Mittwoch, 1. Dezember 2010

Über das Heimweh...

Am Anfang war nichts. Es gab so viel Neues zu sehen und so viel zu tun. Wenn dann doch mal ein wenig Verzweifelung hochkam, z.B. angesichts des scheinbaren unmöglichen Stundenplans, wurde das mit der Bob-der-Baumeister-Philosophie ("Jo, wir schaffe dass!") beiseite gewischt. Auf die Feststellung von "Mängeln" in der Wohnung (nein, einen Pfannenwender oder einen Schneebesen gibt es hier nicht - von einem Mixer ganz zu schweigen - aber Lara hat eine elektrische Saftpresse) folgte die Zurechtweisung "Stell dich nicht so an - ist ja nicht für immer!" und der Wunsch, die eine oder andere Person doch mal wieder zu sehen wurde einfach auf Februar verschoben.
Ich nehme an, meine Wohnsituation der letzten zwei Jahre und die Tatsache, dass Papa die erste Woche mit mir in Burgos war, haben mit dazu beigetragen, dass es meine Freundinnen waren, die ich zuerst vermisst habe. Dazu kamen Gelegenheiten, bei denen ich mir dachte, ob ich die Eskalation der Situation auch in Deutschland zu gelassen hätte und ob es überhaupt so weit gekommen wäre, wenn ich nicht nach Spanien gegangen wäre. Die Zeit bleibt nun mal nicht stehen und was sich alles geändert hat, wie man sich selber vielleicht verändert hat, sieht man erst, wenn man wieder zurück kehrt.
Und dann kommt nach drei Monaten das Heimweh plötzlich angeschlichen und überfällt einen heimtückisch im Dunkeln von hinten. Da wünscht man sich auf einmal nichts sehnlicher die Familie. Und es betrifft uns alle. Vielleicht liegt es an der Weihnachtszeit. Denn auf einmal denkt man wehmütig an Deutschland und überlegt in einem heftigen Anfall von Heimweh, Weihnachten als Überraschungsgast auf der Matte zu stehen oder an einem Adventswochenende nach Hause zu fliegen. Da kann man sich dann auch nicht so richtig für die Freundin freuen, die genau das hat, was sich alle wünschen: Besuch von zuhause.
Ich, die ich ja eigentlich mit dem Bring- und Abholservice ein Privileg habe, das den anderen verwehrt bleibt, kam plötzlich auf den Gedanken, dass ich doch gerne Besuch von meinen Eltern und meiner Schwester hätte. Noch vor eineinhalb Monaten habe ich zugestimmt, dass es das Beste ist, wenn sie nicht kommen, und auf einmal fand ich mich nachts um eins im Schlafanzug vorm Laptop sitzend und Flüge raussuchend wieder. Das sogar mit Erfolg: Ich bekomme im Januar Besuch von meiner Familie und freue mich total.

2 Kommentare:

  1. Du sprichst mir aus dem Herzen... genau so denke ich auch! Aber wir sehn uns ja bald schon!!! Und dann ists auch nicht mehr lang, bis deine Eltern dich besuchen ;) Kopf hoch! Wir schaffen das :)

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  2. Ja, das mit dem Heimweh kommt schneller, als man denkt. Ich wende die "Ich mache ganz viele Auflüge"- Methode an. Oder ich treffe mich mit Spaniern oder mit Deutschen, die das verstehen. Oder ich chatte mit dir :-) Das tut auch gut!

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