Es fing letzten Samstag mit meinen Schulfreundinnen (das klingt so komisch, wenn man jetzt schon seine Schulfreunde von den Unifreunden abgrenzen muss, ich werde alt! :-D) an. Das war ein sehr schöner Abend, wir konnten im Garten sitzen und es war so als hätten wir uns nicht das letzte Mal vor einem halben (oder war es sogar ein ganzes Jahr)gesehen. Wir hatten viel Spaß und die üblichen Verdächtigen kamen später (sorry, das musste sein ;-)). Der Abend ist total schnell rumgegangen und ich hatte nicht das Gefühl, dass es ein Abschiedstreffen war. Es hätte auch ein ganz normales Wiedersehen sein könnten. Erst als wir ein Gruppenfoto gemacht hatten und Kathi meinte: "Jetzt sehen wir uns ja ein halbes Jahr nicht.", wurde mir wieder klar, dass das jetzt wirklich ein großer Abschied ist. Viel öfter als halbjährlich sehen wir uns ja auch nicht unbedingt, wenn wir alle über Deutschland verteilt sind. Aber wir könnten.
Meine Freundinnen haben mich auch gut für das Abenteuer Erasmus vorbereitet: Socken (gegen die Kälte in Burgos) und Ausdauerlutscher sowie ein riesiges Überlebenspakt. In diesem Überlebenspaket ist alles von einer Wärmflasche über einen Spanienführer, Dino-Tütensuppe, Spongebob-Anti-Langeweile-Block (für Kinder von 5-6 also gerade so hoch über meinem Niveau, um mich noch zu fordern ;-)) und Erkältungstee bis hin zu Kondomen. Kurz gesagt: Alles, was das Herz begehrt. Außerdem ist noch ein toller kleiner Plüschlöwe dabei, der brüllt, wenn man ihm auf den Bauch drückt. "Leo" muss natürlich mit nach Castilla y León, wenn ich schon nicht das ganze Überlebenspaket mitnehmen kann (Mama meint, ich sollte ihnen doch die Toffifee da lassen :-D). Neben Leo kommen auf jeden Fall die Wärmflasche und die Pflaster mit (das sind so ganz tolle bunte ;-)).
Das wunderbare Überlebenspaket.
Am Sonntag war Oma da. Papa hat gegrillt (und den Salat der letzten Tage serviert, aber er hat auch neuen gemacht) und ich habe Oma das Überlebenspaket gezeigt - nachdem ich den Nicht-Oma-geeigneten Gegenstand entfernt hatte... Sie war total traurig und meinte, sie hätte mir doch auch etwas besorgen wollen, aber könnte nicht. Ich habe ihr gesagt, dass sie das doch auch nicht braucht. Wenn Omas weinen, ist das immer weniger schön. :-(
Montagabend war dann Treffen mit den Lisas, Denise und Charlotte im Extrablatt angesagt. Wir haben Cocktails getrunken, ein bisschen gegessen und ich finde auch das war ein schöner Abend. Ich hatte für die anderen drei Collagen gebastelt (und Charlotte hat ein paar Fotos bekommen, die sie an ihrer anbauen kann), die, glaube ich, gut angekommen sind (O-Ton Lisa: "Wenn der Koffer verloren geht, in dem die drin ist, dann verklage ich Ryanair!"). Lisa hatte für uns alle Briefe geschrieben. Der war total schön. Mit einen Spanien-Taschentuch! Lisa und ich haben an dem Abend bei Lisa übernachtet. Hat auch Spaß gemacht. Insgesamt hat der Abend auch mehr Spaß als Abschiedschmerz bereitet. Allerdings war das ja auch noch nicht das letzte Treffen von dem Abflug mit den meisten.
Dienstagnachmittag habe ich mich mit meiner ehemaligen Mitbewohnerin getroffen und über alles mögliche gesprochen. Von ihren Erasmuserfahrungen bis zur Stromfrage (die immer noch nicht ganz abgeschlossen war - Ja, Notizbücher wären manchmal nicht allzu schlecht). Abends sind Johanna und ich noch zum Baldeneysee gefahren. Sie wusste noch gar nicht, dass es im Ruhrgebiet auch noch Natur gibt. Und dann noch so schöne. Wir sind am See spazieren gegangen, haben lustige Enten gesehen und eine Umweltaktivisten-Aktion (gruselige schwarze Puppen mit Pestmasken, also ich nehme an, das sollten Vögel sein, in einem schwarzen Boot auf dem "Wir haben das Öl" steht).
Mittwochmorgen wollte ich eigentlich um 9 Uhr meinen Wohnheimschlüssel abgeben. Es wurde 13 Uhr bis ich mich von meinem Zimmer vollkommen verabschiedet hatte. In der Zwischenzeit war ich bei Denise. Als ich zurück gefahren bin, hat sie die gleich Bahn genommen. Wir haben so viel geredet, dass ich an meiner Station nur noch "Bis März!" sagen konnte, damit ich noch raus kam. Zeit für einen großen Abschied war also nicht. Vielleicht war das auch besser so. Mittwochnachmittag war ich bei Lisa, die noch ein paar Freunde da hatte. Das war auch ganz lustig und es gab leckeren Pflaumenkuchen. ;-)
Donnerstag war ich bei meinen Eltern und das einzige, was ich an diesem Tag verabschiedet habe, war der Glaube, dass in allen Menschen etwas Gutes stecken muss: Papa und ich wollten zur Bank. Er hatte vorher extra angerufen und es war ihm gesagt worden, sie wären da. Waren sie aber nicht. Die wollen doch nur, dass ich keine Möglichkeit habe, meine Kontoauszüge holen zu lassen, damit sie mir die zuschicken und Porto-Geld kassieren können! Also Banker sind definitiv nicht gut! Oder sie sind keine Menschen - auch ein interessanter Gedanke...
Freitag war ich noch mal in der Uni und habe mich mit Martha, Lisa und ihrer Schwester getroffen. Martha hat erzählt, sie sie schon Kontakt mit ihrer Voluntaria hat. Also scheint das bei ihr an der Uni problemlos zu klappen. Da frage ich mich, wieso Burgos (und Valladolid) das nicht gebacken kriegen. Mit Lisa und ihrer Schwester war ich dann noch bei IKEA, shoppen und danach in Lisas Wohnung, um Lisas Koffer zu packen. Da konnte ich mir gleich merken, was ich beim Koffer packen beachten muss, was geht und was nicht geht. Gelernt habe ich aber eigentlich, dass immer mehr geht, als man denkt (na ja, heute nach der ersten Koffer-pack-Runde war der eine Koffer 4 kg zu schwer, also kriege ich doch ein Paket). Den finalen Abschied haben wir immer weiter nach hinten verschoben, bis es wirklich nicht mehr ging. Lisa hat mich noch zum Zug gebracht und ich bin nach Hause gefahren.
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