Dienstag, 31. August 2010

Erste Eindrücke...

Das Allererste, was ich gestern dachte, als der Flugzeug sich der Landebahn in Valladolid näherte, war: "Gelb" Jeden Menge gelber Rechtecke auf dem Boden. Ich denke, ein Teil davon war Getreide, aber auch Gras, das nicht mehr so ganz frisch ist. Ja, ich weiß, das sollte mich nicht überraschen, ich war schon mal da, aber aus der Luft ist ein Unterschied Spanien-Deutschland noch mal auf den ersten Blick zu erkennen.
Wir sind an einem schnuckeligen Flughafen angekommen. Weeze war ja schon klein, aber Valladolid ist noch kleiner. Es gab ganze zwei Gepäckbänder. Aber dafür ein riesiges Plakat: "Castilla y León - en una escapada verás mundo" Wer es noch nicht weiß: Castilla y León hat sowohl die norwegischen Fjorde als auch die chinesische Mauer und den Himalaja. Gut zu wissen. In Burgos soll Ägypten zu finden sein. Ich hätte auf dem Bild ein Baugerüst vor einem Sonnenuntergang gesehen, wenn das Ägypten sein soll...
Vom Flughafen hat uns ein Taxi zum Busbahnhof in Valla gebracht. Der Taxifahrer und Papa haben sich ausführlich über das Wetter unterhalten (Burgos sei mindestens vier Grad kälter als Valla - so langsam weiß es ich...) und über die Unterschiede Katalonien und Kastilien (Castilla ist viel sauberer und die Menschen sind fleißiger). Am Busbahnhof hatten wir etwas mehr als eine Stunde Zeit. Lisa und Charlotte sind gekommen, um uns zu treffen und zu winken. Also ist die Wartezeit sehr schnell rum gegangen.
Der Bus machte auch Halt in Palencia, wo ich vor vier Jahren einen Sprachkurs in "Club de los amigos de Alemania" (der Name klingt viel wichtiger als der Club überhaupt ist; ich weiß gar nicht, was die in den restlichen 51 Wochen des Jahres, in denen keine Schüler von unserer Schule da sind machen - unser "Mexikokreis" ist da doch deutlich bescheidener was die Namensfindung betrifft ;-)) gemacht habe. Papa wusste, obwohl er sogar schon vor sicher sechs Jahren da war, noch genau, wo der Club ist. Wir sind auch dran vorbei gefahren. Ich habe nur den Lupa-Supermarkt wieder erkannt, wo wir uns in den Pausen immer für den restlichen Tag eingedeckt haben.
Ich habe im Bus etwas geschlafen (und das trotz der unbequemen Sitze), bin aber rechtzeitig wieder aufgewacht, um zu sehen, wie wir in Burgos rein gefahren sind. Die Stadt ist ganz schön. Nettes altes Stadttor, Fluss, Kathedrale... Das Hotel ist in Ordnung. Papa hat die Zimmer ganz passend als "Mönchszellen" beschrieben. Ich bin immer noch begeistert, dass die hier WLan im Zimmer haben. Als ich hier rein kam, hätte ich noch gewettet, dass die das Wort "Internet" hier nicht mal kennen. Na ja, hier muss ich ja nicht das nächste halbe Jahr verbringen. Dann würde mich auch der Kerl an der Rezeption wahnsinnig machen, der aussieht wie Mr Bean, teilweise auch ein bisschen was von dessen Tollpatschigkeit hat bzw. so wirkt, und so überfreundlich ist, dass es schon fast nervt.
Heute Vormittag waren Papa und ich bei der Uni. Von der Innenstadt aus muss man fast ne dreiviertel Stunde laufen. Ich brauche ein Fahrrad. Der erste Eindruck der Uni war: "Wow!" Ein wunderschönes altes Gebäude und Park daneben. Papa meinte, es wäre eine ehemalige Herberge für Pilger. Dann haben die aber fein gehaust. Na ja, das alte Gebäude ist natürlich das der juristischen Fakultät. Es gibt einige modernere, von denen die meisten besser aussehen als Essen (was ja auch total schwierig ist). Die Humanidades habe ich noch nicht gefunden. Ich wette, das ist ein Betonblock. Ist doch immer so. ;-)
Mit viel fragen habe ich die Relaciones Internacionales gefunden. Ein Großraumbüro über der Bibliothek. Der Typ hinterm Schreibtisch wirkte völlig verwirrt, warum ich auftauchte und versuchte mir - erst auf Spanisch, dann auf Englisch, als ich nicht sofort schaltete, wobei ich sagen muss, dass ich sein Englisch kaum verstehen konnte - zu erklären, dass es diese Infoveranstaltung gestern gab. Anscheinend wird da auch viel Formales geklärt. Zumindest das, was den akademischen Kram angeht. Mein Certificate for Erasmus Grant hat er mir aber unterschrieben und als ich ihm gesagt habe, dass ich Montag zu der Info-Veranstaltung gehe, war für ihn alles geklärt. Einen spanischen Studentenausweis wie die in Valla kriegt man hier in Burgos anscheinend nicht. Und es wäre anscheinend auch klüger gewesen, als erstes zur Info-Veranstaltung zu gehen. Wenn sie auf ihrer Homepage von Anfang an beide Termine korrekt angegeben hätten, wäre das auch weniger das Problem gewesen. Bei der Gelegenheit hätten sie auch gleich dazu schreiben können, dass der Sprachkurs 1. für Erasmus-Studenten ein anderer ist als unter Sprachkursen aufgelistet und 2. am gleichen Tag anfängt wie die erste Info-Veranstaltung. Spanier eben...
An der Uni habe ich auch ein paar Telefon-Nummern mitgenommen, um Leute wegen Zimmern anrufen zu können. Eine riesen Überwindung am Telefon Spanisch zu reden. Irgendwie hat es aber geklappt. Ich habe mir heute schon ein Zimmer angeguckt. 10 Minuten zur Bushaltestelle und von da 10 Minuten zur Uni. Und ein Gasherd (in der Küche - nicht im Zimmer). Aber sonst schien sie ganz gut. Ich überlege noch und schlafe mal eine Nacht drüber. Eigentlich will ich nicht das erste Zimmer nehmen, dass ich mir angucke. Andrerseits habe ich am Telefon bisher eine Absage gekriegt und bei einem anderen herausgefunden, dass das Angebotene kein Zimmer sondern eine ganze Wohnung ist. Ich habe noch zwei Leuten eine Mail geschrieben, die ihre Angebote auf einer Internetseite hatten, aber ich habe bisher keine Antwort bekommen. Anrufen ist wohl immer besser, auch wenn man dann reden muss.
Wenn ich das so schreibe, scheine ich doch schon einiges geschafft zu haben in den ca. 29 Stunden, die ich hier bin. Aber es ist momentan trotzdem noch etwas komisch. Ich bin froh, das Papa dabei ist, er ist auch heute mit zu der Wohnung gegangen, auch wenn er unten gewartet hat, aber dadurch, dass er dabei ist, wirkt das ganze noch ein bisschen wie Urlaub, weil wir auch urlaubsmäßig heute in der Kathedrale waren usw. Ich hatte eigentlich gedacht, dass es sich mehr nach Erasmus anfühlen würde, wenn ich zur Uni gehe, aber das war heute auch eher merkwürdig da (ich habe auch kaum Studenten gesehen, entweder haben die noch geschlafen oder sie sind im Urlaub). Richtig Ferien sind das hier aber auch nicht, wenn ich zwischendurch immer wieder nach Wohnungen gucke und im Hinterkopf habe, dass ich ein halbes Jahr hier bleiben werde. Das ist im Moment auch noch ein komischer Gedanke. Ich kann mir das noch nicht so richtig vorstellen. Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, an einem Freitag zu fliegen. Dann wäre es nicht so lange bis zu der Info-Veranstaltung am Montag gewesen.
Dazu kommt noch, dass ich mir eine Erkältung eingefangen habe. Ich hoffe, dass die hier in Spanien weg geht. So ein bisschen warm ist es hier dann doch. Morgens ist es zwar noch kalt (12°), so gegen Mittag schafft das Thermometer je nach Standort um die22°, als wir gestern um 18 Uhr hier ankamen, waren es 28°, aber es wird abends auch immer schnell kühl (als wir um 22 Uhr zurück zum Hotel gegangen sind, waren es angeblich 20°, mir war aber kälter). Durch die Erkältung bin ich (denke ich) etwas schlechte drauf und jammere innerlich mehr rum, als ich es ohne machen würde.

1 Kommentar:

  1. Hallo liebe Rut,
    du hast ja fast die gleichen Probleme und Gefühle wie ich. Denn: Ich wohne auch in einer Wohnung mit Gasherd! Muss meine Mitbewohner noch mal fragen, wie der funktioniert. Und es war auch erst die zweite Wohnung, die ich angesehen habe. Zur Uni: Ich habe gestern meinem Mitbewohner José Fotos von unserer Uni gezeigt. Er: "Boah, ist ja wie der Central Parc in der Mitte! Und sooo eine große Uni!!" Ja, ja, das finde ich schon sehr lustig :-) Also, so schlimm ist unsere Uni auch nicht. Zumal man da jedenfalls immer reinkommt. Ich habe ja auch noch keinen Studi-Ausweis und komme z.B. sonntags nicht aufs Uni-Gelände und auch nicht ins Internet. Aber das wird hoffentlich alles noch besser. Und dass wir noch ein halbes Jahr in Spanien sind kommt mir auch ganz komisch vor. Besser nicht dran denken... LG Lisa

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