Freitag, 7. Januar 2011

Weintrauben und Churros

Wie bereits im letzten Beitrag angedeutet, flog ich am 31.12. Valladolid (bzw. nach Madrid und mit dem Bus bis Valla), um dort mit Lisa Silvester zu feiern. Rückblickend habe ich das sehr schlau gemacht: Am Heiligabend nach Murcia, so dass Liko und Martha das ganze Einkaufen vorher machen musste und so lange da bleiben, dass Lisa in Valla auch die Vorbereitungen ohne mich treffen musste. Das war aber nicht so geplant!

Ich bin rechtzeitig in Murcia aufgebrochen und hatte diesmal keine Probleme den Flieger zu kriegen. Und weil ich vom Hinflug gelernt hatte, zog ich bei der Sicherheitskontrolle auch meine Schuhe aus. Ich habe drei der Plastikwannen gebraucht - für meine Jacken, meinen Laptop, meine Schuhe und habe dann noch den Rucksack hinterher geschoben, aber ich bin ohne Piepen durch den Metalldetektor gelaufen und kriegte von der Sicherheitsbeamtin, die mich anscheinend beobachtet hatte, ein "Sehr gut, Mädchen" zu hören. Da musste ich doch irgendwie grinsen. Aber ich hätte gerne ein goldenes Klebesternchen für mein Hausaufgabenheft gehabt...
In Madrid angekommen, fand ich recht schnell den Bus zu T4 (ich war ja wieder bei T1 angekommen und der Bus nach Valla fuhr von T4 - das alte Spielchen) und traf da zu meiner Überraschung Elien. Sie ist eine Belgierin, die in Valla Erasmus macht und ich habe sie kennen gelernt, als sie mit den anderen vallisoletanischen Erasmus-Studenten in Burgos war. Sie kam gerade aus Belgien zurück und wollte auch mit Lisa und Emilia Silvester feiern. Was für ein Zufall!
Zusammen nach Valladolid fahren, konnten wir allerdings trotzdem nicht. Wir hatten verschiedene Busse gebucht. Das heißt, das erste Stück fuhren wir zusammen, weil es irgendwie nur einen einzigen Bus vom Flughafen gab. Im Madrid Sur wurden wir dann auf unsere eigentlichen Busse verteilt. Elien kam dann etwa zwei Minuten später als ich in Valla an.

Lisa holte mich am Busbahnhof ab und wir gingen zu ihr nach Hause. Wir sind aber nicht lange geblieben, weil wir uns um halb zehn bei Emilia treffen wollten. Dort warteten Emilia und Ivo, ein Portugiese, schon auf uns. Es gab Spaghetti mit Tomatensoße und Salat (und Thunfisch, aber Gott sei Dank nur für den der wollte). Ivo hatte portugiesischen Wein mitgebracht, der schon etwas rein haute, so dass ich mir nach einem Glas erst mal Wasser geholt habe, weil ich Durst hatte.
Irgendwie haben wir die Zeit bis zwölf rumgekriegt. Auch ohne "Dinner for one", denn leider empfängt Emilias Laptop kein Internet. Zu zwölf Uhr gingen wir zur Plaza Mayor, aber da war nichts los. Wir überlegten, zu einem anderen Platz zu gehen, aber da war nicht einmal die Weihnachtsbeleuchtung an. Also gingen wir zurück zur Plaza Mayor, die sich nach und nach mit etwas mehr Menschen füllte.
In Spanien ist es Brauch, an Silvester bei jedem Glockenschlag um Mitternacht eine Weintraube zu essen. Das bringt Glück für's neue Jahr. Im Fernsehen wird die große Uhr von der Plaza de Sol in Madrid übertragen und zu deren Schlägen futtert ganz Spanien Weintrauben (ob das König das auch macht?).
In Valladolid auf der Plaza Mayor gab es keine Live-Übertragung vom Sol (vielleicht waren deshalb da nur so wenig Leute), aber die Rathaus-Uhr imitierte die Uhr aus Madrid. Verwirrend war nur, dass man die ersten vier Schläge (die die volle Stunde ankündigen) abwarten musste, bis man mit den Weintrauben anfangen durfte. Ich weiß gar nicht, ob ich richtig angefangen habe (ich hatte die Augen fest auf die spanische Familie vor mir geheftet), oder ob ich zwischendurch langsamer wurde, jedenfalls hatte ich beim letzten Gong noch eine Traube.
Abgesehen von dem Anfangen war es aber gar nicht so schwer die Weintrauben zu essen. Jedenfalls für Lisa, Emilia und mich nicht. Lisa hatte so Weintrauben in Dosen gekauft. Die waren enthäutet und hatten keine Kerne. Elien hatte von ihre spanischen Gastmutter frische Weintrauben gekriegt und konnte die kaum runterschlucken. Nach dem zwölften Schlag hat sie die Hälfte wieder ausgespuckt.
Nach dem Weintrauben-Essen hätte dann das große Feuerwerk kommen können. Schließlich machen die Spanier doch öfter Feuerwerk und obwohl es in den Supermärkten und den Chino-Läden keine Knaller zu kaufen gab, waren wir davon ausgegangen, dass es ein Feuerwerk geben würde, dass mit dem im Deutschland vergleichbar wäre. Falsch gedacht. Nach allerhöchstens fünf Minuten war der ganze Spaß vorbei. Da wird zuhause auf unserer Straße aber mehr geknallt und dabei hat unsere Stadt nur einen Bruchteil der Einwohner, die Valla hat, und unsere Straße ist sicherlich nicht die wichtigste. ;-) Allerdings war es in Valladolid auf der Plaza Mayor auch leicht gefährlicher. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass die Feuerwerkskörper hier weniger sicher sind oder ob die Spanier einfach nicht damit umgehen können, aber es gab einige tief fliegende Raketen und Funken.
Immerhin hatten wir drei kleine Flasche Sekt dabei, die wir getrunken haben, obwohl man in Spanien ja eigentlich nicht auf öffentlichen Plätzen trinken darf (Stichwort Botellón und hohe Geldstrafen). Aber diesmal schien es keinen zu stören. Wir gingen später zurück zu Emilias Wohnung und warteten auf Lisas Mentor Santi und seine Freunde, die vorbei kommen wollten.
Sie kamen so gegen zwei und was hatten die sich chic gemacht! Holla die Waldfee! Mit Anzügen und Kravatte. Wir hatten uns vorher über ein paar Anzug tragende Spanier, die wir getroffen hatten, lustig gemacht, weil sie mehr oder weniger im Gleichschritt in ihren schwarzen Anzügen durch den Nebel und den Rauch einiger Feuerwerkskörper (Böller die Krach und Qualm machen, waren eindeutig beliebter, davon wurden einige gezündet, aber nicht so viel wie in Deutschland) über die Plaza de la Universidad liefen und wie die Mafia aussahen. Die Jungs (und das eine Mädchen, das sie dabei hatten die Ex oder die Freundin von einem - so ganz genau wusste man das nicht) brachten verschiedene alkoholische Getränke und Knabberzeugs mit und wir feierten in der Wohnung weiter.
Irgendwann (als wir nicht mehr zwischen portugiesische Musik und Maroon 5 wählen wollten) schloss Guille, einer der Spanier, sein iPhone an den Laptop an, so dass wir Internet hatten. Zwischen drei und vier hatte ich so langsam meinen müden Punkt überwunden (während Lisa und Emilia eher müder wurden) und begann mit Elien, die auch wieder wacher schien (um halb eins ist sie fast auf Emilias Sofa eingeschlafen), Karaoke Party im Internet zu spielen.
Das klingt jetzt vielleicht merkwürdig: Rut und Karaoke. Aber ja. Es war sogar ganz lustig. Der negative Nebeneffekt war nur, dass ich noch Tage danach einen Ohrwurm von "Bad romance" (Lady Gaga) hatte. Da uns sowieso kaum einer zuhörte war das auch nicht so peinlich. Lisa schlummerte auf dem Sofa neben mir, Emilia verkündete irgendwann, sie würde ins Bett gehen und die Spanier redeten und tranken. ;-) Nur bei "Killing me softly" horchten sie auf und sagen laut mit. Allerdings mit einem etwas anderem Text. "Killing my software with Windows" ... :-D
Wir haben ziemlich lange gesungen. Aber dann Alberto den Wunsch, etwas von einem spanischen Schnulzsänger zu hören und Guille meinte, so einen Scheiß würde sein Internet nicht spielen und packte sein iPhone ein.
Es wurde langsam wieder Morgen. Wir Erasmus-Studenten hatten uns gesagt, wir wollten auf jeden Fall die spanische Tradition erleben und am Neujahrsmorgen ganz früh Churros essen gehen. Um sechs brachen wir auf und ließen Emilia im Bett und Ivo mit dem Chaos zurück, weil sie schlief und er ihren Schlüssel nicht fand. Allerdings erklärten die Spanier uns irgendwann, es wäre noch zu früh für Churros und sie wollten noch in eine Bar. Also kamen wir mit, auch wenn wir eigentlich nur Churros und dann ein Bett wollten. Aber was wäre auch eine Partynacht ohne danach nach Rauch zu riechen? Allerdings war Silvester auch die letzte Nacht, in der man in spanischen Bars rauchen durfte. Am Tag danach war es verboten. Mal sehen, ob sie sich dran halten. Nach einer Dreiviertelstunde Räucherheringe in der Dose spielen gingen, ein Spiel, bei dem 3/4 unserer spanischen männlichen Begleiter ihre Hosen herunter ließen - und eine Zeit lang so stehen blieben (keine Ahnung, was sie da gemacht haben, vielleicht verglichen, wer die größte Beule in der Boxershorts hat...), gingen wir endlich Churros essen (unser Vorhaben wurde stark von der Spanierin, die wir dabei hatten, unterstützt). Das erste, was Elien sah, als wir bei der Churrería ankamen, war ein Schild, auf dem stand, dass die Churrería am 1.1. schon morgens um fünf aufmachte...
Wir bekamen aber unsere Churros con chocolate und das, obwohl es brechend voll in dem Laden war und gingen dann nach Hause und schnurstracks ins Bett. Um zwanzig vor neun machten Lisa und ich dann das Licht aus.



Am ersten Januar wurden Lisa und ich das erste Mal so gegen halb eins wach. Wir einigten uns darauf, noch eine halbe oder ganze Stunde weiter zu schlafen und wachten das nächste Mal um halb fünf auf. Dumm gelaufen. Wir haben "Dinner for One" zum "Frühstück" gesehen und bevor wir zu "Mittag" essen konnten, wurde es schon wieder dunkel. Eigentlich hatten wir überlegt, den vierten Harry Potter im Fernsehen zu sehen, aber haben dann doch stattdessen "Black stories" gespielt (damit unser Hirn wenigstens ein bisschen arbeitete an dem Tag).

Am Tag danach hatten wir eigentlich den guten Vorsatz etwas für die Uni zu tun, aber irgendwie sind wir dann doch nicht dazu gekommen. Nachmittags trafen wir (Emilia, Lias, ich) uns mit unserer Spanischdozentin aus Deutschland. Ich glaube, sie war ein bisschen enttäuscht von uns, dass wir nicht besser Spanisch sprechen, aber allzu schlimm kann es nicht gewesen sein. Immerhin hat sie es zwei Stunden oder so mit uns ausgehalten. Am Ende meinte sie zu uns, wir würden wohl gerne über andere Leute reden. Dazu kann ich nur sagen, dass sie aber anscheinend gerne zuhört, wenn wir über diese Leute reden...
Nach dem Treffen haben wir drei eingekauft und uns lecker Wraps gemacht (ein guter alternativer Verwendungszweck für Nudelsoße aus dem Glas). Glücklicher Weise hatte der Carrefour auf (es war ja Sonntag). Nudeln hätten sicher auch gut mit der Soße geschmeckt, aber die hatten wir die zwei Tage davor ja schon. Abends kam der fünfte Harry Potter im Fernsehen. Diesmal haben wir ihn gesehen. Allerdings auf Englisch. Dafür aber mit spanischen Untertiteln (die hatte Lisa Mitbewohnerin anscheinend am Abend vorher eingestellt und wir kriegten sie nicht aus). Sehr merkwürdig. Aber teilweise war es auch ganz lustig. Vor allem, wenn man beachtete, was nicht übersetzt wurde.

2 Kommentare:

  1. Da war ja wirklich viel los bei euch! Rut, ich möchte dich auch mal Karaoke-singend erleben! ;-)

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  2. Hast du doch schon: Singstar bei Charlotte

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