!
Freitag war der Tag, auf den ich lange gewartet hatte: Lisa kam! Leider erst abends. Ich habe mein Zimmer aufgeräumt, geputzt und auf den Paketlieferservice gewartet. Um halb sechs bekam ich eine SMS, dass SEUR (der Lieferant, der hier die DHL-Pakete verteilt) mich nicht angetroffen hätte. Haha. Ich habe da angerufen und mir wurde gesagt, wo ich das Paket abholen konnte. Ich wollte mich gleich auf den Weg machen. Die Frau am Telefon fand es etwas merkwürdig, dass ich laufen wollte, weil das nach ihren Worten weit weg wäre. Hätte ich mal auf sie gehört...
Ich habe mir, die Straße bei Google Maps gesucht, weil sie auf meinen Stadtplan nicht drauf ist. Das hätte mich auch schon misstrauisch stimmen müssen. Bei Google Maps konnte man schon sehen, dass die Straße weit weg war, aber ich habe den Bus ein Stück genommen. Als ich an der Endstation ankam, regnete es in Strömen. Aber ich wollte mein Geburtstagspaket ja haben. Leider hatte ich keine Ahnung, wie ich von der Bushaltestelle weiter laufen sollte und habe eine Passantin gefragt. Sie wusste nicht, wo die Straße ist und meinte, ich solle in den Geschäften nach SEUR fragen. Das habe ich gemacht und mir wurde gesagt, ich müsse noch weit laufen. Im Regen.
Ich war kurz davor, aufzugeben, da hielt ein Auto neben mir, in dem die Passantin und ihr Mann saßen und mir anboten, mich zu SEUR zu bringen. Die beiden waren meine Rettung! Ohne sie wäre ich unverrichteter Dinge zurückgefahren. Das SEUR-Büro liegt nämlich mitten in einem Industriegelände und ich hätte sicher noch 5km laufen müssen. Bei Sonne wäre das ja noch gegangen. Bei Regen nicht. Der Mann hat sich auch etwas aufgeregt und meinte, über so was würde man sich doch vorher informieren und ob ich keine spanischen Freunde hätte, die mich hätten warnen können. Die Frau hatte mehr Verständnis für mich.
Mit dem schweren Paket habe ich Lisa beim Busbahnhof abgeholt. Ich habe mich so gefreut sie wieder zu sehen! Nachdem wir uns in Essen fast täglich oder zumindest mehrmals in der Woche gesehen haben, waren zwei Monate nur chatten schon hart. "Live" quatschen ist doch viel schöner als tippen!
In meinem Zimmer haben wir dann erstmal mein Paket ausgepackt bzw. ich habe ausgepackt und Lisa fotografiert.
Ich habe Lisa auch Carol und ihrem Freund vorgestellt und nachdem Lisa klar gestellt hat, dass sie nicht Lisa Simpson ist, mochte sie die beiden, glaube ich, auch. Carol und Anhang haben sich auch darüber amüsiert, dass Samstag noch eine Lisa, Lisa dos, kommen würde.
Samstagmittag kam Lisa dos aus Valladolid an. Lisa uno und ich haben sie am Busbahnhof abgeholt und wir sind erstmal zu meiner WG gegangen, wo Lisa dos einen heißen Tee bekam, weil man sich auch in Valla erkälten kann. (Mein Regenspaziergang hat bisher erstaunlicher Weise kaum Folgen gehabt)
Wir haben zusammen Suppe gekocht, die sogar gut geschmeckt hat. Man kann den Schmelzkäse in der Käse-Porree-Suppe wirklich gut durch Sahne ersetzen. Die spanische Sahne hatte auch irgendwie die Konsistenz von Schmelzkäse. Außerdem hatte Lisa mich im Mercadona auf ein Brot aufmerksam gemacht, das fast alle deutschen Erasmus-Studenten in Valla kaufen, weil es wie deutsches Brot ist. Total lecker! Zur Suppe passte es sehr gut.
Nach dem Essen sind wir durch die Stadt gelaufen. Lisas Begeisterung für die Herbstbäume mit den bunten Blättern könnt ihr in ihrem Blog nachlesen. ;-) Der Pavillon auf dem Espolón rief nicht nur Mulan sondern auch Gilmore Girls-Assoziationen hervor. Bisher hatte ich an keins von beiden gedacht.
Ich habe den beiden Lisas auch die Kathedrale gezeigt (diesmal habe ich sogar Eintritt bezahlt, beim letzten Mal war ich während der eintrittsfreien Zeit da) und großzügig das Wissen, das sich in den letzten 22 Jahren beim Besuch diverser Kathedralen mit meinen Eltern angesammelt hat, verteilt. Beide Lisas schienen von der Kathedrale sehr beeindruckt. Es ist ja auch beeindruckend, wie die Menschen früher mit weit weniger entwickelten Maschinen als heute so ein großes Gebäude geschaffen haben und auch wenn mich die Goldaltäre meistens eher erschlagen und ich mir denke, sie hätten das Gold besser in Amerika lassen sollen, muss ich schon zu geben, dass sie mächtig Eindruck schinden. Was mir im Vergleich zum ersten Besuch sehr gefallen hat, war die Orgelmusik im Hintergrund. Vielleicht spielen sie die nur zu den Zeiten, bei denen man Eintritt zahlen muss. :-D Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, dass sie beim ersten Besuch auch da war. Was ich nicht sagen kann, ist, ob die Musik von einer CD kam, oder ob wirklich jemand gespielt hat.
Abends haben wir auf Lisas Wunsch hin "Alice im Wunderland" gesehen. Sie meinte, sie hätte schon Entzugserscheinungen. Allerdings ist sie dann während des Films eingeschlafen und hat den Futterwackentanz nicht mitbekommen. Entweder war es die Überdosis Alice, die sie völlig geschafft hat, oder die Eindrücke in Burgos waren so erschlagend... ;-)
Sonntagmorgen gab es ein Picknick in meinem Zimmer mit einem tollen Halloween-Kuchen. Er sah aus wie ein Kürbis, hatte oben eine süße orangene Schicht und darunter war Mousse au chocolate. Total lecker, aber sehr schmierig.
Wir haben noch mal einen Spaziergang durch Burgos gemacht, aber leider spielte das Wetter gar nicht mit und gegen Nachmittag haben wir Lisa zum Busbahnhof gebracht.
Abends haben Lisa und ich "Notting Hill" gesehen. Ein Film, den wir beide lieben, aber noch nie zusammen gesehen haben. Es war surreal, aber schön. ;-)
Montagmorgen haben Lisa und ich uns auf den Weg zum Castillo gemacht. Von der Burg an sich ist nicht mehr viel übrig, aber wir haben eine Führung durch die unterirdischen Tunnel mitgemacht. Ich war schon einmal da, aber auch beim zweiten Mal war es noch sehr interessant. Vor allem gibt es diesmal ein Foto von diesen stylischen Helmen, die man bekommt, damit man sich in den Tunneln nicht den Kopf anstößt. Ich kann meistens in den Gängen stehen, aber viele andere müssen eben den Kopf einziehen. Die Tunnel sind auch nur sehr schmal. Man kann sich kaum vorstellen, dass es da auch schon mal zu Kämpfen kam. Eigentlich müssten die Soldaten mit ihren Rüstungen und Waffen im Gang stecken geblieben sein oder zumindest einen sehr eingeschränkten Bewegungsspielraum gehabt haben.
Nach dem Besuch der Burg haben wir tatsächlich ein bisschen was für die Uni getan. Das musste leider sein. Dafür waren wir als Belohnung in dem Facebook-Film. "La Red Social". Spanische Filme verstehen geht immer besser, auch wenn ich in dem Film nicht alles mitgekriegt habe, weil sie teilweise sehr schnell reden. Aber das wichtigste habe ich verstanden.
Insgesamt war dieses Wochenende viel mehr als nur eine Geburtstagsfeier. Wir haben zwar zusammen Mamas Geburtstagskuchen gegessen und ich habe Geschenke bekommen, aber viel wichtiger war mir, meine Freundinnen endlich mal wieder zu sehen, zu quatschen, Zeit mit einander zu verbringen und festzustellen, dass wir uns nicht verändert haben.
Jaaa, es war schon ein tolles Wochenende!!! Ich fands einfach nur beeindruckend, dass es innerhalb eines Landes so riesige Unterschiede gibt. Also bezüglich Klima (Bäume!! Blätter!! Herbst!!) und auch bezüglich der Sprache. Aber, wie du auch geschrieben hast, bin ich total froh, dass wir immer noch so sind wie vor Spanien. Durch das viele Chatten ist es ja fast so, als ob wir uns immer sehen würden. Aber live sehen ist natürlich besser.. Ich freue mich auf Weihnachten!!
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