Ich war heute im Museo de la Evolución Humana. Das scheint hier ein Muss zu sein. Es haben mich schon mehrere Leute gefragt, ob ich schon drin war (manche sogar mehrmals). Keiner von diesen Menschen hat mich gefragt, ob ich in der Kathedrale war. Außerdem basiert Burgos sein Kulturhaupt-Motto darauf. R-evolución. Und an den Mittwochnachmittage ist der Eintritt frei (sonst kostet es für Studenten 4€). Genug Gründe, dieses Museum mal genauer unter die Lupe zu nehmen, auch wenn es sonst nicht so mein Thema ist.
Das Museum ist aber wirklich gut gemacht. Im Untergeschoss ging es um eine archäologische Ausgrabungsstätte in der Nähe von Burgos (Atapuerca) und erste menschliche Knochenfunde von da. In zwei dunklen Kästen wurden Knochen und Zähne irgendwelcher menschlicher Vorfahren gezeigt, die man in Atapuerca gefunden hat. Auf den "Dächern" dieser Kästen waren Bäume und kleiner Pflanzen nachgebildet, die man später aus der zweiten Etage dann in ganzer Schönheit betrachten konnte.
Das Erdgeschoss war größtenteils der Evolutionstheorie und Charles Darwin gewidmet. Es gab eine kleine Nachbildung von Darwins Schiff, die man betreten konnte (mein liebster Teil der Ausstellung - ich mag die Kultur eben doch lieber als das biologische Warum). Aber es wurde auch die klassische Genetik (mit den Fruchtfliegen und den Erbsen) und die Molekulargenetik erklärt. So ein Filmchen zeigte schematisch, wie die DNA-Polymerase über den DNA-Strang fährt, die Säuren kopiert und die messenger-RNA erstellt... Damit hätte man gut fürs Abi lernen können (und ich hoffe, ich habe beim Beschreiben jetzt keinen Fehler gemacht, oder dass keine Biologen das lesen :-D). DNA heißt auf Spanische übrigens ADN. Diese Erklärung der Molekulargenetik war Teil des Runterbrechens, was wir Menschen sind. Vom "Wir bestehen aus genetischer Information" bis zu "Wir sind Primaten". Außerdem konnte man eine riesige Nachbildung eines menschlichen Gehirns betreten, es wurden die Nerven erklärt und alle "Vorläufer" des Homo Sapiens wurden vorgestellt. Das Erdgeschoss fand ich am spannendsten.
In der ersten Etage ging es um Werkzeuge, die die ersten Menschen genutzt haben, warum sie anfingen, sie zu nutzen, welche Vorteile das hatte und dass dadurch ihre Gehirnkapazität größer wurde. Es gab ein paar Filmchen zur Höhlenmalerei und die Nachbildung der Siedlungen der Neandertaler. Das Ausstellungshighlight dieser Etage ist in den Augen der Museumsmacher wahrscheinlich ein runder Raum, in dem es stickig und heiß ist, und ist dem gezeigt wird, wie das Feuer unser tägliches Leben verändert hat: Es beginnt mit einem explodierenden Planeten, dann findet ein Höhlenmensch einen brennenden Stock und bringt den fröhlich grunzend mit nach Hause. Die Fackel entzündet dann eine Menge Kerzen, als nächstes wird eine Zündschnur entzündet, was wieder eine nette Explosion ergibt und zum Schluss hebt eine Weltraumrakete ab und es kommt hinten Feuer raus. Im Vergleich zum Erdgeschoss fand ich die erste Etage eher langweilig.
In der zweiten Etage war dann nicht mehr so viel los. In einem dunklen Raum wurde ein "Film über verschiede Ökosysteme" gezeigt. Sprich, es wurde eingeblendet "Der Regenwald" und man sah einen Orang-Utan in einem Baum sitzen. "Die Savanne" - ein Elefant... Also, ein bisschen mehr wurde natürlich schon gezeigt, aber es wurde nicht mehr kommentiert. Zum Schluss hieß es dann, dass wir Menschen ja nichts besseres zu tun hatte, als diese Lebensräume zu zerstören, der Bildschirm wurde dunkel und man hörte Autos. Das hatte immerhin noch eine Aussage.
Der Museumsshop war auch auf der zweiten Etage. Eigentlich hatte ich gedacht, man könne da Postkarten kaufen, weil im Museum das Fotografieren verboten war, aber gab es nicht. Vielleicht will auch keiner eine Postkarte von einem halben Gebiss oder einer blauen DNA-Polymerase verschicken... Stattdessen gab es alle möglichen Bücher zu Darwin, zur Steinzeit, zum Gehirn, zu Burgos, zum Jacobsweg, zum Kochen, zu Wein, zum Cid... sowie Bleistifte, Plastikdinos für Kinder, Plüschmammuts, Kinder-T-Shirts von dem Museum und ein merkwürdiges Musikinstrument, etwa so groß, dass es in eine Handfläche passt, mit einem Holzkörper und 5 Metallstreifen, die man irgendwie zum Schwingen bringen muss.
Mein erster Gedanke, als ich in den Laden kam und gemerkt hatte, dass es keine Postkarten gab: "Ich will ein Mammut als Kuscheltier!" Das habe ich dann aber doch nicht gemacht. Ich bin ja schon groß. Einen Moment lang habe ich mir überlegt "El Cantar de Mio Cid" als Comic zu kaufen. Das gab es auf Englisch und auf Spanisch. Aber die Figuren waren hässlich gezeichnet und der spanische Comic wäre ein Euro teurer als der englisch gewesen, da habe ich den aus Protest nicht gekauft.
Mittwoch, 9. Februar 2011
Freitag, 4. Februar 2011
Der letzte Monat
Mein letzter Monat ist angebrochen. Die ersten Deutschen sind schon auf dem Rückweg. Isabel ist schon vor einer Woche geflogen, Camila heute, Anna fliegt am Sonntag... Es bleiben nicht mehr viele von denen, die nur ein halbes Jahr bleiben. Und für die, die verlängert haben oder von Anfang an ein Jahr geplant hatten, geht nach dem Wochenende die Uni schon wieder los. Am Mittwoch habe ich meine (hoffentlich) letzte Klausur geschrieben.
Das ganze war leicht chaotisch: Wir, Cristina und ich, die treuen Teilnehmerinnen von "El Amor en la Literatura", hatten mit ML ausgemacht, dass wir um halb elf schreiben würden. Weil ML am gleichen Tag eine Nachschreibklausur hatte, hat sie uns zusammengelegt. So weit, so gut. Allerdings begann die Nachschreibklausur schon um zehn und Cristina und mir wurde nur mitgeteilt, uns im Klassenzimmer 11 einzufinden. Als wir da ankamen, war der Raum besetzt (die Nachschreiber). Wir wollten die Klausur nicht stören, weil wir ja nicht wussten, dass wir mit den Nachschreibern zusammen schreiben sollten. Wir dachten, der Raum wäre doppelt vergeben worden.
Cristina hat im Büro nach von ML gefragt und ihre Hilfskraft meinte, wir sollten einfach klopfen und reingehen. Wir haben dann mit 15 Minuten Verspätung die Klausur angefangen. Aber hätte ML uns nicht einfach sagen können, dass wir um zehn kommen sollen? Die Nachschreibklausur bestand nämlich aus zwei Teilen und die Studenten hatten zwischendurch eine kleine Pause. Cristina und ich haben also gleich zwei Klausuren gestört: Den ersten Teil, weil wir 45 Minuten nach Beginn rein kamen (und uns mitten unter die anderen setzen mussten), und den zweiten Teil, weil wir eine halbe Stunde nach Beginn abgaben. Und die Nachschreiber haben uns gestört, weil sie zwischen den Teilen raus und wieder rein kamen. Und dieser ganze Stress wäre nicht mal nötig gewesen... Wir stehen kurz vor der Erfindung der E-Mail! Ansonsten war die Klausur aber ganz gut.
In gut drei Wochen fliege ich schon zurück nach Deutschland. Einerseits ist die Zeit hier recht schnell umgegangen. Andrerseits habe ich aber auch das Gefühl, ewig hier gewesen zu sein. Die Häuser, die Straßen... alles ist so vertraut geworden (und meistens denke ich inzwischen auch an die Siesta ;-)). Die Zeiten im Studentenwohnheim scheinen Jahrzehnte her zu sein.
Ob ich mich denn auf Deutschland freue? Ja, keine Frage. Ich war ein halbes Jahr nicht mehr zu Hause, so lange wie noch nie. Vielleicht liegt es daran, dass ich Weihnachten auch in Spanien gefeiert habe, jedenfalls kann ich es kaum abwarten zurück zu kehren. Ich vermisse meine Familie, meine Freundinnen und auch mein Englischstudium (ja, auch das Englischstudium). Außerdem habe ich langsam das WG-Leben satt und freue mich, dass ich in Essen bald eine kleine Wohnung für mich alleine habe.
Aber bin ich auch schon etwas traurig, dass es hier bald zu ende geht. Burgos ist eine wunderschöne Stadt und auch wenn die Bib hier nicht die beste ist, ist die Uni ganz gut. Es ist ein Luxus mit nie mehr als 20 Leuten in einem Kurs zu sitzen. Wahrscheinlich erschlägt mich Essen mit seiner Größe und den vielen Studenten in einem Raum erst mal (und in der Bib stehe ich dann wie Alice im Wunderland). Außerdem habe ich hier einige nette Menschen getroffen, die ich bestimmt vermissen werde (die Chaos-Dozentin vielleicht nicht unbedingt). Meine Mitbewohnerin Daniela jammert schon seit zwei Monaten, dass ich Ende Februar fliege.
Apropos Daniela: Sie macht eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin (oder einer Art Zahnärztin, so genau habe ich das nicht verstanden) und brauchte gestern ein williges Opfer, dem sie die Zähne putzen konnte. Ich bin ja ein netter Mensch und habe mich zur Verfügung gestellt. Daniela ist auch neu in Burgos und kennt außerhalb ihrer Klasse kaum jemanden. Wir sind also morgens um acht zu ihrer Schule, die irgendwie auch mit zu der Uni Burgos gehört, gegangen. Das Klassenzimmer ist zur Hälfte ein normales Klassenzimmer, aber hinten stehen sechs Zahnarztstühle. Daniela und ihre Partnerin haben sich meine Zähne angeguckt und schienen etwas enttäuscht, dass da nicht so viel war, was sie weg machen durften (ich nehme mal an Zahnstein). Sie haben es dann ganz gut gemacht, wenn sie sich nicht sicher waren, haben sie sofort die Lehrerin geholt. Allerdings müssen sie noch etwas üben, ihre Patienten nicht so nass zu spritzen. Mein ganzes Gesicht war feucht.
Lustig zu beobachten war, wie alle Schülerinnen vor der Stunde in ihre weißen Kittel schlüpften. Es gibt da eine Menge modischer Unterschiede: geknöpft oder mit V-Ausschnitt, tailliert oder nicht... Manche hatten auch schon weiße Hose, die sie anzogen. Außerdem wurde ich, bevor mir die beiden in den Mund geguckt haben, gefragt, ob ich schon mal beim Zahnarzt war und wie oft. Die Frage, OB ich schon mal bei einem Zahnarzt war, hat mich doch sehr verwirrt.
Das ganze war leicht chaotisch: Wir, Cristina und ich, die treuen Teilnehmerinnen von "El Amor en la Literatura", hatten mit ML ausgemacht, dass wir um halb elf schreiben würden. Weil ML am gleichen Tag eine Nachschreibklausur hatte, hat sie uns zusammengelegt. So weit, so gut. Allerdings begann die Nachschreibklausur schon um zehn und Cristina und mir wurde nur mitgeteilt, uns im Klassenzimmer 11 einzufinden. Als wir da ankamen, war der Raum besetzt (die Nachschreiber). Wir wollten die Klausur nicht stören, weil wir ja nicht wussten, dass wir mit den Nachschreibern zusammen schreiben sollten. Wir dachten, der Raum wäre doppelt vergeben worden.
Cristina hat im Büro nach von ML gefragt und ihre Hilfskraft meinte, wir sollten einfach klopfen und reingehen. Wir haben dann mit 15 Minuten Verspätung die Klausur angefangen. Aber hätte ML uns nicht einfach sagen können, dass wir um zehn kommen sollen? Die Nachschreibklausur bestand nämlich aus zwei Teilen und die Studenten hatten zwischendurch eine kleine Pause. Cristina und ich haben also gleich zwei Klausuren gestört: Den ersten Teil, weil wir 45 Minuten nach Beginn rein kamen (und uns mitten unter die anderen setzen mussten), und den zweiten Teil, weil wir eine halbe Stunde nach Beginn abgaben. Und die Nachschreiber haben uns gestört, weil sie zwischen den Teilen raus und wieder rein kamen. Und dieser ganze Stress wäre nicht mal nötig gewesen... Wir stehen kurz vor der Erfindung der E-Mail! Ansonsten war die Klausur aber ganz gut.
In gut drei Wochen fliege ich schon zurück nach Deutschland. Einerseits ist die Zeit hier recht schnell umgegangen. Andrerseits habe ich aber auch das Gefühl, ewig hier gewesen zu sein. Die Häuser, die Straßen... alles ist so vertraut geworden (und meistens denke ich inzwischen auch an die Siesta ;-)). Die Zeiten im Studentenwohnheim scheinen Jahrzehnte her zu sein.
Ob ich mich denn auf Deutschland freue? Ja, keine Frage. Ich war ein halbes Jahr nicht mehr zu Hause, so lange wie noch nie. Vielleicht liegt es daran, dass ich Weihnachten auch in Spanien gefeiert habe, jedenfalls kann ich es kaum abwarten zurück zu kehren. Ich vermisse meine Familie, meine Freundinnen und auch mein Englischstudium (ja, auch das Englischstudium). Außerdem habe ich langsam das WG-Leben satt und freue mich, dass ich in Essen bald eine kleine Wohnung für mich alleine habe.
Aber bin ich auch schon etwas traurig, dass es hier bald zu ende geht. Burgos ist eine wunderschöne Stadt und auch wenn die Bib hier nicht die beste ist, ist die Uni ganz gut. Es ist ein Luxus mit nie mehr als 20 Leuten in einem Kurs zu sitzen. Wahrscheinlich erschlägt mich Essen mit seiner Größe und den vielen Studenten in einem Raum erst mal (und in der Bib stehe ich dann wie Alice im Wunderland). Außerdem habe ich hier einige nette Menschen getroffen, die ich bestimmt vermissen werde (die Chaos-Dozentin vielleicht nicht unbedingt). Meine Mitbewohnerin Daniela jammert schon seit zwei Monaten, dass ich Ende Februar fliege.
Apropos Daniela: Sie macht eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin (oder einer Art Zahnärztin, so genau habe ich das nicht verstanden) und brauchte gestern ein williges Opfer, dem sie die Zähne putzen konnte. Ich bin ja ein netter Mensch und habe mich zur Verfügung gestellt. Daniela ist auch neu in Burgos und kennt außerhalb ihrer Klasse kaum jemanden. Wir sind also morgens um acht zu ihrer Schule, die irgendwie auch mit zu der Uni Burgos gehört, gegangen. Das Klassenzimmer ist zur Hälfte ein normales Klassenzimmer, aber hinten stehen sechs Zahnarztstühle. Daniela und ihre Partnerin haben sich meine Zähne angeguckt und schienen etwas enttäuscht, dass da nicht so viel war, was sie weg machen durften (ich nehme mal an Zahnstein). Sie haben es dann ganz gut gemacht, wenn sie sich nicht sicher waren, haben sie sofort die Lehrerin geholt. Allerdings müssen sie noch etwas üben, ihre Patienten nicht so nass zu spritzen. Mein ganzes Gesicht war feucht.
Lustig zu beobachten war, wie alle Schülerinnen vor der Stunde in ihre weißen Kittel schlüpften. Es gibt da eine Menge modischer Unterschiede: geknöpft oder mit V-Ausschnitt, tailliert oder nicht... Manche hatten auch schon weiße Hose, die sie anzogen. Außerdem wurde ich, bevor mir die beiden in den Mund geguckt haben, gefragt, ob ich schon mal beim Zahnarzt war und wie oft. Die Frage, OB ich schon mal bei einem Zahnarzt war, hat mich doch sehr verwirrt.
Donnerstag, 3. Februar 2011
Mamma Mia - oder: schöner Kronleuchter!
Ich komme gerade aus dem Teatro Principal, wo ich "Mamma Mia" als Musical gesehen habe. Es war klasse! Ich bin total gut gelaunt und habe wahrscheinlich die nächsten Tagen einen Ohrwurm von den Liedern.
Erst war ich unsicher, ob ich gehen sollte. Ich hatte das schon als Plakat gesehen und in dem kleinen Heftchen, das hier monatlich rauskommt und das ich im Januar im Hotel von Mama und Papa mitgenommen habe, in dem steht, was an dem Monat in Burgos so los ist, wurde schon Werbung für "Mamma Mia" gemacht, auch wenn es erst im Februar auf dem Programm stand. Ich habe mir dann letztendlich doch eine Karte gekauft, als Belohnung für die letzte Klausur, die ich heute hier geschrieben habe (hoffentlich die letzte :-D).
Ich habe die billigste Preiskategorie genommen und bin im "Paraiso" gelandet. So werden die Plätze ganz oben im Theater genannt. Zumindest die in den alten (spanischen und französischen) Theatern mit Rängen und so. Die Plätze befanden sich dann in der vierten Etage. Da oben war es furchtbar heiß, ich weiß nicht, ob das daran lag, dass wir ganz oben waren und die heiße Luft nach oben stieg, oder daran, dass das ganze Theater einfach überheizt war. Es war so warm, dass eine Frau hinter mir, in der Pause oben rum nur noch im Unterhemd da saß.
Erstaunlicher Weise hatte ich von meinem Platz aus noch eine recht gute Sicht auf die Bühne - und auf den Kronleuchter, den ich sogar von oben sehen konnte, weil er etwas tiefer hing, als ich saß. :-D Natürlich war mir ein Kopf im Weg und so ein komisches Geländer hätte auch nicht sein müssen, aber generell sieht man im Paraiso nicht unbedingt schlechter als von anderen Plätzen, auch wenn ein Mann neben mir lästerte, dass die Leute, die hinter uns säßen wahrscheinlich nur die Decke sehen könnten und das wir, wenn, wir uns zu viel bewegten, kopfüber aus dem "Paradies" stürzen würden...
Dann fing das Stück an und ich fand es toll! Am Anfang habe ich mich dabei ertappt, Vergleiche zwischen Film und Bühnenstück anzustellen, habe mich aber schnell zurecht gerufen, dass das doch nicht ginge. Schließlich habe ich den "Lion King" auch nicht mit dem Disney-Film verglichen. Das sind eben ganz andere Medien.
Das Bühnenbild hier war toll. Zwei griechische Hauswände mit blauen Türen, die nach Belieben gedreht und neu zusammen gestellt werden konnten und von beiden Seiten bespielbar waren. Dazu ein paar Möbel und fertig. Toll fand ich auch eine Frau, die eine schwarz gekleidete griechische Oma spielte. Leider tauchte sie nur zweimal auf und warf einmal beim Umbauen eine Kusshand ins Publikum.
Donna war klasse und meiner Meinung nach auch die beste Sängerin, Sophie war nicht ganz so gut. Sie sang sehr leise, ich habe sie kaum verstanden. Zuerst dachte ich, das Mikro wäre schlecht eingestellt gewesen, aber wenn sie sprach konnte man sie gut verstehen. Und ich war davon begeistert, wie beweglich die Tänzer alle waren. Es waren aber alle Schauspieler/ Tänzer mit sehr viel Körpersprache dabei. Mehr auch als bei Theaterstücken, in denen ich war. Auch wenn sie nicht wirklich tanzten, wirkten die Bewegungen und die Körpersprache wie ein Tanz. Da merkte man, dass man in einem Musical war.
Was mir auch auffiel, ich weiß nicht, ob das der spanische Touch der Inszenierung war, war, dass mehrmals auf den Stierkampf angespielt wurde. Irgendwann z.B. meinte Tante Rosie, glaube ich, dass sie früher zu Hochzeiten mit T-Shirts aufgetaucht wären, auf denen stand, "Die Ehe macht nur Spaß, wenn wir unserem Mann die Hörner aufsetzen!" und Tante Tanya hielt sich zwei Bananen an den Kopf und mimte den Stier, während Rosie den Torero machte.
Etwas gewöhnungsbedürftig war, dass der Stück auf Spanisch war. Ja, das ist eine große Überraschung, wenn man bedenkt, dass es in einem spanischen Theater aufgeführt wurde, aber ich meine, die hatten auch die Lieder übersetzt. Das hat mich dann auch davon abgehalten, mitzusingen. Aber es ist schon merkwürdig, wenn bei "Dancing Queen" diese Worte gar nicht drin vorkommen und es mit "A bailar/ A vivir" anfängt. Noch dümmer ist es allerdings, wenn die englischen Wörter im spanischen Text vorkommen - "Money Money Money/ Quiero pasta/ Para ser feliz". Das Beste waren aber die Namen von Sophies Vätern: Im Original heißen sie ja Sam, Harry und Bill. Im spanischen heißen sie Sam, Javi und Bruno. Kein Kommentar dazu.
Trotz allem sind die spanischen Übersetzungen besser als die deutschen (ja, es gibt auch deutsche Übersetzungen, ich nehme an, dass die in der deutschen Musical-Version gesungen wurden, auch wenn ich nicht drin war, aber ich habe sie mir auf Youtube angehört). Lieber "No malgastes emociones/ fija tu amor en mi" als "Leg dein Herz an eine Leine"... Soweit ich das simultan vergleichen konnten, drücken die spanischen Texte das gleiche aus wie die englischen nur weniger bildhaft. Die Zugabe "Waterloo" war dann allerdings auch auf Englisch. Da habe ich dann auch mitgesungen, auch wenn ich den Text nur halb kann. Bei dem Lied stand auch zumindest das halbe Paraiso (die andere Hälfte waren Omis, die zu ABBAs Zeiten wahrscheinlich schon zu der älteren Generation gehört hat und keine Standing Ovations leisten konnte).
Es war schon interessant zu sehen, was für ein Publikum da war. Eigentlich war es ein sehr gemischtes, aber ich hatte das Gefühl, dass um mich herum nur Omis über siebzig saßen (außer meinem linken Nachbarn). In der Pause habe ich Elise, die Amerikanerin, getroffen. Sie war mit ihrem Freund da, der kein Wort Spanisch kann, oder zumindest bei der Aufführung nichts verstand. Sie wirkte auch leicht irritiert wegen der spanischen Liedtexte. Eine sehr lustige Begegnung hatte ich auch auf der Toilette in der Pause. Elise und ich unterhielten uns und hinter Elise in der Schlange begann eine ältere Frau "Chiquitita" zu singen. Das war sehr süß. Es scheint also auch der Großeltern-Generation gefallen haben.
Erst war ich unsicher, ob ich gehen sollte. Ich hatte das schon als Plakat gesehen und in dem kleinen Heftchen, das hier monatlich rauskommt und das ich im Januar im Hotel von Mama und Papa mitgenommen habe, in dem steht, was an dem Monat in Burgos so los ist, wurde schon Werbung für "Mamma Mia" gemacht, auch wenn es erst im Februar auf dem Programm stand. Ich habe mir dann letztendlich doch eine Karte gekauft, als Belohnung für die letzte Klausur, die ich heute hier geschrieben habe (hoffentlich die letzte :-D).
Ich habe die billigste Preiskategorie genommen und bin im "Paraiso" gelandet. So werden die Plätze ganz oben im Theater genannt. Zumindest die in den alten (spanischen und französischen) Theatern mit Rängen und so. Die Plätze befanden sich dann in der vierten Etage. Da oben war es furchtbar heiß, ich weiß nicht, ob das daran lag, dass wir ganz oben waren und die heiße Luft nach oben stieg, oder daran, dass das ganze Theater einfach überheizt war. Es war so warm, dass eine Frau hinter mir, in der Pause oben rum nur noch im Unterhemd da saß.
Erstaunlicher Weise hatte ich von meinem Platz aus noch eine recht gute Sicht auf die Bühne - und auf den Kronleuchter, den ich sogar von oben sehen konnte, weil er etwas tiefer hing, als ich saß. :-D Natürlich war mir ein Kopf im Weg und so ein komisches Geländer hätte auch nicht sein müssen, aber generell sieht man im Paraiso nicht unbedingt schlechter als von anderen Plätzen, auch wenn ein Mann neben mir lästerte, dass die Leute, die hinter uns säßen wahrscheinlich nur die Decke sehen könnten und das wir, wenn, wir uns zu viel bewegten, kopfüber aus dem "Paradies" stürzen würden...
Dann fing das Stück an und ich fand es toll! Am Anfang habe ich mich dabei ertappt, Vergleiche zwischen Film und Bühnenstück anzustellen, habe mich aber schnell zurecht gerufen, dass das doch nicht ginge. Schließlich habe ich den "Lion King" auch nicht mit dem Disney-Film verglichen. Das sind eben ganz andere Medien.
Das Bühnenbild hier war toll. Zwei griechische Hauswände mit blauen Türen, die nach Belieben gedreht und neu zusammen gestellt werden konnten und von beiden Seiten bespielbar waren. Dazu ein paar Möbel und fertig. Toll fand ich auch eine Frau, die eine schwarz gekleidete griechische Oma spielte. Leider tauchte sie nur zweimal auf und warf einmal beim Umbauen eine Kusshand ins Publikum.
Donna war klasse und meiner Meinung nach auch die beste Sängerin, Sophie war nicht ganz so gut. Sie sang sehr leise, ich habe sie kaum verstanden. Zuerst dachte ich, das Mikro wäre schlecht eingestellt gewesen, aber wenn sie sprach konnte man sie gut verstehen. Und ich war davon begeistert, wie beweglich die Tänzer alle waren. Es waren aber alle Schauspieler/ Tänzer mit sehr viel Körpersprache dabei. Mehr auch als bei Theaterstücken, in denen ich war. Auch wenn sie nicht wirklich tanzten, wirkten die Bewegungen und die Körpersprache wie ein Tanz. Da merkte man, dass man in einem Musical war.
Was mir auch auffiel, ich weiß nicht, ob das der spanische Touch der Inszenierung war, war, dass mehrmals auf den Stierkampf angespielt wurde. Irgendwann z.B. meinte Tante Rosie, glaube ich, dass sie früher zu Hochzeiten mit T-Shirts aufgetaucht wären, auf denen stand, "Die Ehe macht nur Spaß, wenn wir unserem Mann die Hörner aufsetzen!" und Tante Tanya hielt sich zwei Bananen an den Kopf und mimte den Stier, während Rosie den Torero machte.
Etwas gewöhnungsbedürftig war, dass der Stück auf Spanisch war. Ja, das ist eine große Überraschung, wenn man bedenkt, dass es in einem spanischen Theater aufgeführt wurde, aber ich meine, die hatten auch die Lieder übersetzt. Das hat mich dann auch davon abgehalten, mitzusingen. Aber es ist schon merkwürdig, wenn bei "Dancing Queen" diese Worte gar nicht drin vorkommen und es mit "A bailar/ A vivir" anfängt. Noch dümmer ist es allerdings, wenn die englischen Wörter im spanischen Text vorkommen - "Money Money Money/ Quiero pasta/ Para ser feliz". Das Beste waren aber die Namen von Sophies Vätern: Im Original heißen sie ja Sam, Harry und Bill. Im spanischen heißen sie Sam, Javi und Bruno. Kein Kommentar dazu.
Trotz allem sind die spanischen Übersetzungen besser als die deutschen (ja, es gibt auch deutsche Übersetzungen, ich nehme an, dass die in der deutschen Musical-Version gesungen wurden, auch wenn ich nicht drin war, aber ich habe sie mir auf Youtube angehört). Lieber "No malgastes emociones/ fija tu amor en mi" als "Leg dein Herz an eine Leine"... Soweit ich das simultan vergleichen konnten, drücken die spanischen Texte das gleiche aus wie die englischen nur weniger bildhaft. Die Zugabe "Waterloo" war dann allerdings auch auf Englisch. Da habe ich dann auch mitgesungen, auch wenn ich den Text nur halb kann. Bei dem Lied stand auch zumindest das halbe Paraiso (die andere Hälfte waren Omis, die zu ABBAs Zeiten wahrscheinlich schon zu der älteren Generation gehört hat und keine Standing Ovations leisten konnte).
Es war schon interessant zu sehen, was für ein Publikum da war. Eigentlich war es ein sehr gemischtes, aber ich hatte das Gefühl, dass um mich herum nur Omis über siebzig saßen (außer meinem linken Nachbarn). In der Pause habe ich Elise, die Amerikanerin, getroffen. Sie war mit ihrem Freund da, der kein Wort Spanisch kann, oder zumindest bei der Aufführung nichts verstand. Sie wirkte auch leicht irritiert wegen der spanischen Liedtexte. Eine sehr lustige Begegnung hatte ich auch auf der Toilette in der Pause. Elise und ich unterhielten uns und hinter Elise in der Schlange begann eine ältere Frau "Chiquitita" zu singen. Das war sehr süß. Es scheint also auch der Großeltern-Generation gefallen haben.
Dienstag, 1. Februar 2011
Mal ein bisschen Werbung machen...
Ich muss ja auch, irgendwovon leben... :-P
Nein, ernsthaft. Burgos bewirbt sich ja um den Titel der Kulturhauptstadt Europas und ist unter den letzten fünf. Jetzt haben sie ihre Facebook-Fans aufgerufen, ihr Logo zu veröffentlichen, wenn man eine Internetseite hat. Das tue ich hiermit dann mal.
Es wäre schon lustig, nachdem ich zumindest ein halbes Jahr lang in der Kulturhauptstadt Europas 2010 gelebt habe, sagen zu können, ich hätte schon in zwei Kulturhauptädten gewohnt. Eine französische Erasmus-Studentin hat schon vorgeschlagen, wir könnten uns in fünf Jahren wieder in Burgos treffen und ein Erasmus-Wiedersehenstreffen machen und dabei die Kulturhauptstadt feiern. Mal sehen, was daraus wird.
Nein, ernsthaft. Burgos bewirbt sich ja um den Titel der Kulturhauptstadt Europas und ist unter den letzten fünf. Jetzt haben sie ihre Facebook-Fans aufgerufen, ihr Logo zu veröffentlichen, wenn man eine Internetseite hat. Das tue ich hiermit dann mal.
Es wäre schon lustig, nachdem ich zumindest ein halbes Jahr lang in der Kulturhauptstadt Europas 2010 gelebt habe, sagen zu können, ich hätte schon in zwei Kulturhauptädten gewohnt. Eine französische Erasmus-Studentin hat schon vorgeschlagen, wir könnten uns in fünf Jahren wieder in Burgos treffen und ein Erasmus-Wiedersehenstreffen machen und dabei die Kulturhauptstadt feiern. Mal sehen, was daraus wird.
Donnerstag, 27. Januar 2011
Ein zweites Mal Salamanca
Vorgestern war ich ein zweites Mal in Salamanca. Camila und Isabel hatten ein Auto gemietet und mich gefragt, ob ich nicht noch mitkommen wollte. So ein Angebot schlägt man nicht aus.
Nachdem ich Montagnachmittag verzweifelt die Autovermietung gesucht (und nicht gefunden) hatte, habe ich abends einen letzten Versuch unternommen und habe sie mit Streetview gesucht. Das Problem an der Suche war nämlich, dass Google Maps einen anderen Standort angab, als die Internetseite von Avis. Auf die Idee Streetview zu nutzen, bin ich natürlich erst spät gekommen, als Lisa meinte, ich solle das mal machen. Ein Klick und man sah da, wo laut Google Maps Avis sein sollte nur Bäume und ein abrissreifen Haus. So viel dazu.
Dann hatte ich die Autovermietung aber doch noch im virtuellen Burgos gefunden und habe mir die Karte abgezeichnet. Außerdem wusste Camila ungefähr, wo wir hinmussten, und nachdem uns ein alter Mann erst in die falsche Richtung geschickt hatte, hatten wir gegen zwanzig nach neun das Auto.
Ich hatte die verantwortungsvolle Aufgabe, Camila mit der Wegbeschreibung aus dem Internet nach Salamanca zu lotsen, während Isabel noch ein Schläfchen auf dem Rücksitz hielt. Natürlich habe ich an einer Stelle gepennt und haben nicht mitgekriegt, dass wir die Autobahn hätten wechseln sollen. Wir sind dann einfach den Schildern nach Salamanca gefolgt und haben letztendlich nur nicht das Parkhaus gefunden, in dem wir parken wollten und vor dem wir uns mit Kati, einer Eramus-Studentin aus Essen (die ich nicht kannte), treffen wollten.
Wir haben sie dann auf der Plaza Mayor in einem Café getroffen. Danach sind wir in der Stadt rum gelaufen. Wir haben uns die Uni angeguckt (bei der alle Gebäude sehr viel schöner - und älter - sind als in Burgos. Salamanca ist nun mal die älteste Uni Spaniens). Wenn man weiß, wo der Frosch ist, findet man ihn auch sehr schnell wieder. Außerdem waren wir in der Kathedrale, am Fluss, auf der alten Römerbrücke (Isabel hoffte, da etwas Latein-Geist für ihre Latinumsprüfung zu sammeln) und im Garten von Calixto y Melibea. Auf letzteres habe ich bestanden, weil die beiden das Liebespaar des Theaterstücks La Celestina sind, was wir bei der Lobato in Ausschnitten gelesen haben.
Zwischendurch waren wir wieder auf der Plaza Mayor und haben da eine Freundin von Kati getroffen und mit ihr Kaffee getrunken. Die hat dann hinterher auch mit uns den Garten von Calixto y Melibea gesucht. Lisa hatte mir gesagt, ich solle mir den Garten unbedingt angucken und deswegen habe ich die anderen auch dazu gebracht, aber ich glaube, zumindest Isabel und Kati waren etwas enttäuscht von dem Garten. "Was ist denn so besonderes hier?"
Vielleicht lag es auch daran, dass der Garten im Januar ziemlich tot aussieht. Er ist sehr klein, in der Mitte steht ein Brunnen, an den Liebespaare eine Schloss mit ihrem Namen anbringen können, um ihre ewige Liebe auszudrücken. Außerdem gibt es einen kleinen Springbrunnen und eine Statue der Celestina.



Im Endeffekt haben wir wahrscheinlich länger dafür gebraucht, den Garten zu finden, als wir uns im Garten aufgehalten haben. Er liegt sehr verstreckt. Aber immerhin waren Kati und Vicky während ihres Erasmus-Aufenthalts in Salamanca auch mal drin und haben ein bisschen Kultur abbekommen. ;-)
Zum Schluss haben wir bei McDonald's eine Kleinigkeit gegessen, weil die Tapas Bars noch nicht auf hatten, und sind dann zurück nach Burgos gefahren.
Nachdem ich Montagnachmittag verzweifelt die Autovermietung gesucht (und nicht gefunden) hatte, habe ich abends einen letzten Versuch unternommen und habe sie mit Streetview gesucht. Das Problem an der Suche war nämlich, dass Google Maps einen anderen Standort angab, als die Internetseite von Avis. Auf die Idee Streetview zu nutzen, bin ich natürlich erst spät gekommen, als Lisa meinte, ich solle das mal machen. Ein Klick und man sah da, wo laut Google Maps Avis sein sollte nur Bäume und ein abrissreifen Haus. So viel dazu.
Dann hatte ich die Autovermietung aber doch noch im virtuellen Burgos gefunden und habe mir die Karte abgezeichnet. Außerdem wusste Camila ungefähr, wo wir hinmussten, und nachdem uns ein alter Mann erst in die falsche Richtung geschickt hatte, hatten wir gegen zwanzig nach neun das Auto.
Ich hatte die verantwortungsvolle Aufgabe, Camila mit der Wegbeschreibung aus dem Internet nach Salamanca zu lotsen, während Isabel noch ein Schläfchen auf dem Rücksitz hielt. Natürlich habe ich an einer Stelle gepennt und haben nicht mitgekriegt, dass wir die Autobahn hätten wechseln sollen. Wir sind dann einfach den Schildern nach Salamanca gefolgt und haben letztendlich nur nicht das Parkhaus gefunden, in dem wir parken wollten und vor dem wir uns mit Kati, einer Eramus-Studentin aus Essen (die ich nicht kannte), treffen wollten.
Wir haben sie dann auf der Plaza Mayor in einem Café getroffen. Danach sind wir in der Stadt rum gelaufen. Wir haben uns die Uni angeguckt (bei der alle Gebäude sehr viel schöner - und älter - sind als in Burgos. Salamanca ist nun mal die älteste Uni Spaniens). Wenn man weiß, wo der Frosch ist, findet man ihn auch sehr schnell wieder. Außerdem waren wir in der Kathedrale, am Fluss, auf der alten Römerbrücke (Isabel hoffte, da etwas Latein-Geist für ihre Latinumsprüfung zu sammeln) und im Garten von Calixto y Melibea. Auf letzteres habe ich bestanden, weil die beiden das Liebespaar des Theaterstücks La Celestina sind, was wir bei der Lobato in Ausschnitten gelesen haben.
Zwischendurch waren wir wieder auf der Plaza Mayor und haben da eine Freundin von Kati getroffen und mit ihr Kaffee getrunken. Die hat dann hinterher auch mit uns den Garten von Calixto y Melibea gesucht. Lisa hatte mir gesagt, ich solle mir den Garten unbedingt angucken und deswegen habe ich die anderen auch dazu gebracht, aber ich glaube, zumindest Isabel und Kati waren etwas enttäuscht von dem Garten. "Was ist denn so besonderes hier?"
Vielleicht lag es auch daran, dass der Garten im Januar ziemlich tot aussieht. Er ist sehr klein, in der Mitte steht ein Brunnen, an den Liebespaare eine Schloss mit ihrem Namen anbringen können, um ihre ewige Liebe auszudrücken. Außerdem gibt es einen kleinen Springbrunnen und eine Statue der Celestina.
Im Endeffekt haben wir wahrscheinlich länger dafür gebraucht, den Garten zu finden, als wir uns im Garten aufgehalten haben. Er liegt sehr verstreckt. Aber immerhin waren Kati und Vicky während ihres Erasmus-Aufenthalts in Salamanca auch mal drin und haben ein bisschen Kultur abbekommen. ;-)
Zum Schluss haben wir bei McDonald's eine Kleinigkeit gegessen, weil die Tapas Bars noch nicht auf hatten, und sind dann zurück nach Burgos gefahren.
Freitag, 21. Januar 2011
Pecaditos und Bar Patillas
Um das Ende der Klausurenphase zu feiern (s. letzter Post) war ich mit dem Masterkurs gestern Abend unterwegs. Ich habe zwar noch eine Klausur, aber erst im Februar und außerdem fliegt Isabel nächste Woche schon wieder zurück, und sie musste natürlich auch dabei sein, weil sie viel mehr Kurse mit den Masterstudenten hat, als wir anderen.
Zuerst waren wir im Pecaditos. Das ist eine "Taberna", wo man an der Theke für einen Euro ein kleines Bocadillo (belegtes Baguette) oder was zu trinken bekommt. Wir sind aber weiter durch gegangen und haben "Raciones", größere Tapa-Rationen, bestellt und geteilt. Wir hatten Schinkenbrot, Salat mit grünen Tomaten, Zwiebel und Thunfisch, Schinken-Kroketten, Käse und verschiedene meeresfruchtige Sachen (u.a. "Tigres", überbackene Miesmuscheln). Es war sehr lecker und wir haben uns gut unterhalten. Diane erzählt, wie sie unserem Prof fast um den Hals gefallen wäre und meinte, dass es für uns armen "Alemanitas" ja noch schlimmer gewesen sein musste.
Zum Schluss waren Amaya, Sandra, Diana, Isabel und ich noch in einer Bar namens "Patillas". Eigentlich wollten wir Deutschen nicht, deswegen hatten wir uns auch schon von Asun, María Rosa und Anna getrennt, aber die Bar lag auf dem Weg und Amaya meinte, das wäre die typische Erasmus-Bar, in die wir rein gehen müssten.
Es ist auch eine sehr schöne Bar. Ich war schon mal mit meinem Tandem-Partner drin. Die Wände sind über und über mit Fotos beklebt und Männer mit Gitarren singen Lieder. Mein Tandem-Partner hatte mir erzählt, dass die Bar "Patillas", "Koteletten", heißt, weil der Barmann welche hat. Angeblich darf er sich die auch nicht schneiden, weil es Tradition ist. Sein Vater und sein Großvater haben die Bar schon mit Koteletten geführt.
Zuerst waren wir im Pecaditos. Das ist eine "Taberna", wo man an der Theke für einen Euro ein kleines Bocadillo (belegtes Baguette) oder was zu trinken bekommt. Wir sind aber weiter durch gegangen und haben "Raciones", größere Tapa-Rationen, bestellt und geteilt. Wir hatten Schinkenbrot, Salat mit grünen Tomaten, Zwiebel und Thunfisch, Schinken-Kroketten, Käse und verschiedene meeresfruchtige Sachen (u.a. "Tigres", überbackene Miesmuscheln). Es war sehr lecker und wir haben uns gut unterhalten. Diane erzählt, wie sie unserem Prof fast um den Hals gefallen wäre und meinte, dass es für uns armen "Alemanitas" ja noch schlimmer gewesen sein musste.
Zum Schluss waren Amaya, Sandra, Diana, Isabel und ich noch in einer Bar namens "Patillas". Eigentlich wollten wir Deutschen nicht, deswegen hatten wir uns auch schon von Asun, María Rosa und Anna getrennt, aber die Bar lag auf dem Weg und Amaya meinte, das wäre die typische Erasmus-Bar, in die wir rein gehen müssten.
Es ist auch eine sehr schöne Bar. Ich war schon mal mit meinem Tandem-Partner drin. Die Wände sind über und über mit Fotos beklebt und Männer mit Gitarren singen Lieder. Mein Tandem-Partner hatte mir erzählt, dass die Bar "Patillas", "Koteletten", heißt, weil der Barmann welche hat. Angeblich darf er sich die auch nicht schneiden, weil es Tradition ist. Sein Vater und sein Großvater haben die Bar schon mit Koteletten geführt.
Donnerstag, 20. Januar 2011
Prüfungsphase
Die Klausuren begannen in Burgos am 10. Januar. Meine erste Klausur war erst am 18. und das war auch gut so, weil ich vorher so gut wie gar nichts geschafft hatte. In der Woche vor der ersten Klausur hieß es dann aber nicht lernen, sondern "mal eben noch" zwei Hausarbeiten schreiben.
Erschwert wurde die Sache noch dadurch, dass die geisteswissenschaftliche Uni-Bib hier eine Katastrophe ist. Acht Regale in Billie-Größe (oder vielleicht etwas breiter), deren Bretter nicht einmal ganz voll gestellt sind, ist alles, was man für das Fach Spanische (Literatur und Linguistik) finden kann. Dementsprechend war auch nicht die Literatur, die uns der eine Prof für die Hausarbeit angegeben hatte, verfügbar. Außerdem darf man die Bücher nur eine Woche ausleihen.
Für die Literatur-Hausarbeit zu La vida es sueño hatte ich mir deswegen schon vor Weihnachten Literatur im Internet gesucht, mir einen Artikel aus Essen von Laura einscannen lassen und sogar ein Buch in der Uni Bib gefunden (wow).
Für Linguistik bin ich dann (wie schon vorher bei der Hausarbeit für den Masterkurs) auf die Stadtbücherei ausgewichen, die gemessen an ihrer Größe erstaunlich gut mit solchen Büchern ausgestattet ist (auch wenn das System der Signaturen völlig irreführend ist und ich erst letzte Woche die Regale mit den Romanen gefunden habe).
Ich frage mich, wie die Spanier das machen. Die müssen in jedem Kurs eine Hausarbeit schreiben und zwar zusätzlich zur Klausur. Zumindest einige. Die meisten. Und die Profs sagen, das wäre so üblich in Spanien. Da frage ich mich doch, warum manche von den Erasmus-Studenten hier an der Uni bei vier oder fünf Kursen nur zwei Hausarbeiten schreiben müssen. Oder die Lisas auch nur eine oder keine. Oder warum Cristina, aus dem Amor en la Literatura-Kurs, meinte, in Valladolid, wo sie vorher war, wäre das ganz anders.
Dann meinte ein Dozent, glaube ich, dass das mit den Hausarbeiten an Bologna läge, weil man ja alles gleich machen muss. Nur in Deutschland ist das doch nicht so. Wie wäre es, wenn man sich untereinander abspricht, wie die Struktur des Studiums aussehen soll, bevor man einem Studienabschluss einfach den gleichen Namen verpasst und so tut, als wäre das gleich drin?
Aber ich habe es geschafft, die beiden Hausarbeiten zu schreiben. Sie waren zwar kürzer als gefordert, aber ich denke, das spielt keine Rolle. ML hatte mir gesagt, ich solle es so gut machen, wie ich kann, als ich ihr mein Problem (zu wenig Zeit und zu viel zu tun) schilderte und der Prof, bei dem ich die andere Hausarbeit geschrieben habe, hatte eh keine Meinung zu der Länge. Er meinte erst, 30 Seiten, was aber wohl ein Scherz war und meinte dann, wir sollten was vorschlagen...
Entgegen meines Zeitplans war ich dann sogar schon Samstagabend mit den Hausarbeiten fertig und hatte den ganzen Sonntag, den ganzen Montag und den halben Dienstag, um für die Klausur "Análisis de textos" im Masterkurs zu lernen. Die Klausur hat mir am meisten Angst gemacht. Wir hatten das ganze Semester nur zwei Themen, von denen ich eins nicht verstanden hatte. Zumindest nicht richtig. Ich habe also meine Mitschriften und die von Diana, einer Kommilitonin, zusammengefasst. Das Gute daran, wenn man etwas nicht versteht, ist, dass die Lernzettel kürzer werden. Ich habe nämlich radikal alles rausgeschmissen, was ich nicht verstanden habe. Wenn ich mich nicht mehr auf die Textlinguistik konzentrieren konnte, habe ich Lernzettel für die Klausur zu der spanischen Literatur des 17. Jahrhunderts gemacht, die Mittwochmorgen um 10 Uhr anstand.
Die Masterkurs-Klausur war dann ganz okay. Die Spanier waren alle mindestens genauso aufgeregt wie ich und wir überlegten uns Klopfzeichen, für den Fall das wir Texte identifizeren müssten (was dann natürlich nicht dran kam). Im ersten Teil mussten wir aus sieben Konzepten drei auswählen und sie erklären. Das war sehr nett, denn ich konnte mir genau die aussuchen, zu denen ich was wusste. Im zweiten Teil mussten wir einen argumentativen Text analysieren. Da habe ich es zumindest geschafft, die Argumente rauszusuchen. Sachtexte und ich verstehen uns einfach nicht so gut. Außerdem wusste ich nicht, ob "linguistische Elemente, die die Autorin verwendet, um ihre Intention zu verdeutlichen" das gleiche wie stilistische Mittel sind. Na ja, ich hoffe, wie alle im Kurs, dass es zum bestehen gereicht hat.
Was aber lustig war: Wir sind nach der Klausur in die Cafeteria gegangen, mit dem Prof, und Diana jammerte die ganze Zeit, dass sie durch beide Klausuren durchfallen würde und dass alles so schlimm wäre. Plötzlich meinte der Prof: "Wieso glaubst du eigentlich, durch beide Klausuren durchgefallen zu sein? Eine hast du schon bestanden!" Diana ist ihm mehr oder weniger um den Hals gefallen, so glücklich war sie.
Die Literaturklausur am nächsten Tag war besser. Vor allem angesichts der Tatsache, dass ich kaum Zeit hatte, zu lernen, ist sie geradezu super gelaufen. Es kamen auf jeden Fall die Fragen an, mit denen ich etwas anfangen konnte, auch wenn ich nicht wusste, wann Lope de Vega jetzt sein Werk Arte Nuevo de hacer comedias verfasst hat... Wir mussten "Autos sacramentales" definieren (das sind Theaterstücke mit einer religiösen Aussage, die an Fronleichnam aufgeführt wurden), ein Fragment Text einem Werk zuordnen (Arte nuevo von Lope) und analysieren und zum Schluss ein Gedicht interpretieren, das wir schon im Unterricht besprochen hatten.
Vor der Klausur hatte ML die Hausarbeiten eingesammelt, was aber teilweise daran scheiterte, dass einige Studenten die Arbeit nicht ausgedruckt dabei hatten. Manchmal frage ich mich, wieso die Leute immer wieder denken, damit durchzukommen, wenn schon das ganze Semester über keine Arbeit im digitalen Zustand angenommen wurde...
Hausarbeiten ist hier eh so eine Sache... Denn die Spanier haben uns (zumindest in der Licenciatura) einiges an Hintergrundwissen voraus, aber Hausarbeiten schreiben können sie nicht. Ich wäre fast vom Stuhl gefallen, als eine Studentin im Masterkurs ernsthaft fragte, ob wir eine Bibliographie anhängen müssten.
Andrerseits, was kann man erwarten, wenn die Studenten teilweise schon vor Weihnachten drei Hausarbeiten gleichzeitig schreiben müssen und nebenbei für die Klausuren lernen? Gut Ding will Eile haben. So heißt es doch? Oder war es etwa "Weile"? Es hat mich dann doch nur ein wenig verwundert, wie die Hausarbeit einer Master-Studentin aussah: Kein Blocksatz, die Überschriften hingen sonst wo und die Studentin hatte keinen einzigen wissenschaftlichen Text zitiert!!!! Außerdem fehlte die Bibliographie (obwohl sie im Inhaltsverzeichnis angegeben war), aber ich frage mich eh, was sie da drin stehen gehabt hätte, wenn sie sich eh nicht auf irgendwelche Quellen bezieht. Wahrscheinlich stand nur der Werbetext, den sie analysiert hatte drin. Ohne angeben zu wollen, aber ich würde sagen: Kein Wunder, das der Prof beim Anblick meines Inhaltsverzeichnis begeistert war...
Aber es sind nicht nur die Hausarbeiten. Auch Referate sind hier nicht so dolle. Ich will damit nicht sagen, dass die Referate in Deutschland besser sind, ich habe schon einige miese gehört die, entweder aus mangelnder Motivation oder wegen mangelndem (technischen) Wissen, schlecht sind, aber hier habe ich das Gefühl, dass die Studenten keine Erfahrung damit haben.
Bestimmt die Hälfte der Powerpointpräsis, die ich hier gesehen habe, war nur schwer lesbar, will die entsprechende Person entweder ein wildes Hintergrundbild oder eine verschnörkelte Schrift gewählt hatte oder weil sie sich dachte, um mehr Infos auf die einzelnen Folien drauf zu kriegen, macht man am besten den Text kleiner, so dass man am Ende bei Schriftgröße 9 auskommt (ich kam mir vor wie beim Augenarzt). Bei dem Hintergrund oder der Schrift lag es wahrscheinlich daran, dass sie ihre Präsi nicht so langweilig gestalten wollten. Genauso wie eine Kommilitonin aus dem Masterkurs bei der Vorstellung ihrer Hausarbeit ein Video zeigte und zwei Witze vorlas, die zwar mit dem Thema der Hausarbeit entfernt zu tun hatten, aber nicht darin vorkamen. Bei der Studentin hatte ich sowieso schon vorher mal das Gefühl, dass bei ihr alles lustig sein muss und sie die Uni deswegen nicht so ganz ernst nimmt. Der Prof hat es meistens mit Humor genommen, aber irgendwo muss ja auch die Grenze sein und er sagte ihr nach der Präsi auch, dass die Witze und das Video dran über gewesen wären.
Na ja und dann war da eine Präsi... ähm... diese Person hatte noch nicht allzu lange mit Powerpoint gearbeitet und hatte eine Präsi gebastelt (wenn sie es denn selber war, was ich bezweifele), mit der sie nicht umgehen konnte, weil sie eine Animation darin hatte, die dafür sorgte, dass ihr Text nach wenigen Sekunden wieder aus der Folie entschwebten. Die arme Referentin stand fassungslos vor der Präsentation und konnte sich nicht vorstellen, was passierte. Deswegen gehe ich auch davon aus, dass sie die Präsentation nicht selber gemacht hat. Das war allerdings eine Erasmus-Studentin und keine Spanierin.
Erschwert wurde die Sache noch dadurch, dass die geisteswissenschaftliche Uni-Bib hier eine Katastrophe ist. Acht Regale in Billie-Größe (oder vielleicht etwas breiter), deren Bretter nicht einmal ganz voll gestellt sind, ist alles, was man für das Fach Spanische (Literatur und Linguistik) finden kann. Dementsprechend war auch nicht die Literatur, die uns der eine Prof für die Hausarbeit angegeben hatte, verfügbar. Außerdem darf man die Bücher nur eine Woche ausleihen.
Für die Literatur-Hausarbeit zu La vida es sueño hatte ich mir deswegen schon vor Weihnachten Literatur im Internet gesucht, mir einen Artikel aus Essen von Laura einscannen lassen und sogar ein Buch in der Uni Bib gefunden (wow).
Für Linguistik bin ich dann (wie schon vorher bei der Hausarbeit für den Masterkurs) auf die Stadtbücherei ausgewichen, die gemessen an ihrer Größe erstaunlich gut mit solchen Büchern ausgestattet ist (auch wenn das System der Signaturen völlig irreführend ist und ich erst letzte Woche die Regale mit den Romanen gefunden habe).
Ich frage mich, wie die Spanier das machen. Die müssen in jedem Kurs eine Hausarbeit schreiben und zwar zusätzlich zur Klausur. Zumindest einige. Die meisten. Und die Profs sagen, das wäre so üblich in Spanien. Da frage ich mich doch, warum manche von den Erasmus-Studenten hier an der Uni bei vier oder fünf Kursen nur zwei Hausarbeiten schreiben müssen. Oder die Lisas auch nur eine oder keine. Oder warum Cristina, aus dem Amor en la Literatura-Kurs, meinte, in Valladolid, wo sie vorher war, wäre das ganz anders.
Dann meinte ein Dozent, glaube ich, dass das mit den Hausarbeiten an Bologna läge, weil man ja alles gleich machen muss. Nur in Deutschland ist das doch nicht so. Wie wäre es, wenn man sich untereinander abspricht, wie die Struktur des Studiums aussehen soll, bevor man einem Studienabschluss einfach den gleichen Namen verpasst und so tut, als wäre das gleich drin?
Aber ich habe es geschafft, die beiden Hausarbeiten zu schreiben. Sie waren zwar kürzer als gefordert, aber ich denke, das spielt keine Rolle. ML hatte mir gesagt, ich solle es so gut machen, wie ich kann, als ich ihr mein Problem (zu wenig Zeit und zu viel zu tun) schilderte und der Prof, bei dem ich die andere Hausarbeit geschrieben habe, hatte eh keine Meinung zu der Länge. Er meinte erst, 30 Seiten, was aber wohl ein Scherz war und meinte dann, wir sollten was vorschlagen...
Entgegen meines Zeitplans war ich dann sogar schon Samstagabend mit den Hausarbeiten fertig und hatte den ganzen Sonntag, den ganzen Montag und den halben Dienstag, um für die Klausur "Análisis de textos" im Masterkurs zu lernen. Die Klausur hat mir am meisten Angst gemacht. Wir hatten das ganze Semester nur zwei Themen, von denen ich eins nicht verstanden hatte. Zumindest nicht richtig. Ich habe also meine Mitschriften und die von Diana, einer Kommilitonin, zusammengefasst. Das Gute daran, wenn man etwas nicht versteht, ist, dass die Lernzettel kürzer werden. Ich habe nämlich radikal alles rausgeschmissen, was ich nicht verstanden habe. Wenn ich mich nicht mehr auf die Textlinguistik konzentrieren konnte, habe ich Lernzettel für die Klausur zu der spanischen Literatur des 17. Jahrhunderts gemacht, die Mittwochmorgen um 10 Uhr anstand.
Die Masterkurs-Klausur war dann ganz okay. Die Spanier waren alle mindestens genauso aufgeregt wie ich und wir überlegten uns Klopfzeichen, für den Fall das wir Texte identifizeren müssten (was dann natürlich nicht dran kam). Im ersten Teil mussten wir aus sieben Konzepten drei auswählen und sie erklären. Das war sehr nett, denn ich konnte mir genau die aussuchen, zu denen ich was wusste. Im zweiten Teil mussten wir einen argumentativen Text analysieren. Da habe ich es zumindest geschafft, die Argumente rauszusuchen. Sachtexte und ich verstehen uns einfach nicht so gut. Außerdem wusste ich nicht, ob "linguistische Elemente, die die Autorin verwendet, um ihre Intention zu verdeutlichen" das gleiche wie stilistische Mittel sind. Na ja, ich hoffe, wie alle im Kurs, dass es zum bestehen gereicht hat.
Was aber lustig war: Wir sind nach der Klausur in die Cafeteria gegangen, mit dem Prof, und Diana jammerte die ganze Zeit, dass sie durch beide Klausuren durchfallen würde und dass alles so schlimm wäre. Plötzlich meinte der Prof: "Wieso glaubst du eigentlich, durch beide Klausuren durchgefallen zu sein? Eine hast du schon bestanden!" Diana ist ihm mehr oder weniger um den Hals gefallen, so glücklich war sie.
Die Literaturklausur am nächsten Tag war besser. Vor allem angesichts der Tatsache, dass ich kaum Zeit hatte, zu lernen, ist sie geradezu super gelaufen. Es kamen auf jeden Fall die Fragen an, mit denen ich etwas anfangen konnte, auch wenn ich nicht wusste, wann Lope de Vega jetzt sein Werk Arte Nuevo de hacer comedias verfasst hat... Wir mussten "Autos sacramentales" definieren (das sind Theaterstücke mit einer religiösen Aussage, die an Fronleichnam aufgeführt wurden), ein Fragment Text einem Werk zuordnen (Arte nuevo von Lope) und analysieren und zum Schluss ein Gedicht interpretieren, das wir schon im Unterricht besprochen hatten.
Vor der Klausur hatte ML die Hausarbeiten eingesammelt, was aber teilweise daran scheiterte, dass einige Studenten die Arbeit nicht ausgedruckt dabei hatten. Manchmal frage ich mich, wieso die Leute immer wieder denken, damit durchzukommen, wenn schon das ganze Semester über keine Arbeit im digitalen Zustand angenommen wurde...
Hausarbeiten ist hier eh so eine Sache... Denn die Spanier haben uns (zumindest in der Licenciatura) einiges an Hintergrundwissen voraus, aber Hausarbeiten schreiben können sie nicht. Ich wäre fast vom Stuhl gefallen, als eine Studentin im Masterkurs ernsthaft fragte, ob wir eine Bibliographie anhängen müssten.
Andrerseits, was kann man erwarten, wenn die Studenten teilweise schon vor Weihnachten drei Hausarbeiten gleichzeitig schreiben müssen und nebenbei für die Klausuren lernen? Gut Ding will Eile haben. So heißt es doch? Oder war es etwa "Weile"? Es hat mich dann doch nur ein wenig verwundert, wie die Hausarbeit einer Master-Studentin aussah: Kein Blocksatz, die Überschriften hingen sonst wo und die Studentin hatte keinen einzigen wissenschaftlichen Text zitiert!!!! Außerdem fehlte die Bibliographie (obwohl sie im Inhaltsverzeichnis angegeben war), aber ich frage mich eh, was sie da drin stehen gehabt hätte, wenn sie sich eh nicht auf irgendwelche Quellen bezieht. Wahrscheinlich stand nur der Werbetext, den sie analysiert hatte drin. Ohne angeben zu wollen, aber ich würde sagen: Kein Wunder, das der Prof beim Anblick meines Inhaltsverzeichnis begeistert war...
Aber es sind nicht nur die Hausarbeiten. Auch Referate sind hier nicht so dolle. Ich will damit nicht sagen, dass die Referate in Deutschland besser sind, ich habe schon einige miese gehört die, entweder aus mangelnder Motivation oder wegen mangelndem (technischen) Wissen, schlecht sind, aber hier habe ich das Gefühl, dass die Studenten keine Erfahrung damit haben.
Bestimmt die Hälfte der Powerpointpräsis, die ich hier gesehen habe, war nur schwer lesbar, will die entsprechende Person entweder ein wildes Hintergrundbild oder eine verschnörkelte Schrift gewählt hatte oder weil sie sich dachte, um mehr Infos auf die einzelnen Folien drauf zu kriegen, macht man am besten den Text kleiner, so dass man am Ende bei Schriftgröße 9 auskommt (ich kam mir vor wie beim Augenarzt). Bei dem Hintergrund oder der Schrift lag es wahrscheinlich daran, dass sie ihre Präsi nicht so langweilig gestalten wollten. Genauso wie eine Kommilitonin aus dem Masterkurs bei der Vorstellung ihrer Hausarbeit ein Video zeigte und zwei Witze vorlas, die zwar mit dem Thema der Hausarbeit entfernt zu tun hatten, aber nicht darin vorkamen. Bei der Studentin hatte ich sowieso schon vorher mal das Gefühl, dass bei ihr alles lustig sein muss und sie die Uni deswegen nicht so ganz ernst nimmt. Der Prof hat es meistens mit Humor genommen, aber irgendwo muss ja auch die Grenze sein und er sagte ihr nach der Präsi auch, dass die Witze und das Video dran über gewesen wären.
Na ja und dann war da eine Präsi... ähm... diese Person hatte noch nicht allzu lange mit Powerpoint gearbeitet und hatte eine Präsi gebastelt (wenn sie es denn selber war, was ich bezweifele), mit der sie nicht umgehen konnte, weil sie eine Animation darin hatte, die dafür sorgte, dass ihr Text nach wenigen Sekunden wieder aus der Folie entschwebten. Die arme Referentin stand fassungslos vor der Präsentation und konnte sich nicht vorstellen, was passierte. Deswegen gehe ich auch davon aus, dass sie die Präsentation nicht selber gemacht hat. Das war allerdings eine Erasmus-Studentin und keine Spanierin.
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