Freitag Abend habe ich mich mit meinem Tandem-Partner getroffen. Mit dem einen. Ich habe nämlich zwei. Einer, der Rodrigo, will mit mir sein Englisch verbessern, und mit Sergio mache ich ein deutsch-spanisches Tandem. Freitag war Rodrigo dran. Wir haben aber nur Spanisch geredet, er meinte, er würde sich nicht mehr trauen, mit mir Englisch zu reden, nachdem er gehört hat, wie gut mein Spanisch ist. Das zweite hört man doch gerne. Auch wenn ich denke, dass es nach 5 Jahren Spanischunterricht besser sein sollte... Rodrigo ist aber sehr nett. Und er mag auch Irland.
Samstag war ich abends im Teatro Principal. Da gab es eine Zaubershow. Das Geld wurde für wohltätige Zwecke gespendet und Cristina hatte in der Uni Karten verkauft. Sonst wäre ich auch nicht hingegangen. Es war nicht schlecht. Irgendwie ist es ja schon faszinierend, was der Zauberer da für eine Show abzieht, auch wenn er nicht richtig zaubert. Zwischendurch wurden immer wieder Leute auf die Bühne geholt, aber der Beste war Jesús (oder José - beide Namen kamen vor), ein Mann um die 50, der ein Zaubererjackett und die Brille von "Charry Potterrr" angezogen bekam. Das Schönste an der Show war die Schattentheatervorführung am Ende. Der Zauberer hat richtig tolle Figuren mit seinen Händen gemacht: Hasen, Hunde, ein Kamel mit Reiter, ein Pärchen, das sich küsste...
Der Höhepunkt des langen Wochenendes kam aber am Sonntag und Montag. Ich bin mit Lisa und Christina, einer Mit-Erasmusianerin von Lisa, nach Gijón gefahren. Gijón ist eine Stadt in Asturien, an der Atlantikküste. Meer! Ein bisschen vermisse ich Strand und Meer hier in Burgos ja schon. Der Ausflug hieß zwar, Sonntagmorgen um 6.35 Uhr den Bus in Burgos nehmen, aber hey, manche Opfer muss man eben bringen. Ich hatte schon am Tag vorher ein "Opfer" gebracht und habe telefonisch ein Zimmer in einem Hostal für uns gebucht. Es wollte natürlich keiner von uns. Telefonieren auf Spanisch ist schon noch eine Überwindung.
Die Fahrt war schon ein kleines visuelles Abenteuer. Es ging in Burgos im Stockdunklen los. Eigentlich wollte ich lesen, aber niemand hatte Licht an, da habe ich es auch gelassen und etwas gepennt. Irgendwann bin ich aufgewacht und um dem Bus rum war so eine Nebelsuppe, dass man kaum fünf Meter weit gucken konnte. Ich frage mich, wie der Busfahrer was sehen konnte. In León war der Nebel dann weg. Rodrigo hatte mir auch schon gesagt, dass es nach León plötzlich grün würde. Er hatte Recht damit. Der Weg zwischen León und Oviedo hat mich sehr an Norwegen erinnert. Wunderschön! Aber weil fotografieren aus Busfenstern und dann noch gegen das Licht nicht so doll ist, habe ich es gelassen und nur die Bilder in meinem Kopf.
Ich war um zehn vor elf oder so in Gijón und musste eine halbe Stunde auf die Vallisoletanas warten, die einen anderen Bus als ich genommen hatten. Die Zeit habe ich damit verbracht, nach einem Stadtplan zu suchen, aber ich habe keinen bekommen. Wir haben also den Plan, der an einer Bushaltestelle hing, fotografiert und haben dann ein zweites Frühstück in einem kleinen Park eingenommen. Danach sind wir zu dem Hostal gegangen. Das war eine Wohnung in einem Haus, in dem Zimmer vermietet werden. Auch interessant. In dem Zimmer hatten wir ein Doppel- und ein Einzelbett. Aber hinter dem Vorhang stand noch ein Klappbett, wenn Lisa und ich uns im Doppelbett also nicht vertragen hätten, hätte eine noch ins Klappbett umziehen können.
Die Frau in dem Hostal hat uns einen Stadtplan zum Anfassen und Auseinander klappen gegeben und nach einer kurzen Einrichtungspause sind wir zum Hafen gelaufen. Kleine Boote im Wasser, Möwen, Meer... Ich fand es toll. Die Häuser um den Hafen waren teilweise auch sehr farbenfroh angestrichen. Wenn die großen Hochhaus-Bausünden da nicht gewesen wären, hätte ich vielleicht eine neue Lieblingsstadt gehabt. Wir sind vom Hafen in Richtung des Strandes San Lorenzo gegangen.
Gijón hat eine Ausbuchtung ins Meer rein (ich weiß nicht, ob das als Halbinsel zählt), sie sieht auf der Karte ein bisschen aus wie eine Faust. An dieser Faust sind Klippen und oben auf dem Hügel steht ein Gebilde aus Beton (soll Kunst sein). Wenn man sich rein stellt, hört man das Meer rauschen. Das ist sehr beeindruckend (deswegen will ich dem Gebilde auch mal gönnen, Kunst zu sein, Audio-Kunst dann eben).
Von dem Kunstwerk aus sind wir weiter zum Strand gegangen (Christina ist nur knapp einer Möwe entkommen ;-)). An einer Kirche in der Nähe des Strands haben wir dann kleines Picknick eingelegt, um dann gestärkt an den Strand zu gehen. Es war Ebbe, aber ich denke auch bei Flut hätte man halb bis England laufen müssen, um schwimmen zu können. Das Wasser war aber ohnehin zu kalt zum schwimmen. Wir waren also nur mit den Füßen drin. Ich konnte es natürlich nicht lassen, habe ich in die Brandung gestellt und meine Hose, die ich bis zu den Knien hochgekrempelt hatte, nass gemacht.
Wir haben eineinhalb Stunden am Strand verbracht, haben Muscheln gesammelt, Lisa nass gespritzt (okay, das war ich), Möwen gejagt (Christina und ich), Fotos gemacht, Botschaften im Sand hinterlassen... Dann passierte das, was wir die ganze Zeit angesichts der dunklen Wolkenberge gefürchtet hatten: Es gab einen Regenguss. Aber wir waren schon am Ende des Strands angekommen und haben uns schnell unter gestellt. Nach einiger Zeit hörte der Regen auch auf und wir sind weiter an der Küste lang gegangen.
Der Meer hatte sich total geändert. Vorher waren es verhältnismäßig kleine Wellen gewesen, aber nach dem Regen war das Meer aufgewühlt. Es war auch wieder Flut und die Wellen krachten gegen die Felsen und gegen die Wand, der Strandpromenade. Das Wasser ist regelmäßig über den Zaun der Promenade gespritzt.
Da wir von oben aber trocken blieben, sind wir der Küstenlinie gefolgt. Wir haben noch zwei weitere Kunstwerke gesehen. "La madre de los emigrantes", eine Frauenstatue aus Bronze, die einem echt Angst machen kann. Sie hat ein Lumpenkleid an, ist abgemagert, hat leere Augen und streckt die Hand zum Meer aus. Sie erinnert mich an Zeichnungen der irischen Hungersnot. Aber sie könnte auch aus einem Gruselfilm entsprungen sein. Das andere nannte sich "Cantu los Díes Fuxíos" und bestand aus Marmorblöcken, auf denen Marmorschüsseln standen. Es sah aus, als ob jemand vergessen hätte, den Tisch abzuräumen...
Nachdem wir das Ende der Karte erreicht hatten, sind wir zurück zum Hostal gegangen. Wir wollten ja kein unerforschtes Gebiet betreten. :-P Wir haben uns ausgeruht und sind dann losgegangen, um etwas Essbares zu suchen. Wir haben uns nach langen Hin und Her entschieden und von daher waren es schon eine fast spanische Zeit, als wir gegessen haben. In der Sidrería waren wir eine Attraktion. Die Kellner kamen nämlich recht schnell darauf, dass wir Ausländerinnen waren. Wahrscheinlich, weil wir so ausführlich die Karte gelesen und diskutiert haben, was sich hinter den Namen verstecken könnte. Verdammte Sprachbarriere! Aber wie gesagt, die Kellner hatten ihre Spaß, wir haben ständig mitgekriegt, wie sie sich über uns unterhalten haben, sie wollten einen ihrer Kollegen dazu bringen, mit uns Englisch zu reden, aber wir haben eisern Spanisch gesprochen, und ständig kamen sie an unserem Tisch vorbei.
Wir hatten keine Lust auf kulinarische Experimente und haben Croquetas de Jamón, Calameres fritos und Patatas tres salsas (Kroketten mit Schinken, frittierte Tintenfischringe und so ein Zwischending zwischen Bratkartoffeln und Pommes mit drei Soßen) bestellt. Sachen, die wir kannten. Christina und Lisa hatten dazu Sidra (alkoholisches Getränk, das aus Äpfeln gemacht wird - typisch für Asturien), ich Wasser, aber ich habe auch ein bisschen was vom Sidra getrunken. Weil das aus einer ziemlichen Höhe eingeschüttet werden soll, bekamen wir eine Maschine, in die die Sidra-Flasche gesteckt wird, dann stellt man sein Glas drunter, drückt auf einen Knopf und das Glas wird gefüllt. Sehr lustig. Das Essen war sehr reichlich (ich hatte erst gedacht, dass wir eventuell was nachbestellen müssen werden würden), aber lecker.
Wir sind noch mal im Dunkeln an den Strand gegangen. Inzwischen war wieder Ebbe und wir könnten über den Sand gehen. Irgendwann kam Christina auf die Idee, wir könnten ein paar Sprungbilder machen. Wir haben es auch gemacht, es war lustig aber nicht die beste Beschäftigung nach dem Essen. Aber die Erinnerung, wie wir auf den Selbstauslöser warteten und dann doch nicht rechtzeitig hochgesprungen sind, wird lange bleiben.
Sonntag sind wir erst noch etwas in Gijón rum gelaufen. Nach dem Frühstück waren wir auf der Plaza Mayor, die wirklich sehr klein ist. Allerdings war da ein Markt, wo Lisa und ich uns eine ganz tolle Waffel und Christina sich einen riesigen Donut gekauft haben. Unser Frühstück war nämlich etwas mickrig gewesen, auch wenn die Cafeteria sehr süß eingerichtet war (so mit alten Werbekarten und farblich auch ganz schön). Danach waren wir noch in den Touristenläden.
Gegen Mittag sind wir nach Oviedo gefahren. Die Fahrt mit dem Bus dauerte eine halbe Stunde. Auf halber Strecke liegt ein IKEA, aber Lisa und ich warten einfach auf Weihnachten. ;-) In Oviedo fiel uns am Busbahnhof erstmal ein Blumenautomat auf. Sowas habe ich noch nie gesehen! Allerdings sind die Blumen nicht sehr schön. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie besonders frisch waren.
Neben dem Blumenautomat hat uns der Regen in Oviedo erwartet. Fast den ganzen Nachmittag kam es mehr oder weniger nass von oben. Wir sind anhand des Stadtplans, den wir in der Touri-Information von Gijón gekriegt haben, durch die Stadt geirrt, fanden, dass der Plan völliger Müll war und nicht die Realität abgebildet hat, haben ein paar Statuen nachgestellt (unsere Lieblingsbeschäftigung dieses Wochenende) und habe einen strammen Max in einer Sidrería gegessen. Irgendwie fand ich es lustig, im Regen rum zu laufen, "Sommer ist, was in deinem Kopf passiert" natürlich auch im Oktober, aber auf die Dauer schlug mir das auch auf die Laune, wir sind zurück nach Gijón gefahren und haben die Zeit bis zur Abfahrt des Busses nach Valla in den (Chino-)Läden um den Busbahnhof in Gijón verbracht. Ich habe in einem Buchladen "El Palacio de la Medianoche" gekauft. Es ist zwar die gebundene Ausgabe und passt dann nicht zu dem ersten Band, weil das ein Taschenbuch ist, aber gut, das werde ich überleben. Ich brauchte aber neues Lesefutter. Es war mir klar, dass das Buch, das ich dabei hatte "Der verborgene Garten" (eine total spannende Familiengeschichte von Kate Morton - absolut empfehlenswert), bald ausgelesen sein würde.
Ich habe Lisa und Christina verabschiedet, habe eine Stunde auf meinen Bus gewartet und bin dann auch zurück gefahren. Die Rückfahrt war ätzend. Ich glaube auch, dass sie länger war. :-D Mein Rücken tat mir irgendwann weh und ich war froh, als ich wieder in Burgos war. Aber es war ein ganz tolles Wochenende!
Das letzte Foto ist eins von Christinas Selbstporträts ;-)
Hihi, ich fand die 2 Tage auch ganz toll! :)
AntwortenLöschenklingt nach einem wunderbaren ausflug und das letzte foto sieht auch ein bisschen nach sommer aus!
AntwortenLöschenaber was ist ein stadtplan zum anfassen? Und was ist deine lieblingsstadt? Beckum?:D
Ein Stadtplan zum Anfassen ist ein ganz normaler Stadtplan, aber wir hatten ja vorher nur das digitale Bild auf meienr Kamera. Deswegen ein Stadtplan zum Anfassen.
AntwortenLöschenUnd ich fürchte, Beckum schafft es nicht zu meiner Lieblingsstadt. ;-) Dann doch eher Dublin oder London (obwohl Bergen auch schön war...).