Ich habe wieder fleißig gesammelt und präsentiere euch jetzt den zweiten Teil der Kuriositäten, die ich hier miterleben durfte.
Zunächst einmal eine "Busbekanntschaft" (auch wenn ich mit ihr noch nie gesprochen habe): Jedes Mal, wenn ich mich auf den Weg zum Masterkurs mache, sehe ich im Bus eine Frau, die ich so auf etwa 60 schätze, auch wenn sie etwas "verbraucht" aussieht. Erst habe ich sie nicht so wirklich wahrgenommen. Dann fiel mein Blick etwas länger auf sie und mir schoss der Gedanke durch den Kopf: "Ist das Berta???" (Berta, die Haushälterin von Charlie Harper aus "Two and a Half Men"). Sie ist zwar nicht ganz so breit wie Berta und hat mehr Falten, aber sie hat den gleichen Gesichtsausdruck, die gleiche Frisur... Ich muss mir jetzt immer ein Grinsen verkneifen, wenn ich sie sehe.
Wenn ich nicht mit dem Bus fahre, sondern zu Fuß gehe, treffe ich nicht so viele Leute. Vor allem seit der Paseo de la Isla gerade umgebuddelt wird und ich immer unten am Fluss entlang gehe, treffe ich wenige Menschen. Am Teatro Principal tauche ich dann wieder aus der Versenkung auf. Am Geländer neben der Treppe steht eine Bronze(?)-Statue eines Mädchens, das sich auf das Geländer stützt, den Fluss ansieht und den Po etwas in Richtung Espolón streckt (ich hatte an Anfang meiner Zeit hier glaube ich mal ein Foto davon gepostet). Als ich vor einer Woche oder so von der Uni kam und gerade die Treppe hochsteigen wollte, kam ein Mann an der Statue vorbei und gab ihr im Vorbei gehen einen Klaps auf den Hintern. Ich war völlig perplex. Seine Frau war auch dabei und eine Bekannte kam ihm entgegen und kommentierte das gleich. Ihm schien das aber nicht im Geringsten peinlich. Ob er das öfter macht?
Zum Abschluss noch zwei kleine Geschichten zum Thema kulturelle Unterschiede. Das eine wäre Political Correctness. Ich glaube, die Spanier haben es nicht so damit. Vor einiger Zeit erkundigte sich ein Prof nach einer französischen, dunkelhäutigen Erasmus-Studentin und wollte wissen, ob wir die "negrita" ("die kleine Schwarze") ab und zu mal sehen würden. Mal abgesehen von dem Verkleinerungsfimmel mancher Spanier (das Mädchen ist wirklich nicht klein), dachte ich mir, dass in Deutschland niemand so nach einer Studentin fragen würde. Dann eher "die Französin". Salopp unter Freunden sagt man vielleicht mal "die kleine Schwatte", aber nicht in so einem formellen Kontext zwischen Prof und Studenten. Ein anderes Beispiel war meine Literatur-Professorin heute. Wir lesen "Los Locos de Valencia" und sie wollte uns verdeutlichen, wie sich die die Irrenanstalten von damals von den heutigen psychiatrischen Kliniken unterscheiden und meinte, dass sie mal an einer vorbeigefahren wäre, bei der ein Park dabei war und die "Locos" spazieren gehen konnten. Immerhin hat sie vor "Locos" kurz gestoppt, aber im Endeffekt hat sie diese Menschen trotzdem als "verrückt" bezeichnet.
Das andere zum Thema kulturelle Unterschiede ist mir heute aufgefallen. Wieder bei den "Locos de Valencia" kamen wir an eine Stelle, wo an St. Martin angespielt wurde. Und was macht ML? Sie erzählt uns die Geschichte von St. Martin. Kaum zu fassen! In dem Kurs, in dem wir die griechische und römische Mythologie am besten auswendig können müsste, in dem sie voraussetzt, dass wir Latein können und eine Ahnung von Boccaccios Werken haben, erzählt sie uns wie St. Martin seinen Mantel mit dem Bettler geteilt hat? Ich musste innerlich grinsen. In Deutschland kennt doch jedes Kind St. Martin. Wir singen doch schon im Kindergarten "Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind..." Bei den aufgepimpten Laternenumzügen reitet ein St. Martin auf einem Pferd vorne weg, während alle Kinder mit den Laternen hinterher laufen, Martinslieder singen und es am Ende eine Martinsgans gibt. Aber das scheint es in Spanien nicht zu geben. Hier wird St. Martin von der Dozentin nebenbei erklärt, während Platon und der arme Lazarus zum nötigen Allgemeinwissen gezählt werden...
Und kleiner Nachtrag vom 23.11.: Warum durften die beiden Nonnen heute ihren Einkauftrolley mit in den Mercadona nehmen, ich aber nicht meinen Rucksack? Total ungerecht!
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Krass, dass die euch die Geschichte von St. Martin erzählt hat, die kenn ich ja sogar!!! :D Ahjah Rut, ich schmeiß mich gerade voll weg!!! Du hast das wort "aufgepimpt" in deinem Blog benutzt!!! Hut ab!!! :D:D:D
AntwortenLöschenWarum darfst du denn deinen Rucksack nicht mitnehmen?? Ich geh immer mit allen meinen Sachen rein. Binde dir das nächste mal einfach nen Schleier um. Das mit St. Martin ist auch mysteriös. Aber unsere Dozentin hat den spanischen Studis auch stundenlang das Wort "romanticismo" erklärt. Und "el Leitmotiv" ist ja sowieso das Schwierigste. Dafür wird Latein und Lautschrift vorausgesetzt. Los locos....
AntwortenLöschen...na, die Handeln eben im Auftrag Gottes...und du anscheinend ned^^...fang demnächst einfach an Sister Act zu singen :D:D:D in der Tarnung, die Liko vorgeschlagen hat!!! :D
AntwortenLöschenIch glaube, da lasse ich meinen Rucksack doch lieber im Spind... Allerdings kann ich das Musikprogramm eigentlich nur verbessern, wenn ich anfange zu singen... Die haben da momentan eine heiße Mischung aus vorweihnachtlicher Musik. oO
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